Liberalkonservative Offensive Neoliberal? Egal!
 
Der dressierte Mann

Liberalkonservative Offensive

Initiative für eine deutsche Tea-Party-Bewegung

Thomas Rettig: Karriereleiter oder Hamsterrad? Manifest für eine bürgerliche Revolution - Wider den Wohlfahrtsstaat; Norderstedt 2013

... man könnte sie in Europa auch Tear-Down-The-Wall-Bewegung nennen oder in Erinnerung an Steve Jobs: stay hungry! Oder wie wär's mit: Open-Your-Mind-Bewegung? (Hauptsache englisch ;) In puncto Transparenz und Lockerheit sollten wir von den 'Piraten' lernen! Genau wie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der meist im Kapuzen-Shirt statt mit Schlips und Kragen auftritt. Wir sind für eine gewaltlose bürgerliche Revolution in Deutschland, in Europa (siehe auch Tea-Party Karlsruhe).

"Nur in der Freiheit gedeiht die Liebe und ihr Werk" (Johann Hinrich Wichern, 1808-1881, Pädagoge, Sozialreformer, Begründer der Inneren Mission in der Evangelischen Kirche).

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Vorwort

liberalkonservative.de ist das Plädoyer für eine Partei der Freiheit, der freien Marktwirtschaft, eines schlanken und effizienten Staats, der Eigenverantwortlichkeit in der Gemeinschaft und der Besinnung auf Institutionen wie Ehe, Familie und Verwandtschaft. Gerade Menschen, die dem Leistungsdruck besonders intensiv ausgesetzt sind, brauchen die traditionelle Familie: Als Sinnstifter, als behütetes Nest, in dem der Nachwuchs langsam für die Wettbewerbsgesellschaft fit gemacht wird, als Basislager zur emotionalen Stabilisierung, um den Akku wieder aufzuladen. Gesellschaften mit einer wettbewerbsorientierten Wirtschaft sind besonders stark auf ein klar umrissenes Wertesystem angewiesen. Die beiden wichtigsten Wirtschaftsräume, der amerikanische und der asiatische, sind maßgeblich vom Christentum bzw. vom Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus geprägt. Mit Europa, dem ehemals weltbeherrschenden Kontinent, geht es in dem Maße bergab, in dem wir uns seit dem vergangenen Jahrhundert von Christenmenschen in der Marktwirtschaft zu Gutmenschen im sozialstaatlichen Kollektivismus zurückentwickelt haben. Landläufig werden die USA als kapitalistischen Gegenpol gesehen, doch die Vereinigten Staaten haben sich ebenfalls in Richtung Sozialstaat entwickelt, nur 50 Jahre später als Deutschland (siehe: Zur Psychologie des Antikapitalismus).

In Kombination mit dem Feminismus bewirkt der Wohlfahrtsstaat mit seinen Rechtsansprüchen auf staatliche Leistungen und Unterhaltszahlungen eine allmähliche Auflösung der einstmals engen Familienbande. Die Verwandtschaft spielt eine immer geringere Rolle im Leben des Wohlstandsbürgers. Ehe und Familie werden am wirksamsten gefördert, wenn sie wieder die Entscheidungsgewalt als wichtigste Institutionen des sozialen Ausgleichs zurück erhalten. Sie sind der Königsweg zu einer nachhaltigen gesellschaftlichen Solidarität und Sozialpolitik. So sollte zum Beispiel im Falle einer Scheidung nicht der Staat, sondern der Familienrat (also die Beteiligten selbst mit Hilfe ihres sozialen Umfelds) über das Sorgerecht und Unterhaltsregelungen befinden, so wie es noch bis ins 20. Jahrhundert der Fall war. Daneben kann ein Ehevertrag geschlossen werden. Die Gerichte sollten sich nur in sehr strittigen Fällen mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht und Fragen des Unterhalts befassen. Und auch dann darf der staatliche Zwang nicht so weit gehen, dass Väter, die keinen Unterhalt bezahlen, im Gefängnis landen! Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass immer weniger Familien gegründet werden, wenn die Männer für ihre Beteiligung bei der Zeugung von Kindern insbesondere im Scheidungsfall mit jahrzehntelangen Zwangszahlungen bestraft werden. Die bürgerliche Familie stellt das Rückgrat unserer Gesellschaft und Werteordnung dar und kann, wenn sie ihre Entscheidungskompetenzen wieder zurück erhält, vor allem auch Väter vor Entrechtung und Ausgrenzung schützen.

So wie jetzt kann es jedenfalls nicht weitergehen, nicht nur weil der Sozialstaat eine dramatische Überalterung, Schrumpfung und Verdummung der Bevölkerung verursacht und damit seine und unsere Lebensgrundlagen zerstört. Sondern auch deswegen, weil er die Mitmenschlichkeit zur Aufgabe staatlicher und halbstaatlicher Stellen machte und sie damit ad absurdum führte. Mein Facebook-Freund Michael Auksutat hat es am 9. April 2012 so formuliert: "Solidarität ist, wenn man aufeinander zählen kann, und nicht, wenn man füreinander zahlen muss". Ähnliches hatte vielleicht auch der katholische Priester und Sozialreformer Adolph Kolping (1813 – 1865) im Sinn gehabt, als er einmal äußerte: "Aller moralischer Wert liegt in der Freiheit" (so die Inschrift eines Brunnens am Kolpingplatz Karlsruhe). Und Straßenmusiker aus aller Welt dachten wohl ebenfalls an direkte Hilfsbereitschaft und freiwillige Nächstenliebe und nicht an den Sozialstaat, als sie für ein gemeinsames Video Stand by Me von Ben E. King interpretierten ('Stand by Me' performed by musicians around the world).

Neoliberale und wertkonservative Ideen sind kein Widerspruch, sie ergänzen und bedingen sich sogar. Die Wirtschaft sollte rund laufen, die Gesellschaft aber nicht hohldrehen! Deswegen plädiere ich dafür, den christlichen Glauben wieder neu als Heimathafen anzusehen und dort regelmäßig vor Anker zu gehen, um Schutz vor gefährlichen Strudeln und Abwärtsspiralen zu suchen. Freiwillig natürlich, und jeder für sich. Traurig aber wahr: Wenn ich für eine Rückbesinnung auf christliche Werte eintrete, muss ich meist gleich beteuern, dass ich keinen Gottesstaat befürworte, sondern im Gegenteil eine vollständige Trennung von Staat und Kirche. Verkehrte Welt: Während sich die Kritiker des Christentums bequem im Mainstream treiben lassen können, werden die Kritiker des Islam als Rechtspopulisten gebrandmarkt. Aber das kennen wir ja vom Kulturrelativismus der Linken, dem alles heilig ist, nur nicht die eigene Herkunft. Unsere eigene Kultur soll ersetzt werden, sagen die Wohlwollenden. Aber durch was?

Was heißt eigentlich konservativ? Ich schließe mich der Definition des deutsch-amerikanischen Sozialphilosophen Hans-Hermann Hoppe an: "Die meisten Konservativen sind besorgt, und das mit Recht, über den Zerfall der Familie, die Scheidungen, die unehelichen Kinder, den Verlust der Autorität, den Multikulturalismus, die alternativen Lebensstile, die soziale Auflösung, den Sex und die Kriminalität. Alle diese Phänomene repräsentieren Anomalien und skandalöse Abweichungen von der natürlichen Ordnung. Ein Konservativer muss sich in der Tat gegen all diese Entwicklungen stellen und versuchen, Normalität wiederherzustellen. Die meisten zeitgenössischen Konservativen jedoch (zumindest die meisten Sprecher des konservativen Establishments) erkennen entweder nicht, dass ihr Ziel der Wiederherstellung der Normalität die drastischsten, sogar revolutionären, antistaatlichen sozialen Veränderungen notwendig macht, oder sie sind (wenn sie es wissen) als Mitglieder der 'fünften Kolonne' damit beschäftigt, den Konservativismus von innen zu zerstören (und müssen daher als bösartig betrachtet werden). Dass dies für die sogenannten Neokonservativen zutrifft, bedarf hier keiner weiteren Erläuterung" (Demokratie - der Gott, der keiner ist; Seite 358). Konservative Politik heißt, dass sich der Staat prinzipiell nicht in Familienangelegenheiten einmischt, und dass die zwischenmenschliche Solidarität überwiegend Aufgabe der Familie oder anderer lokaler Gemeinschaften ist.

Spätestens seit Thilo Sarrazin gehört die schleichende Islamisierung vor dem Hintergrund des demographischen Niedergangs Europas zu meinen Themen. Bin ich fremdenfeindlich, weil ich mich gegen Einwanderungsprämien ausspreche? In der Wirtschaftspolitik ist mir die FDP zu wenig libertär, gesellschaftspolitisch ist sie mir zu liberal bzw. progressiv. Zum Beispiel auch beim Datenschutz, der teilweise zum Täterschutz verkommen ist. Die Rechtsstaatlichkeit und das Denken in Rechtsansprüchen dürfen nicht bis zum Exzess getrieben werden, denn das langfristige Gemeinwohl ist wichtiger als die Partikularinteressen Einzelner. Solche Überlegungen dürfen jedoch nur zu einer Einschränkung der Ansprüche in puncto materieller Versorgung und Gesundheitsschutz (z.B. Lärmschutz) führen, nicht zu einer Einschränkung der Freiheitsrechte!

Denn der Publizist Carlos A. Gebauer hat darin auch wieder Recht, dass das Gemeinwohl immer häufiger für eine Einschränkung bürgerlicher Freiheiten herhalten muss: "In Deutschland kann heute praktisch jedes Grundrecht in seiner Wirksamkeit auf null reduziert werden. Auch das der elterlichen Erziehungsrechte (und -pflichten). Denn in unserer Verfassungsrhetorik haben wir uns tragischer Weise angewöhnt, den sogenannten 'überragenden Interessen des Allgemeinwohls' den Vorrang vor allem anderen einzuräumen. Wer diese 'überragenden Allgemeinwohlinteressen' irgendwie populär definieren kann, kann alles durchsetzen. Der Trick ist immer derselbe: Man muss nur etwas finden, gegen das scheinbar niemand billigerweise etwas entgegnen kann. Dann rechtfertigt der Kampf gegen den Hunger in der Welt alle Militäreinsätze, der Kampf gegen den Terror jede Beschränkung der Persönlichkeitsrechte, der Kampf gegen Diskriminierung jeden Eingriff in private Entscheidungsfreiheiten, der Kampf gegen die Gier jede geldpolitische Maßnahme und zuletzt der Großeinsatz für das Weltklima jede Bewegungseinschränkung. Jeder, der leise Zweifel anmeldet, ist gleich Menschenverächter, Terrorunterstützer, Rassist, Drogenbaron und Geldwäscher oder Ökosau" (FreieWelt.net 21.09.2009). Gebauer war es auch, der einmal sagte: "Erstens: Ich habe nichts gegen Sozialismus, solange nur die Teilnahme daran freiwillig bleibt. Und zweitens: Ich habe nichts gegen staatliche Planung, solange der Planende allwissend ist" (eigentümlich frei vom 05. Juli 2008).

Seit 15. April 2011 bin ich für den Austritt Deutschlands aus der Eurozone! Immer deutlicher wird, dass die anhaltende Schuldenkrise in den USA und in Europa eine Folge des Staatsgeldsystems der Zentralbanken ist. Diese versuchen mit immer neuen Geldmengenausweitungen die Volkswirtschaften anzukurbeln oder sie vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Erreicht werden damit nur kurzfristige Scheinbesserungen, während die Staatsverschuldung in schwindelerregende Höhen getrieben wird. Durch die Niedrigzinspolitik und das billige Geld entstehen neue Spekulationsblasen, die mit ihrem Platzen wieder neue Wirtschaftskrisen verursachen. Nicht die Geschäftsbanken, sondern die staatlichen Notenbanken gehören entmachtet! Wir sollten ihnen das Geld- bzw. Währungsmonopol und die Möglichkeit der Geldmengensteuerung weitgehend entziehen. Keine exzessive Geldschöpfung mehr aus dem Nichts! Die Geldmenge und der Zinssatz für die Staatsverschuldung müssen wieder den Gesetzen des Marktes unterworfen sein, in die unter anderem eine natürliche Schuldenbremse eingebaut ist. Zu überlegen wäre, ob man nicht wieder zum Goldstandard zurückkehren könnte, damit das Papiergeld zumindest zu einem Teil durch Gold gedeckt ist.

 

Für die freie Marktwirtschaft

Die liberalkonservative Offensive ist wirtschaftsliberal und wertkonservativ, also konservativ aber nicht bigott oder spießig, traditionsbewusst aber nicht kleingeistig. Sie ist keineswegs rückwärtsgewandt, aber auch nicht geschichtsvergessen. Konservativ heißt nicht das aktuell Bestehende bewahren zu wollen, sondern einzig und allein durch einen Rückzug des Staats auf seine Kernkompetenzen (also völlig ohne staatlichen Zwang) die in Jahrtausenden entstandenen gesellschaftlichen Werte zu neuem Leben zu erwecken: Die Eigeninitiative, die eheliche Treue, die bürgerliche Familie, der Zusammenhalt von Verwandtschaft, Nachbarschaft, die Heimatverbundenheit, den Glauben an Gott als dem Schöpfer. Bewahren sollten wir außerdem die Demokratie, die Menschenrechte und die eigentliche konstruktive Aufklärung als, wie Immanuel Kant sagte, der "Ausgang des Menschen von seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit".

Linke und Liberale sind sich oftmals darin einig, dass der Rückzug des Christentums aus den europäischen Gesellschaften positive Wirkungen hatte. In Wirklichkeit war die Entwicklung hin zum Wohlfahrtsstaat die direkte Folge. Gleichzeitig trägt umgekehrt der Wohlfahrtsstaat zur Marginalisierung des christlichen Glaubens bei, es gibt hier wie so oft eine Wechselwirkung. Sozialismus und Feminismus drängten sich als Ersatzreligionen förmlich auf, nicht zuletzt, weil sich der Staat beginnend mit den 1970er Jahren überall in Europa (später auch in den USA) bis zum Geht-nicht-mehr verschuldete, um Privilegien, Staatsknete und andere Wahlgeschenke unter die Leute zu streuen. Da kam Freude auf, die allerdings in den Südländern der Eurozone bereits in Katzenjammer umgeschlagen ist, weil der Staat pleite ist und die Vergünstigungen jetzt wieder einkassieren muss. Aber keine Überheblichkeit bitte, die Nehmerländer des Euro-Gebiets sind uns nur ein oder zwei Schritte voraus.

Dass der Zentralstaat mittlerweile für alle Lebenslagen seiner Schutzbefohlenen Fürsorgesysteme bereithält, lässt die Beziehungen innerhalb der tradierten gesellschaftlichen Subsysteme wie die auf lebenslange Dauer angelegte Ehe, die Familie, die Sippe und die Dorfgemeinschaft zusehends verkümmern. Die direkte zwischenmenschliche Solidarität löst sich auf, da sie kaum noch gebraucht wird. Sie bildet sich zurück wie Muskeln, Knochen und Sehnen, die nicht mehr belastet werden. Atheisten zitieren des Öfteren Karl Marx, der behauptete, Religion sei 'Opium des Volkes'. Mit Verlaub, das ist Bullshit. Opium des Volkes sind Verhaltensweisen, die mit dem christlichen Glauben nichts, aber auch gar nichts zu tun haben: Fernsehen und Filme gucken bis der Arzt kommt, Computerspiele bis zur Persönlichkeitsspaltung, Alkohol- und Drogenkonsum, Medikamentenmissbrauch, Rauchen, Herumhuren und Essen ohne Maß. Zum Opium des Volkes gehören ferner Zusammenrottungen, Gewaltexzesse und immer mehr lebensgefährliche Adrenalinjunkie-Sportarten bei den Männern.

Bei den Frauen ist es mehr das tägliche Shoppen, exzessives Lesen von Frauenliteratur und Frauenzeitschriften, der Körperkult inklusive Bulimie und Magersucht und überhaupt eine völlig übertriebene narzisstische Ich-Inszenierung. Dies sind Symptome einer Gesellschaft, die sich im Todeskampf befindet, weil sie mehrheitlich den christlichen Glauben über Bord geworfen hat. Stattdessen huldigt sie nun dem Götzen Wohlfahrtsstaat, der uns den leistungslosen Konsumrausch als Menschenrecht verkauft. Der evangelische Prediger Axel Kühner kommentiert: "Wir trinken nicht den Wein der Freude, wir amüsieren uns lieber zu Tode. Wir nehmen das Opfer Jesu nicht an, wir opfern unser Leben aber den Göttern von Ansehen und Wohlstand. Wir lassen uns nicht erlösen und bleiben lieber Sklaven unserer eigenen Süchte" (Zuversicht für jeden Tag; Aussaat Verlag; 24. April).

Das Links-Rechts-Schema ist auf die hoffentlich entstehende Bewegung nur bedingt anzuwenden, zum Beispiel weil sie staatlich aufgezwungene Unterhaltszahlungen (an die 'Ex' und an die Kinder) ablehnt - ein Standpunkt, der selbst bei konservativen Männern zunächst einmal Empörung auslöst. Außerdem weil sie die Konsumgesellschaft und das Statusdenken infrage stellt. Und weil sie aus sozialen Gründen für den radikalen Abbau der Einstiegshürden ins Arbeitsleben eintritt: Die vom Staat und vom Lohnkartell der Gewerkschaften erzwungene soziale Sicherheit für Arbeitsplatzbesitzer ist gleichbedeutend mit der Ausgrenzung aus der Berufswelt für die Einsteiger! Die Mauern, die Menschen den Berufseinstieg oder Wiedereinstieg erschweren, müssen fallen. Tear Down The Wall!

Ich würde die Staatsbürger nicht zu irgendetwas zwingen, sondern nur den Staat auf ein sozialverträgliches und langfristig finanzierbares Maß zurückfahren. Dann würden dezentrale Solidarsysteme wie Ehe, Familie, Verwandtschaft und Nachbarschaft ganz von selbst zu neuen Ehren kommen und in Anspruch genommen werden. Wir Europäer bekommen dann wieder mehr Kinder, wenn wir auf staatliche Steuerung und Bevormundung wie Steuervorteile für kinderlose Doppelverdiener, Frauenförderung oder Frauenquote verzichten. Kein Wunder, dass die Geburtenzahlen so niedrig sind, denn wir erschweren immer mehr Männern die Teilhabe am Berufsleben sowie die weitere berufliche Entwicklung und verweigern sie ihnen vielfach ganz! Zunehmend mehr Männer entwickeln sich daher zu verhinderten Familiengründern. Das ist fatal, denn ungeachtet aller Emanzipations-Rhetorik ist und bleibt im Normalfall das Einkommen des Mannes die wirtschaftliche Basis einer Familie.

In Abgrenzung zur FDP plädiere ich trotz aller Liberalität für eine stärkere Präsenz und Entschlossenheit des Staates zum Schutz vor Kriminalität, Terrorismus und anderen Bedrohungen der Freiheit, der öffentlichen Ordnung und Gesundheit. Den Anarcho-Libertären, also den Wirtschaftsliberalen, die den Staat abschaffen wollen, ins Stammbuch: Anarchie kann es im Grunde nicht geben. Denn wenn das Gewaltmonopol des Staates fällt, dann über nimmt die Organisierte Kriminalität die Macht. Dann haben die Mafia-Clans und die Warlords das Sagen, und das bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit Willkür und Despotismus. Das Leben eines Menschen ist unter solchen Bedingungen keinen Pfifferling wert, die Menschenrechte werden mit Füßen getreten.

Ein Facebook-Freund antwortete mir auf dieses Argument: "Frei zu sein bedeutet eben nicht keine Regeln zu haben, sondern sich diese selbst zu setzen". Dazu sage ich: Wenn sich jeder seine Regeln selbst zusammenschustert, dann herrscht im Endeffekt das Recht des Stärkeren. Der Sinn einer Regel ist ja, dass sie für mehrere, oft sogar für alle Menschen gilt! Im Laufe von Jahrtausenden der Kulturentwicklung hat sich aus dieser Erkenntnis heraus der demokratische Rechtsstaat gebildet, der das Gewaltmonopol innehat und damit für Recht und Sicherheit sorgt. Nur weil in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Staaten Europas in den Kollektivismus abdrifteten, dürfen wir diese Errungenschaft nicht über Bord schmeißen! Das wäre das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Das wäre ein Rückfall in die Barbarei. Insofern erinnern die Ideen von Anarchokapitalisten fatal an das Utopia der Marxisten. Nein, ich bleibe dabei: Es geht nicht ohne Staat. Er sollte aber schlank und stark sein und nicht fett und unbeweglich. Man braucht zumindest einen Nachtwächterstaat. Äußere und innere Sicherheit sowie das Grenzregime und die Justiz zu privatisieren, das halte ich für unrealistisch. Und die Grenzen für alle zu öffnen, da bin ich strikt dagegen. Da werden wir überrannt, das gibt Mord und Totschlag!

Eine gut funktionierende Wirtschaft braucht als Rahmen neben einer intakten Gesellschaft einen rationalen Staat. Dieser garantiert innere und äußere Sicherheit und Rechtssicherheit, regelt die Zuwanderung, stellt Straßen, eine Wasserversorgung und andere Infrastruktur-Einrichtungen bereit und hat eine unbestechliche Verwaltung inklusive Grundbuchamt bzw. Katasterwesen - nur um ein paar Beispiele zu nennen. Darauf wies nicht zuletzt Friedrich August von Hayek hin, einer der wichtigsten Denker der libertären 'Österreichischen Schule der Nationalökonomie': "Der Liberalismus lehrt nicht, daß wir die Dinge sich selber überlassen sollen. Er beruht auf der Überzeugung, daß dort, wo ein echter Leistungswettbewerb möglich ist, diese Methode der Wirtschaftssteuerung jeder anderen überlegen ist. Er leugnet nicht, sondern legt sogar besonderen Nachdruck darauf, daß ein sorgfältig durchdachter Rahmen die Vorbedingung für ein ersprießliches Funktionieren der Konkurrenz ist und daß sowohl die jetzigen wie die früheren Rechtsnormen von Vollkommenheit weit entfernt sind" (Der Weg zur Knechtschaft; 1944, S.?58).

Wer den Staat auf Normalmaß zurechtstutzen will, der ist eigentlich ein Konservativer, wenn er das völlige Chaos vermeiden will. Denn er hilft den historisch über viele Zeitalter gewachsenen Solidarsystemen wie der Familie, einer stabilen Ehe, der Verwandtschaft, der guten Nachbarschaft und der Gemeindezugehörigkeit zu neuen Ehren. Wenn der Wohlfahrtsstaat endgültig entzaubert ist (und das kann nicht mehr lange dauern), dann bekommen diese tradierten Institutionen ihre Kompetenzen wieder zurück. Und nach einer Zeit der Heilung wird jeder sehen, dass sie nicht nur nachhaltig funktionieren, sondern auf Grund ihrer dezentralen Organisationsform auch in aller Regel dem Einzelnen gerecht werden, ohne ihm seine Würde zu nehmen. Wenn man so will: Auch in Sachen Mitmenschlichkeit ist 'Lean Management' statt übertriebenes Hierarchiedenken und Zentralismus angesagt.

Die abendländische Kultur ist kein Steinbruch, darauf bestand übrigens auch Hayek. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung sowie die Institutionen Familie und Ehe sind seiner Ansicht nach integrale Bestandteile eines durch 'Trial and Error' entstandenes Gesellschaftssystems, das unser Überleben sichert. Der Staat und seine Akteure müssen sich daher vor Fortschrittsglauben und Übereifer hüten. Bereits der schottische Philosoph David Hume (1711 bis 1776) habe erkannt, dass Planungsbehörden niemals in der Lage seien, "alle Einzelheiten der komplexen menschlichen Gesellschaft zu verstehen". Deswegen seien sie selbst demokratisch gewählte Regierungen damit überfordert, eine wirklich tragende neue Moral einzuführen. Anstatt alles bis ins Detail vorzuschreiben, solle der Staat das traditionelle Kultursystem respektieren und sich damit begnügen, im Einklang mit diesem allgemeine und abstrakte Regeln in Form einer Rahmengesetzgebung zu haben. Hayek war Sozialwissenschaftler genug, um zu wissen "dass keine einzelne menschliche Intelligenz dazu fähig ist, die geeignetsten abstrakten Regeln zu erfinden, weil jene, die sich allmählich im Prozeß des Wachstums der Gesellschaft herausgebildet haben, die Erfahrung von weit mehr Versuchen und Irrtümern verkörpern als irgendeine einzelne Intelligenz sie erwerben könnte" (Wirtschaftstheorie und Wissen; Tübingen 2007; Seite 78 - zitiert aus: Hayek Lesebuch; Tübingen 2011, Seite XX).

Dass die Menschen die gesellschaftlichen Normen und Regeln befolgen, selbst wenn sie diese nicht verstehen, macht also durchaus Sinn! Sie wurden immer wieder modifiziert und haben sich im Laufe der Jahrhunderte ganz einfach bewährt. Hayek erklärt, dass solche Regeln durch die evolutionären Prinzipien von Variation und Selektion entstehen: "Wie alle Vielzweckwerkzeuge sind uns Regeln dienlich, weil sie an die Lösung wiederkehrender Probleme angepasst wurden und dadurch den Mitgliedern der Gesellschaft, in der sie gelten, die wirksamere Verfolgung ihrer Ziele erlauben. Wie ein Messer oder ein Hammer wurden sie nicht für einen einzelnen Zweck gestaltet, sondern weil sie sich in dieser Form besser als in einer anderen in den unterschiedlichsten Situationen als nützlich erwiesen haben. Sie wurden … in einem Evolutionsprozeß ausgewählt" (Recht, Gesetz und Freiheit; Tübingen 2003; Seite 171).

Übrigens hatte selbst Friedrich Nietzsche, der die 'Umwertung aller Werte' propagierte, auf der anderen Seite durchaus Respekt vor dem überlieferten Wertesystem. Axel Grube betont in seinem Hörbuch Nietzsche verstehen: "So forderte er etwa, in einem Brief an Peter Gast, 'alles Christliche durch ein Überchristliches zu überwinden, nicht nur von sich abzutun'. Und weiter: 'Wir haben als hohes Resultat der bisherigen Menschheit den moralischen Sinn. Denken wir nicht gering von dem, was ein paar Jahrtausende Moral unserem Geiste angezüchtet haben. Eine Art Erbreichtum an Moralität wird vorausgesetzt, gerade bei den neu schaffenden. Wir wollen Erben sein aller bisherigen Moralität und nicht von neuem anfangen. Unser ganzes Tun ist nur Moralität, welche sich gegen ihre bisherige Form wendet'" (Track 7).

Seit ein paar Jahrzehnten aber vertrauen wir uns der Führung von linken und frauenbewegten Weltverbesserern an, stellen die Rollen von Mann und Frau grundsätzlich in Frage und unterlaufen gerade mit der Familienpolitik per Staatsknete die in Jahrtausenden entstanden Grundwerte einer möglichst lebenslangen ehelichen Treue und des Zusammenhalts in der Familie. Wir bezahlen dies mit einer Fülle von Problemen, von der Verdummung und Verwahrlosung der Kinder, über die steigende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, die seelische Verelendung der Langzeitarbeitslosen, Mütter und Väter, die aufgrund von Trennung und Scheidung in eine Sinnkrise stürzen, Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Missbrauch bis zur hoffnungslosen Überalterung der Gesellschaft. Linkspopulisten machen den Kapitalismus und die klaffende Einkommensschere für den gesellschaftlichen Niedergang verantwortlich. Doch das ist abwegig. Die psychische und physische Verelendung des drogensüchtigen Milliardär-Ehepaares Eva und Hans Kristian Rausing beweisen, dass auch Reichtum, Universitätsabschlüsse und höchster gesellschaftlicher Status einen Menschen nicht vor dem Absturz bewahren können (Welt vom 14.07.12). Die vierfache Mutter starb Anfang Juli 2012 in der gemeinsamen Residenz im schicken Londoner Stadtteil Belgravia, möglicherweise an einer Überdosis Crack. Ihr Mann wurde unter Mordverdacht verhaftet, er hatte schon ein paar Tage neben seiner toten Frau gelebt, ach was, dahinvegetiert!

Es ist zu hoffen, dass nach dem zu erwartenden Kollaps der europäischen Staaten eine Mehrheit zur Erkenntnis gelangt, dass es ein Fehler war, den christlichen Glauben und die auf im beruhende bürgerliche Familie zu verwerfen. Das Christentum hatte sich nämlich (anders als der Islam) trotz aller Verirrungen nicht in erster Linie mit Gewalt auf dem ganzen Erdball ausgebreitet, sondern weil christliche Gesellschaften anderen wirtschaftlich und technologisch überlegen waren! Der Grund ist die christliche Ethik sowie ein dem menschlichen Maß angepasstes Regelwerk, zu dem übrigens auch der Respekt des Staates vor dem Streben der Menschen nach Glück, Wohlstand und Eigentum (genannt: Marktwirtschaft) gehört. Die Marktwirtschaft ist keine Ideologie, auch kein übergestülptes System, wie sie sogar von vielen ihrer Befürworter gesehen wird, sondern ein universelles soziales Phänomen, das zu allen Zeiten zur Vermehrung des Wohlstand beigetragen hat, wenn es der Staat nicht konterkarierte oder unterband. Markt und Handel sind die friedlichen Alternativen zu Krieg und Raub. Sie liefern daher einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung und zur Herausbildung des kosmopolitischen Denkens.

Von der inneren und äußeren Sicherheit abgesehen, zieht sich die Forderung nach weniger Staat als roter Faden durch meine Argumentation. Wir werden erst wieder ein uneingeschränktes Ja zum Leben einschließlich aller Herausforderungen suchen und finden, wenn der Staat sein Helfersyndrom überwunden hat! Seit der Schuldenkrise in den USA und in Europa ist offensichtlich, dass er jetzt auch noch unter Burnout leidet. Mutti muss in Kur! Zur Therapie brauchen wir drei Dinge: 1) Weniger Staat in der Europäischen Union und bei der EZB. 2) Weniger Staat in der Wirtschaft. 3) Weniger Staat in privaten Angelegenheiten wie der Familie und dem Einkommen der Staatsbürger. Wirtschaftsliberale Politik gab es in Deutschland zuletzt in den 60er Jahren. Gemessen an heute hatten wir damals keine Probleme.

Unser Wahlspruch: Beten und arbeiten, Tea-Partys veranstalten (seit Dezember 2010; Einladungen erhalten z.B. meine Facebook-Freunde) und etwas schaffen im Vertrauen, dass Gott es vollenden wird. Wir setzen auf einen starken aber schlanken Staat, auf die Marktwirtschaft, auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und auf kulturell verankerte dezentrale Sozialverbände wie zum Beispiel die monogame Ehe von Mann und Frau, die Kernfamilie, Verwandtschaftsnetzwerke, Vereine und Kirchengemeinden. In der Kultur des Abendlandes verwurzelte Institutionen wie die bürgerliche Familie müssen sich zwar weiterentwickeln, damit sie mit Sachzwängen der modernen Gesellschaft vereinbar bleiben. Aber sie dürfen auf keinen Fall weiter destabilisiert oder gar bekämpft werden, wie das unter anderem die Frauenbewegung absichtlich oder unabsichtlich bewirkt hat.

Wie überall kann auch in der Sozial- und Wirtschaftspolitik der Wertmaßstab nicht die Gleichheit sein, denn wenn wir die Fleißigen und Talentierten besser bezahlen, stellt das den wichtigsten Anreiz dar, Außergewöhnliches zu schaffen, produktiv zu sein und etwas zum Fortschritt der Menschheit beizutragen. Die Menschen sind und bleiben (Gott sei Dank) recht unterschiedlich. Unser Ziel ist die gesellschaftliche Teilhabe und Mitwirkung aller Bürger, insbesondere derjenigen, die im Fürsorgestaat mit windigen Argumenten aus dem Arbeitsleben und damit aus den normalen gesellschaftlichen Bezügen ausgeschlossen werden. Jeder soll im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas zum Gelingen des Ganzen dazutun. Wie viel er dabei verdient, muss den Gesetzen des Marktes überlassen bleiben. Es ist ein Ammenmärchen, dass die Löhne dann gegen Null streben würden. Für schlechter Qualifizierte würden sie meist sinken, aber nur bis zum markträumenden Niveau. Dort wo der Arbeitsmarkt leergefegt ist, steigen die Löhne wieder. Nicht zuletzt müssen wir auch an die Chancengleichheit und freie Entfaltung unserer Kinder und Kindeskinder denken. Dieser Vision können Deutschland und Europa bei den festgefahrenen Strukturen in überschaubarer Zeit nur durch eine gewaltlose Revolution näher kommen. Wir brauchen eine Art Reformation nach dem Vorbild Martin Luthers, das heißt beherzte Reformen für eine Demokratie ohne neofeudalistische Züge mit einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

Wir sind für einen Staat, der auch ein Sozialstaat ist, der aber effektiv und pragmatisch handelt, nachhaltig wirtschaftet, die Bürger nicht bevormundet und sich nicht wichtiger nimmt als er ist. Wolfgang Clement, der 2008 nach langen Querelen aus der SPD ausgetreten ist, sagt treffend: Deutschland braucht einen Befreiungsschlag. Der übertriebene Sozialstaat wird über kurz oder lang abdanken. Wir sind mit ihm in eine Abwärtsspirale von Überregulierung, Überbetreuung und erlernter Hilflosigkeit geraten, die uns obendrein in eine Staatverschuldung wie in Kriegszeiten geführt hat. Der Transferstaat steht auf tönernen Füßen, weil er auf kurzfristigen Profit angelegt ist! Es fehlt die Nachhaltigkeit, die Generationengerechtigkeit wird mit Füßen getreten.

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Den Feminismus überwinden

Gerade in unserer hochkomplexen Leistungsgesellschaft brauchen wir Kinder, die in einem geschützten Raum aufwachsen, denen Vater und Mutter helfen, stabile Persönlichkeiten zu werden. Die Emanzipation der Frauen hatte ihre Berechtigung, ist mittlerweile jedoch über ihr Ziel hinausgeschossen. Sie hat vor allem durch die Berufstätigkeit von jungen Müttern und durch die staatliche Förderung von Doppelverdiener-Ehen eine Eigendynamik angenommen, die Männer und Frauen, Eltern und Kinder sowie Alt und Jung einander zunehmend entfremdet. Zusammen mit ähnlich fatalen Entwicklungen wie dem übermäßigen Ausbau des Wohlfahrtsstaats und der autoritätslosen Erziehung hat der Feminismus der zunehmenden Vereinzelung und Entsolidarisierung der Menschen Vorschub geleistet. Das gesellschaftliche Klima wird so nach und nach vergiftet: Zum einen weil sich zusehends mehr Frauen gegen eine Unterdrückung wehren, die es gar nicht gibt. Zum anderen, weil Männer immer zahlreicher als Steuerzahler und maßgebliche Finanziers des "sozialen Zusammenhalts", als Unterhalts- und Regresspflichtige über die Maßen belastet sind. Bis sie schließlich, ausgebrannt oder wegrationalisiert, von dem gleichen Sozialstaat aufgesogen werden, den sie bis dato mitfinanzierten - oft für den Rest ihres Lebens.

Ein Problem ist auch die selbsterfüllende Prophezeiung. Vor allem in der von den Sozialbeamten aufgepäppelten Unterschicht, die das Sozialsystem künstlich vermehrt hat, nimmt man das Gerede von den Machos und den unterdrückten Frauen ernst! Das gilt erst recht, seit der Islam in Europa Einzug hält. Kurzum, die Emanzipation kann nicht immer weitergehen, wir müssen differenzieren und uns darüber im Klaren werden, was wir wollen und was nicht. Ich bin nicht frauenfeindlich, sondern antifeministisch: Gleichberechtigung ja, aber keine Gleichmacherei. Gleichwertigkeit ja, aber keine Gleichartigkeit.

Um aber nicht auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen, bin ich auch dagegen, Männer und Frauen auf ihre traditionellen Rollen regelrecht einzuschwören. Insbesondere sollte der Mann nicht auf Gedeih und Verderb auf die Rolle des Familienernährers festgenagelt werden, wie das bislang der Fall ist. Es gibt nämlich Dinge, die mindestens ebenso wichtig sind wie Frau und Kinder zu versorgen, vor allem in Krisenzeiten. Darauf pochte auch der Apostel Paulus, den ich hier nach der Volxbibel (einer ultramodernen Übertragung) zitiere: "Ihr Lieben, eins sag ich euch auf sicher: Wir haben nicht mehr viel Zeit! Darum wäre es cooler, wenn die Männer durch die Ehe nicht von dem Wichtigsten abgelenkt werden. Egal, ob dir nach Heulen zumute ist oder ob du gerade super drauf bist, ob du fett in Kohle schwimmst oder nicht: Absolut nichts soll uns davon abhalten können, für Gott zu leben! Fahrt nicht ab auf Sachen, die aus dieser Welt kommen! Nicht sie sollen euch beherrschen, sondern ihr sie. Diese Welt wird bald kaputt und am Ende sein. Ich wünsche mir, dass ihr, egal was bei euch abgeht, total frei seid von dem, was an ätzenden Sachen in der Welt so passiert" (1. Korinther Kapitel 7, Verse 29 bis 32).

Die Frauenbewegung ist auch deshalb von solcher Durchschlagskraft gewesen, weil so manche Feministin einen Mann im Hintergrund (oder in Aussicht) hatte, der ihr finanzielle Sicherheit gewährte. Die Männer dagegen hatten selten Zeit oder Gelegenheit, sich mit den Geschlechterrollen zu befassen. Emanzipation hin oder her, für Frauen ist das Risiko eines gesellschaftspolitischen Engagements um ein Vielfaches geringer: So findet zum Beispiel eine erfolglose Autorin wesentlich leichter einen Mann, als ein erfolgloser Autor eine Frau.

Der Mann wird zum Macher erzogen und verinnerlicht sehr bald den Erwartungsdruck der Gesellschaft. Wie der Philosoph José Ortega y Gasset sagte, tut er unbewusst alles, was er tut, um den Frauen zu gefallen. In den ersten Lebensjahren lernen Buben und Mädchen, es der Mutter recht zu machen als der ersten und wichtigsten Bezugsperson. Bis ins Jugendalter steht der Nachwuchs überwiegend unter dem Einfluss von Frauen, insbesondere im Kindergarten, in der Grundschule, auf dem Spielplatz und bei nachmittäglichen Besuchen von Schulkameraden. Als Erwachsenen ist es den Männern zusätzlich darum zu tun, der Ehefrau, Freundin oder 'Angebeteten' zu gefallen. Ist die Frau jung und schön, dann geht das bis zur abgöttischen Verehrung, weshalb man ganz selbstverständlich von 'Verehrern' spricht, aber kaum von 'Verehrerinnen'. Wenn Mädchen jemanden verehren, dann wollen sie hoch hinaus, dann ist es meist ein Prominenter, ein Idol der Pop-Kultur.

Nicht zuletzt dienen männliche Politiker den Wählerinnen: Das Familienrecht, das Scheidungs- und Unterhaltsrecht und das Arbeitsrecht, das Steuerrecht, die Kranken-, Renten-, und Pflegeversicherung sowie andere zentrale Bestandteile des Sozialrechts sind schon immer ganz auf die Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet gewesen, freilich teilweise nur auf die vordergründigen. Denn jeder Anspruch auf sozialen Ausgleich und Rücksichtnahme wirkt sich an anderer Stelle kontraproduktiv aus, insofern als in manchen Bereichen Frauen weniger gern als Männer eingestellt werden und auch weniger verdienen. Auch vor dem Hintergrund der These, dass der Mann es den Frauen recht machen will, ist das Gefasel von der Unterdrückung der Frau so widersinnig. Die Behauptung widerspricht allem, was man beobachten kann, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Sie widerspricht zum Beispiel der Etikette, die das "Ladys first" vorschreibt.

Das wichtigste Argument der Frauenbewegung, wonach die Frauen im Berufsleben benachteiligt und in den Chefetagen unterrepräsentiert sind, ist leicht zu entkräften. Es gibt eben nicht nur das Berufsleben sondern auch Privatleben, Familie und Verwandtschaft, die sowohl für Frauen als auch für Männer den Dreh- und Angelpunkt des Lebens darstellen. Wenn die Feministinnen ständig nur die Ungleichheit im Berufsleben heranziehen, dann sehen sie die Welt paradoxer Weise einseitig aus der Sicht des Mannes. Denn nur für den Mann bilden Beruf, Leistung, Erfolg und Verdienst einen weiteren zentralen Lebensbereich, und zwar deswegen, weil er sich seinen gesellschaftlichen Status zum überwiegenden Teil erarbeiten muss. Die Frau jedoch bekommt ihren Status und ihre Stellung tendenziell eher per Zuschreibung zugewiesen, also Kraft Ihres Aussehens und/oder ihrer Persönlichkeit, ihrer Herkunft und der Stellung Ihres Ehemannes. Dem entsprechend sieht sie die Welt nicht in erster Linie durch die berufliche, sondern eher durch die private und familiäre Brille. Aus dieser Frauensicht sind die Frauen keineswegs minderprivilegiert, im Gegenteil. Sie werden geachtet und geehrt, manchmal sogar verehrt und mystifiziert. Sie stehen unter dem besonderen Schutz der Männer und der von den Männern dominierten Gesetzgebung.

Wenn eine Frau einen Fehler macht, dann wird er ihr meist nicht zugerechnet, denn jederzeit können die Umstände und die angeblichen patriarchalischen Strukturen verantwortlich gemacht werden. Das schwache Geschlecht bekommt seltener als das starke Kritik zu hören. Die Männer halten sich aus Höflichkeit und aus Angst vor Sanktionen mit kritischen Bemerkungen gegenüber dem anderen Geschlecht zurück. Aber auch untereinander fassen sich die Weibsbilder auf Grund des fraulichen Harmoniebedürfnisses meist mit Samthandschuhen an. Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das selbstkritische Denken ist folglich bei vielen Frauen unterentwickelt. So ist zu erklären, warum sie jenseits der freundlichen Fassade nicht selten Rücksichtnahme, Augenmaß oder Takt vermissen lassen und nach meiner Beobachtung bei Meinungsunterschieden häufiger als Männer hysterisch reagieren und ausfällig werden. Frauen sind gefühlsbetonter als Männer, aber Gefühle können auch negativ sein!

Dass viele Frauen selbst das Lied von der Unterdrückung singen, hat unter anderem mit dem Umstand zu tun, dass sie sich leicht von Demagogen und Zeitströmungen beeinflussen lassen. Das Hauptmotiv aber dürfte uneingestandener Weise sein, die gegenwärtigen Verhältnisse zu zementieren, von denen die Frauen in Wirklichkeit ja eher profitieren. Während die Öffentlichkeit gegen alle Beobachtung das Bild von der unterdrückten Frau zeichnet, stelle ich fest: Wenn ein Geschlecht unterdrückt ist, dann das männliche! Eigentlich hätte der Mann also ein Interesse, die Verhältnisse in seinem Sinne zu ändern, den Leistungsdruck abzubauen. Allerdings ist er (maßgeblich von Frauen) so erzogen worden, auf keinen Fall weinerlich zu sein oder sich als Opfer hinzustellen. Die bestehenden Verhältnisse werden also durch die Kampagne der Frauenbewegung insofern stabilisiert, als es dem Mann entsprechend seiner Rolle schmeichelt, wenn er als Täter und als Gewinner einer Unterdrückungssituation bezeichnet wird. Dass die Frauen zu Verlierern und Unterprivilegierten gemacht werden, braucht diese deswegen nicht sonderlich zu stören, weil Opfermentalität und Jammern mit der Rolle der Frau weit besser zu vereinbaren sind.

Der vom Statistischen Bundesamt von 23 auf 8 Prozent korrigierte Minderverdienst von Frauen (Welt vom 25.10.2010) beträgt laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Wirklichkeit weniger als zwei Prozent ('Nur 2 Prozent Gehaltsunterschied'; siehe Frauenförderung einstellen und Frauenquoten abschaffen). Wenn es außerdem noch andere Benachteiligungen von Frauen gäbe, würde es in den Medien ganz sicher breitgetreten. Man hört und sieht aber so gut wie nichts davon! Ich meine abgesehen von den ebenso pauschalen wie scheinheiligen Sexismus-Vorwürfen an die Adresse der Männer und von der Tatsache, dass Frauen öfter als Männer vergewaltigt werden. Nein doch: Es wird gesagt, das schwache Geschlecht sei stärker von häuslicher Gewalt betroffen. Forschungen von außerhalb der "Gender Studies" haben aber ergeben, dass bei häuslicher Gewalt Männer und Frauen zu gleichen Teilen Opfer und Täter sind (siehe Wikipedia, agens e.V., MANNdat e.V.). Arne Hoffmann schreibt über das "Märchen von prügelnden Männern und geschlagenen Frauen" (Häusliche Gewalt ist weiblich, novo-magazin.de März/April 2000). Karin Jäckel hat in einem Radiobeitrag appelliert, Forschungsergebnisse zur Kenntnis zu nehmen, "die nachweisen, dass Frauen nahezu ebenso oft Gewalt gegen Schwächere ausüben wie Männer" (Deutschlandradio Kultur 31.01.2011: Gewalt und Missbrauch durch Frauen).

Das WDR-Fernsehen brachte am 14. Februar 2013 eine Reportage zum Thema "Wenn Mütter ihre Kinder missbrauchen". Neben einer Frau Ende 40 erzählte auch ein 49-jähriger Mann, wie er als Kind von seiner Mutter jahrelang mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen und missbraucht wurde, einmal sogar bis zur Bewusstlosigkeit. Nachdem diese Dinge öffentlich wurden, schoben beide Eltern ihm die Schuld zu, so dass er in der Schule als der angebliche Verführer seiner Mutter ganz unten in der Hackordnung landete: "Als er sich seinem Vater anvertraute, schlug der ihn halbtot - denn in seinen Augen hatte Axel die Mutter verführt. Damals war Axel acht Jahre alt. Erst als es im Dorf Gerüchte gab und die Polizei Ermittlungen aufnahm, hörte die Mutter auf". Damals hatte sich auch das Jugendamt eingeschaltet, sodass eine Sozialarbeiterin ein paarmal mit dem Achtjährigen spielte. Die Täterin wurde nie belangt. Heutzutage käme sie für mehrere Jahre hinter Gitter – aber nur als Mann bzw. als Vater. Mütter oder andere Frauen, die Kinder missbrauchen, haben kaum etwas zu befürchten, und genau das macht manche von ihnen gefährlich! Der mittlerweile geschiedene Vater zweier Kinder hat seine Erlebnisse übrigens auch unter aufrecht.net dokumentiert. Doch bei allem Schaden, den sie anrichten, sollten Männer und Frauen, die ein Kind missbrauchen, nicht so massiv bestraft und geächtet werden, dass sie ihre Opfer nach der Tat umbringen, um sie zu vertuschen! (siehe www.neoliberal-egal.de/#Kulturimperialismus und meine Filmbesprechung vom 17. April 2013 in cuncti.net: Kollektive Jagd auf einen vermeintlichen Kinderschänder).

Selbst Nonnen haben sich schuldig gemacht. Jedenfalls berichteten der WDR und die Welt über Missbrauch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im sauerländischen Marsberg. Dort sollen sich in den 1960er Jahren die für Pflege und Versorgung der Patienten zuständigen Schwestern vom Orden der Vincentinerinnen "kollektiv" und "maßlos" an mehreren Kindern vergangen haben. Karl-Heinz Großmann erzählt: "Ich war praktisch Frischfleisch, mit 14, als eine Nonne mich mit auf ihr Zimmer nahm. Sie hat mich von oben bis unten entkleidet. Und mich von oben bis unten gestreichelt. Sie hat sich an mir befriedigt. Das Ganze ist fünf, sechs Mal passiert" (Welt vom 25. März 2013). Warum erwähne ich solche Fälle? Weil wir aufräumen müssen mit dem Mythos von den Frauen als den besseren Menschen! Schon allein deswegen, weil dies automatisch impliziert, die Männer seien per se schlechte, minderwertige Menschen. Christus starb auch für die Sünden der Frauen!

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind in puncto Gewaltkriminalität Männer dreimal häufiger Opfer als Frauen (destatis.de - Öffentliche Sicherheit 2008). In die Täterstatistik geht so manche Furie nur deshalb nicht ein, weil sie einen oder mehrere Männer gegen ihren Feind aufgehetzt hat. Jugendliche Delinquenten sind laut Statistikamt zu drei Vierteln männlich: "Jugendkriminalität ist ein vorwiegend männliches Phänomen: 76% der tatverdächtigen Personen ab 14 bis unter 21 Jahren waren laut PKS 2006 junge Männer. Wegen der durchschnittlich geringeren Straftatenschwere und der günstigeren Sozialprognose bei Frauen nimmt der Männeranteil im Strafverfolgungsablauf noch zu. Unter den Strafgefangenen lag laut Strafvollzugsstatistik 2006 der Männeranteil bei 95%" (destatis.de: Jugendkriminalität in Deutschland).

Einerseits müssen junge Leute und Wiedereinsteiger auf dem Weg ins Berufsleben immer höhere Barrieren überwinden, denn die staatlich gelenkten Arbeitsmärkte Europas privilegieren die Arbeitsplatzbesitzer. Die Gesellschaft erwartet andererseits vom Mann nach wie vor, der finanzielle Versorger von Frau und Kindern zu sein. Durch diese Zwickmühle werden vor allem junge Männer systematisch in die Kriminalität getrieben! Doch kaum einer regt sich darüber auf – es sind ja nur Männer. Die Sorte von Menschen, die in den Actionfilmen reihenweise erschossen oder auf andere Weise niedergemetzelt werden, und das ohne viel Aufhebens. Ganz anders bei den Frauen: Wenn sie überhaupt in Gefahr geraten, dann werden sie meist im letzten Augenblick gerettet. Und sollte eine Frau im Kugelhagel sterben, dann ist das der Stoff für großes Kino.

Warum sind Frauen weit weniger häufig kriminell als Männer? Diese Frage versuchte die Kriminologin Dietlinde Gipser einst so zu beantworten: Der Frau würde Kriminalität als "Problemlösungsstrategie zur Bewältigung gesellschaftlich bedingter Konfliktlagen" aufgrund der ihr eigenen Rollendefinition einfach nicht "zur Verfügung gestellt" (Gipser/ Stein-Hilbers, 1980). Wäre Gipser nicht Feministin, hätte sie zum Ergebnis kommen müssen, dass es die Frauen auf Grund ihrer privilegierten Stellung in der Gesellschaft meist nicht nötig haben, kriminell zu werden. Denn schon fünf Jahre zuvor hatte die Sozialwissenschaftlerin geschrieben, das wichtigste Erfolgsziel für Mädchen sei lediglich die "Herstellung einer stabilen, sozial akzeptierten Partnerbeziehung". Das ist ein relativ lockerer Job, weswegen sie auch recht selten auf die schiefe Bahn geraten.

Die Aufgabe der Weibchen ist es, ein möglichst zahlungskräftiges Männchen zu finden, so die zwar nicht hinreichende, aber notwendige Bedingung. Daran hat sich auch durch die Frauenbewegung im Grunde nichts geändert. Wenn ein Kandidat nun "abweichendes Verhalten" an den Tag legt, finden das viele Frauen nicht so schlimm, vielleicht sogar interessant! Meist wollen sie es vermutlich gar nicht so genau wissen. Die Weiber hätten es in der Hand, die Kriminalität so gut wie auszurotten, wenn sie Kriminellen die kalte Schulter zeigen würden. Da dies offensichtlich ins Reich der Utopie gehört, müsste man Frauen, die sich von Menschenhändlern, Betrügern, Einbrechern, Bandenmitgliedern oder anderen Kriminellen aushalten lassen, eigentlich wegen Hehlerei vor Gericht bringen. Doch in Wikipedia ist zum Thema Hehlerei zu lesen: "Bis 1975 war wegen Hehlerei auch strafbar, wer seines Vorteils wegen eine aus einer geeigneten Vortat stammende Sache verheimlichte". Vermutlich wollte man das den armen Frauen nicht länger antun, für Taten bestraft zu werden, die sie selbst nicht begangen haben. Es ist ja schon Strafe genug, mit einem Drogenbaron liiert zu sein, um ein Beispiel zu nennen.

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Kampf der politischen Korrektheit!

Wir sollten uns von dem moralischen Druck, über bestimmte Dinge lieber zu schweigen, nicht einschüchtern lassen. Natürlich gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit, weswegen die "Political Correctness" auch eine gewisse Berechtigung hat. Die Grenzziehung dürfen wir aber nicht dem linksintellektuellen Establishment in Politik, Medien und Kulturbetrieb überlassen. Der Philosoph Immanuel Kant schrieb 1784 in seinem Aufsatz Was ist Aufklärung: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Es ist eine demokratiegefährdende Anmaßung, dass irgendwelche Technokraten der Europäischen Union, oder gar islamische Verbände und Staaten uns vorschreiben sollen, was wir sagen dürfen und was nicht (siehe Beitrag von Geert Wilders im Wall Street Journal zur Bedrohung der Meinungsfreiheit in Europa). Wenn wir uns nicht getrauen, unbequeme oder peinliche Probleme anzusprechen, dann stellen Politiker die falschen Diagnosen und halten an falschen Therapien fest, bis wir uns eines Tages auf der Intensivstation wiederfinden. "In einer Zeit des universellen Betrugs ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen". Von George Orwell stammt dieses Zitat, dem Autor des bekannten und gar nicht mehr so utopischen Romans '1984'.

Immer öfter kommt es vor, dass Nachrichten von der Polizei oder von den Medien zurückgehalten werden, wenn sie als sensibel gelten. In Karlsruhe hat das Polizeipräsidium im Sommer 2015 eine Vergewaltigung fast drei Wochen lang vertuscht. Eine 20-jährige Frau wurde am 26. Juli 2015 in Karlsruhe-Durlach (Dornwaldsiedlung) von einem 21-Jährigen "überfallen, brutal geschlagen, ins Gebüsch gezerrt und vergewaltigt". Die Polizei informierte die Öffentlichkeit erst Mitte August, da es sich bei dem Tatverdächtigen "um einen Asylbewerber aus Tunesien" handelt, der kurz zuvor in der LEA Durlacher Allee aufgenommen worden war. Ein weiterer Grund für die Informationssperre war laut Polizeipräsident der Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Remchingen in der Nacht zum 19. Juli. Zitat aus dem Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten vom 14.08.15: ""Die Situation macht mir große Sorgen", so der Polizeipräsident beim Thema Kriminalitätsbelastung in Karlsruhe. "So wie es läuft, kann man es nicht mehr weiter laufen lassen". Ein Großteil der Flüchtlinge verhalte sich untadelig, das Asylrecht werde aber durch bestimmte Menschen missbraucht, mit einem Teil "haben wir massive Schwierigkeiten"." Die Polizei werde aber "ihre Präsenz etwa in den von Einbruchskriminalität überzogenen Kleingartenanlagen" erhöhen. Freisleben betonte, "dies sei die erste Vergewaltigung mit einem derartigen Hintergrund". Unklar blieb jedoch, für welches Gebiet er sprach, für Durlach, das Stadtgebiet Karlsruhe, den Landkreis oder für Baden-Württemberg.

Die Wächter über die politische Korrektheit scheuen inzwischen nicht einmal mehr vor Zensur im Internet zurück, und zwar unter dem Deckmantel des Jugendschutzes. Die Landesmedienanstalten in Deutschland haben 2012 neben pornografischen Internetseiten auch die Seite 'Frauenhaus – Von Frauen. Für Frauen' auf den Index gesetzt. In einer Pressemitteilung vom 10.10.2012 heißt es dazu lapidar: "Ein Angebot ist nach dem JMStV absolut unzulässig, da es zum Hass gegen Frauen aufstachelt". Offenbar war die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) auf die Beschwerde von Feministinnen hin aktiv geworden. Möglicherweise waren es die entsetzten Frauen in hexenzirkel.org, von denen eine ihre zuständige Gleichstellungsbeauftragte einschaltete. Die Autoren des antifeministischen Blogs berichten ausführlich in eigener Sache. Für sie wirkt sich die Zensurmaßnahme so aus, dass viele Seiten des Internetangebots zum Beispiel in Google nicht mehr zu finden sind. Wer in der beliebten Suchmaschine etwa nach der Internetadresse des zensierten Blogs sucht, stößt unten auf den Hinweis: "Aus Rechtsgründen hat Google 25 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt". [Auf den gleichen Hinweis stieß ich übrigens am 16.04.13, als ich in Google mit den Stichwörtern 'Egon Flaig FAZ 15. September 2006' nach diesem Essay eines Althistorikers suchte: "Der Islam will die Welteroberung"] Die beanstandeten Angebote im Fernsehen waren der Horrorfilm 'Resident Evil: Apokalypse', der vor 23 Uhr gezeigt wurde, sowie die Spiegel-TV Dokumentation 'Tempel der Lust – Das Geschäft mit der käuflichen Liebe', die ab 20.15 Uhr lief.

Für das Web erläuterte die Jugendmedienschutz-Kommission in der genannten Pressemeldung das Vorgehen folgendermaßen: "So treten jugendschutz.net oder auch die Landesmedienanstalten bei der Annahme von Verstößen vorab an die Anbieter heran und fordern, entsprechende Inhalte freiwillig herauszunehmen. Auf diese Weise können viele Internet-Fälle ohne aufwändiges Verfahren geklärt werden. Erst bei Nichtabhilfe oder in besonders schweren Fällen schreitet die KJM ein. (…) Die KJM beschloss – je nach Art und Schwere der Verstöße – Beanstandungen, Untersagungen und/oder Bußgelder. Die entsprechenden Verwaltungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren führen die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten durch. Strafrechtlich relevante Inhalte gibt die KJM an die zuständigen Staatsanwaltschaften ab. In 100 Fällen beantragte die KJM im zweiten Quartal 2012 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der BPjM [Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien]. Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen. In weiteren 27 Fällen gab die KJM eine Stellungnahme zu Indizierungsanträgen anderer antragsberechtigter Stellen bei der BPjM ab, die von der BPjM bei ihrer Entscheidung maßgeblich zu berücksichtigen sind.

Die taz berichtete am Ende eines Artikels über antifeministische Facebook-Seiten in Italien über den Vorgang: "Es finden sich auf der Seite bloganddiscussion.com mehrere frauenfeindliche Internetseiten. So zum Beispiel die Seite 'Frauenhaus – Von Frauen. Für Frauen'. (…) Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bestätigte auf Anfrage, dass gegen die Betreiber der Seite ein Prüfverfahren laufe. 'Das Thema Frauendiskriminierung ist für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien grundsätzlich nicht neu, da beispielsweise in Raptexten (Genre Porno-Rap oder Gangster-Rap) häufig frauenfeindliche Aussagen getätigt werden. Auch Websites, in denen Frauen sexuell gedemütigt werden, waren hier schon mehrmals Gegenstand von Prüfverfahren', teilte Petra Meier von der Bundesprüfstelle mit" (taz vom 29.07.2012).

Kritik an den Frauen wird also als Volksverhetzung eingestuft, Kritik an den Männern hingegen war noch nie ein Problem, diese dürfen nach Herzens Lust herabgewürdigt werden. Das Publikum klopft sich vor Lachen auf die Schenkel, wenn über das männliche Geschlecht hergezogen wird. So zum Beispiel in dem 2004 erschienenen (Hör)Buch 'Mimosen in Hosen - Eine Naturgeschichte des Mannes'. Darin werden Männer pseudowissenschaftlich als genetisch minderwertig bezeichnet, ganz ähnlich wie im Dritten Reich die Juden. Der Klappentext: "Vergessen Sie den Mythos vom starken Geschlecht! Wenn es ein solches je gegeben hat, dann war es bestimmt nicht der Mann. Schwere Knochen und das Quäntchen mehr Muskelmasse können die lange Liste der Pannen und Defizite im männlichen System nicht wettmachen. Wissenschaftlich fundiert, pointiert und humorvoll führt das schwesterliche Autorinnenduo Sabina Riedl und Barbara Schweder durch die wechselhafte Naturgeschichte des Mannes. Sie verbinden die allerneusten biologischen Erkenntnisse mit gesellschaftlichen Entwicklungen und vertreten dabei eine revolutionäre Theorie: Der Mann ist eine Konstruktion im Dienste der Frau - eine, die zu gefährlichen Irrfahrten neigt, je mehr sie sich von ihrem eigentlichen Zweck entfernt". Diese Art von Männerfeindlichkeit ist in feministischen Kreisen keine Seltenheit. Darauf deutet auch hin, dass sich gemäßigte Feministinnen in Fernsehdiskussionen immer mal wieder vom Männerhass radikaler Emanzen distanzieren. Arne Hoffmann gab uns am 15. März 2012 in cuncti.net einen Einblick, welche menschenverachtenden Auswüchse die Frauenbewegung teilweise angenommen hat ('Wir müssen reden – über Faschismus').

Das Problem ist, dass diesen Zeiten der Heimatlosigkeit die Menschen froh sind, wenigstens eine politische Heimat gefunden zu haben. Diese ist allzu vielen unbewusst wichtiger als die Suche nach Wahrhaftigkeit und Wahrheit. An den einmal gewonnenen Einsichten und Meinungen halten sie schon allein deswegen fest, weil sie mit einer gewissen Berechtigung befürchten, Freunde zu verlieren und Bekannte und Arbeitskollegen gegen sich aufzubringen. "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" heißt es im Neuen Testament (Matthäus 7,15). Die Früchte der falschen Propheten und Prophetinnen der Politischen Korrektheit sind: Gesinnungsterror, Ausgrenzung Andersdenkender, Isolationsangst, Schweigespirale, Medienpranger, Moralismus, Selbstgerechtigkeit, Belehrungen, Orthodoxie, Intoleranz, soziale Kontrolle gegen den gesunden Menschenverstand, abweichende Meinungen hassen, zum Schweigen bringen, Tugendterror, Unfehlbarkeit ... (siehe im Focus vom 13.09.2010 den Beitrag von Norbert Bolz: Die neuen Jakobiner sowie meine Muster-Buchbesprechung für investigative Journalisten).

Es gibt Leute, die würden sogar den lieben Gott zur Schnecke machen, wenn sie nur an ihn glaubten. Eine Scheibe abschneiden können wir uns dagegen von 'Don Camillo und Peppone', den Hauptfiguren mehrerer Romane und Filme aus den 50er und 60er Jahren. Der katholische Priester und der kommunistische Bürgermeister streiten und prügeln sich und bedrohen sich gegenseitig mit der Knarre. Am Ende behalten aber immer Vernunft, Augenmaß und der gegenseitige Respekt die Oberhand. Die ostdeutsche CDU-Politikerin Vera Lengsfeld verwahrte sich am 13. Januar 2012 öffentlich gegen den Vorwurf eines ominösen 'Politbloggers', sie habe unter ihren Facebook-Freunden auch Mitglieder der angeblich 'ultrarechten' Partei DIE FREIHEIT (Gesinnungsschnüffelei im Netz). Damit war auch der Autor dieser Zeilen gemeint, denn auch ich war (von Mai 2011 bis März 2012) Mitglied dieser Partei, und Vera Lengsfeld gehört zu meinen Facebook-Freunden. Ich hatte mit großem Interesse ein Buch von ihr als Hörbuch gehört: "Neustart! Was sich in Politik und Gesellschaft ändern muss".

"Die Revolution frisst ihre Kinder", sagt ein geflügeltes Wort über die Geburt der Demokratie in Frankreich. Das ist lange her. Wir sollten uns heute als gefestigte Demokraten erweisen und das Klima der Verdächtigungen überwinden. Der Schriftsteller Walter Kempowski (Tadellöser & Wolff) antwortete kurz vor seinem Tod in einem Interview auf die Frage, warum ihn der Literaturbetrieb lange ignoriert hatte: "Ich bin konservativ und liberal, und das darf man in Deutschland nicht sein. Man darf ja auch heute nicht seine Meinung sagen in Deutschland. Versuchen Sie das doch mal! Ein Schritt vom Wege, und Sie sind erledigt. Ein fröhliches Dahinplappern ist verboten. Selbst Ihnen gegenüber, verehrter Herr Teuwsen, muss ich mich vorsehen. Das ist doch erbärmlich. Ist das in der Schweiz auch so schlimm?" (am 25.07.2007 in der Schweizer Zeitung 'Die Weltwoche').

Ernst Jünger schrieb 1972 in einem Nachwort zu seinen Marmorklippen: "Ein Mann kann mit den Mächten der Zeit harmonisieren, er kann zu ihnen im Kontrast stehen. Das ist sekundär. Er kann an jeder Stelle zeigen, wie er gewachsen ist. Damit erweist er seine Freiheit - physisch, geistig, moralisch, vor allem in der Gefahr. Wie er sich treu bleibt: das ist sein Problem". Laut dem Autor der 1939 gerade noch durch die Zensur gekommenen Erzählung über den Niedergang einer Gesellschaft durch den Siegeszug des Totalitarismus geht es um unsere Freiheit. Und die Freiheit des einen endet da, wo die Freiheit des anderen anfängt. Wenn jemand seine Ansichten äußert, dann ist dies schon deshalb sein Recht, weil er dadurch die Freiheit anderer Menschen in keiner Weise einschränkt. Das gilt jedenfalls, solange es sich nicht beispielsweise um Anleitungen zum Bombenbau oder Aufrufe zum Völkermord handelt. Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert, dass jeder "seine Meinung in Wort, Schrift und Bild" frei äußern und verbreiten darf. Wer dagegen aus ästhetischen Gründen oder um der intellektuellen Hygiene Willen die freie Meinungsäußerung zu unterbinden sucht, der hat ein Problem mit der Freiheit, der ist kein Demokrat, an dem ist ein Despot verloren gegangen.

Selbst Liberale sind vor intoleranter Gesinnungsethik nicht gefeit. Einer meiner libertären Facebook-Freunde schrieb im Sommer 2011: "Ach würde man doch in Deutschland den Libertarismus nur nicht immer mit dieser schwerverdaulichen, klumpigen, christlichen Soße serviert bekommen!". Die Statusmeldung war natürlich ein Widerspruch in sich, denn als Liberaler würdigt man andere Meinungen nicht herab, sondern bringt Argumente! Ich kommentierte seinen Beitrag unter anderem mit einer Glosse: "Lieber Genosse, Du sprichst mir aus dem Herzen. Wir lassen uns unseren schönen Libertarismus nicht durch andere Meinungen in Frage stellen! Schon gar nicht durch rückständige Renegaten wie es die Christen sind. Die Christen eroberten von 1000 Jahren Palästina und wendeten dabei Gewalt gegen friedliche Muslime an! Die Ketzerverfolgung muss man allerdings differenziert betrachten. Denn von der Katholischen Kirche lernen, heißt siegen lernen! Wir sollten darüber nachdenken, ob wir Libertären nicht das Konzept der Inquisition im Grundsatz übernehmen könnten: Wer die Deutungshoheit von uns Liberalen wider besseres Wissen nicht anerkennen will, sollte sich vor einer neu zu gründenden Behörde mit weitreichenden Befugnissen verantworten müssen. Denn die Umma der Liberalen duldet keine Gedankenverbrechen! Mit libertären Grüßen: Dein Genosse Thomas."

Generell aber sind die neuen Jakobiner in großen Teilen deckungsgleich mit der Protestgeneration der 68er, so seltsam uns das anmutet. Mit ihrem Marsch durch die Institutionen haben sie Deutschland, Europa und mit Einschränkung die ganze westliche Welt in einen gesellschaftspolitischen Dornröschenschlaf versetzt. Ein Heer von Vasallen der Fee des Antikapitalismus schaffte es, sich der staatlichen Organisationen zu bemächtigen, sie mittels Staatsverschuldung zu einem grotesken Leviathan (Thomas Hobbes) aufzublasen und sich eine subtile aber damit umso heimtückischere Macht über die Schutzbefohlenen zu sichern. Flankiert wird der sich Zug um Zug erweiternde Einfluss staatlicher und halbstaatlicher Organisationen durch die Massenmedien, wo die linken Wirklichkeitsverweigerer ebenfalls in der Mehrheit sind.

Am Beispiel der Sozialhilfe berichtet Thilo Sarrazin, wie Medienmacher und Fernsehmoderator(innen) den Pflichtoptimismus vor sich her tragen und unliebsame Fakten tabuisieren. Da kommen Erinnerungen an das DDR-Fernsehen hoch: "Meine Bemerkung, Untergewicht sei doch wohl nicht gerade das Problem von Hartz-IV-Empfängern, veranlasste den Moderator zu der Frage, ob ich meinte, Hartz-IV-Empfänger seien zu dick. … Übrigens vertraute mir ein Kameramann nach einem der zahlreichen Fernsehinterviews zu diesem Thema an, er und seine Kollegen seien von der Redaktion angehalten worden, in den Wohnungen von Hartz-IV-Empfängern so zu filmen, dass man die umfangreiche elektronische Ausstattung nicht sehe. Nach allen Erhebungen verfügt der Empfänger von Arbeitslosengeld II, soweit er der Unterschicht angehört, nämlich über eine überdurchschnittliche Ausstattung an elektronischen Medien" (Deutschland schafft sich ab; Seite 118). Im Zeitungsjournalismus ist der Machtmissbrauch nicht ganz so verbreitet. Aber auch hier berichtet Sarrazin im Vorwort zur Taschenbuchausgabe von 'Deutschland schafft sich ab' über negative Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit seinem Buch: "Wenn man die Presse im Herbst 2010 einige Wochen verfolgte, so konnte man bis in Formulierungsdetails nachvollziehen, wo der eine Journalist, der das Buch nicht gelesen hatte, von einem anderen abschrieb, bei dem auf Grund sachlicher Falschaussagen ebenfalls nachweisbar war, dass er es nicht gelesen hatte. Die qualitativen und ethischen Mängel unseres Pressewesens kannte ich ja aus jahrzehntelanger Erfahrung. Dass es so schlimm war, hatte ich allerdings doch nicht vermutet" (Hörbuch-Version CD 0, Track 4).

Das SPD-Mitglied Sarrazin war im Spätsommer 2010 von seinem Amt als Vorstandsmitglied der Bundesbank zurückgetreten, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff die (unabhängige!) Bundesbank indirekt aufgefordert hatten, ihn rauszuschmeißen. Doch lassen wir Thilo Sarrazin selbst berichten:

"Für die Reaktion der offiziellen Politik gab Angela Merkel den Ton vor, als sie am 24. August, einen Tag nach Beginn des Vorabdrucks, Regierungssprecher Seibert erklären ließ, die Kanzlerin halte das Buch für 'nicht hilfreich'. Gelesen hatte es da noch so gut wie niemand, es erschien ja erst am 30. August. Am 29. August setzte die Kanzlerin bei Ulrich Deppendorf in der ARD nach und forderte Bundesbankpräsident Axel Weber indirekt auf, für meine Entlassung Sorge zu tragen.

Zu diesem Zeitpunkt befürchtete der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel offenbar, beim Sarrazin-Bashing zu spät zu kommen. Am 30. August rief er mich morgens gegen neun Uhr an und teilte mir mit: Gleich tage das Parteipräsidium, dort wolle er versuchen, meinen Ausschluss zu verhindern. Aber eine Aussage von mir zur genetischen Identität der Juden könne mir 'das Genick brechen'. Ich solle versuchen, auf meiner später stattfindenden Pressekonferenz eine Klarstellung vorzunehmen. Tatsächlich stellte Sigmar Gabriel dann im Parteipräsidium selbst den Antrag, meinen Ausschluss zu betreiben. Von dem einstimmig erfolgten Beschluss erfuhr ich während der Pressekonferenz durch die Frage eines Journalisten. Ein anderer Journalist fragte, ob mir bekannt sei, dass Bundesbankpräsident Weber meine Entlassung aus der Bundesbank vorbereite. Auch dies erfuhr ich erst durch seine Frage.

Zwei Tage später, am 1. September 2010, erklärte Bundespräsident Wulff, bedrängt durch Journalisten: 'Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international.' Die indirekte Botschaft an die Bundesbank kam an. Einen Tag später stellte Bundesbankpräsident Weber beim Bundespräsidenten schriftlich den Antrag, mich zu entlassen, nachdem ich einen Rücktritt verweigert hatte. Über den Titel meines Buches und seinen Erscheinungstermin war Axel Weber, dem die Presseabteilung der Bundesbank unterstand, seit Mai 2010 informiert, denn von diesem Zeitpunkt an wurde das Buch vom Verlag öffentlich angekündigt. Bei meiner Rückkehr aus dem Urlaub, am 16. August, hatte ich zudem per E-Mail allen Vorstandskollegen Titel und Erscheinungstermin angekündigt. Es gab keine einzige Nachfrage, etwa die Bitte, den Text vorab zu erhalten. Mein Verhältnis zu Axel Weber war recht kühl, zu den übrigen Vorstandmitgliedern war es freundlich-korrekt, teilweise herzlich. Weber hatte bereits ein Jahr zuvor, anlässlich eines langen Interviews, das ich der Zeitschrift 'Lettre International' gegeben hatte und das wegen einiger weniger Zeilen für Aufregung gesorgt hatte, vergeblich versucht, mich aus der Bundesbank zu drängen.

Der Entlassungsantrag vom 2. September 2010 beim Bundespräsidenten war von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil ihm jede Rechtsgrundlage fehlte. Bundespräsident Wulff hatte sich in eine Falle locken lassen, als er die Bundesbank indirekt aufforderte, bei ihm den Entlassungsantrag zu stellen. Und das wussten die Beamten des Bundespräsidialamtes offenbar auch ganz genau, denn eine Woche lang geschah gar nichts. Ein rechtswidriger Entlassungsakt wäre für den Bundespräsidenten äußerst riskant gewesen, denn ich hätte dagegen geklagt. Eine Zurückweisung des Antrags wiederum hätte den Bundesbankpräsidenten desavouiert. Ein Rücktritt entweder des Bundespräsidenten oder des Bundesbankpräsidenten wäre unvermeidlich gewesen. Ich hatte ein Buch geschrieben und hoffte, dass darüber diskutiert würde. Mit der Kanzlerin, dem Bundespräsidenten und dem Bundesbankpräsidenten wollte ich mich gar nicht streiten. Ihr Verhalten kann ich weder verstehen noch respektieren, aber ich wollte niemanden in seinem Amt bedrohen. Damit hätte ich meine Rolle als kritischer Buchautor auch überzogen" (Aus dem Vorwort zur Paperback-Ausgabe von 'Deutschland schafft sich ab – wie wir unser Land aufs Spiel setzen', Januar 2012).

Die Priesterkaste der Gutmenschen-Religion hatte schon vor der Veröffentlichung von 'Deutschland schafft sich ab' eine Art Inquisition gegen den Ketzer Sarrazin begonnen. Treibende Kräfte waren die Spitzen des Staatsapparats unter der Führung der schwarz-gelben Regierungskoalition, welche die beinahe ungeteilte Unterstützung des politisch-medialen Komplexes hatte, einschließlich des Oppositionsführers Sigmar Gabriel (SPD). Die Umstände seines Rauswurfs hätten einem Wladimir Putin oder einem Recep Tayyip Erdogan alle Ehre gemacht! Auf ganz ähnliche Weise hat man 2007 die Tagesschausprecherin Eva Hermann abserviert, die ein Buch gegen den Pseudo-Feminismus geschrieben hatte, sowie viele andere Dissidenten, über deren Entlassung weniger prominent berichtet wurde.

Sarrazin hatte sich übrigens im Vorfeld peinlichst genau vergewissert, dass die Veröffentlichung eines gesellschaftskritischen Buches mit der Beamtenpflicht zur öffentlichen Zurückhaltung vereinbar ist. Er hielt sich an die Vorgabe seines ehemaligen Chefs, wonach er nur zu Themen öffentlich etwas sagen dürfe, für die er nicht zuständig ist: "Zur Sicherheit ließ ich das fertig lektorierte Manuskript, ehe es in Druck ging, von einer renommierten Kanzlei für Dienst- und Arbeitsrecht prüfen und bekam grünes Licht: keine Überschneidungen mit meinen Zuständigkeiten und Aufgaben als Vorstand der Deutschen Bundesbank, volle Abdeckung des Buchtextes durch das Recht zur wissenschaftlichen und künstlerischen Nebentätigkeit und das Recht zur freien Meinungsäußerung, keine Texte beleidigenden Inhalts" (Focus vom 07.01.2012: 'Ihr Verhalten kann ich weder verstehen noch respektieren').

Legitimiert werden soll das Umsichgreifen der staatlichen Macht unter anderem durch die Gefahr durch den Rechtsextremismus. Die Rechtsradikalen werden denn auch, anders als die Linksradikalen, durch zahllose staatlich initiierte oder geförderte Projekte 'bekämpft'. Gegen rechtsradikale Ansichten hilft aber keine Staatsknete, sondern eine Politik, die den Rechtsradikalen den Wind aus den Segeln nimmt! Durch den 'Kampf gegen rechts', für den der Staat vereinzelt sogar Linksextreme mit Steuermitteln versorgt, werden Neonazis bei genauer Betrachtung eher herausgeputzt und interessant gemacht. Der politischen Linken, allen voran der sogenannten Antifa, kann das nur Recht sein, denn sie lebt von ihren Feindbildern! Teilweise sogar im buchstäblichen Sinne. So besteht auch der Verdacht, dass zum Beispiel Hakenkreuzschmierereien in vielen Fällen von Linken begangen werden, um die Stimmung aufzuheizen. Einer von ihnen ist heimlich gefilmt worden als er sich bei einer DGB-Veranstaltung zu einer solchen Aktion bekannte: "Und da hab ich gesagt mit meinem Cousin, wir werden hier alle Ortseingangsschilder in Siegen mit Hakenkreuzen besprühen. Das haben wir einen Tag vorher gemacht, damit die Leute wissen, hier in Siegen sind Nationalsozialisten, die wir gar nicht haben wollen" (siehe Youtube-Video). Neonazis oder andere als 'rechts' Verortete werden von 'Antifaschisten' mit SA-Methoden drangsaliert und dadurch nur weiter radikalisiert. Den Linksautonomen kommt das zupass, denn wie die Warlords in Afghanistan brauchen sie die Feindbilder als Legitimation für den Ausbau ihrer eigenen Machtposition. Winston Churchill hatte die Krux mit der Antifa vorausgesehen, als er einmal prophezeite: "Die Faschisten der Zukunft werden sich Antifaschisten nennen".

Wie immer, wenn sich eine politische Klasse einen Staat zur Beute macht, wurde dabei auch nicht mit Privilegien für Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst und in den Kirchen, sowie vor allem für Pensionäre gegeizt. Die fürsorgliche Belagerung durch den Umverteilungsstaat ist der Nährboden für eine wachsende Klasse von modernen Biedermeiern. Mit dem Unterschied dass man sich heute dank der 38,5-Stunden-Woche und einer unanständig großen Zahl von Feiertagen und Urlaubstagen sportlich geben kann. Statt hinter dem Ofen zu hocken und Romane zu lesen, ermöglicht es das Automobil den heutigen Kleinbürgern allerlei Fun-Sportarten zu frönen und ein Event nach dem anderen abzuklappern. Ihre Political Correctness lässt sie darauf bestehen, dass wir endgültig in der Moderne angekommen sind. Alle sind glücklich, alle sind freundlich - solange man kein Spielverderber ist. Nur wenige machen sich bewusst, dass sie zu dem Club der gutsituierten Arbeitsstellenbesitzer gehören, die sich ihre Privilegien durch immer höhere Berufseinstiegsbarrieren (genannt soziale Sicherheit) zu verteidigen wissen. Für dieses 'erbärmliche Behagen' fand Friedrich Nietzsche alles andere als schmeichelhafte Worte: "Ach, auch in ihre Heucheleien verflog sich wohl meines Auges Neugier; und gut erriet ich all ihr Fliegen-Glück und ihr Summen um besonnte Fensterscheiben. Soviel Güte, soviel Schwäche sehe ich. Soviel Gerechtigkeit und Mitleiden, soviel Schwäche. ... Sie wollen im Grunde einfältiglich eins am meisten: daß ihnen niemand wehe tue. So kommen sie jedermann zuvor und tun ihm wohl. Dies aber ist Feigheit: ob es schon Tugend heißt" (Also sprach Zarathustra; von der verkleinernden Tugend; Ziffer 2).

Die vielleicht fatalste Auswirkung der Ausgrenzung Andersdenkender ist die Sprachlosigkeit, die damit einhergeht. Sowohl die Mobber als auch die Gemobbten sind versucht, sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs auszuklinken und sich dem Medienkonsum hinter verschlossenen Türen hinzugeben. Die einen weil sie sich unter lauter Gesinnungsgenossen langweilen, die anderen weil sie nicht anecken wollen. Karl Jaspers erinnerte 1950 in einem Radiovortrag daran, dass wir erst in der Kommunikation auf Augenhöhe zur Wahrheit und zu uns selbst finden: "Jenes Leiden an mangelnder Kommunikation und jene einzigartige Befriedigung in echter Kommunikation machte uns philosophisch nicht so betroffen, wenn ich für mich selbst in absoluter Einsamkeit der Wahrheit gewiss wäre. Aber ich bin nur mit dem andern, allein bin ich nichts" (Einführung in die Philosophie; Seite 22).

Das Diskutieren über Gott und die Welt macht also nicht nur deswegen Sinn, weil die Gesprächspartner trotz aller Skepsis vielleicht doch mitunter das eine oder andere voneinander lernen. Es ist auch sinnvoll, weil ich mir meines eigenen Standpunktes besser im Klaren werde. Jaspers sagt dazu ein paar Zeilen später: "Erst in der Kommunikation verwirklicht sich alle andere Wahrheit, in ihr allein bin ich ich selbst, lebe ich nicht bloß, sondern erfülle das Leben". In der offenen Begegnung mit anderen kann ich falsche Selbstbilder, die ich mit mir herumschleppe, widerlegen: Etwa die Meinung, dass ich selbst humorlos sei, oder dass mir der Sinn des Lebens verloren gegangen sei. Vor allem wenn man mit Leuten spricht, denen es schlecht geht, und die alles in Frage stellen, kann einem bewusst werden, dass man gar nicht so ausgebrannt und leer ist, wie man sich manchmal sieht. Dass ich nicht nur viele Gründe habe, sondern auf einen Grund baue. Im ernsthaften Gespräch mit anderen werde ich meiner Gewissheiten bewusst, und kann einzelne dann über Bord schmeißen oder festigen.

Ganz nebenbei liefert Jaspers den Facebook-Power-Usern Argumente, mit dem sie rechtfertigen können, stundenlang in sozialen Netzwerken zubringen: Weil wir in der wohlwollenden Auseinandersetzung mit anderen Menschen das Leben erfüllen. Und weil wir Philosophen sind: "Der Ursprung der Philosophie liegt zwar im Sichverwundern, im Zweifel, in der Erfahrung der Grenzsituationen, aber zuletzt, dies alles in sich schließend, in dem Willen zur eigentlichen Kommunikation" (Seite 23).

Den Managementberatern Anja Förster und Peter Kreuz ist es ein Anliegen, Unternehmen fit zu machen für die beschleunigten Veränderungsprozesse in den Märkten angesichts der Chancen und Herausforderungen durch Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien. Sie betonen, dass es in Organisationen neben den Bewahrern des Hergebrachten und Bewährten auch die schöpferischen Zerstörer geben muss, trotz der damit verbundenen Konflikte: "Ein Ballon hat keine Steuerung. Er geht immer mit dem Wind. Aber der Ballonfahrer kann die Höhe beeinflussen, indem er Ballast abwirft. So steigt der Ballon und gerät in größerer Höhe in eine andere Windströmung, die seine Richtung verändert. Genau das gleiche Vorgehen gilt auch für Organisationen und Individuen. Auch sie können Ballast abwerfen, dadurch an Höhe gewinnen und ihre Richtung ändern. Ihr Ballast besteht nicht aus Sandsäcken sondern aus Gewohnheiten, Dogmen, Regeln, Riten, Traditionen, Tabus und nie hinterfragten Überzeugungen, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. Wir alle sind Geiseln unserer unreflektierten Überzeugungen. Aber wir können uns bewusst dafür entscheiden, unsere Glaubenssätze immer wieder zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren. Tun wir das nicht, setzen wir heilige Kühe in die Welt. Sie haben die unangenehme Eigenschaft, irgendwann so übermächtig zu werden, dass sie selbst im Angesicht fundamentaler Veränderungen im Marktumfeld noch in der gewohnten Prozession durch die Straßen geführt werden" (Nur Tote bleiben liegen– entfesseln Sie das lebendige Potenzial in Ihrem Unternehmen; CD2 Track 11).

Ähnlich wie der Mathematiker Nassim Nicholas Taleb ermutigen Förster und Kreuz dazu, Robustheit durch Redundanz herzustellen, zu experimentieren, mehrere Wege gleichzeitig offen zu halten und auszutesten. Sie erinnern daran, dass neue Impulse, die ein System anpassungsfähig und damit überlebensfähig machen, nicht vom Mainstream zu erwarten sind, sondern immer von den Rändern ausgehen. Wirkliche Neuerungen können allerdings nur die positiven Abweichler anstoßen, nicht die 'Krawallmacher und Dauerdemonstrierer': "Worum es uns geht, sind die Abweichler, deren Ideen tatsächlich die Gestaltung des Neuen vorantreiben und dazu beitragen, dass Unternehmen auch zukünftig erfolgreich im Markt agieren können" (Track 10). Diese Überlegungen können wir 1 zu 1 auf die Wirtschaftssysteme, Staaten und Gesellschaften Europas übertragen.

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Zu Guttenberg und seine Doktorarbeit

Beim Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg war es hingegen keine Hetzjagd politisch korrekter Sozialromantiker oder Kuschelpädagogen, die etwa eine Meinungsäußerung anprangerten. Ihm war bekanntlich vorgeworfen worden, seine Doktorarbeit zum großen Teil abgeschrieben zu haben, ohne Quellen anzugeben. Es ist für alle gut, dass er am 1. März 2011 als Verteidigungsminister zurückgetreten ist und sein Bundestagsmandat niedergelegt hat. Den (erschreckend) vielen unverdrossen empörten Guttenberg-Anhängern geht die Fähigkeit ab, zwischen Political Correctness und einem notwendigen Reinigungsprozess zu unterscheiden. Mit einem weiteren Aussitzen der Affäre hätte der CSU-Politiker sich selbst und dem gesamten bürgerlichen Lager einen Bärendienst erwiesen!

Auch vielen Akademikern wurde erst nach und nach bewusst, dass ein Dammbruch gedroht hätte, wenn zu Guttenbergs Betrug und seine Rechtfertigungsversuche nicht zu seinem Rücktritt geführt hätten. Die Wissenschaft ist auf intellektuelle Redlichkeit angewiesen, der Fortschritt auf die Beachtung des Urheberrechts. Der ganzen Gesellschaft werden Steine in den Weg gekippt, wenn man sich auf wissenschaftliche Quellen nicht verlassen kann. Die Linken müssen es nicht so genau nehmen mit der Wahrheit, da die Utopie vom Sozialismus und seine Ableger ohnehin getrost mit kollektiver Realitätsverweigerung gleichgesetzt werden kann. Realisten aber handeln zutiefst prinzipienlos, sollten sie aus einem Lagerdenken heraus an einem Schummler wie zu Guttenberg festhalten, und sei er noch so beliebt und angeblich unverzichtbar.

Der Publikumsliebling hat zwar eine Entschuldigung abgeliefert, aber eine, die man als unglaubwürdige Rechtfertigung bezeichnen muss. Den Doktortitel zurückzugeben hätte nicht einmal ausgereicht, wenn er den Betrug sofort zugegeben hätte. Und ein Dissertations-Betrüger ist nicht einmal als Abgeordneter tragbar, geschweige denn als Verteidigungsminister und Chef zweier Bundeswehrhochschulen. Zu Guttenberg kann seinen Fehler zum Anlass nehmen, dazu zu lernen. In einigen Jahren kann er geläutert wieder antreten.

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Intoleranz und Wagenburgmentalität bei den Radikal-Liberalen - mein Intermezzo in der libertären 'Partei der Vernunft'

(13.02.13 - Thomas Rettig) "Wir lieben Freiheit" lautet der Slogan der PDV, die Ende Mai 2009 im symbolgeladenen Hambacher Schloss in der Pfalz gegründet wurde. Doch merkwürdige Vorgänge lassen darauf schließen, dass viele ihrer Funktionäre und Mitglieder ein gestörtes Verhältnis zu Meinungsfreiheit und innerparteilicher Demokratie haben. Sie schlossen Mitglieder willkürlich aus einem internen Facebook-Forum aus, sie löschten reihenweise Diskussionsstränge und verhinderten, dass in der Presse über solche illiberalen Tendenzen berichtet wird.

Am 12. September 2012 war ich noch mittendrin, als die "Partei der Vernunft" vor den Toren des Bundesverfassungsgerichts einen ihrer bisher größten Erfolge hatte. Unser Kreisverband Karlsruhe war für ein paar Sekunden ins ZDF-Heute-Journal gekommen: mit einem Infostand und dem Skandieren von Parolen wie "Stoppt - den - ESM!" (ZDF Mediathek). Mitte Januar 2013 bin ich ausgetreten, doch faktisch war ich spätestens seit 3. Januar nicht mehr Mitglied der PDV. An diesem Tag teile mir Volker Schäfer, der baden-württembergische Landesvorsitzende, die Entscheidung des Bundesvorstandes mit, ich würde nicht wieder in das bundesweite Facebook-Forum "PDV-Intern" aufgenommen. Ausgeschlossen hatte man mich bereits am 24. Oktober 2012. Vier Tage zuvor wurden meine Postings mitsamt den durch sie ausgelösten lebhaften Diskussionen zum großen Teil gelöscht. Als Ausdruck hat das zensierte Material einen Umfang von über hundert Seiten!

Für mich als intensivem User des sozialen Netzwerkes kam der Rausschmiss aus dem Diskussionsforum einem Ausschluss aus der Partei gleich, in die ich im Mai 2012 aufgenommen worden war. Und warum hat man mich vor die Tür gesetzt? Weil ich nicht linkslibertär bin sondern libertär-konservativ. Nur deshalb. Es sind meine wertkonservativen Ansichten, die dem Vorstand und vermutlich der Mehrheit der Parteimitglieder nicht passen. Ich kenne drei bis vier Ehemalige, die aus ähnlichen Gründen ausgetreten sind.

Doch die Ausgrenzung von Andersdenkenden und die Zensur von Diskussionen war der Partei noch nicht genug. Es folgte die Behinderung freier Berichterstattung: Am 8. Januar 2013 schickte ich eine erste Version dieses Berichtes an das libertäre Magazin 'eigentümlich frei' (www.ef-magazin.de). Gleich am nächsten Morgen mailte mir Herausgeber André Lichtschlag: "Vielen Dank, der Artikel geht als kleine Bombe heute noch bei uns online". Um 20:44 Uhr jedoch entschuldigte er sich bei mir, dass mein Artikel wieder aus dem Netz genommen wurde. Es waren offensichtlich Protest-E-Mails eingegangen, unter anderem hatte sich der Parteivorsitzende Oliver Janich beschwert.

Das EF-Magazin begründet den Rückzieher damit, dass der Artikel "einige sehr persönliche Anschuldigungen und Interna enthielt und deshalb nach den eigenen Standards dieses Magazins besser nicht erschienen wäre". Es geht mir aber nicht um eine 'persönliche Abrechnung', vielmehr kritisiere ich die Ausgrenzung von Liberalkonservativen, die in der PDV Methode hat. So etwas kann man nur beschreiben, indem man Beispiele bringt, und die sind nun einmal persönlich. Es wurde kritisiert, dass ich aus Telefongesprächen und einem internen Forum zitierte. Doch seit wann darf man über Parteien nur auf der Grundlage ihrer öffentlichen Verlautbarungen berichten? Und hat nicht vor einem Jahr Bundespräsident Christian Wulff wegen eines Telefongesprächs zurücktreten müssen, weil er mit einem Anruf beim Bild-Chefredakteur einen kritischen Artikel verhindern wollte? In meinem Fall aber blies mir als Berichterstatter ein Sturm der Entrüstung ins Gesicht, unter anderem auf der Facebook-Seite des EF-Magazins. Viele meiner libertären Facebook-Freunde äußerten sich voller Verachtung über meinen "Verrat". Allerdings gab es auch Zustimmung. Noch am Abend setzte ich meinen Artikel als Posting in das soziale Netzwerk.

Einer meiner zahlreichen libertären Facebook-Freunde postete: "Die Nummer Rettig % PDV auf ef ist so ziemlich das Unwürdigste, was ich in den letzten Jahren außerhalb der FDP erleben durfte". Unwürdig fand er dabei nicht, dass die PDV mich und andere Mitglieder aus der Facebook-Gruppe ausschloss, sondern dass ich damit an die Presse ging! Seiner Meinung nach habe ich "dreckige Wäsche gewaschen". Tags darauf hatte er den Post mit seinen ca. 70 Statements wieder gelöscht. Die Sophisten unter den Libertären verwiesen zur Rechtfertigung meines Rauswurfs kurzer Hand auf das Hausrecht. Doch eine demokratische Partei kann und darf nicht das Eigentum der Funktionäre sein! Sie ist Gemeineigentum, aus dem man nur nach demokratischen und rechtsstaatlichen Regeln entfernt werden darf, zum Beispiel durch ein unabhängiges Schiedsgericht. Letzteres hatte ich übrigens angerufen, gelandet bin ich jedoch beim Bundesvorstand.

Seit diesen Tagen ist für mich klar, dass die Parteienlandschaft um eine weitere linke Gruppierung reicher ist. Die PDV ist eine Partei der Wirtschaftsliberalen, der Klima- und Euroskeptiker. Sie tritt für ein neues Geldsystem auf der Grundlage der freien Marktwirtschaft ein. In vielen anderen Punkten ist sie aber merkwürdig indifferent. Das Grundsatzprogramm wurde so formuliert, dass auch Anhänger des Wohlfahrtsstaats, Fortschrittsapostel und Wissenschaftsgläubige ihre Ansichten darin wiederfinden können. Derzeit (Anfang 2013) sammeln Parteimitglieder Unterschriften, die für die Zulassung zur Bundestagswahl im Herbst 2013 benötigt werden. Zur Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar 2012 war die 'Partei der Vernunft' gar nicht angetreten, bei den Wahlen in Nordrhein-Westfalen Mitte Mai 2012 machten ihre 6.348 Wähler 0,1 Prozent der Wahlberechtigten aus.

Noch nie habe ich eine Partei erlebt, in der so viele Dinge angeblich nicht zum Thema gemacht werden dürfen. Doch wer bestimmt, über was geredet werden darf? Hier ist der Willkür Tür und Tor geöffnet! Die PDV müsste eigentlich bei ihren Parteitagen zunächst einmal darüber abstimmen, was nicht thematisiert werden soll. Dabei müsste jedem liberal denkenden Demokraten klar sein: Es dürfen keine Themen tabuisiert werden, schon allein deswegen, weil fast alles mit allem zusammenhängt! Doch die "Partei der Vernunft" ist krankhaft auf die Außenwirkung bedacht. Die Mitglieder hätten ein Recht darauf, dass man geschlossen auftritt und fokussiert am Erfolg arbeitet, erklärte mir Vorstandsmitglied Schäfer am 2. Januar. Zitat: "Wir haben jetzt drei Jahre lang diskutiert, irgendwann muss auch mal gut sein".

Anfang September 2012 hatte ich ein erstes Statement in PDV-Intern geschrieben. Als frisch gebackenes Mitglied wollte ich meiner Partei ein wenig auf den Zahn fühlen. Okay, es war vielleicht etwas provokativ, dass ich fragte, wie die "Gralshüter des Libertarismus" zu meinen liberalkonservativen Ideen zur Familie stehen. Danach schloss mich der Administrator das erste Mal aus dem Forum aus – vorsichtshalber, weil er meine Mitgliedschaft anzweifelte. Nur einer der Diskutanten hatte inhaltlich Stellung genommen. Andere spekulierten darüber, wer ich sein könnte, wo ich herkommen könnte, was es mit dieser Webseite liberalkonservative.de auf sich habe, auf die ich zur Vertiefung manchmal verwies.

Anfangs war alles wie immer bei den Diskussionen mit meinen ultraliberalen Facebook-Freunden: Die Progressiv-Libertären warfen mir vor, ich sei reaktionär, weil ich zum Beispiel gegen Gender Mainstreaming bin. Die Anarcho-Kapitalisten machten mir ebenfalls zum Vorwurf, dass ich nicht so denke wie sie. Aus ihrer Sicht sind alle Anderen Etatisten, also Staatsgläubige. Dabei hat der Libertarismus selbst teilweise religiöse Züge. Von den Anarchisten unter den Libertären habe ich in Facebook des Öfteren den Vorwurf gehört, ich würde auf halbem Wege stehenbleiben, weil ich den Staat nicht abschaffen sondern nur auf seine Kernaufgaben zurückfahren will. Solche Ermahnungen kannte ich bislang nur von bibeltreuen Christen!

Einige Tage danach stellte ich erste Bedenken ins Forum, die PDV entwickle sich "zu einer straff organisierten Kaderpartei, die die Freiheit wie eine Monstranz vor sich her trägt, aber nach innen nicht lebt". Damals wusste ich noch nicht, wie sehr ich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte! Durch meine Statements löste ich lange Diskussionen aus, einige gaben mir Recht, die meisten stellten meine Thesen jedoch als indiskutabel hin. Es kam der Vorwurf, ich würde missionieren, dabei antwortete ich nur auf Angriffe und teilweise leidenschaftliche Predigten von Kritikern des Christentums. Ein Diskussionspartner hielt mir sogar vor, als gläubiger Christ würde ich früher oder später die Inquisition wieder einführen.

Am 14. Oktober, ließ Parteigründer Oliver Janich um 15:10 Uhr eine kleine Bombe platzen. Er postete in Bezug auf mich: "Ich würde mal sagen, wer sich berufen fühlt in einem Forum der pdv ständig Werbung für eine andere Partei (Plattform) zu machen ist ein riesiges Arschloch und hat die Berechtigung verwirkt sich überhaupt über Ethik und Moral zu äußern". Etwas später bekräftigte er meinen faktischen Rauswurf mit den Worten: "Es ist gut, wenn Leute austreten, die die Idee der Freiheit nicht begriffen haben". Wenn er irgendwelche Anstalten gemacht hätte, diesen rüpelhaften Ton zurückzunehmen, hätte ich das hier weggelassen. Hat er aber nicht. Durch solche Selbstherrlichkeit handelt der Bundesvorsitzende wie ein Agent der etablierten Parteien, der darauf aus ist, Liberale und Konservative zu spalten. Das ist tragisch, denn beide haben bei Licht betrachtet einen großen gemeinsamen Gegner: den Wohlfahrtsstaat.

Mein Entsetzen brachte ich mit einem neuen Posting zum Ausdruck: "Offensichtlich ist in der PDV Bedingung für die Mitgliedschaft, eigene Websites vom Netz zu nehmen. Liberal geht anders!" Ich hatte die Domain liberalkonservative.de im Jahr 2010 eingerichtet, als ich von der PDV vielleicht gerade einmal gehört hatte. Da es fragwürdig ist, wenn jeder gleich seine eigene Partei gründet, war ich zunächst Mitglied der euroskeptischen und islamkritischen FREIHEIT und dann der PDV. Janich hätte mir auch ganz normal sagen können, dass er die Verweise zu meinen Domains nicht gut findet. Vielleicht hätte ich die Links zu meiner Seite weggelassen, wenn ich geahnt hätte, dass ich angeblich deswegen rausfliege, vielleicht aber auch nicht! Denn eigentlich möchte ich in keiner Partei sein, die politische Initiativen scheut wie der Teufel das Weihwasser!

Zur Ehrenrettung der PDV muss ich sagen, dass nicht alle in Frontstellung zu mir gingen. So brachte einer ihrer Anhänger am 15. Oktober ein Zitat des libertär-konservativen Sozialwissenschaftlers Hans-Hermann Hoppe: "Was die gegenkulturellen Libertäre nicht erkennen und was echte Libertäre nicht genug betonen können, ist, daß die Wiederherstellung privater Eigentumsrechte und einer Laissez-faire-Wirtschaft eine scharfe und drastische Zunahme sozialer 'Diskriminierung' bedeutet und die meisten, wenn nicht alle, multikulturell-egalitären Lebensstilexperimente, die den linken Libertären so sehr am Herzen liegen, schnell beenden würden. Mit anderen Worten, Libertäre müssen radikale und kompromißlose Konservative sein" (Demokratie - der Gott, der keiner ist; Leipzig 2003, Seite 390).

Abends antwortete ich: "Danke für das Zitat von Hoppe! Er scheint das Gleiche zu sagen wie ich: Wer den Staat auf Normalmaß zurechtstutzen will, der ist eigentlich ein Konservativer, wenn er das völlige Chaos vermeiden will. Denn er hilft den historisch über viele Zeitalter gewachsenen Solidarsystemen wie der Familie, einer stabilen Ehe, der Verwandtschaft, der guten Nachbarschaft und der Gemeindezugehörigkeit zu neuen Ehren" (siehe Für die freie Marktwirtschaft). Dann zitierte ich Friedrich August von Hayek, wonach eine Demokratie nicht nur die wirtschaftliche Freiheit, sondern auch die überlieferten Regeln, Traditionen, Sitten und Bräuche grundsätzlich respektieren sollte, denn diese hätten sich über die Jahrhunderte durch Versuch und Irrtum bewährt. Hayek schätze ich genau wie Hans-Hermann Hoppe als liberal-konservativ ein. Das sich die PDV auf beide Autoren beruft, entpuppt sich nun als Etikettenschwindel.

Eine große Rolle spielt in der Partei der Begriff des Selbsteigentums. "Libertarismus ist die radikale Ansicht, dass andere Menschen nicht dein Eigentum sind", heißt es auf den PDV-Webseiten. Doch die Radikalität hat ihre Grenzen. Denn bei Frauen, die behaupten "mein Bauch gehört mir", macht man gerne eine Ausnahme, um potentielle Wählerinnen nicht zu verärgern. Dass Debatten über dieses Thema in der Partei nicht gern gesehen werden, kommt mir wie eine prinzipienlose Anbiederung an die Frauenbewegung vor. Der Schwangerschaftsabbruch sei in Deutschland als "Frauenbefreiung seit zig Jahren durch", schrieb ein Mitglied am 13. Oktober und ergänzte: "In den USA ist Abtreibung generell noch ein Thema, bei uns nicht. So einfach ist das". Mit USA meinte der Parteigenosse die amerikanische Tea-Party-Bewegung, deren Frontmann Ron Paul als Wertkonservativer und Abtreibungsgegner garantiert ebenfalls aus der Facebook-Gruppe fliegen würde.

Obwohl ich sachlich blieb und versuchte, die Verdrehungen, die Unterstellungen und die an den Haaren herbeigezogenen Argumente mit Humor zu nehmen, wurde die Stimmung immer aggressiver. Ein Gefolgsmann schrieb am 15. Oktober um 23:38 Uhr: "Schmeißt den Typen endlich raus!". Kurz vorher hatte mich ein anderer angemailt: "Nimm doch bitte deinen Kindergarten mit in andere Gruppen bei Facebook oder such dir eine andere Partei, mit der du so eine subversive Scheiße abziehen kannst. Dein Teile und Herrsche-Ding geht hier nicht wirklich auf. Wenn du ein Mitglied der PDV sein willst, dann kennst du das Programm unserer Partei". Den Bock schoss ein weiterer Parteisoldat am 18. Oktober 2012. Er setzte einen Post mit dem Titel: "Ist er weg?" in das Forum und schrieb darin: "Leider geht es praktisch in keinen 'wertkonservativen' Schädel rein, daß sie ihre Werte gerne daheim konservieren können, wir uns sogar dafür zerstückeln lassen, daß sie das tun können, aber sie gefälligst andere Leute damit in Ruhe zu lassen haben. Wirklich jedes Mal das gleiche ... das sind unbelehrbare, zwanghafte Gesellschaftsklempner".

Im Programm der PDV steht ganz oben die Vision einer "vom freien Geist getragenen Gesellschaftsordnung". Und in einer solchen Partei nutzen Leute ihre Position, um zu zensieren, um Mitglieder wegen unliebsamer Meinungen rauszuekeln und Presseberichte darüber zu verhindern. Eine Ungeheuerlichkeit und ein Verrat an der Freiheit! Wenn sogar die vermeintlich radikalsten Verteidiger des Liberalismus sich ihre Agenda vom linken Zeitgeist diktieren lassen und dem Konformismus frönen, ist das ein untrügliches Zeichen für den allgemeinen Verfall der politischen Kultur. Wie es dazu kommen konnte, darüber hat sich nicht zuletzt der libertäre Sozialforscher Hans-Hermann Hoppe Gedanken gemacht. In dem erwähnten Buch "Democracy" schrieb er 2001: "Dass ein beträchtlicher Teil des modernen Libertarismus kulturell links ist, liegt nicht an entsprechenden Neigungen unter den großen libertären Theoretikern. Wie erwähnt, waren diese größtenteils kulturelle Konservative. Vielmehr ist es das Resultat eines oberflächlichen Verständnisses der libertären Doktrin durch viele ihrer Anhänger und Gefolgsleute, und diese Ignoranz erklärt sich aus einem historischen Zufall und der erwähnten, dem sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat inhärenten Tendenz, einen Prozess intellektueller und emotionaler Infantilisierung zu fördern (Entzivilisierung der Gesellschaft)" (deutsche Ausgabe 2003, Seite 384).

Auf Seite 388 zitiert Hoppe den US-Ökonomen Murray Rothbard, der 1990 den kultursozialistischen Libertären bescheinigte, ein gestörtes Verhältnis zum Christentum und zur amerikanischen Kultur zu haben. Rothbard schrieb über Linkslibertäre, die er als 'modale Libertäre' (ML) bezeichnete: "Der ML ist ein jugendlicher Rebell gegen alle in seiner Umgebung: erstens gegen seine Eltern, zweitens gegen seine Familie, drittens gegen seine Nachbarn und schließlich gegen die Gesellschaft selbst. Er opponiert insbesondere gegen die Institutionen sozialer und kultureller Autorität: insbesondere gegen die Bourgeoisie, aus der er stammt, gegen bürgerliche Normen und Konventionen und gegen Institutionen sozialer Autorität wie Kirchen. (…) Und daher auch die fanatische Feindschaft des ML gegen das Christentum. Ich dachte früher, dass dieser militante Atheismus lediglich eine Funktion des Randismus war, aus der die meisten modernen Libertären vor zwei Jahrzehnten hervortraten. Aber Atheismus ist nicht der Schlüssel, denn wenn jemand in einer libertären Versammlung angibt, daß er oder sie eine Hexe oder ein Anbeter der Macht des Kristalls oder irgendeines anderen New-Age-Mumpitz ist, wird diese Person mit größter Toleranz und Respekt behandelt. Es sind nur Christen, die das Ziel von Beschimpfungen sind, und der Grund für diese unterschiedliche Behandlung hat eindeutig nichts mit Atheismus zu tun. Aber es hat alles zu tun mit der Ablehnung und Schmähung der bürgerlichen amerikanischen Kultur" (zitiert aus: Demokratie - der Gott, der keiner ist; Seite 388 f).

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Bessere Lastenverteilung durch Sozialabbau

Der Umverteilungsstaat führte zu einer Vier-Klassen-Gesellschaft. Da sind erstens die Arbeitsplatzbesitzer, die vom Wohlfahrtsstaat optimal profitieren, als Besserverdienende allerdings steuerlich abgezockt werden. Da sind zweitens die Freigesetzten, die nicht viel mehr zu tun haben als ihre Zeit tot zu schlagen. Zu ihnen gehören die Rentner und Pensionäre, die vorgeblich Kranken, die Sozialhilfeempfänger und die steigende Zahl von Frauen, die sich von Männern aushalten lassen, und selbst weder beruflich oder sonst irgendwo nennenswert engagiert sind noch Kinder haben. Oder die ihre Kinder als Faustpfand und Legitimation für überdimensionierte Unterhaltszahlungen einsetzen. Da sind drittens die Arbeitssklaven, die sich einem Erwartungsdruck ausgesetzt sehen, dem sie trotz Computereinsatz und Zeitmanagement kaum gerecht werden können. Dazu gehören neben den armen Karrierefrauen mit Kindern (den Vereinbarkeitsmüttern) viele Unternehmer, soweit sie sich nicht wie Rechtsanwälte, Steuerberater und andere Freiberufler (analog zur mittelalterlichen Ständeordnung) an staatlichen Preisgarantien erfreuen. Es gehören aber auch generell die jüngeren Semester dazu, weil bei ihnen der Kündigungsschutz noch nicht greift. Überhaupt alle prekär bzw. befristet Beschäftigten, das sogenannte Prekariat. Und viertens gibt es immer mehr Reiche, was mit der beschleunigten Globalisierung zu tun hat, vor allem aber den Wettbewerbsverzerrungen geschuldet ist, die der Wohlfahrtsstaat massenweise produziert. Wie bei den Kriegsgewinnlern könnte man hier von Staatsgewinnlern sprechen.

Martin Luther legte die Message von der Erlösung durch Christi Blut wieder frei. Mahatma Gandhi kämpfte für die Unabhängigkeit Indiens. Martin Luther King kämpfte für die Freiheit der Schwarzen. Und für was kämpfe ich? Ich kämpfe für mehr Seelenfrieden durch größere Bescheidenheit und eine bessere Verteilung der Lasten. Wir brauchen eine Kultur der Achtsamkeit, für die sich allen voran der Benediktinerpater Anselm Grün einsetzt. Wer achtsam ist, der genießt die Schönheit der Natur, der achtet auf seine Mitmenschen, ist aber auch aufmerksam gegenüber den nicht zu übersehenden Zeichen des Verfalls. Man sieht zum Beispiel zunehmend mehr Leute mit Adipositas. Die Fettleibigkeit ist heutzutage überwiegend ein Merkmal der Unterschicht – insbesondere Frauen sind betroffen.

Den übertriebenen Leistungsanforderungen in der modernen Arbeitswelt sind vor allem Männer ausgesetzt. Der gesteigerte Leistungsdruck hat seine Ursache nicht im kapitalistischen System, sondern im exzessiven Wohlfahrtsstaat, der die Betriebe und Leistungsträger mit hohen und progressiv steigenden Steuern, Sozialabgaben und Gebühren belastet, und sie damit unter Erfolgsdruck setzt. Pink Floyd haben 1994 in ihrer coolen Art die Gefühle eines Mannes zum Ausdruck gebracht, der nicht mehr gewillt ist, sich von übertriebenen Erwartungen unter Druck setzen zu lassen. In dem Song What Do You Want From Me heißt es: "Soll ich singen bis ich nicht mehr singen kann, Gitarre spielen, bis die Finger wund sind? Ihr seid so schwer zufrieden zu stellen, was erwartet Ihr von mir?"

Die Muße, die man braucht, um zum Beispiel einen Roman zu lesen oder einen Spaziergang zu machen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zum Privileg von Rentnern, Pensionären, gutaussehenden Frauen, sozialen Besitzstandswahrern, einigen Reichen und Etablierten sowie vielen Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst. Sie werden so oder so aus ihrer Gartenzwerg-Idylle herausgerissen werden, sei es mittels einer Revolution, sei es durch den absehbaren Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme.

Die hochgeschraubte Erwartungshaltung gegenüber den an Zahl immer weniger werdenden Leistungsträgern unter den Berufstätigen bezeichnete Friedrich Nietzsche 1884 als 'Geist der Schwere'. Für den deutschen Dichter und Philosophen war dies der Erzfeind einer lebensbejahenden Gesellschaft. Seine Vision war, dass möglichst alle Menschen nicht nur arbeiten und etwas erschaffen, sondern auch tanzen, singen und genießen: "Fast in der Wiege gibt man uns schon schwere Worte und Werte mit: 'Gut' und 'Böse' – so heißt sich diese Mitgift. Um derentwillen vergibt man uns, daß wir leben. Und dazu läßt man die Kindlein zu sich kommen, daß man ihnen beizeiten wehre, sich selber zu lieben: also schafft es der Geist der Schwere. Und wir – wir schleppen treulich, was man uns mitgibt, auf harten Schultern und über rauhe Berge! Und schwitzen wir, so sagt man uns: 'Ja, das Leben ist schwer zu tragen!' Aber der Mensch nur ist sich schwer zu tragen! Das macht, er schleppt zu vieles Fremde auf seinen Schultern. Dem Kamele gleich kniet er nieder und läßt sich gut aufladen. Sonderlich der starke, tragsame Mensch, dem Ehrfurcht innewohnt: zu viele fremde schwere Worte und Werte lädt er auf sich – nun dünkt das Leben ihm eine Wüste!" (Also sprach Zarathustra; Vom Geist der Schwere, Ziffer 2).

In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, und daher muss sie auch für Vollzeit-Berufstätige in der freien Wirtschaft (vor allem für diejenigen ohne Kündigungsschutz) zu erlangen sein, die im zunehmenden Maß die Hauptlast tragen. Erreichen können wir dies nur durch einen Rückbau des Sozialstaats, weil nur so die Kuchenstücke und die Lasten gleichmäßiger verteilt werden, ohne dass der Kuchen kleiner wird. Der Kuchen wird dann im Gegenteil größer, weil ein größerer Teil der Bevölkerung etwas dazu beiträgt.

Alle Bürger, nicht nur Rentner, Frauen und die Lebenskünstler unter den Hartz-IV und BAföG-Beziehern, sollen die Chance haben, zur Gelassenheit in Freiheit zu finden, wie sie Anselm Grün folgendermaßen beschrieben hat: "Gib keinem Menschen Macht über dich! Gib der Arbeit, dem Geld, den Umständen keine Macht über dich! Du bist in Gottes Hand und gehörst Gott. Wenn Du das nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit deinem Herzen glaubst, dann bist du wirklich frei. Dann richtest du dich nicht nach der Meinung der Anderen, dann bist du frei, das zu leben, was in dir ist und deinem wahren Wesen entspricht. Dann bist du auch frei von der Angst, die dich ärgert, weil du sie gerne loshaben möchtest. Du bist mit deiner Angst in Gottes Hand. Daher darf sie sein, ohne dass sie Macht über dich hat. Sie ist von Gott gehalten und berührt. Mach dich von nichts Äußerem abhängig, sondern lebe in der Freiheit, die allein Gott dir zu schenken vermag. Du lässt dich oft von außen bestimmen. Du wirst oft gelebt, anstatt selbst zu leben. Versuche jeden Augenblick bewusst zu leben. Dann wirst du das Geheimnis des Lebens entdecken" (A. Grün: Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte Track 17).

Gemeint ist die Gelassenheit im Bewusstsein der Eigenverantwortung, ein innerer Frieden, der vom Sozialstaat unabhängig ist. Resignation wie im sozialistischen Cuba ist nicht gemeint. Wenn wir der so verstandenen Freiheit Raum geben wollen, muss der Staat schlank, effizient und übersichtlich werden. Er darf sich nicht länger als Umverteilungsmaschine von oben nach unten, oder nach dem Motto "linke Tasche, rechte Tasche" betätigen. Die Transferökonomie hat uns in die Knechtschaft geführt! Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern der allgegenwärtige Sozialstaat. Er hat sich wie Mehltau auf Wirtschaft und Gesellschaft gelegt. Arbeitslosigkeit, Entmündigung, Untätigkeit oder Beschäftigungstherapie für die einen und übermäßiger Leistungsdruck für die anderen sind systemimmanent für unsere 'soziale' Marktwirtschaft, die den Umverteilungsstaat als Klotz am Bein mit sich schleppen muss. Ebenso der Wachstumszwang. Nur der Wohlfahrtsstaat ist auf ständiges Wirtschaftswachstum angewiesen, weil er sonst nicht mehr finanzierbar ist. Gleichzeitig zerstört er mit einer leistungsfeindlichen Steuerprogression und hohen Sozialabgaben und Gebühren die Grundlage für nennenswerte Steigerungen des Bruttoinlandsproduktes. Der Sozialstaat hat uns nicht nur eine kaum noch zu beherrschende Staatsverschuldung gebracht, welche die Generationengerechtigkeit mit Füßen tritt. Er hat Fehlanreize gesetzt und damit neue Unterschichten mitsamt der neuen Armut selbst produziert, so dass aus diesem Grund die soziale Ungleichheit wächst.

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Der Rückfall ins Matriarchat

In dem geschilderten gesellschaftlichen Umfeld ist die Ehe zur Lebensabschnittspartnerschaft verkommen, was sich zu einem Sprengsatz der Gesellschaft zu entwickeln droht, wie wir noch sehen werden. Eheähnliche Institutionen gab es vor dem Christentum zwar auch schon. Es gab die matrilineale Gesellschaft, bei der die rechtliche Stellung über die weibliche Linie ging, auch Matriarchat genannt. Und es gab (und gibt z.B. im Islam und in Asien) die patrilineale Abstammungsordnung, bei der es auf die männliche Linie ankommt, das sogenannte Patriarchat. Der Münchener Soziologe Horst Jürgen Helle bezeichnet die bürgerliche Familie als bilaterale Abstammungsordnung. In der christlichen Theologie sendet ein männlicher Schöpfergott seinen Sohn auf die Erde, um für die Sünden der Menschen einzustehen. Dabei "geschah die Menschwerdung Jesu nach christlichem Verständnis erst aufgrund der Zustimmung einer Frau und ihrer Bereitschaft, als Mutter daran mitzuwirken", schrieb Helle 1980 in dem Aufsatz 'Auf dem Weg zur matrilinearen Gesellschaft'. Frauen und Männer werden im christlichen Kontext schon allein aus diesem Grund als gleichwertig erachtet, auch ohne gleichartig zu sein. Immer mehr Kinder und Jugendliche erleben aber, dass der Vater aus der Familie ausgeschlossen wird, dass ein neuer Partner an seine Stelle tritt, und wenige Jahre später vielleicht wieder einer und wieder einer. Helle, Professor an der LMU München, wertet dies als Rückfall in die bereits überwunden geglaubte Stufe der matrilinealen Familienform.

Vaterschaft ist laut Horst Jürgen Helle im Gegensatz zur Evidenz der Mutterschaft ein relativ modernes und dabei heikles 'Konzept', das im Mutterrecht genau wie die Ehe eine untergeordnete Rolle spielt: "Die matrilineare Abstammungsordnung zeichnet sich u. a. dadurch aus, daß dort auf Ehe verzichtet werden kann: In der Abfolge Mutter - Tochter kann über eine unbegrenzte Zahl von Generationen hinweg die Existenz und Kontinuität eines Verwandtschaftsverbandes ehelos aufrecht erhalten werden. Da in der Wertorientierung das Konzept 'Vaterschaft' fehlt oder niedrig rangiert, können Sexualbeziehungen relativ flexibel institutionalisiert sein, und im Falle des Partnerkonflikts erscheint der Mann als austauschbar, während die Kinder bei der Frau bleiben" (Auf dem Weg zur matrilinearen Gesellschaft?).

Im Abendland gab und gibt es keine 'patriarchalische Unterdrückung der Frau'. Nicht nur im Christentum spielt das weibliche Geschlecht eine wichtige Rolle, nein auch die Götterwelt, die Mythen, Sagen und Mysterien der alten Griechen, Römer, Germanen und Kelten kamen nicht ohne Frauengestalten aus, die zuweilen eine zentrale Stellung innehatten. Zur Friedenssicherung verheirateten die Stammesfürsten ihre Töchter und Söhne an Prinzen und Prinzessinnen benachbarter Reiche - solche Heiratspolitik wäre sinnlos gewesen, wenn die Frauen einen geringen Stellenwert gehabt hätten. Das waren patriarchalische Kulturen, die aber nicht umhinkamen, der weiblichen Ausgabe des Menschen Ehre zu erweisen, wo sie doch Trägerin des Lebens und daher für den Fortbestand einer Gesellschaft unentbehrlich ist. Der Fortschritt lag darin, dass im Matriarchat der Beitrag des Mannes zur Fortpflanzung gering geschätzt wurde, wenn er überhaupt bekannt war. Dementsprechend niedrig angesehen war in der mutterrechtlichen Familienform die männliche Bevölkerung. Nur durch überragende Leistungen konnte man es zu Ansehen und einer gewissen Machtposition bringen. Die 'wilden Kerle' wurden von der Clancheffin fürs Grobe eingeteilt, für schwere und gefährliche Arbeiten, für die Verteidigung gegen Angriffe von außen und für die Eroberung neuer Lebensräume und Ressourcen.

So war es auch bei dem Indianervolk der Haudenosaunee (Völker des Langhauses), die von ihren Feinden als Irokesen (Klapperschlangen) bezeichnet wurden, wie aus einem Welt-Artikel vom 22.03.13 hervorgeht (Bei den Irokesen hatte die Frau das Sagen). Die fünf Stämme der Irokesen, schreibt Berthold Seewald, hatten sich bereits vor der Ankunft der Weißen im Jahr 1451 nach "endlosen Kriegen" zu einem Bündnis mit einer gemeinsamen Außenpolitik vereinigt. Danach überzogen sie ihre Nachbarn mit "zahlreichen Kriegen" und waren für die umliegenden Indianerstämme "durch ihre politische Organisation ein fürchterlicher Gegner". Die ethnologische Ausstellung in Bonn, von welcher der Autor berichtet, "räumt auf mit der Vorstellung vom friedlichen Wilden". Bei all dem Schrecken, den die Irokesen bereits durch ihr Äußeres verbreiteten, wunderten sich die Migranten aus Europa über die soziale Gliederung der Irokesen: "Ältere Frauen standen den Häusern und ihren Clans vor, in denen matrilineares Erbrecht galt. Auch in den Einrichtungen auf Stammesebene hatten die Frauen weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Sie konnten sogar Häuptlinge absetzen".

Da für den Bau der hölzernen Langhäuser, für den Anbau von Mais, Kürbis und Bohnen, für die Jagd und das Sammeln von Waldfrüchten viele Arbeitskräfte gebraucht wurden, führten die Irokesen "regelmäßig 'Trauerkriege' gegen ihre Nachbarn. Diese dienten im Grunde dem Gewinn von Gefangenen, die entweder zu Tode gemartert wurden oder - vor allem - per Adoption Plätze in den Stämmen einnahmen, die der Tod gerissen hatte". Zwar wurden Kriege von den Männern nicht nur geführt, sondern auch beschlossen, heißt es in dem Artikel, "doch hatten die Frauen ein Interventionsrecht, indem sie zum Beispiel Häuptlinge oder Ratsherren absetzen konnten". Die Bonner Ethno-Ausstellung räumte also auch mit der Vorstellung vom friedfertigen Matriarchat auf.

Unter dem Einfluss der Frauenbewegung und der grassierenden Staatsgläubigkeit sind wir im Begriff, wieder in eben dieses Matriarchat zurückzufallen. Der Westen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten endgültig zu einer frauenzentrierten Kultur zurückentwickelt, in der Männer vorwiegend zur Geldbeschaffung und zur Befruchtung gebraucht werden. Ansonsten aber werden sie mehr und mehr zu Vätern auf Zeit gemacht. Der Mann darf Ernährer der Familie sein, muss aber selbst dann noch zahlen, wenn die Frau ihm wegen eines anderen Mannes den Laufpass gegeben hat. Genau wie heute waren die Männer in den matrilinearen Stammesgesellschaften Krieger und Plantagenarbeiter, die für den Schutz und für den Broterwerb zuständig waren. Mit Fleiß und Erfolg konnten sie sich eine bestimmte Position sowie gesellschaftliche Anerkennung erarbeiten, sofern sie aus den oft unvermeidlichen Feldzügen unversehrt nach Hause kamen. Doch sie hatten weder das Recht, eine dauerhafte Ehe zu führen, noch ihre eigenen Kinder zu erziehen oder gar mit ihnen zu leben, ganz zu schweigen im Alter von ihnen versorgt zu werden.

Im Patriarchat, das in islamischen Ländern Realität ist, sowie in der traditionell christlichen bilateralen Ehe und Familie, die als Weiterentwicklung aus der patrilinealen bzw. patriarchalischen Gesellschaft entstand, muss die Sexualität relativ strengen moralischen Regeln unterworfen werden, vor allem die Sexualität der Frau. Denn hier kommt es für die Identität und Namensgebung einer Familie und aller ihrer Mitglieder auf die männliche Vererbungslinie an. Die soziale und rechtliche Stellung, die wirtschaftliche Lage und die Erbberechtigung jedes Gesellschaftsmitglieds hängt hier davon ab, dass mit hinlänglicher Sicherheit gesagt werden kann, wer sein biologischer Vater ist, in dessen Familie es Aufnahme findet. Eine solche Klarheit ist aber nur dann gegeben, wenn beide Geschlechter von vorehelichem oder außerehelichem Geschlechtsverkehr absehen, insbesondere aber die Frauen.

Nun wird behauptet, in Gesellschaften, in denen der Verkehr zwischen den Geschlechtern prinzipiell auf die Ehe beschränkt ist, zöge die Frau den Kürzeren. Das ist aber reine Propaganda der Progressiven und Feministen, die aus einer völligen Verkennung der Komplexität von Gesellschaftssystemen entspringt. Gesellschaftselemente wie Ehe, Familie, Verwandtschaft, das Wirtschaftssystem, der Arbeitsmarkt, die Geschlechtsrollen, die Sexualmoral oder das Rechtssystem stehen in ständiger Wechselwirkung und sind derart miteinander verflochten, dass man kaum eines von ihnen in großem Ausmaß manipulieren oder gar entfernen kann, ohne das gesellschaftliche Gleichgewicht aus der Balance zu bringen und das System als Ganzes zu gefährden. Mit solchem ganzheitlichen Wissen haben zum Beispiel in früheren Zeiten die Ärzte davon Abstand genommen, einem Menschen die Milz zu entfernen, nur weil sie keine Ahnung hatten, für was sie gut sein soll.

Ein solcher Respekt vor innerhalb von vielen Jahrhunderten gewachsenen Strukturen geht den 'fortschrittlichen Kräften' der linken und sozialdemokratischen Parteien und deren etatistischen und wissenschaftsgläubigen Sozial-Ingenieuren völlig ab. Der libertäre Ökonom Friedrich August von Hayek bezeichnete solchen staatlichen Interventionismus als Konstruktivismus und beschrieb plausibel, warum staatlicher Übereifer in den Wohlfahrtsstaaten einen Zersetzungsprozess in Gang setzt. In einer Rede zum Thema "Anmaßung von Wissen" sagte er 1974: "Es liegt Gefahr in dem überschwänglichen Gefühl ständig wachsender Macht, das der Fortschritt der exakten Naturwissenschaften entstehen ließ und das den Menschen versucht, ... nicht nur unsere natürliche, sondern auch unsere menschliche Umgebung der Herrschaft des menschlichen Willens zu unterwerfen. Die Erkenntnis der unüberschreitbaren Grenzen seines Wissens sollte den Forscher auf dem Gebiet der Gesellschaft eine Demut lehren, die ihn davor bewahrt, ein Mitschuldiger in des Menschen unglückseligem Streben nach Beherrschung der Gesellschaft zu werden - ein Streben, das ihn nicht nur zum Tyrannen über seine Mitmenschen, sondern auch zum Zerstörer einer Zivilisation machen kann, die kein Verstand entworfen hat, sondern die erwachsen ist aus den freien Bemühungen von Millionen von Individuen" (Hayek Lesebuch 2011, Seite 252).

Die Fortschrittsgläubigen und Progressiven im Sinne der Gesellschaftspolitik gibt es nicht nur bei den Linken und Grünen, nein auch in konservativen und christlichen Kreisen sind sie weit verbreitet. Ihr erkennt sie an Sprüchen wie: "Man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen". Diese Ansicht ist ebenso falsch wie zerstörerisch für unsere abendländische Kultur. Es ist ein Glaubenssatz, der ohne nachzudenken für wahr gehalten wird. Dieser besagt, dass sich nicht nur die Technik, sondern auch die Gesellschaft automatisch zu höherer Vernunft entwickelt. Dieses Dogma haben wir Hegels Gesetz der geschichtlichen Entwicklung zu verdanken, das Karl Marx in veränderter Form übernommen hatte. Hier wende ich ein: Man kann Geschehenes nicht ungeschehen machen, doch die Geschichte war noch nie ein Rad, das sich immer in eine Richtung drehte. Das Römische Reich ist untergegangen, um dem finsteren Mittelalter Platz zu machen. Und wenn nicht bald ein Wunder geschieht, wird Europa untergehen, um dem Islam Platz zu machen. Darin werden aber nur grenzenlos Naive und Islamisten eine Entwicklung zum Besseren sehen.

Die Fortschrittsapostel erkennt man auch außerdem daran, dass sie Liberale und Konservative wie mich zuweilen als reaktionär bezeichnen. Reaktionäre sind aus marxistischer Sicht Leute, die sich der Aktion entgegenstellen, man heißt sie auch Konterrevolutionäre. Dabei entspricht die Aktion dem, was Marx als Entwicklungsgesetz der Geschichte postulierte, dass sich angeblich die Dinge zwangsläufig in Richtung Weltrevolution und Kommunismus entwickeln. Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel war da harmloser, denn für ihn strebte alles zur höheren Ordnung des Preußischen Staates hin.

Auch wenn immer wieder gebetsmühlenartig behauptet wird, die Männer hätten sich eine patriarchalische Gesellschaft ausgedacht, um Frauen an der Verfolgung ihrer eigenen Interessen zu hindern (z.B. Hakim 2011: Erotisches Kapital), kann dies mit soziologischem Standardwissen und ein wenig Nachdenken widerlegt werden. Dies gilt vor allem für die christliche Familienform, die Horst-Jürgen Helle als bilaterale Abstammungsordnung bezeichnet. In Wirklichkeit handelt es sich hier um eine klassische Win-Win-Situation. Denn wenn und soweit sich die Frau auf die Kontrolle ihrer Sexualität einlässt, hat sie Aussicht auf eine lebenslange Mitgliedschaft in der Familie ihres Ehemannes. Man kann es auch so ausdrücken, dass die den Mann auf diese Weise an sich bindet, was nicht zuletzt auch für die Frauen in christlichen Gesellschaften einen Wohlstandsgewinn mit sich brachte, weil er sie und die Kinder nicht nur motiviert vor Angriffen von Mensch und Tier beschützte, sonder auch motiviert für die Familie arbeitete. Jedenfalls motivierter als im Matriarchat, wo der Mann typischer Weise weder das Recht auf eine dauerhafte Ehe noch auf das Zusammenleben mit seinen leiblichen Kindern hatte. Wenn Mann und Frau in ehelicher Treue zusammenleben und Bett, Arbeit sowie Kindererziehung teilen, dann profitieren sie beide, und zwar dann ganz besonders dann, wenn sie eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung nicht aus ideologischen Gründen zu vermeiden suchen. Zudem profitieren in einer intakten bürgerlichen Familie die Kinder davon, dass ihre wichtigste männliche Bezugsperson nicht der Onkel (der Bruder ihrer Mutter) oder ein anderer x-beliebiger Mann ist, sondern der biologische Vater.

Auch von der Erosion des Ideals einer lebenslangen Ehe sind also vor allem die Männer betroffen. Immer öfter sind sie gezwungen, ein Leben von Einzelgängern und modernen Nomaden zu leben. Mehr als 90 Prozent der Scheidungskinder werden der Mutter zugesprochen. Der Anteil der Ehescheidungen ist von 15 Prozent in den 1960er Jahren auf heute 35 bis 40 Prozent gestiegen (Statistisches Bundesamt: Ehescheidungen 2009; Schaubild 3). Dabei werden 57 Prozent der Scheidungen von der Frau eingereicht. In Verbindung mit der weitgehenden Entrechtung der Väter durch die Familiengerichte hat dies nicht zuletzt negative Konsequenzen für das Wohlstandsniveau der westlichen Gesellschaften. Denn für ein Familienleben auf Zeit werden sich die Männer in Zukunft kein Bein ausreißen. Zunehmend mehr Väter werden beruflich kürzer treten, dann müssen sie nicht mehr so hohe Steuern, Sozialabgaben und Unterhaltszahlungen abführen!

Es gibt vermutlich immer mehr Männer, die Arbeit und Gelderwerb einstellen, damit sie keine Unterhaltszahlungen leisten müssen. Auf jeden Fall entfaltet die Unterhaltspflicht eine extrem leistungsfeindliche Wirkung, denn sie wirkt sich wie eine Verdoppelung der Steuer- und Abgabenlast aus. Eine wahrhaft drakonische Strafe für ihre Beteiligung an der Zeugung von einem oder mehreren Kindern, bei der mit hoher Wahrscheinlichkeit jeweils die Mutter die treibende Kraft war! Vor allem: Je mehr der Mann verdient, desto mehr muss er an seine Familie abdrücken, aus der ihn seine geschiedene Frau in der Mehrzahl der Fälle aussondert hat. Da dieses Ausbeutungsverhältnis Jahrzehnte anhalten kann, leben viele der betroffenen Väter in der Gewissheit, dass sie es nie auf einen grünen Zweig bringen können. Höchstens mit Schwarzarbeit und krummen Geschäften, von denen weder der Staat noch die Ex etwas mitbekommen. Auf diese Weise macht der Wohlfahrtsstaat auch das weitere Leben vieler guter Männer kaputt, nachdem er bereits ihre Ehe und ihre Familie zerstört hat. Er treibt sie in die Illegalität und sperrt sie, wenn sie erwischt werden, jahrelang weg. Die Bräute dagegen, die von der illegal verdienten Kohle vielleicht über viele Jahre ausgehalten wurden, werden nicht etwa der Hehlerei (Wikipedia: Verschaffungshehlerei) bezichtigt, sie bleiben meist unbehelligt.

Andere treibt der Umverteilungsstaat in die Arbeitsverweigerung, um sie sodann als Opfer seines Helfersyndroms zu missbrauchen. Sie gesellen sich zu den Männern, die auf Grund immer höherer Berufseintrittsschranken und der staatlichen Förderung des Doppelverdienertums von vornherein kaum eine Chance auf eine stabile Beziehung und ein normales Familienleben hatten - weil sie zu wenig verdienen, um dem Beuteschema der Frauen zu entsprechen. Einer wachsenden Zahl von Männern ist mit der Zerstörung der traditionellen Familie Sinn und Zweck für berufliches Engagement weitgehend abhanden gekommen, sie können das Arbeiten einstellen oder auf ein Minimum zurückschrauben.

Einem meiner Facebook-Freunde hat die Exfrau seine Kinder so konsequent entfremdet, dass er sie nach ein paar Jahren gar nicht mehr sehen durfte. Er schrieb am 20. Mai 2013 zu einer Meldung der Tagesschau, wonach unverheiratete Väter künftig das Sorgerecht für ihre Kinder beantragen dürfen: "Ich war alleinerziehend, weil die Mutter als nicht erziehungsfähig erklärt wurde. Sie ist weggelaufen und zog mit einer Motorradgang durch die Lande. Nach einem halben Jahr ging ihr das Geld aus und sie besann sich auf die Vorteile, selbst Kinder zu erziehen. Soweit zu den armen Alleinerziehenden. Wenn sie doch so zu bedauern sind, warum prügeln sie sich dann darum? Alle halbe Jahre wurden die Kinder erneut vor den Familienrichter geschleift, weil die Mutter beteuerte, dass die Kinder nun zur Mutter ziehen wollten. Nach 4 Jahren hat sie es dann geschafft - mit allerlei Geschenkversprechungen. Kommentar vom Familienrichter: 'Ich kann zwar erkennen, dass die Kinder massiv manipuliert wurden', aber der seelische Schaden sei umso größer, wenn er nun nicht dem Wunsch der Kinder entsprechen würde. Seitdem habe ich die Kinder nie wieder gesehen. Vorher waren die Kinder jedes Wochenende bei der Mutter. Für mich wurde keine Umgangsregelung vereinbart. Was nutzen die besten Gesetze, wenn sie doch willkürlich interpretiert werden? Und wenn es schon für verheiratete Väter nahezu aussichtslos ist, braucht man sich als Unverheirateter erst recht keine allzu große Hoffnung machen".

Die Auflösung der bürgerlichen Familie und der Rückfall ins Matriarchat bedrohen die westlichen Gesellschaften in ihrem Kern, in ihrer Existenz. Es war kein Zufall, dass sich in der Menschheitsgeschichte diejenigen Kulturen durchgesetzt hatten, welche die patrilineare oder bilaterale Familienform lebten. In den matrilinearen Gesellschaften hatten die Männer typischer Weise die Aufgabe, ihre Schwestern sowie deren Kinder, die von irgendwelchen fremden Männern gezeugt wurden, zu versorgen und zu verteidigen. Die dann aufkommenden patriarchalischen Gesellschaften waren ihnen sowohl militärisch als auch technologisch und wirtschaftlich überlegen, weil dort das mutigere, kräftigere und innovativere Geschlecht nicht am Katzentisch sitzen musste!

Die Männer durften dort für ihre eigene Frau und für ihre leiblichen Kinder sorgen, sie konnten also eine Ehe führen, eine Familie gründen und das männliche Pendant des Mutterglücks erleben: das Hochgefühl eines Vaters, der für seine Kinder da ist, unter anderem weil diese eines Tages seine Arbeit fortführen und ihn im Alter versorgen würden. Dementsprechend beflügelt gingen sie an die Arbeit, auch weil ihr Einsatz jetzt nicht mehr von einem Clan vereinnahmt wurde, in dem sie kaum Aufstiegschancen hatten. Jetzt konnte man als Mann mit Leistung und Geschick seine gesellschaftliche Stellung unmittelbar verbessern und sich auch mit der Vielehe zu einem Stammvater und Clanchef hocharbeiten. Mit anderen Worten: Nun hatte man als Mann wirklich etwas zu verlieren, wenn Räuberbanden oder feindliche Mächte das Land bedrohten. Folglich waren die Männer einer patrilinealen oder christlichen Kultur weit besser motiviert, im Kriegsfall Haus und Hof zu verlassen, um in einem Heeresverband ihre Familie und das eigene Land gegen Eindringlinge bis aufs Blut zu verteidigen. Von vornherein auf verlorenem Posten standen im Kampf der Kulturen übrigens Völker, die keine ausgeprägte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau vorsahen.

Bei uns werden demzufolge immer weniger Männer bereit sein, außergewöhnliche Strapazen auf sich zu nehmen oder ihre Heimat unter Einsatz ihres Lebens zu schützen. Warum sollten sie auch, wo sie doch immer öfter als Zahlesel missbraucht und abwechselnd als Monster oder als Deppen der Nation hingestellt werden. Nach der Säkularisierung Europas haben Wohlfahrtsstaat und Feminismus den Kontinent (sowie viele andere westliche Gesellschaften) entscheidend geschwächt, sodass er Gefahr läuft, vom Islam überrollt zu werden. Wenn es glimpflich ausgeht, wird sich das Problem auf demographischem Wege von selbst erledigen, indem sich der Westen einfach abschafft. Denn zusehends weniger Männer der im Untergang begriffenen abendländischen Kultur lassen sich überhaupt auf eine Familiengründung ein. 

Der demografische Niedergang schlägt sich längst in den Zahlen nieder. Anfang November 2012 veröffentlichte die 'Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung' (OECD) eine Langfristprognose auf Grundlage des Anteils am weltweiten Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität. Demnach wird Deutschland in den kommenden 50 Jahren seinen Platz als fünftstärkste Wirtschaftsmacht verlieren und auf Platz zehn zurückfallen. Die Deutschen waren im Jahr 2011 bereits von den Indern überflügelt worden, denn auf den ersten vier Plätzen stehen die USA mit 22,7 Prozent, China mit 17 Prozent, Japan mit 6,7 Prozent und Indien mit 6,6 Prozent. Nach der OECD-Studie werden uns in einem halben Jahrhundert auch noch Brasilien, Indonesien, Mexiko, Großbritannien und Russland überholt haben, meist weil sie eine höhere Geburtenrate verzeichnen, während die dramatische Überalterung in den meisten europäischen Ländern mit einem verminderten Wirtschaftswachstum einhergeht (Welt vom 09.11.12).

Wir müssen die bürgerliche Familie gegen die Konkurrenz durch den Wohlfahrtsstaat verteidigen. Mit dem christlichen Wertesystem ist es schlichtweg nicht vereinbar, dass Alleinerziehende von immer mehr staatlichen Leistungen profitieren und die Väter gleichzeitig von der Staatsgewalt zu oft happigen Unterhaltszahlungen gezwungen werden. Vor allem dann nicht, wenn die Familiengerichte fast automatisch der Mutter das Sorgerecht für alle Kinder zuschustern, um dadurch Unterhaltsansprüche scheinbar rechtfertigen zu können. Und schon gar nicht, wenn die Trennung überwiegend von der Frau ausging, zum Beispiel wegen eines anderen Mannes! In christlichen Gesellschaften hat es eine solche Überversorgung von alleinstehenden Müttern nie gegeben, weil dadurch Anreize zur Aufkündigung einer Ehe gesetzt werden. Das Neue Testament warnt im ersten Paulusbrief an Timotheus, Kapitel 5, Verse 11 bis 16, sogar vor einer Überversorgung junger Witwen durch die Gemeinde, und stößt damit unseren Feministinnen und ihren Pudeln gehörig vor den Kopf: "Die jüngeren Witwen sollen nicht in das Verzeichnis (der von der Gemeinde zu versorgenden) aufgenommen werden, denn wenn ihr körperliches Verlangen stärker wird als ihre Hingabe an Christus, werden sie wieder heiraten wollen. (…) Außerdem gewöhnen sie es sich sonst an, faul zu werden und ihre Zeit damit zu vertrödeln, mit den Nachbarn zu klatschen, sich neugierig in die Angelegenheiten anderer einzumischen und Dinge zu sagen, die sie nicht sagen sollten. Deshalb rate ich diesen jüngeren Witwen, wieder zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich um ihren eigenen Haushalt zu kümmern. Dann wird der Feind (der Teufel) nichts gegen sie vorbringen können. Denn ich befürchte, dass einige bereits auf Abwege geraten sind und jetzt dem Satan folgen. Wenn eine gläubige Frau Witwen in ihrer Verwandtschaft hat, muss sie sich um sie kümmern und darf die Verantwortung nicht auf die Gemeinde abschieben. Dann kann die Gemeinde diejenigen versorgen, die wirklich allein dastehen".

Ich bin nicht ohne Grund entschieden gegen die Umverteilungspolitik des Wohlfahrtsstaats. Staatliche Gelder haben für den Organismus Gesellschaft eine ähnliche Wirkung wie Drogen für den menschlichen Organismus. Sie bringen den Hormonhaushalt und das Gehirn durcheinander und machen abhängig. Wenn ein Land mit Staatsknete überschwemmt wird, führt das zu widernatürlichen Einkommensverhältnissen und Machtgefällen. In den Sozialstaaten Europas haben die Faulen oft mehr Geld als die Fleißigen, die Ausländer mehr als viele Einheimische, die Kranken haben mehr Geld als die Gesunden, die Alten ein höheres Einkommen als die Jungen.

Immer öfter haben die Männer weniger Kohle als ihre Frauen. Das hat eine enorm zerstörende Wirkung, weil es der Geschlechtspolarität widerspricht, die den Rollen von Mann und Frau ihren eigentlichen Sinn gibt. Nach wie vor wird vom Mann verlangt, dass er der maßgebliche Ernährer der Familie ist. Dementsprechend versuchen praktisch alle Frauen, nach oben zu heiraten und einen zahlungskräftigen Partner zu finden. Indem aber der Staat die Frauen durch allerlei Anreize in berufliche Karrieren puscht, macht er es ihnen immer schwerer, eine gute Partie zu finden! Zusehends mehr Frauen bleiben daher allein und kinderlos. Gerade weil in Deutschland der Wohlfahrtsstaat maximal ausgebaut ist, sind wir mittlerweile das Land, in dem die wenigsten Kinder zur Welt kommen. Unser Staat sollte daher aufhören, sich um die sogenannte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu kümmern. Das Ehegattensplitting muss zu Gunsten von höheren Kinderfreibeträgen gestrichen werden. Abschaffen sollten wir auch alle anderen familienpolitischen Leistungen, da sie bei Trennung und Scheidung meist der Frau zugutekommen und somit staatliche Anreize für die Ehescheidung und das Alleinerziehertum darstellen.

Die Regression der Gesellschaft in Richtung Matriarchat ist deswegen mit einer 'sexuellen Revolution' verbunden, weil es in der matrilinealen Familienform nicht darauf ankommt, wer der biologische Vater eines Kindes ist. Dass die Sexualität zum Beispiel in der Esoterik eine immer größere Rolle spielt, ist eine Begleiterscheinung des Kulturverfalls. Dies kommt den Zeitgenossen gut zu Pass, denn seit der christliche Glaube durch den Supermarkt der Religionen an den Rand gedrückt wurde, ist die Sexualität ohnehin zu einer der wichtigsten Ersatzreligionen geworden. Hier kann man mit Fug und Recht von Götzendienst sprechen. Vor allem junge, attraktive Frauen stehen im Mittelpunkt bei diesem modernen Tanz um das goldene Kalb.

Als Beispiel sei das 'Heilungsbiotop 1 Tamera' genannt, ein Friedensforschungsprojekt in Portugal, in dessen Rahmen rund 200 Menschen leben und arbeiten. Im Wikipedia-Artikel zu Tamera steht: "Entscheidend für das Projekt und damit auch für Tamera ist die Idee der freien Liebe. Darunter wird eine Liebe zwischen Liebespartnern ohne Eifersucht, Verlustangst, Besitzansprüche, Bedürftigkeit und Verstellung verstanden. Zur Realisierung der Idee der freien Liebe zwischen einem oder mehreren Liebespartnern ist Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft von elementarer Bedeutung".

Gott sei Dank habe ich hier die Möglichkeit, in aller Ruhe auf die Argumente einzugehen: Liebe ohne Eifersucht, Verlustangst, Besitzansprüche, Bedürftigkeit und Verstellung gibt es am ehesten in der christlichen Ehe und Familie, wo Eifersucht und Verlustangst kaum eine Chance haben, weil man sich auf das Treueversprechen des Partners verlassen kann. Wenn gläubige Christen den heiligen Stand der Ehe wirklich ernst nehmen, dann schießen auch Besitzansprüche und gegenseitige Abhängigkeiten nicht ins Kraut, weil sich alle auf Christus ausrichten. Weil außerdem jeder weiß, dass wir nur Gast auf Erden sind und nichts von den irdischen Gütern mit in den Himmel mitnehmen können bzw. müssen. Unter Christen braucht man sich auch nicht zu verstellen, um sich den Anschein eines guten Menschen zu verpassen. Denn definitionsgemäß ist ein Christ nichts anderes als ein Sünder, der Christi Blut zur Vergebung seiner Sünden in Anspruch genommen hat. Warum sollte er sich da scheinheilig verstellen?

Auch ich war als junger Erwachsener einmal Anhänger der freien Liebe, bin es aber längst nicht mehr. Es ist nicht nur legitim, sondern auch wichtig, dass der Nachwuchs das Vorgefundene in Zweifel zieht. Allerdings kann man mit Fug und Recht auch das ständige Hinterfragen hinterfragen. Ohne einen minimalen Wertekonsens gibt es keine Gesellschaft, sondern nur Chaos und Bürgerkrieg. Wer das Abendland retten will, kämpft gegen die freie Liebe als Norm für die Allgemeinheit, aber für die freie Marktwirtschaft! Minderheiten müssen jedoch geschützt werden. Sie sollten nur dann eine Sonderbehandlung erfahren, wenn sie die Freiheit ihrer Mitmenschen beeinträchtigen oder beispielsweise die öffentliche Gesundheit gefährden. Allerdings hätte im unverfälschten Kapitalismus die sexuelle Freizügigkeit als Standardnorm ohnehin kaum eine Chance, weil man ohne Gevatter Wohlfahrtsstaat auf die eheliche Treue und die bürgerliche Familie als dezentrale Solidargemeinschaften existenziell angewiesen ist. Deswegen ist für uns und unsere Zukunft von entscheidender Bedeutung, für die freie Marktwirtschaft einzutreten.

Dass wir eingeladen sind, Jesus nachzufolgen, ihn als unseren Herrn anzuerkennen, sein Opfer am Kreuz und seine Auferstehung in Anspruch zu nehmen, das klingt zuweilen auch bei Sabine Lichtenfels an, der Gründerin des "Friedensdorfs" im portugiesischen Tamera. Aber es klingt eben nur an. Für meinen Geschmack ist ihre Message zu nebulös, zu esoterisch, zu sehr am Mainstream orientiert, zu sehr auf Harmonie bedacht, zu politisch korrekt, um nicht in den Ruch des 'christlichen Fundamentalismus' zu kommen, der ja angeblich ähnlich gefährlich wie sein muslimisches Pendant ist. In Matthäus 7,13-16 heißt es aber: "Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden! Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen".

Die falschen Propheten lehrten uns, auf Gottes Liebe zu pfeifen und Sinn und Zuflucht in erster Linie bei der Liebe einer Frau zu suchen. Solcher Götzendienst hat ehemals freie Männer zu Knechten des Materialismus gemacht. Ein Weib ohne Gottvertrauen sucht mehr denn je die materielle Versorgung und gibt sich daher nur mit Männern ab, die mit einem fetten Auto als Statussymbol dokumentieren, dass diese sie auskömmlich versorgen können.

Unsere frauenzentrierte Gesellschaft zollt Männern nur dann einen gewissen Respekt, wenn sie ihrer Rolle als Geldbeschaffer genügen. Wenn ein Mann jedoch seiner Funktion als Arbeitssklave nicht gerecht werden kann oder will, wird er links liegen gelassen und insbesondere von den Frauen (aber auch von den meisten Männern) als Paria, als Unberührbarer, als unter ihrer Würde behandelt. Kleider machen Leute, und für die Weiblichkeit spielt das Äußere eine ganz besonders große Rolle. So wird ein Mann, der mit Anzug und Krawatte über den Parkplatz läuft, um dann mit seiner Limousine davonzubrausen, mit äußerstem Wohlwollen betrachtet. Wer aber mit dem Fahrrad fährt und auf dem Heimweg von der Arbeit noch beim Discounter einkaufen geht (was im Zweifel gesünder, umweltschonender und rationaler ist), dem lassen gerade die Frauen ihre Verachtung spüren. Denn das weibliche Geschlecht ist weit stärker als das männliche vom Prestige-Denken geprägt, nicht zuletzt, weil ihr Sexualverhalten davon durchdrungen ist. Während es für den Mann auf die Jugendlichkeit, Schönheit und Gebärfähigkeit einer Frau ankommt, kommt es den Frauen auf den Status und das Einkommen eines Mannes an, denn sie suchen in aller Regel nach oben zu heiraten. Zumindest aber müssen das Gehalt und die soziale Sicherheit des Bewerbers stimmen.

Trennung und Scheidung, von der fast jede zweite Ehe betroffen ist, sind die bitteren Früchte der Abkehr vom christlichen Glauben. Sie bergen aber auch die Chance zu erkennen, wie sehr die angeblich so aufgeklärte westliche Welt mit der innerweltlichen Erlösung (Max Weber) auf Sand gebaut hat. Wenn Väter aus der Familie entlassen werden, diese aber weiterhin finanzieren müssen, wird offensichtlich, dass der Mann in der frauenzentrierten Gesellschaft weitgehend auf die Funktion des Geldbeschaffers (also des Arbeitssklaven) reduziert wird.

Der evangelische Prediger Axel Kühner fragte 2001 in einem seiner Bücher: "In welcher Liebe bist du zu Hause, welcher Glaube ist dein Fundament, welche Hoffnung dein Dach, welche Berufung dein Lebensraum?" (Zuversicht für jeden Tag, 9. Juli). Sinngebung und ein Zuhause finden die Bürger der nachchristlichen Gesellschaft meist in der Liebe zum Partner und zu den Kindern. Doch immer mehr Väter haben ihr Zuhause verloren, da ihre Ehe gescheitert ist und sie ihre Kinder kaum noch oder gar nicht mehr sehen. An die Stelle des Gottvertrauens ist üblicherweise der Glaube an sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten getreten. Doch wie nachhaltig ist diese Zuversicht, da wir alle älter werden und sich die moderne Welt immer schneller dreht? Ist die Hoffnung auf die nächste Beförderung wirklich wie ein Dach über dem Kopf oder nur ein "Haschen nach Wind", wie der biblische König Salomo schrieb?

Wer Christus nachfolgt und darin seine wichtigste Berufung sieht, der hat meist keinen komplett anderen Lebensraum, setzt aber die Gewichtung anders. Gläubige Christen sind nicht aufgerufen, der Welt zu entsagen, sondern in ihr zu leben. Sie fahren ebenfalls mit dem Auto herum, heiraten, kriegen Kinder, bauen Häuser und stehen im Berufsleben ihren Mann. Doch sie hängen nicht ihr ganzes Herz daran, und das macht für Axel Kühner den Unterschied: "Wenn Menschen ihr Zuhause bei Gott, ihre Erfüllung in seiner Liebe und ihre Hoffnung in seinen Verheißungen finden, brauchen sie dann alles andere nicht mehr? Doch, sie brauchen es jetzt erst richtig. Das heißt, sie werden ihr Haus und Heim, ihre Arbeit und Erfahrung, ihre Nächsten und Lieben, ihr Geld und Gut, ihren Leib und Verstand, ihre Sinne und Geschlechtlichkeit nicht mehr mit einem letzten Zuhause verwechseln, sondern weil sie ihr Zuhause in Gottes Liebe gefunden haben, alles richtig gebrauchen. Sie werden es dankbar nutzen, weder als göttlich überbewerten, noch als gottlos abwerten, sondern in der Liebe zum Geber alle seine wunderbaren Gaben richtig gebrauchen!" (Zuversicht für jeden Tag, 9. Juli).

Das größte Glück ist weder eine funktionierende Partnerschaft bzw. Ehe, noch der Bau eines Eigenheims oder die Familiengründung. Für mich wäre das größte Glück Frieden in Christus. Der kostet allerdings die Mühe, den geistlichen Kampf zu kämpfen (Epheser 6,10 bis 17), den Kampf gegen die Mächte der Finsternis: Gegen den Wohlfahrtsstaat, gegen die autoritätslose Erziehung, den Feminismus, die Übersexualisierung, die Political Correctness, das Spießbürgertum, gegen die eigene Eitelkeit und Menschenfurcht sowie generell gegen die angeborene Undankbarkeit und Bosheit der Menschen, die zu bändigen unsere sterbende Kultur kaum mehr in der Lage ist. Hinzu kommt: Wir sind heimatlos. Welcher Genosse unseres Fürsorgestaats betrachtet sein Land oder seine Stadt noch als Heimat? Auch die Entwicklung zur Erfolgs- und Konsumgesellschaft betrog uns um die Gemeinschaft in Familie, Dorf und Nachbarschaft. Das alles machte uns zu vereinzelten Individuen, denen in bestimmten Lebenssituationen zunehmend der Staat als Ansprechpartner anempfohlen wird. Zwar haben wir jetzt in ihm so etwas wie einen reichen Onkel aus Amerika, der uns bei finanziellen Engpässen bereitwillig unter die Arme greift. Aber dafür haben wir unsere Heimat verloren, und unsere Freiheit obendrein. Und immer öfter sind wir nicht nur allein, sondern fühlen uns auch einsam.

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Neubesinnung auf den christlichen Glauben

Die Gutmenschenfraktion will ja ebenfalls eine Gesellschaft, in der alle 'lieb' zueinander sind. Doch anstatt zu sagen, wie sie das erreichen wollen, hacken immer mehr von ihnen nicht nur auf den Kirchen herum, sondern auch ganz allgemein auf Lehre und Glauben der Christen. Das ist destruktiv. Die meisten Christentumskritiker empfinden es offensichtlich als gar nicht nötig, konstruktive Redebeiträge zu bringen. Woran liegt das? Wahrscheinlich unter anderem daran, dass sie indirekt von Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778) beeinflusst sind. Der französische Philosoph behauptete, der Mensch sei von Natur aus gut, und man müsse nur den negativen Einfluss der Zivilisation von ihm abtun, und schon käme seine altruistische und großherzige Natur zum Vorschein. Diesem Standpunkt steht aber nicht nur der Verfall Europas nach der Entchristlichung entgegen. Auch eine Reihe von Philosophen sahen das ganz anders – allen voran der Engländer Thomas Hobbes, der sagte: "Der Mensch ist des Menschen Wolf".

Wir sollten am christlichen Glauben als ideelles Fundament unserer Gesellschaft festhalten. Eine solche wertkonservative Einstellung stützt sich unter anderem auf die Erkenntnis von Philosophen wie Karl Jaspers, Karl Raimund Popper, Ortega Y Gasset und Bertrand Russell, wonach die Wahrheit entgegen allen pseudo-philosophischen Unkenrufen existiert. Insbesondere Popper argumentiert gegen den Relativismus, wonach es angeblich keine objektive Wirklichkeit, sondern nur subjektive Wirklichkeiten gibt. Wir könnten allerdings nie genau wissen, allenfalls vermuten, dass wir ihr nahe sind, selbst wenn wir die Wahrheit tatsächlich einmal aussprechen (Popper: Alles ist nur Vermutung; CD 3: Philosophie gegen falsche Propheten). Von den komplizierten philosophischen Fragen einmal abgesehen, gebe es allerdings einfache Tatsachen, die keiner ernsthaft bestreiten kann. Darauf kann man vielleicht aufbauen.

Eine unbestreitbare Wahrheit aus einem ganzen Gerüst von relativ unstrittigen Realitäten und Wirklichkeiten ist die Tatsache, dass der Mensch als Nesthocker für viele Jahre auf feste Bezugspersonen und eine behütende Umgebung angewiesen ist. Wenn ein Kind optimal heranreifen soll, dann darf man es nicht ins kalte Wasser werfen. Und nichts anderes bedeutet es, wenn der Nachwuchs der chaotischen Eigendynamik ineinandergreifender Patchwork-Familien anheimgegeben wird. Kinder und ihre biologischen Väter haben ein Menschenrecht auf gemeinsames Leben und Lernen. Genau dies wird ihnen jedoch in dem Maße versagt, in dem vor allem der Staat mit seinem Sozialsystem und mit Rechtsansprüchen z.B. auf Unterhaltszahlungen den Zusammenhalt in der Familie überflüssig macht. Dadurch werden die Familien- und Verwandtschaftssysteme unterhöhlt!

Ihre Stabilität reicht dann gerade noch für Schönwetterperioden und natürlich für die Luftschlösser der Frauenliteratur, die Nachfolger der Arztromane. Sollte, nur als Beispiel, der Familienvater der von ihm erwarteten Rolle des finanziellen Providers nicht mehr zur Zufriedenheit der Ehefrau gerecht werden können, droht sich die Familie in Wohlgefallen aufzulösen. Der Vater wird entlassen und womöglich noch konsequenter als bisher zum Zahlmeister degradiert. Die Familie manifestiert sich dann nur noch im Rechtsstreit über Unterhaltsansprüche meist zu Gunsten der Mutter und vorgeblich auch der Kinder, dem Austausch von Rentenanwartschaften, dem Auseinanderklamüsern des Vermögens, kurz: im Zwangskorsett des "sozialen" Rechtsstaats. Selbst mit einem Ehevertrag und perfekter Gütertrennung drohen auch nach der Scheidung über Jahre hinaus Regresspflichten, sollte der ehemalige Partner zu nah ans Saugrohr des Sozialhilfe-Regimes gekommen sein.

Unter dem Einfluss des Materialismus marxistischer Prägung, ist der Bevölkerungsmehrheit die Einsicht abhanden gekommen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt (Matthäus 4, Vers 4). Mit anderen Worten: Es ist naiv zu glauben, dass ein Leben gelingt, nur weil die materielle Versorgung des Menschen gesichert ist. Der christliche Philosoph Aurelius Augustinus (354 bis 430 nach Christi Geburt) sagte einmal: "Besser auf dem richtigen Weg hinken, als festen Schrittes abseits zu wandeln". Und der evangelische Pfarrer Axel Kühner ergänzte: "Besser mit kleinen Möglichkeiten großes Glück erfahren, als mit riesigen Mitteln allerhand zerstören! Besser unter Verzichten und Mängeln richtig leben, als alles haben und alles verkehrt machen!" (Zuversicht für jeden Tag; 4. Juli). "Mit riesigen Mitteln allerhand zerstören", das ist vielleicht nicht das Ziel, aber jedenfalls die Wirkung der Familienpolitik in Europa. Ich würde sie komplett abschaffen, mit Ausnahme der Kinderfreibeträge und einer starken Kinderkomponente bei der Rentenversicherung.

Die Genossen unserer säkularisierten Gesellschaften wähnen sich frei. Das ist allerdings ein Missverständnis. Sie sind so ungebunden wie ein Astronaut, der in seinem Druckanzug das Raumschiff verlässt: unendlich frei aber auch unendlich verloren. Er kann in tausend Richtungen davonschweben, doch wenn er überleben will, dann bleibt ihm zur eine Möglichkeit: zurück ins Raumschiff. Im Zuge der Entchristlichung können wir vor allem in den europäischen Gesellschaften, die ja auf dem Christentum aufbauten, dramatische Auflösungserscheinungen beobachten. Doch die Anhänger des Rundum-Sorglos-Staates, auch die Atheisten und Feministen wirken weiter fleißig darauf hin, dass zusehends mehr Menschen in Orientierungslosigkeit und Sinnlosigkeit stürzen.

Friedrich Nietzsche hatte maßgelblichen Anteil an dieser Entwicklung, dennoch formulierte paradoxerweise gerade er wie kein Anderer das Problem dieses Zerstörungswerkes. Er nannte auch die Irrlichter, die uns dazu verleiten, die Ausmaße des Schadens nicht zu sehen: "Wohin ist Gott? Was haben wir gemacht? haben wir denn das Meer ausgetrunken? Was war das für ein Schwamm, mit dem wir den ganzen Horizont um uns auslöschten? Wie brachten wir dies zu Stande, diese ewige feste Linie wegzuwischen, auf die bisher alle Linien und Maße sich zurückbezogen, nach der bisher alle Baumeister des Lebens bauten, ohne die es überhaupt keine Perspektive, keine Ordnung, keine Baukunst zu geben schien? Stehen wir denn selber noch auf unseren Füßen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und gleichsam abwärts, rückwärts, seitwärts, nach allen Seiten? Haben wir nicht den unendlichen Raum wie einen Mantel eisiger Luft um uns gelegt? Und alle Schwerkraft verloren, weil es für uns kein Oben, kein Unten mehr gibt? Und wenn wir noch leben und Licht trinken, scheinbar wie wir immer gelebt haben, ist es nicht gleichsam durch das Leuchten und Funkeln von Gestirnen, die erloschen sind? Noch sehen wir unsren Tod, unsere Asche nicht, und dies täuscht uns und macht uns glauben, daß wir selber das Licht und das Leben sind – aber es ist nur das alte frühere Leben im Lichte, die vergangne Menschheit und der vergangne Gott, deren Strahlen und Gluten uns immer noch erreichen – auch das Licht braucht Zeit, auch der Tod und die Asche brauchen Zeit! (...) Gott ist tot! Und wir haben ihn getötet! Dies Gefühl, das Mächtigste und Heiligste, was die Welt bisher besaß, getötet zu haben, wird noch über die Menschen kommen, es ist ein ungeheures neues Gefühl! Wie tröstet sich einmal der Mörder aller Mörder! Wie wird er sich reinigen!" (Fragmente Anfang 1880 bis Sommer 1882, Band 3, Kapitel 15, Nr. 14[25])

Die Völkerwanderung schwillt an, der Untergang Europas beschleunigt sich. Vielleicht hatte Nietzsche Recht: Das abendländische Europa ist schon länger tot, und das, was wir sehen, nur ein Nachglühen. Aber selbst wenn die Völker Europas demnächst endgültig hinweggefegt werden, leben sie doch weiter im geschriebenen Wort, im Gedicht und in der Musik. Ernst Jünger schrieb 1939 in seiner Erzählung 'Auf den Marmorklippen':

"Nun brach für uns an der Marina eine sonderbare Zeit heran. Indes die Untat im Lande wie ein Pilzgeflecht im morschen Holze wucherte, versenkten wir uns immer tiefer in das Mysterium der Blumen, und ihre Kelche schienen uns größer und leuchtender als sonst. Vor allem aber setzten wir unsere Arbeit an der Sprache fort, denn wir erkannten im Wort die Zauberklinge, vor deren Strahle die Tyrannenmacht erblaßt. Dreieinig sind das Wort, die Freiheit und der Geist.

Ich darf wohl sagen, daß die Mühe uns gedieh. An manchem Morgen erwachten wir in großer Heiterkeit, und wir verspürten auf der Zunge den Wohlgeschmack, wie seiner der Mensch im Stande der höheren Gesundheit teilhaftig wird. Dann fiel es uns nicht schwer, die Dinge zu benennen, und wir bewegten uns in der Rautenklause wie in einem Raume, der in den Kammern magnetisch aufgeladen war. In einem feinen Rausch und Wirbel durchschritten wir die Gemächer und den Garten und legten zuweilen unsere Zettelchen auf den Kamin.

An solchen Tagen suchten wir bei hohem Sonnenstande die Zinne der Marmorklippen auf. Wir schritten über die dunklen Hieroglyphen der Lanzenottern auf dem Schlangenpfade und stiegen die Stufen der Felsentreppe an, die hell im Lichte schimmerten. Vom höchsten Grat der Klippen, der im Mittag blendend und fernhin leuchtete, sahen wir lange auf das Land, und unsere Blicke suchten sein Heil in jeder Falte, in jedem Raine zu erspähen. Dann fiel es uns wie Schuppen von den Augen, und wir begriffen es, so wie die Dinge in den Gedichten leben, im Glanze seiner Unzerstörbarkeit.

Und freudig erfaßte uns das Wissen, daß die Vernichtung in den Elementen nicht Heimstatt findet, und daß ihr Trug sich auf der Oberfläche gleich Nebelbildern kräuselt, die der Sonne nicht widerstehen. Und wir erahnten: wenn wir in jenen Zellen lebten, die unzerstörbar sind, dann würden wir aus jeder Phase der Vernichtung wie durch offene Tore aus einem Festgemach in immer strahlendere gehen.

Oft meinte Bruder Otho, wenn wir auf der Höhe der Marmorklippen standen, daß dies der Sinn des Lebens sei - die Schöpfung im Vergänglichen zu wiederholen, so wie das Kind im Spiel das Werk des Vaters wiederholt. Das sei der Sinn von Saat und Zeugung, von Bau und Ordnung, von Bild und Dichtung, daß in ihnen das große Werk sich künde wie in Spiegeln aus buntem Glase, das gar bald zerbricht." ('Auf den Marmorklippen', Kapitel 15).

Vielleicht ist es aber auch voreilig, schon jetzt den Abgesang auf die abendländische Kultur anzustimmen. Nachdem Hillary Clinton, die Kandidatin des Establishments, am 8. November 2016 trotz massiver Wahlkampfhilfe der Linksintellektuellen und der Massenmedien nicht zur US-Präsidentin gewählt wurde, können wir wieder hoffen. Die westlichen Demokratien werden sich vielleicht doch als fähig erweisen, die Autoimmunkrankheit der Gutmenschen-Religion zu überwinden. Das Problem der vergangenen Jahrhunderte ist, dass sich zur notwendigen Aufklärung eine falsche Aufklärung gesellte, durch die das Jesuskind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Gerade weil wir seit 9/11 immer wieder auf brutale Weise mit dem Islam konfrontiert werden, haben wir die Chance, dass sich der Westen wieder neu auf seine Wurzeln besinnt. Wir können jetzt besser erkennen, dass nicht etwa das Christentum, sondern der Islam eine Bedrohung für die Meinungs- und Pressefreiheit darstellt sowie für die Freiheit von Kunst, Literatur, Wissenschaft und Religionsausübung.

Auch wird vor dem Hintergrund des begonnenen Kulturkampfes klar, dass sich die eigentliche Aufklärung nicht gegen den christlichen Glauben gerichtet hat, sondern dass sie im Gegenteil durch ihn befördert wurde! Die wahren Freigeister, Reformatoren und Humanisten kämpften nicht gegen das Christentum, sondern gegen den Aberglauben, der den Hexenwahn zur Folge hatte, gegen den Despotismus der herrschenden Könige, Kaiser und Kirchenfürsten und gegen die mit dem neuen Testament unvereinbare weltliche Herrschaft der Katholischen Kirche. Beim Islam verwischen die Unterschiede, aber beim Christentum muss man sauber zwischen dem biblischen Glauben und der Institution Kirche trennen. Der christliche Glaube ist mit dem Streben nach der Wahrheit, mit Forscherdrang und wissenschaftlichem Denken bestens vereinbar! So ist zum Beispiel in der Astrophysik ein rasanter Fortschritt zu verzeichnen, der uns Menschen zum Staunen bringt, uns demütig werden lässt und mit dem Weltbild eines Christen wunderbar in Einklang zu bringen ist.

Unvereinbar ist der Glaube der Christen nur, wenn und soweit die Wissenschaft in eine Wissenschaftsgläubigkeit abgleitet, wie das seit spätestens 68 bei den Sozial- und Geisteswissenschaften der Fall ist. In Matthäus 6,24 heißt es: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon". Der Mammon steht für die Geldgier des Menschen, also das Verlangen nach dem schnellen, dem leicht verdienten Geld, das im Kommunismus eher noch stärker ist als im Kapitalismus. Gemeint ist also nicht zuletzt die Staatsknete, sprich die von der Politik erzwungene Umverteilung, auf die alle gläubigen Etatisten, Sozialisten und Jünger des Wohlfahrtsstaats setzen. Im Gegensatz zu ihnen muss ein Anhänger der freien Marktwirtschaft kein Materialist sein, sondern kann (wie ich) dafür plädieren, lieber kleinere Brötchen zu backen, der Anspruchsgesellschaft die kalte Schulter zu zeigen und weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für sich selbst, für die Mitmenschen und für das Gebet zu haben.

Am 11.November 2016 hielt AfD-Sprecherin Frauke Petry im sächsischen Pirna eine ebenso kämpferische wie souveräne Rede zur Zeitenwende, die der Wahlsieg von Donald Trump eingeläutet hat. Ab Minute 6 sagte sie: "'We want our country back' sagten unlängst auch die Briten im Juni, und die Wahl von Trump ist gewissermaßen die amerikanische Version des Brexits. 'Wir wollen unser Land zurück', sagt inzwischen auch die Hälfte der Österreicher. Wir werden bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich Anfang Dezember sehen, wie viele für den Kandidaten stimmen, der diese Forderung stellt. 'Wir wollen unser Land zurück', das sagen inzwischen auch viele Franzosen, Belgier, Schweden, Holländer. Meine Damen und Herren, wir sind Zeugen eines Zeitenwandels. Der Zeitgeist dreht sich, und auch die Wahlerfolge der AfD legen davon Zeugnis ab, dass sich der Zeitgeist auch in Deutschland dreht. Auch wir wollen unser Land zurück, meine Damen und Herren! Wir wollen es zurück aus den Händen von Frau Merkel, die Deutschland mit zigtausenden strukturellen Analphabeten, Frauenverächtern, Antisemiten, Christenverfolgern und auch Kriminellen geflutet hat und allen Ernstes immer noch meint, es sei unsere nationale Aufgabe, diese Menschen alle zu integrieren!" (michael-mannheimer.net am 14.11.16).

Wenn selbst Liberale und Libertäre sich berufen fühlen, das Christentum zu diskreditieren, dann gehen sie der falschen Aufklärung auf den Leim, die so tut, als sei die Existenz Gottes widerlegt, nur weil man sie nicht beweisen kann. Viele missionarische Atheisten und dogmatische Pseudo-Aufklärer denken auf Grund dieses durch Halbbildung entstandenen Missverständnisses, sie müssten tragende Teile des abendländischen Wertesystems, also konservatives Gedankengut, bekämpfen. Damit spielen sie allerdings dem Wohlfahrtsstaat in die Hände, vor allem bei der Familienpolitik, die mit Ausnahme der Kinderfreibeträge komplett abgeschafft gehört. Wer sich in diesem Feld zu Gerechtigkeitsaposteln und Feministen aller Art hingezogen fühlt, steht in Gefahr, am Ende doch in Staatsgläubigkeit zu verfallen. Denn sobald etwa die Versorgung von Scheidungskindern zum Thema gemacht wird oder die Frauenbewegung vom Rückfall in patriarchalische Unterdrückungsmechanismen fabuliert, fehlen ihnen die Argumente, um die Abschaffung der umfangreichen staatlichen Hilfen und aufgezwungenen Unterhaltszahlungen für Alleinerziehende zu begründen. Die Entscheidung über den Verbleib der Kinder nach einer Trennung sowie ihre Versorgung sollten (wie bis ins 20. Jahrhundert) weitgehend den Betroffenen selbst und ihrer Verwandtschaft (oder anderen Netzwerken wie Freundeskreisen) überlassen werden. Im Sinne der Subsidiarität und Dezentralisierung soll der Familienrat tagen und nur in Ausnahmefällen das Familiengericht.

Der Sozialismus ist ein Heilsversprechen, das in Konkurrenz mit dem christlichen Glauben steht, was man von den Mechanismen des Marktes ganz und gar nicht behaupten kann. Die Linken sind auf christliche Werte nicht angewiesen, genauso wenig wie auf grundlegende gesellschaftliche Institutionen wie die 'lebenslängliche' monogame Ehe und den Familienzusammenhalt. Der Sozialstaat kann diese ersetzen, die freie Marktwirtschaft kann das aber nicht! Denn wenn die Wirtschaft rund laufen soll, braucht man nicht nur einen schlanken und effizienten Staat, sondern auch eine stabile Gesellschaft. Und eine solche ist im Westen ohne das christliche Wertesystem und die darin verankerte bürgerliche Familie kaum zu haben. Wer den Staat auf seine Kernkompetenzen zurückfährt, muss zulassen, dass sich das Vakuum mit etwas Sinnvollem füllt, damit die Mitmenschlichkeit, die der Staat seit bald einem halben Jahrhundert zentral organisiert, nicht auf der Strecke bleibt. Und hierfür brauchen wir auf Dauer angelegte Ehen, ein ausgeprägtes Familienbewusstsein und funktionierende Verwandtschaftssysteme. Diese gewachsenen dezentralen Sozialverbände würden durch den Rückzug des Staates automatisch gestärkt, weil sie wieder gebraucht und belastet würden.

Es ist daher kontraproduktiv, wenn Libertäre den christlichen Glauben als überholt ansehen, denn er ist eine tragende Säule des abendländischen kulturellen Systems, neben dem Erbe der Antike, dem Humanismus und den Errungenschaften der Aufklärung wie Demokratie, Freiheit und Pluralismus. Mit anderen Worten: Wenn Liberale das tradierte Wertesystem abschaffen wollen, dann sägen sie an den Ästen herum, auf denen sie sitzen! Sie sollten versuchen, mit den Konservativen an einem Strang zu ziehen, so wie es bei der amerikanischen Tea-Party-Bewegung der Fall ist. Denn die sogenannten Progressiven und die Linken sind dabei, die Äste zu entfernen, um aus dem Baum angeblich etwas viel schöneres zu machen. Was genau, das wissen sie aber selbst noch nicht. Daher sollten Liberale auch hier keine unbedachten Zweckbündnisse mit den Linken eingehen, auch wenn es so einfach ist. Auch wenn die Konservativen in ihrer Unterschiedlichkeit beileibe kein bequemer Bündnispartner sind, und die Christen in Europa mittlerweile fast alle vom Wohlfahrtsstaat korrumpiert wurden.

Als ich diese Argumente in Facebook zur Diskussion stellte, wurde mir entgegnet, es sei "nicht der Verlust der Religiosität, die unseren Werteverfall auslöst" habe, sondern der Staat. Der Diskussionspartner bezweifelte auch meine These, mit der Bekämpfung des Christentums würden Liberale dem Wohlfahrtsstaat in die Hände spielen: "Das Christentum ist eine Glaubensrichtung, die auf Moral basiert. Moral ist also eine essentielle Teilmenge des Christentums. Lass das Christentum weg und die Moral übrig. Dann haben wir wieder 'anständige Leute'". Ich antwortete ihm wie folgt: "Gesellschaften sind komplexe Systeme, deren tieferes Verständnis man nicht mit Vorstellungen aus der Mengenlehre erreichen kann. Eher ähneln sie dem menschlichen Körper. Es stimmt schon, dass das, was von unserem Wertesystem noch übrig geblieben ist, nicht nur auf dem christlichen Glauben basiert. Zu nennen wäre die Philosophie des alten Griechenlands, das römische Recht, Einflüsse der gallischen, germanischen und slawischen Kulturen sowie die Werte der Aufklärung. Wenn wir unser Wertesystem mit unserem Körper vergleichen, dann ist der Beitrag des Christentums vielleicht rein mengenmäßig bescheiden, sagen wir Kleinhirn, Nieren und Zwerchfell. Wenn man den christlichen Anteil wegoperiert, kann der Patient sogar eine Zeitlang überleben. Ich würde es aber eher als Dahinvegetieren bezeichnen".

Nietzsche schwankte zwischen Verurteilung und bewundernder Anerkennung des Christentums hin und her. 1880 wies er deutlicher als viele konservative Mahner auf die Gefahren und die Tragweite der Entchristlichung des Abendlandes hin. Sein ganzheitliches Denken entwickelte ein Gefühl für die Systemkrise, in die der Gesellschaftsorganismus durch die operative Entfernung des christlichen Glaubens geraten würde. 38 Jahre vor Oswald Spengler mahlte er den 'Untergang des Abendlandes' an die Wand: "Das größte neuere Ereignis – daß 'Gott tot ist', daß der Glaube an den christlichen Gott unglaubwürdig geworden ist – beginnt bereits seine ersten Schatten über Europa zu werfen. (…) Das Ereignis selbst ist viel zu groß, zu fern, zu abseits vom Fassungsvermögen vieler, als daß auch nur seine Kunde schon angelangt heißen dürfte; geschweige denn, daß viele bereits wüßten, was eigentlich sich damit begeben hat – und was alles, nachdem dieser Glaube untergraben ist, nunmehr einfallen muß, weil es auf ihm gebaut, an ihn gelehnt, in ihn hineingewachsen war: zum Beispiel unsre ganze europäische Moral. Diese lange Fülle und Folge von Abbruch, Zerstörung, Untergang, Umsturz, die nun bevorsteht: wer erriete heute schon genug davon, um den Lehrer und Vorausverkünder dieser ungeheuren Logik von Schrecken abgeben zu müssen, den Propheten einer Verdüsterung und Sonnenfinsternis, derengleichen es wahrscheinlich noch nicht auf Erden gegeben hat?" (Die fröhliche Wissenschaft; Fünftes Buch: Wir Furchtlosen; Was es mit unsrer Heiterkeit auf sich hat).

Dass der Trost des Evangeliums von der Mehrheit als Märchen abgetan und oft sogar als angebliches Entwicklungshemmnis bekämpft wird, ist nicht zuletzt die Folge des 'erbärmlichen Behagens' (Nietzsche), in dem sich das Wohlstandsbürgertum der westlichen Wohlfahrtsstaaten eingerichtet hat. Wie armselig und sinnentleert das Seelenleben der allzeit vernetzen und bestens informierten iPhone-Streichler, Computerspieler und Multimedia-Konsumenten in Wirklichkeit ist, das wird sich bald herausstellen, wenn die auf Pump finanzierten fetten Jahre endgültig vorbei sind. In seinem Roman Die Brüder Karamasow erzählt der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 bis 1881) von einer Mutter, deren Kind gestorben war, und die deshalb Trost bei einem alten Mönch suchte. Der sagte zu ihr: "Du brauchst dich nicht zu trösten. Tröste dich nicht und weine. Nur rufe dir jedes Mal, wenn du weinst, fest ins Gedächtnis, dass dein Söhnchen einer von den Engeln Gottes ist, von dort auf dich niederschaut und dich sieht, sich über deine Tränen freut und Gott den Herrn auf sie hinweist. Und lange noch wird dir dieses heilige mütterliche Weinen auferlegt sein. Doch schließlich wird es sich wandeln in eine stille Freude, und deine bitteren Tränen werden dann Tränen einer stillen Rührung sein und einer Läuterung des Herzens, die von Sünden bewahrt".

Wenn ich vor dem Hintergrund des Gesagten für eine Rückbesinnung auf den christlichen Glauben plädiere, dann jedoch ohne Dogmatismus (siehe christlicher Glauben im Vergleich zum Islam). Niemals darf der Zweifel bzw. der Unglaube unter den Teppich gekehrt oder gar bestraft werden, wie es insbesondere im Koran geboten ist und in den meisten islamischen Gesellschaften praktiziert wird. Wir sollten den Zweifel immer wieder neu zum Thema machen, um ihn zu überwinden, so wie der Philosoph José Ortega y Gasset sagte: "Die Idee braucht die Kritik wie die Lunge den Sauerstoff" (Vom Menschen als utopischem Wesen Track 8). Das ist für den christlichen Glauben wichtig, aber auch für das Fortschreiten von Philosophie und Wissenschaft. Der Philosoph Karl Jaspers sah es ebenfalls als entscheidend an, sämtliche Thesen und Theorien permanent der Kritik auszusetzen. Er sagte 1950 in einem von zwölf Radiovorträgen: "Der Zweifel wird als methodischer Zweifel die Quelle kritischer Prüfung jeder Erkenntnis. Daher: ohne radikalen Zweifel kein wahrhaftiges Philosophieren". Grund zur Skepsis gegenüber seinen eigenen Gedanken habe der Mensch auf Grund der getrübten und selektiven Wahrnehmung, der alle Menschen unterlegen sind: "Bei kritischer Prüfung ist nichts gewiß. Die Sinneswahrnehmungen sind durch unsere Sinnesorgane bedingt und täuschend, jedenfalls nicht übereinstimmend mit dem, was außer mir unabhängig vom Wahrgenommenwerden an sich ist" (Einführung in die Philosophie, Seite 17).

Skepsis ist in erster Linie gegenüber den Philosophen angesagt, weniger aber gegenüber den Naturwissenschaften, soweit ihre Erkenntnisse per Experiment durch andere Forscher nachvollzogen, sprich: reproduziert und verifiziert werden können. In den Sozial- und Geisteswissenschaften gibt es zwar ebenfalls empirische Methoden und Experimente, doch wenn es um Menschen geht, hat man viele Möglichkeiten, Forschungsergebnisse zu manipulieren. Die Geistes- und Sozialwissenschaften sind von Philosophien durchdrungen. Auch wenn sie den Anspruch erheben, harte und nachprüfbare Wissenschaft zu sein, handelt es sich in vielen Fällen um nichts weiter als um philosophische Schulen oder gar um Ersatzreligionen. Ich brauche nur die 'Gender Studies' zu erwähnen, die sich um den Glauben an die Frau als den Übermenschen drehen, wodurch der Mann zum Untermenschen gemacht wird. Intellektuelle, die sich (bewusst oder unbewusst) dem Feminismus, dem Marxismus oder dem Wohlfahrtsstaat verpflichtet fühlen, haben ein Problem mit dem Zweifel, jedenfalls wenn es um ihre eigenen Ansichten geht. Die um sich greifende Political Correctness, die Hetzjagd gegen Andersdenkende wie AfD-Mitglieder oder Pegida-Demonstranten, die Verunglimpfung von Konservativen als 'ewig Gestrige' - all das macht überdeutlich, dass die Vertreter des Gutmenschentums nicht nach der Wahrheit streben. Denn der Wirklichkeit kann man ohne These und Antithese, ohne offene und kontroverse Diskussion nicht näher kommen. Die Mehrzahl der deutschen Intellektuellen sind keine redlichen Wahrheitssucher. Es sind Anhänger und Mitglieder von miteinander verwandten Erlösungsreligionen mit Sekten-Charakter, die man nur um den Preis der (vorübergehenden) Einsamkeit wieder verlassen kann. Einzelne haben sogar ihren Job verloren, weil sie keine Sozialromantiker mehr sein wollten. Dabei sind die Gutmenschen-Religionen umso gefährlicher, als sie im Gewand einer objektiven Wissenschaft daher kommen und regelmäßig von mit staatlichen Geldern gekauften Forschern legitimiert werden. Freilich handelt es sich bei dem Glauben an die Wissenschaft ebenfalls um eine Ersatzreligion, genau wie der Glaube an den gesellschaftlichen Fortschritt. Es ist Zeit, dass sie als solche entlarvt werden, sonst fallen wir hinter die Aufklärung zurück.

Selbst im Mittelalter waren die Debatten kontroverser als im Deutschland der Gegenwart, erklärte Daniel Deckers am 30. Mai 2016 in der FAZ. In seinem Leitartikel über den Katholikentag in Leipzig schilderte er, in welch erbärmlichem Zustand die Streitkultur in diesem Lande mittlerweise ist: "Die Weigerung des ZdK, Funktionäre der AfD zu Podiumsdiskussionen oder Streitgesprächen einzuladen, ist nur das Symptom einer Orientierungskrise des politischen und sozialen Katholizismus, zumal die AfD auch unter kirchlich gebundenen Katholiken nicht nur auf Ablehnung stößt. Denselben Geist intellektueller und politischer Selbstverzwergung atmen seit Jahren viele Katholikentagspodien über Themen, die in der Gesellschaft für Kontroversen aller Art gut sind, auf denen auf wundersame Weise nur die zu Wort kommen, die genau wissen, wofür und wogegen ein Katholik zu sein hat. (…) Im vermeintlich finsteren Mittelalter waren zumindest die Theologen viel weiter. Fester Bestandteil jeder 'quaestio' (Frage), der Standardform der Schultheologie (Scholastik), war die Auflistung der wichtigsten Argumente, die mutmaßlich gegen die eigene These sprachen. Ohne dieses 'sed contra' ('aber dagegen spricht') offenzulegen, konnte die eigene Position nicht schlüssig begründet werden. Noch waghalsiger war die akademische Form der Disputation 'de quodlibetum', bei der aus dem Stegreif Antworten auf eine beliebige Frage gefunden werden mussten. Von dieser intellektuellen Virtuosität und damit auch gesellschaftlicher Kreativität ist der Katholizismus in Deutschland weit entfernt. Dass es um die Diskursfähigkeit in der evangelischen Kirche kaum besser steht, macht die Sache nicht besser". Fazit: Wir sind dabei, mit unserer politischen Kultur sogar hinter das Mittelalter zurückzufallen!

Mag sein, dass Gott tot ist, wie Nietzsche behauptete, oder dass es ihn nie gegeben hat. Selbst in diesem Falle stehen die Gläubigen (soweit es sich nicht nur um Traditionalisten und bloße Kirchgänger handelt) besser da als Agnostiker bzw. Atheisten. Denn sie haben immerhin noch die Vorfreude auf den Himmel, und die Vorfreude ist bekanntlich die beste Freude! Dies hatte der französische Mathematiker Blaise Pascal (1623 - 1662) im Sinn, als er schrieb: "Wenn Ihr gewinnt, so gewinnt Ihr alles, und wenn Ihr verliert, so verliert Ihr nichts" (siehe Pascalsche Wette). Und wer dann immer noch auf der Seite der Spötter sitzt und sich über gläubige Christen erhebt, der sei daran erinnert, dass alle Menschen schon allein durch die Sprache ein Vorverständnis haben, und somit keiner frei von Vorurteilen ist: "Wer das Vorurteil hat, keine Vorurteile zu haben", sagte der Philosoph Immanuel Kant sinngemäß, "der ist nicht wert, dass man ihn von diesem Vorurteil befreit" (Philosophische Leitsätze, Zentrale Ideen großer Denker).

Dies an die Adresse derjenigen, die überaus stolz darauf sind, sich nur auf Fakten zu stützen. Um die Fakten wahrnehmen und einordnen zu können, braucht der Mensch einen theoretischen Bezugsrahmen. Und wenn es weder der Glaube, noch der Sozialismus noch der Hass auf irgendwelche Gruppierungen oder Minderheiten sein soll, dann muss man schon suchen. Mir fällt da spontan nichts ein. Soll man etwa an seine Kinder glauben? Die armen. Oder an das eigene Ich, als ob man sich selber aus einem Sumpf herausziehen könnte? Soll ich an meinen Körper glauben? Das kann natürlich nicht von Dauer sein, wir werden alle älter und müssen irgendwann von der Bildfläche abtreten. "Frei ist der, der den Schlüssel zu seinem Glück endlich in sich selbst findet", postete mein Facebook-Freund Michael Auksutat am 9. Oktober 2012. Da konnte ich nicht anders, als ihm zu widersprechen: "Frei ist, wer den Anker wirft, damit er nicht ständig um sich selber kreist und womöglich im Strudel versinkt. Der Ankerpunkt kann eine Berufung sein, ein Mensch, den man liebt, oder Christus, dessen Blut man in Anspruch nimmt" (siehe Kapitel Gegen die Delegation der Mitmenschlichkeit an den Staat). Jedenfalls ist zu befürchten: Wer an nichts glaubt, glaubt irgendwann alles. Ganz ähnlich ergeht es dem, der an den Staat glaubt. Theoretisch kann einer an die Werte der Aufklärung glauben: Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Chancengleichheit, Rechtsstaatlichkeit oder Toleranz. Die kommen aber eher abstrakt daher, und sie gelten im Westen mehr als Selbstverständlichkeiten denn als ferne Ziele, auf die man hinwirken sollte (siehe: Mit Christus gegen den sozialstaatlichen Moralismus).

Die erwähnte Pascalsche Wette sollte nicht etwa ein Argument für die Existenz eines Gottes sein, sondern nur die Überlegung, dass gläubige Menschen kaum etwas aufgeben und schon gar nicht ihren Verstand an der Garderobe abgeben müssen: "Wette denn, dass er ist, ohne dich lange zu besinnen", riet Pascale zum Glauben an Gott, "deine Vernunft wird nicht mehr verletzt, wenn du das eine als wenn du das andre wählst". Mit angeblichen Belegen dafür, dass es Gott wirklich gibt, hatte sich unter anderem der deutsche Philosoph Karl Jaspers auseinandergesetzt. Er trug 1949 in dem vierten von zwölf Radiovorträgen vor: "Die Gottesbeweise seit dem Altertum sind in ihrer Gesamtheit ein großartiges Dokument. Aber: Wenn die Gottesbeweise aufgefasst werden als wissenschaftlich zwingende Beweise im Sinne der Mathematik oder der empirischen Wissenschaften, so sind sie falsch. In der radikalsten Weise hat sie Kant in ihrer zwingenden Gültigkeit widerlegt. Nun folgte die Umkehrung: Die Widerlegung aller Gottesbeweise, so meinte man, bedeute, dass es keinen Gott gebe. Diese Folgerung ist wiederum falsch. Denn so wenig Gottes Dasein bewiesen werden kann, ebenso wenig sein Nicht-Dasein! Die Beweise und ihre Widerlegungen zeigen nur: Ein bewiesener Gott ist kein Gott, sondern wäre bloß eine Sache in der Welt" (Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie; im Hörbuch Track 10).

Die Verwechslung von fehlenden Beweisen und Widerlegungen bezeichnet Nassim Nicholas Taleb als 'Roundtrip-Verzerrung'. Der US-Philosoph bespricht diesen Denkfehler im Zusammenhang mit dem Induktionsproblem, das nach dem schottischen Philosophen David Hume auch humesches Problem genannt wird. Der aus den christlichen Gebieten des Libanon stammende Erfolgsautor nennt es anschaulich auch das Truthahn-Problem: Ein Truthahn, der sich der sich seiner problematischen Situation nicht bewusst ist, wird noch am Tag vor seiner Schlachtung zu Thanksgiving darauf verweisen, dass es keine Beweise dafür gibt, es könnte irgendwann man vorbei sein mit dem Dolce Vita.

Noch weniger vorsichtige Truthähne sind versucht, der Einfachheit halber die Sache so zu formulieren: Es gebe Beweise, dass es mit dem süßen Leben so weitergeht wie bisher. Einschneidende Ereignisse seien nicht zu erwarten, ihre Möglichkeit praktisch widerlegt. Die Erfahrung von vielen Tagen und Monaten habe Eines gezeigt: Die Truthähne werden von den Menschen fürsorglich gefüttert, gehätschelt und getätschelt. Aus irgendeinem Grund scheinen sie einen Narren an ihnen gefressen zu haben.

Die beiden Aussagen klingen zwar ähnlich, sind jedoch von Grund aus verschieden. Wenn für irgendetwas keine Beweise gefunden werden können, heißt dies nicht, dass es widerlegt ist! Die 'Roundtrip-Verzerrung' ist laut Taleb ein oft gemachter logischer Fehler, der mit dazu beiträgt, dass wir Menschen uns in Sicherheit wiegen, dass wir die Gefahren (oder die Chancen) durch große und einschneidende Ereignisse ausblenden, die Taleb als 'Schwarze Schwäne' bezeichnet (Der Schwarze Schwan, München 2010; Seite 75).

Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper ging noch einen Schritt weiter: Theorien können im Grunde nicht bewiesen (verifiziert), sondern nur widerlegt (falsifiziert) werden, zumindest wenn es um komplexe Zusammenhänge zum Beispiel in Wirtschaft und Gesellschaft geht. Wissenschaftlicher Fortschritt bedeute, diejenigen Theorien ad acta zu legen, die eindeutig falsifiziert sind. Solange eine These nicht widerlegt ist, müssen sich Fachkollegen, die der wissenschaftlichen Redlichkeit verpflichtet sind, mit ihr auseinandersetzen. Das gilt auch und gerade, wenn die Theorie nicht von einem staatlich geförderten Projekt stammt oder von einem Inhaber eines staatlichen Lehrstuhls.

Gott kann zwar nicht wissenschaftlich bewiesen werden, aber auch nicht falsifiziert. Mir sind jedenfalls noch keine Argumente untergekommen, die widerlegen können, dass es ihn gibt. Das gilt auch für die Evolutionstheorie. Wenn die Kreationisten mit ihrer Schöpfungslehre eines Tages endgültig widerlegt sein sollten, dann kann der Schöpfer die Menschen, Tiere und Pflanzen (sowie die Außerirdischen) auch mit Hilfe der Evolution geschaffen haben. Die Urknall-Theorie ist wohl kaum mehr zu bestreiten, doch je mehr wir über das Weltall wissen, desto drängender ist die Frage: Was war vor dem Urknall? Und wer oder was hat ihn angestoßen? Christen drücken es gern etwas einfacher aus, als es die Philosophen tun: Sie sagen: "Der Alte lässt sich nicht in die Karten schauen". Oder: "Wir können Gott nicht greifen, nicht in die Hosentasche stecken". Wie dem auch sei, wer ohne stichhaltige Argumente, nur mit ein paar aus dem Ärmel geschüttelten Behauptungen die Existenz Gottes verneint, der kommt mir wie ein Tiefseefisch vor, der zum Ergebnis kommt: 'Ein Leben außerhalb des Wassers kann es nicht geben'.

"Armer Tor! der du alles so gering achtest, weil du so klein bist", ließ Johann Wolfgang Goethe im Alter von 25 Jahren seinen Werther gegen solchen oberflächlichen Unglauben ausrufen. Der nur noch selten gelesene Nationaldichter der Deutschen soll dem Christentum skeptisch gegenübergestanden sein. Dennoch fällt mir außer der Bibel kein Buch ein, das Gott, den Schöpfer, in höheren Tönen lobt als der autobiografische Briefroman 'Die Leiden des jungen Werther' von Anno 1774: "Ungeheure Berge umgaben mich, Abgründe lagen vor mir, und Wetterbäche stürzten herunter, die Flüsse strömten unter mir, und Wald und Gebirg erklang; und ich sah sie wirken und schaffen ineinander in den Tiefen der Erde, alle die unergründlichen Kräfte; und nun über der Erde und unter dem Himmel wimmeln die Geschlechter der mannigfaltigen Geschöpfe. Alles, alles bevölkert mit tausendfachen Gestalten; und die Menschen dann sich in Häuslein zusammen sichern und sich annisten und herrschen in ihrem Sinne über die weite Welt! Armer Tor! der du alles so gering achtest, weil du so klein bist. - Vom unzugänglichen Gebirge über die Einöde, die kein Fuß betrat, bis ans Ende des unbekannten Ozeans weht der Geist des Ewigschaffenden und freut sich jedes Staubes, der ihn vernimmt und lebt" (Am 18. August 1771 - CD 2, Track 9).

Bei alledem sollte der Glaube Privatsache bleiben. Aber nicht in dem Sinne, dass Christen (oder etwa Muslime) nicht missionieren dürfen. Sie haben wie alle anderen das Recht auf freie Meinungsäußerung. Nein, Religion sollte im Privatleben bleiben, im Sinne einer scharfen Trennung von Staat und Kirche. Karl Jaspers, der noch 1945 unter anderem wegen seiner Ehe mit einer Jüdin beinahe ins Konzentrationslager gesteckt worden wäre, erwartete vor allem von gläubigen Christen und Juden, sich Autoritäten wie dem Staat nicht ohne Weiteres unterzuordnen: "Daß Gott keine Greifbarkeit in der Welt wird, das bedeutet zugleich, daß der Mensch seiner Freiheit sich nicht entäußern soll zugunsten der in der Welt vorkommenden Faßlichkeiten, Autoritäten, Gewalten. Daß er vielmehr die Verantwortung hat für sich selbst, der er nicht entlaufen darf, indem er (vermeintlich aus Freiheit) auf Freiheit verzichtet. Er soll sich selber verdanken, wie er sich entscheidet und den Weg findet. Daher sagt Kant: Die unerforschliche Weisheit sei so bewunderungswürdig in dem, wie sie uns gebe, wie in dem, was sie uns versage. Denn wenn sie in ihrer Majestät uns ständig vor Augen stände, als zwingende Autorität in der Welt eindeutig spräche, so würden wir Marionetten ihres Willens. Sie aber wollte uns frei" (Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie; Seite 37).

Indem er Immanuel Kant zitierte, beantwortete Jaspers ganz nebenbei die bisweilen als Gegenargument zum Glauben gestellte Frage, warum Gott nicht immer dann eingreift, wenn sich seine liebsten Geschöpfe gegenseitig Leid zufügen: Weil er uns nicht als Marionetten, sondern als freie Menschen geschaffen hat. Ganz im Gegensatz zum modernen Wohlfahrtsstaat, der vom mündigen Bürger nichts hält und nichts wissen will! Viel schwieriger zu beantworten ist die andere Wo-war-Gott-Frage: Warum der Schöpfer Naturkatastrophen zulässt, bei denen Zigtausende ums Leben kommen.

Wenn wir nicht in die Barbarei zurückfallen wollen, gehört zu einem aufgeklärten Menschen zumindest eine gewisse philosophische Bildung, wie Bertrand Russell schrieb: "Indem sie (die Philosophie) ihn (den Studenten) groß denken lehrt, hilft sie ihm, die Ängste und Nöte der Gegenwart zu überwinden, und schenkt ihm so viel heitere Gelassenheit als ein feinfühliger Mensch in unserer zerquälten und unsicheren Welt nur erringen kann" (Unpopuläre Betrachtungen, Track 20). Der britsche Philosoph wurde übrigens von der Linken wegen seines Pazifismus sowie seiner Kritik an autoritärer Erziehung und bürgerlicher Sexualmoral verehrt.

Russell trat dafür ein, Zurückhaltung im Urteilen zu üben, jedoch nicht an der Existenz der Wahrheit zu zweifeln, nicht rundweg alles in Frage zu stellen: "Soll die Philosophie einem positiven Zweck dienen, so darf sie nicht bloßen Skeptizismus lehren, denn so schädlich der Dogmatiker ist, so unnütz ist der Skeptiker. Dogmatismus und Skeptizismus sind beide im gewissen Sinne absolute Philosophien. Der eine ist überzeugt von seinem Wissen, der andere von seinem Nichtwissen. Was die Philosophie beseitigen muss, ist die Gewissheit, sei es nun die des Wissens oder des Nichtwissens. Das Wissen ist kein so fest umrissenes Konzept wie man gewöhnlich meint. Anstatt zu sagen: 'Ich weiß das' sollten wir sagen: 'Ich weiß etwas ziemlich sicher, es läuft ungefähr auf Folgendes hinaus'" (Unpopuläre Betrachtungen, Track 17).

Karl Jaspers riet ebenfalls, allen Zweifeln nachzugehen und sich auf die Dialektik von These, Antithese und Synthese einzulassen, ohne in unproduktiven Skeptizismus zu verfallen: "Überall stehen Behauptungen gegen Behauptungen. Philosophierend ergreife ich den Zweifel, versuche ihn radikal durchzuführen, nun aber entweder mit der Lust an der Verneinung durch den Zweifel, der nichts mehr gelten lässt, aber auch seinerseits keinen Schritt voran tun kann – oder mit der Frage: wo denn Gewissheit sei, die allem Zweifel sich entziehe und bei Redlichkeit jeder Kritik standhalte" (Einführung in die Philosophie; Seite 17). Der deutsche Philosoph bestand darauf, dass menschliche Erkenntnis immer nur modellhaft, nur mögliche Auslegung der Wahrheit sein kann: "Es ist jedes Mal eine Verkehrung unseres Wissens von der Welt, wenn der Inhalt einer Auslegung für die Wirklichkeit selber gehalten wird" (Einführung in die Philosophie; Track 20).

Ich finde es immer wieder frappierend, wie viele Menschen denken, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet. Oder sie haben Angst, ihre Gewissheit zu verlieren, und bekämpfen aus diesem Grunde jeden, der gegenläufige Ansichten vertritt. Dabei hatte schon (ganz ähnlich wie später Sokrates) der Wanderphilosoph Xenophanes (570 bis 470 vor Christus) festgestellt: "Sichere Wahrheit erkannte kein Mensch und wird keiner erkennen über die Götter und all die Dinge, von denen ich spreche. Selbst wenn es einem auch glückt, die vollkommene Wahrheit zu künden, wissen kann er sie nie. Es ist alles durchwebt von Vermutung". Daran hat sich bis heute nichts geändert, jedenfalls was die Geistes- und Sozialwissenschaften angeht (Hörbuch von Axel Grube: Sokrates verstehen, Track3).

Erschreckend viele unserer Zeitgenossen lassen sich blenden von der angeblich so aufgeklärten säkularen Gesellschaft. Dabei bringt diese mindestens genauso viele Mythen hervor wie die traditionelle christliche Kultur, und vor allem solche mit am Ende unbezahlbaren Folgekosten. Ich denke etwa an die Vorstellung, es sei hilfreich, wenn der Staat Milliarden in Verwahranstalten für Unter-Dreijährige investiert, um für die sogenannte 'Vereinbarkeit von Familie und Beruf' zu sorgen. Während die Atheisten hoffen, dem christlichen Glauben und den Weltreligionen den letzten Todesstoß zu geben, um die Welt von der Religion zu erlösen, drehte 1949 der christliche Philosoph Karl Jaspers den Spieß um. Für ihn haben Philosophien und wissenschaftliche Theorien, insoweit sie die Entstehung der Welt partout ohne Gott erklären wollen, zwar einen Erkenntniswert, dürfen jedoch nicht verabsolutiert werden (Einführung in die Philosophie; München 1953). Gar nicht zu reden vom Glauben, der Klimawandel sei von den Menschen verursacht und müsse mit Milliarden-Subventionen für den ökologisch-industriellen Komplex bekämpft werden. Der Mensch kann versuchen, sich in einem Prozess des dialektischen Denkens dem Urgrund des Seins zu nähern, ohne jemals die ganze Wahrheit sehen zu können. Insbesondere auch die Vorstellung von Karl Marx von der Geschichte als einem zwangsläufigen Prozess hin zu Sozialismus und Kommunismus würde Jaspers als eine Metaphysik bezeichnen, die überwunden werden muss, um näher an des Pudels Kern zu kommen. Gleiches gilt für den Glauben an den Wohlfahrtsstaat, für die These vom schädlichen Einfluss des Christentums und für das Dogma von der Jahrtausende währenden Unterdrückung der Frau.

Solche Theorien sind überwiegend im Gegenständlichen angesiedelt, in dem was greifbar ist. Sie handeln von realen Objekten und reklamieren daher für sich, wissenschaftlich und objektiv zu sein. Der Einwand des Philosophen Jaspers lautet, das etwa sozialwissenschaftliche Thesen auch jede Menge ideelle Objekte enthalten wie zum Beispiel Marxens 'Mehrwert' oder das 'Patriarchat' oder die 'soziale Gerechtigkeit'. Solche ideellen Objekte sind aber ganz klar subjektiv, das heißt von einem Subjekt, einem erkennenden Menschen abhängig. Sie werden noch weit mehr als reale Objekte durch den menschlichen Geist verzerrt wahrgenommen oder gar nur eingebildet. Jaspers behauptet meines Erachtens nicht, dass sinnlich wahrnehmbare Dinge wie Bäume, Berge oder Tiere nur in unserer Einbildung existieren. Es geht ihm vor allem um die typisch menschliche Welt der Ideen, der Gefühle, der Ideologien, der Probleme wie Stress oder Langeweile, die für uns Menschen ebenfalls Objekte sind, sobald wir über sie nachdenken. Aber auch die meist getrübte Wahrnehmung wirklich vorhandener Dinge auf unserem Planeten brachte Jaspers auf die Idee, dass es außer Subjekten und Objekten noch etwas anderes geben muss. Er nannte es 'das Umgreifende' (siehe Kapitel 3).

In dem Moment, in dem das Subjekt über das Objekt einen Gedanken verschwendet, treten beide aus dem Umgreifenden heraus. Jaspers nennt den Vorgang die Subjekt-Objekt-Spaltung. Seiner Ansicht nach kann die Wahrheit grundsätzlich nicht in objektverhafteten Sichtweisen liegen, sondern nur im Umgreifenden, das heißt in der Transzendenz, die jenseits der Subjekt-Objekt-Spaltung liegt: "Wenn wir durch die philosophische Grundoperation des Umgreifenden innegeworden sind, so fallen die anfänglich aufgezählten Metaphysiken, alle jene vermeintlichen Seinserkenntnisse dahin, sobald sie irgendein noch so großes und wesentliches Seiendes in der Welt für das Sein selbst halten wollten. Aber sie sind die einzige uns mögliche Sprache, wenn wir hinausdringen über alles Seiende in Gegenständen, Gedachtheiten, Welthorizonten, über alle Erscheinungen, um das Sein selbst zu erblicken" (Einführung in die Philosophie; Seite 29).

Die Vergewisserung, dass es ein Umgreifendes jenseits aller Objekte und Subjekte geben muss, erweitert das Seinsbewusstsein, so dass jede Wissenschaftsgläubigkeit als Dogmatismus und Aberglaube entlarvt wird, weil alle Modelle über die Welt nur Chiffren bzw. Symbole für den Ursprung aller Dinge sein können: "Das Objekt als solches für eigentliches Sein zu halten, ist das Wesen aller Dogmatik, und die Symbole als materielle Leibhaftigkeit für real zu halten, ist insbesondere das Wesen des Aberglaubens. Denn Aberglaube ist Fesselung an das Objekt, Glaube ist Gründung im Umgreifenden" (Seite 30).

Es wird deutlich, dass Menschen, die den christlichen Glauben als Gefängnis für den Geist oder als "Opium des Volkes" (Marx) hinstellen, die Dinge nicht konsequent durchdacht haben können. Jaspers dazu: "Im Medium des gegenständlich bestimmten Denkens und nur in ihm erfolgt der Aufschwung des Menschen in das Umgreifende. Er bringt zur Wirksamkeit im Bewußtsein den Grund unseres Daseins im Sein selbst, die Führung von da, die Grundstimmung, die Sinngebung unseres Lebens und Tuns. Er löst uns aus den Fesseln des bestimmten Denkens, indem er dieses nicht etwa preisgibt, sondern bis zum Äußersten treibt" (Seite 30). Durch konsequentes Denken findet der Mensch zum Umgreifenden, und von dort kann er auch zu Gott finden und Christ werden. Um nicht in der "Sackgasse der Verfestigung" zu landen braucht es den Prozess der ständigen Aufstellung und Zerstörung von Theorien, den die Anhänger der jeweiligen Theorie als Nihilismus empfinden: "Das Bewußtwerden der Subjekt-Objekt-Spaltung als Grundtatbestand unseres denkenden Daseins und des Umgreifenden, das in ihm gegenwärtig wird, bringt uns erst die Freiheit des Philosophierens. … Für alles, was durch Sprache und Gegenständlichkeit seine Bestimmtheit und damit Endlichkeit gewinnt, schwindet der ausschließende Anspruch, Wirklichkeit und Wahrheit zu sein" (Seite 31).

Mit anderen Worten: Wir kommen der Wahrheit am nächsten, wenn wir die auf dem Markt feilgebotenen Theorien registrieren und mit ihnen spielen und vielleicht auch einige davon verwerfen. Wer eine Theorie absolut setzt, der wird zum Dogmatiker und entfernt sich von der Wahrheit. Für den christlichen Glauben gilt das noch am allerwenigsten, denn er gründet im Umgreifenden, tarnt sich nicht als verifizierbare oder falsifizierbare Wissenschaft und zwingt niemanden etwas auf, wie es Islam, Pseudofeminismus, Sozialismus und der Wohlfahrtsstaat tun. Der Glaube an den Sohn Gottes, der stellvertretend für uns Sünder am Kreuz gestorben ist, beschreitet einen Mittelweg zwischen Dogmatismus und völliger Beliebigkeit. Er hinterfragt die Diktatur des diesseitigen materialistischen Denkens und seine angeblichen Sachzwänge. Der auferstandene Christus weist den Weg zur Freiheit, zur Wahrheit, zum Frieden mit Gott, mit den Menschen und mit mir selbst.

Dass christliches Gedankengut von so vielen Intellektuellen bekämpft und als das Problem schlechthin hingestellt wird, zerstört den Ländern Europas große Teile ihres kulturellen Fundaments und die vielleicht wichtigste Gemeinsamkeit, die sie haben. Das Christentum hat dem Abendland zwar den Frieden nicht durchgängig garantieren können, doch hätte es ohne die Dominanz der christlichen Kirchen weniger Krieg und Blutvergießen gegeben? Wohl kaum, denn vor, nach und außerhalb der Christenheit gab es meines Wissens eher mehr Eroberungsfeldzüge, Völkermorde und Menschenrechtsverletzungen. Der Kampf der angeblich Aufgeklärten gegen den christlichen Glauben ist zudem aus einem weiteren Grund kontraproduktiv: Das Christentum wirkt integrativ, weil es wie gesagt überwiegend in der Transzendenz beheimatet ist und (anders als der Islam) keine besonderen Gesetze aufstellt, die nicht auch von der Mehrheit der Atheisten und der Weltreligionen als richtig empfunden werden. In den christlichen Gemeinden können sich Menschen unterschiedlichster gesellschaftspolitischer Vorstellungen zu Hause fühlen.

Mit der Säkularisierung und dem Rückzug des Christentums haben sich allerdings diesseitsbezogene Ersatzreligionen wie Sozialismus, Feminismus, Nationalismus, Hedonismus oder der Links-Libertarismus in den Vordergrund geschoben. Das dürfte die wichtigste Ursache für die Individualisierung und Atomisierung unserer Gesellschaften sein. Die Entchristlichung führt mithin zu immer mehr Grabenkriegen, sie verhärtet die Fronten. Diese relativ neuen konkurrierenden Ideologien bieten Visionen einzig und allein für das diesseitige Leben an, quasi als eine innerweltliche Erlösung. Schon allein weil das Leben vor dem Tod relativ kurz ist, sind die Anhänger dieser Utopien ziemlich ungeduldig und unduldsam. Vor allem aber haben sie oft klare und radikale Vorstellungen davon, wie Staat und Gesellschaft in ihrem Sinne umgebaut werden müssen, wobei sich meist der Staat um alles kümmern soll. Die libertären Anarcho-Kapitalisten befürworten dagegen einen Nachtwächterstaat oder wollen den Staat ganz abschaffen. Das größte Problem ist, dass die Mythen und Doktrinen, die auf dem Markt der Religionen als Ersatz für den christlichen Glauben angeboten werden, sowohl untereinander als auch mit dem Christentum teilweise nur schwer oder gar nicht zu vereinbaren sind.

Auch aus wissenschaftstheoretischer Sicht kann es von Vorteil sein, einen vorläufig festen Standpunkt zu haben, von dem aus man die Phänomene orten kann. Das Problem ungläubiger Geisteswissenschaftler ist oftmals, dass sie auf der Suche nach Wahrheiten sind, an denen sie sich festhalten können. Da erst läuft man Gefahr, in die Unwissenschaftlichkeit abzugleiten! Diese Überlegung trifft zwar im Prinzip auch auf Denkgebäude wie den Marxismus und den Hegelianismus zu, deren bewusste und unbewusste Anhänger an das segensreiche Wirken des sozialistischen bzw. preußischen Obrigkeitsstaats glauben. Die Verfechter solch enger Weltbilder (insbesondere die Marxisten) pflegen sich aber mit allerlei intellektuellen Verrenkungen gegen Andersdenkende abzuschotten, weswegen dergleichen Ideologien als vorübergehender Fixpunkt eines kritischen und selbstkritischen Geistes ungeeignet sind. Außerdem sind sie vom Gedanken des Interventionismus geprägt. Für praktisch alle Lebensbereiche fordern sie zunehmend das Eingreifen des Staats, so dass sich auf dieser Grundlage eine freie Bürgergesellschaft nach dem Prinzip der Subsidiarität mit Gemeinsinn und Selbstverantwortung kaum entwickeln kann. Der christliche Glaube ist da weit offener und vor allem nicht so fixiert auf das materielle Wohlergehen des Einzelnen. Allerdings sind die großen Kirchen in Europa und selbst die evangelikalen Gemeinden ebenfalls vom Wohlfahrtsstaat korrumpiert. Daher brauchen wir eine Renaissance des Christentums!

Der Philosoph Karl Popper warnte am 27.07.1982 in einem Radiovortrag, die Forschung könne eines schönen Tages in den Dogmatismus einer Ersatzreligion abdriften: "Zweifellos gibt es auch Wissenschaftler, die einfach den Führern folgen, oder die einem sozialen Druck nachgeben und eine neue Theorie wie einen neuen Glauben annehmen, weil ihnen der Experte, die Autorität, diesen neuen Glauben empfohlen hat. Ich muss leider zugeben, dass es auch in den Naturwissenschaften Moden gibt und auch sozialen Druck. Ich gebe zu, dass vielleicht der Tag kommen wird, da die soziale Gemeinschaft der Naturwissenschaftler hauptsächlich oder ausschließlich aus Wissenschaftlern besteht, die unkritisch ein dominierendes Dogma übernehmen, so dass die Wissenschaftler durch Moden umgestimmt werden und eine Theorie hauptsächlich deshalb akzeptieren, weil sie der letzte Schrei ist. Sie fürchten sonst ins Hintertreffen zu kommen oder von der Mehrheit abgelehnt zu werden. Aber ich behaupte, dass dieser Tag das Ende der Wissenschaft sein wird. Das Ende einer Tradition, die von Thales und Anaximander begründet und von Galilei wiederentdeckt wurde. Solange die Wissenschaft Wahrheitssuche ist, wird sie rationale, kritische Diskussion zwischen konkurrierenden Theorien sein und rationale, kritische Diskussion der revolutionären Theorie. Die rationale Diskussion entscheidet, ob die neue Theorie für besser als die alte gelten kann oder nicht. Das heißt, ob sie als ein Schritt zur Wahrheit hin gelten kann oder nicht" (Karl Popper: Alles ist nur Vermutung; CD 2, Track 7).

Den Tag, an dem die wissenschaftliche Redlichkeit zu Grabe getragen wurde, haben wir meiner Beobachtung nach bereits hinter uns gelassen. Was die Sozialwissenschaften, also die Sozial-, Wirtschafts- und Familienpolitik anbetrifft, gibt es jedenfalls in den Mainstream-Medien kaum noch eine kritische Diskussion. Das gleiche gilt für Fragen des Klimawandels und der Energiepolitik. Es finden bloß 'Diskurse' zwischen den politisch Korrekten des linken und linksliberalen Establishments statt, bei dem man sich meist mit Samthandschuhen anfasst und ab und an gemeinsam über notorische Querulanten herzieht. Die großenteils tendenziöse Berichterstattung der überwiegend linkslastigen Medien lästert über unbelehrbare Ideologen mit einem 'kruden Menschenbild', die durch die politische Landschaft irrlichterten, durchaus nicht nur an den Rändern! Deshalb sei der 'Sumpf trockenzulegen', bevor er (Gott behüte) wahlentscheidend wird. Diese Leute benutzten gesellschaftliche Probleme, die nicht zu bestreiten seien, um ihr 'eigenes Süppchen zu kochen' - ein Verdacht, der immer nur auf Zeitgenossen mit unliebsamen Ansichten fällt. Die ideologischen Speerspitzen des mal neoliberalen, mal erzkonservativen, mal brauen Sumpfes, die 'Schmierfinken' im Internet, müssten unschädlich gemacht werden. Sie seien von durchsichtigen Interessen geleiteten und machten sich der Brunnenvergiftung schuldig. Da werden mit moralisierender Wortgewalt ('Wo bleibt der Aufschrei der Anständigen') reihenweise Polemiker ausgemacht und als Brandstifter entlarvt, aber so gut wie nie bei den Linken und bei den Grünen!

Ich denke da an Diskussionen im Deutschlandfunk und insbesondere im durch Zwangsgebühren finanzierten Fernsehen. Dort treten willkürlich ausgewählte Politiker, Experten und Wissenschaftler auf, die auf Grund dessen, was Popper die "alte Ethik der intellektuellen Berufe" nannte, einen unangemessen großen Einfluss haben. Popper sagte 1982 in einem Vortrag über 'Duldsamkeit und intellektuelle Verantwortlichkeit': "Der alte Imperativ für den Intellektuellen ist: Sei eine Autorität! Wisse alles in deinem Gebiet! Wenn du einmal als Autorität anerkannt bist, dann wird die Autorität von deinen Kollegen beschützt werden und du mußt natürlich die Autorität deiner Kollegen beschützen. Die alte Ethik, die ich beschreibe, verbietet es, Fehler zu machen. Ein Fehler ist absolut unerlaubt. Daher dürfen Fehler nicht zugegeben werden. Ich brauche nicht zu betonen, daß diese alte professionelle Ethik intolerant ist. Und sie war auch immer schon intellektuell unredlich: Sie führt zum Vertuschen der Fehler um der Autorität willen, insbesondere auch in der Medizin" (Karl R. Popper: Auf der Suche nach einer besseren Welt; Seite 227).

Der Volksmund hat für den Nimbus der Unfehlbarkeit, mit dem sich die Kaste der linksintellektuellen Amtsinhaber in Wissenschaft, Kultur und Kunst umgibt, ein Sprichwort: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus". Mit solcher Heuchelei und Autoritätsgläubigkeit muss es im Interesse eines echten Pluralismus ein Ende haben. Wir brauchen daher neben einer friedlichen bürgerlichen Revolution und einer neuen Reformation der Christenheit auch eine Neubegründung der wissenschaftlichen Berufsethik. Das nenne ich eine Vision! Und sie ist nicht einmal besonders utopisch, denn zur Umsetzung müssen wir nur die Universitäten privatisieren und die staatliche Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur auf das wirklich Unverzichtbare eindampfen.

Popper hat im Anschluss an seine Definition der alten Wissenschaftsethik zwölf Prinzipien einer neuen Berufsethik für unsere Eliten aufgelistet. Ich fasse sie kurz zusammen: Die Wissenschaft ist nur so lange wissenschaftlich, solange sie sich der Kritik stellt. Daher darf es keine unangreifbaren Autoritäten geben. Popper sagt, "Es ist unmöglich, alle Fehler zu vermeiden oder auch nur alle an sich vermeidbaren Fehler". Man muss im Gegenteil nach seinen Irrtümern Ausschau halten, was zu wichtigen Entdeckungen führen kann. Der britisch-österreichische Wissenschaftstheoretiker meinte, "dass wir gerade von unseren Fehlern lernen müssen. Fehler zu vertuschen ist deshalb die größte intellektuelle Sünde". Zur Entdeckung und Korrektur von irrigen Thesen reicht Selbstkritik nicht aus, es braucht auch die Kritik von "Menschen, die mit anderen Ideen in einer anderen Atmosphäre aufgewachsen sind". Die Gegner einer Theorie müssen allerdings auch konkret werden. Rationale Kritik "muss spezifische Gründe angeben, warum spezifische Aussagen, spezifische Hypothesen falsch zu sein scheinen oder spezifische Argumente ungültig" (Seite 227 ff).

Bei pauschaler Kritik, wie sie selbst von Liberalen zuweilen geäußert wird, kann man also in der Tat sagen: "Das geht mal gar nicht". Wenn z.B. jemand sagt: "Sarrazins Thesen sind mir zu sozialistisch und zu staatsgläubig", dann gilt das allenfalls für einzelne weniger zentrale Aussagen seines Buches 'Deutschland schafft sich ab'. Thilo Sarrazin ist trotz seiner Zugehörigkeit zur SPD überwiegend ein Wirtschaftsliberaler, und er kommt der Wahrheit sehr nahe. Wer das bezweifelt, muss eine oder mehrere spezifische Thesen unter Angabe der Seite, wo sie jeweils zu finden ist, benennen und versuchen, sie mit stichhaltigen Argumenten zu widerlegen. Zahlen braucht er dabei nicht vorzulegen. Statistiken sind auch nichts anderes als graue Theorie, denn sie müssen mit Hilfe eines theoretischen Bezugsrahmens interpretiert werden. Auf keinen Fall sollte man Tabellen und Prozentangaben heranziehen, um mit Pseudowissenschaftlichkeit zu beeindrucken, wie es bedauerlicherweise in Mode gekommenen ist.

1927 schrieb Russell ein Essay mit dem Titel: Warum ich kein Christ bin. Das hinderte den britischen Philosophen aber nicht, an anderer Stelle eine Lanze für die christliche Ethik als Grundlage der abendländischen Kultur zu brechen: "Das Christentum machte, sobald es den Staat erobert hatte, den Gladiatorenkämpfen ein Ende. Nicht weil sie grausam, sondern weil sie Götzendienst waren. Das Ergebnis war gleichwohl die Einschränkung der weit verbreiteten Erziehung zur Grausamkeit, durch die das gemeine Volk in den römischen Städten entartete. Das Christentum tat auch viel, das Los der Sklaven zu lindern, es richtete Wohlfahrtsorganisationen und Spitäler ein. Wenn auch die große Mehrheit der Christen es leider gar sehr an christlicher Nächstenliebe fehlen ließ, lebte doch das Ideal weiter und beseelte zu allen Zeiten hervorragende Heilige. In neuer Form ging es in den Liberalismus der Neuzeit über und bleibt die Inspiration für viele unserer Hoffnungen in unserer düsteren Welt" (Unpopuläre Betrachtungen, Track 73). Der Humanismus war die Auseinandersetzung mit den Schriften der alten Griechen und Römer, die vor allem christliche Mönche ausgegraben hatten. Auch deswegen sind der Humanismus und die Idee der Menschenrechte entscheidend von der jüdischen und christlichen Ethik beeinflusst worden. Dies machte Russell anderer Stelle durch folgende Bemerkung deutlich: "Der Kindermord, welcher der menschlichen Natur doch widersprechen sollte, war vor dem Aufkommen des Christentums gang und gäbe; Plato empfiehlt ihn als nützliches Mittel zur Verhütung der Überbevölkerung" (Seite 112).

Dem scharfzüngigen Dichter Heinrich Heine fiel 1838 ebenfalls Positives zum Christentum ein: "Der Kosmopolitismus ist ganz eigentlich dem Boden Judäas entsprossen. Und Christus, der ein wirklicher Jude war, hat ganz eigentlich eine Propaganda des Weltbürgertums gestiftet" (Wie fern die Heimat! Gedanken zu Europa; Track 10).

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Der Weg zur Hölle ist mit halbherziger Schein-Rationalität gepflastert

Die Verballhornung des Christentums zerstört unsere Kultur – eine Nachlese und eine Verteidigungsrede für den unverfälschten Glauben an Christus.

Bei einer Fernsehdiskussion im Ersten am 21. November 2012 behauptete Anne Will, die Christen würden mit ewigen Höllenqualen drohen, um ihre Schäfchen bei der Stange zu halten (Letzte Ausfahrt Paradies - gibt es ein Leben nach dem Tod?). Nach einer Einspielung über das 'Konzept Hölle' stellte die Moderatorin die Vertreterin einer bekannten weltumspannenden Sekte zur Rede: "Wozu genau braucht die Katholische Kirche ein Konstrukt und sagen wir mal ein Druckmittel, eine permanente Drohung wie die Hölle?". In dem Filmbeitrag hatten sich die Fernsehleute einmal mehr über den Guru dieser Sekte (den Papst) lustig gemacht, wie man sich das beim Islam nicht getrauen würde. Es ist erschreckend wie Anne Will in dieser Sendung wichtige Aussagen des Neuen Testaments mal eben verwarf und sowohl die Teilnehmer der Runde als auch das Publikum im Studio auf ihrer Seite hatte.

Dabei ist an diesem Mittwochabend größtenteils Halbwissen verbreitet worden. Vor allem ist die Hölle ist kein "Sanktionsmechanismus", mit dem "zum Schluss abgerechnet wird", wie Anne Will sagte. Sie ist nicht etwas, mit dem Gott uns droht, sondern aus dem er uns retten will! In die ewige Verdammnis kommt man mehr oder weniger automatisch, die ganze Menschheit ist seit dem Sündenfall auf dem "highway to hell", die Christen sprechen von einer 'gefallenen Welt'. In dem bekannten Weihnachtslied 'Stille Nacht, heilige Nacht' heißt es in einer Strophe: "Christ, der Retter ist da". Wovor soll er uns den retten, wenn nicht vor der Hölle? Etwa vor der 'German Angst'?

Zudem ist die ewige Verdammnis keine Erfindung der Kirchen, sie ist in der Bibel fest verankert. Bereits ganz am Anfang des Neuen Testaments, nach der Weihnachtsgeschichte, steht in der Bergpredigt die erste deutliche Warnung: "Wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle geworfen zu werden" (Matthäus 5,30). Der Reformator Martin Luther bekämpfte den in der Sendung kritisierten Ablasshandel nicht wegen der Hölle, sondern wegen des Fegefeuers, bei dem es sich tatsächlich um ein Konstrukt der Katholischen Kirche handelt. Das sogenannte Purgatorium soll eine Zwischenstation auf dem Weg zum ewigen Leben sein, bei der man auch nach dem Tod noch Gelegenheit bekommt, seine Sünden zu bereuen. Auch könnten Gebete sowie Ablasszahlungen der Lebenden dazu beitragen, dass der Betreffende in den Himmel kommt. Für Luther und die protestantische Christenheit waren das Fegefeuer und der damit verbundene Ablasshandel deswegen Irrlehren, weil damit die Konsequenzen eines Glaubensabfalls verharmlost und die Brisanz der Erlösung durch Christus am Kreuz verwischt wurde.

Während im 6. Jahrhundert Papst 'Gregor der Große' mit der Erfindung des Fegefeuers den Schrecken der Hölle mildern wollte, machen heute die großen Kirchen in Europa aus Gründen des Marketings einen weiten Bogen um dieses heiße Eisen. DDR- Bürgerrechtler Heinz Eggert, der als ehemaliger evangelischer Pfarrer mitreden durfte, wollte auch nichts davon wissen: "Ein Gott, der eine Hölle einrichtet, um im Grunde Andersdenkende zu vernichten, da wär ich der erste der aus der Kirche austritt und öffentlich abschwören würde". So ist es aber nicht, sagte er, und damit hat er auch wieder Recht.

Obwohl ich seit 1988 gläubiger Christ bin, habe ich bisher nur eine Predigt über die Hölle gehört, von Peter Russek, dem Leiter der Immanuel-Gemeinde in München. Nachdem ich mir seinen Vortrag vom 19. August 1990 noch einmal auf Kassette reinzog, komme ich ohne großes Bibelstudium zu folgender Arbeitshypothese: Ein Kandidat für die Hölle ist aus der Sicht der Bibel vor allem derjenige, der sich von Christus bewusst abwendet, um Kraft, Orientierung und Richtung bei irgendwelchen Religionen zu suchen. Höllisch aufpassen muss einer, der Christ wurde und sah bzw. ahnte, dass er wie alle Menschen ein erlösungsbedürftiger Sünder ist, dass er das Opfer von Christus am Kreuz nötig hat, dann aber nichts mehr davon wissen wollte, weil er einen anderen Herrn fand oder selber Gott sein will. Höllengefährdet sind aber auch Leute, die sich vom christlichen Glauben durch Ersatzreligionen wie Sozialismus oder Feminismus abbringen lassen.

Von dem Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper wissen wir, dass Theorien im Grunde nicht bewiesen, sondern nur widerlegt werden können. Die Falsifikation erfolgt meist durch eine neue Theorie, die sich besser bewährt und näher an der Wahrheit ist. Die Glaubenden können also mit Fug und Recht so lange an ihrem Glauben festhalten, solange es kein Denkgebäude gibt, mit dem man sich noch besser einen Reim auf die Schrecken und die Schönheiten des Lebens machen kann. Wer sagt, er glaube nur das, was wissenschaftlich bewiesen ist, der beweist nur seine Wissenschaftsgläubigkeit. Zwar wissen wir in den Naturwissenschaften eine ganze Menge, was auf technischem Gebiet einen beeindruckenden Fortschritt ermöglichte. In den Geistes- und Sozialwissenschaften wissen wir weniger als Sokrates, der wenigstens wusste, dass er nichts wusste. In den Gesellschaftswissenschaften wurden nur eine Menge Daten gesammelt, neue Theorien aufgestellt und alte Theorien aus Gründen der Political Correctness ohne stichhaltige Argumente verworfen. Doch die Daten können angesichts der hochkomplexen Materie auf vielerlei Art interpretiert werden, so dass es hier keinerlei Annäherung an die Wahrheit gibt, dafür aber jede Menge neue Dogmen und Mythen!

Ich muss nicht beweisen, dass der Kulturverfall in Europa sowie die massenweisen Menschenabschlachtungen, die uns vor allem Kommunismus, Sozialismus und Nationalsozialismus gebracht haben, etwas mit der Sünde, mit Satan und der Hölle zu tun haben. Die Atheisten müssen es widerlegen! Die Kapitalismuskritik überzeugt mich nicht und auch nicht der Blick in die teilweise dunkle Vergangenheit des Christentums. Weil sie, vor allem im Vergleich zum Islam, gar nicht so dunkel ist, wie es von interessierten Kreisen dargestellt wird, also der marxistischen oder feministischen Konkurrenz. Ich muss nicht beweisen, dass Gott mich in Christus liebt, bedingungslos und vorbehaltlos, so wie ich bin, so wie ich geworden bin. Die Anhänger konkurrierender Theorien müssen mich vom Gegenteil überzeugen, und da reicht mir nicht ein Schnellurteil wie: Alles wissenschaftlich nicht belegter Humbug. Ich muss nicht beweisen, dass es Sinn macht, Christus nachzufolgen. Die anderen müssten mir beweisen, dass der Sinn des Lebens in etwas besserem zu finden ist! Was aber soll das sein? Sex und Geld? Das Karrierestreben, der Materialismus, der Bau eines Hauses, die Gründung einer Familie? Die bürgerliche Familie ist ohne den christlichen Glauben ein labiles Gleichgewicht, denn sie basiert auf anderen christlichen Konzepten, die es neben Himmel und Hölle auch noch gibt, nämlich die Rollen von Mann und Frau und die eheliche Treue.

Wenn jemand vom Glauben an Jesus nachhaltig abirrt, lässt ihn Gott letzten Endes auch in die Hölle ziehen. Das kann nur als Strafe Gottes interpretieren, wer erwartet, dass der Schöpfer die Menschen führt wie einen Hund an der Leine. Ganz anders als bei der Katholischen Inquisition oder in Johannes Calvins Gottesstaat ist im neutestamentlichen Glauben eine Bestrafung von Anhängern einer Irrlehre oder auch von Ehebrechern nicht vorgesehen! Sie können allerdings aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Dies meint der Apostel Paulus zum Beispiel im ersten Brief an Timotheus, Kapitel 1, Vers 20 mit dem Ausdruck, er habe zwei Gemeindeglieder "dem Satan übergeben". Im Koran dagegen sind die Höllenbeschreibungen nicht nur weit häufiger und grausamer, sondern dort werden die Gläubigen auch angestachelt, alle zu bestrafen, die nicht zum Islam übertreten oder von ihm abfallen. Zum Beispiel Sure 4, Vers 89: "Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet".

Obwohl man als überzeugter Atheist mit der 'christlichen Hölle' im Leben vor dem Tod gar nicht unbedingt konfrontiert wird und insofern Gelassenheit an den Tag legen kann, wollen die Progressiven dieses Ärgernis offensichtlich abschaffen, nicht nur für sich, sondern auch für die gläubigen Christen. Die 'islamische Hölle' wird dagegen respektiert, wie so vieles, was unter der grünen Fahne des Propheten Mohammed gelehrt und praktiziert wird. Ja, die Verteidiger von Multikulti brauchen die Hölle dringend, um besonders 'satanische Verse' im Koran zu erklären und zu rechtfertigen. An unsere eigene Kultur wird also wieder einmal ein ganz anderer Maßstab angelegt.

Der Machtbereich des Teufels und der Ort ewiger Höllenqualen sind vielleicht nicht identisch, aber sie ähneln sich und sie liegen in der gleichen Richtung. Auf jeden Fall versucht uns Satan in die Hölle zu locken, oft gerade dann, wenn uns die Straße und Wegführung äußerst komfortabel und angenehm vorkommen. Eines dürfte jedenfalls klar sein: Wenn es die Hölle gibt, dann steht ein Satanist bereits mit einem Bein in selbiger. Wo er vermutlich auch vollends hingelangt, wenn er sich nicht noch vor seinem Tod zu Jesus bekennt und sich auf Christi Blut beruft.

Ja, und jetzt zu den Frauen. In ihrem unerschrockenen Kampf gegen das Christentum ließ sich Anne Will in besagter Sendung nicht davon abirren, die Vertreterin der Katholischen Kirche in die Mangel zu nehmen. So bohrte sie nach: "Wenn eine Frau abtreibt und diesen Schritt nie bereut, landet sie dann Ihrer Vorstellung nach in der Hölle?". Die Bundesvorsitzende der 'Christdemokraten für das Leben', Mechtild Löhr, antwortete eingeschüchtert: "Das glaube ich nicht". Ich hätte die Frage mit ja beantwortet - und einen Sturm der Entrüstung geerntet. Eine Frau, die abgetrieben hat, ohne Jesu Vergebung in Anspruch genommen zu haben, hätte ich bekräftigt, kommt vermutlich in ewige Verdammnis. Es sei denn, sie hatte einen triftigen Grund für die Tötung ihrer Leibesfrucht, wenn zum Beispiel das Kind bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde. Wem das zu hart erscheint, dem sage ich: Sie muss ja nicht abtreiben, für was gibt es Verhütungsmittel? Und wenn sie es doch getan hat, kann sie Christ werden, um den Opfertod Jesu in Anspruch zu nehmen. Zudem braucht man ja nicht an das Leben nach dem Tod zu glauben, und schon hat man seine Ruhe.

Es gibt in Wahrheit kein Recht auf Abtreibung, wohl aber das Menschenrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, und sei der Mensch auch noch so klein. Seyran Ates, die Vertreterin des islamischen Glaubens, sagte in der TV-Diskussionsrunde ganz richtig, wenn auch im Hinblick auf den Islamismus: "Die Entscheidung über Leben und Tod, die trifft nicht ein Mensch gegen einen anderen Menschen, da hat er nicht das Recht dazu. Und wenn die Religion dazu missbraucht wird, zu entscheiden, wo ist unwertes Leben und wo ist wertiges Leben, dann wird Religion für mich politisch, und das hat nichts mehr mit Glauben zu tun".

Wahnsinn, was alles in der Abtreibungs-Fangfrage der so gütigen Anne Will drinsteckt, da wird die Politik religiös: Ach, sogar eine Frau, eines von diesen immer lieben, freundlichen und auch als hysterische Furie über alle Kritik erhabenen Geschöpfe soll in die Hölle fahren? Schöpferinnen sind sie doch selbst, Gebärerinnen, Trägerinnen des Lebens, Muttergottheiten! O weh, selbst eine dieser unschuldigen jungen Halbgöttinnen soll verloren gehen, nur weil sie sagt: Mein Bauch gehört mir? Sind wir dann nicht alle verloren?

"Das kann und darf nicht sein, und deshalb ist das Christentum böse", wiegt sich die inzwischen mehr vom Mutterrecht als von Christus beseelte Mehrheitsgesellschaft in Sicherheit. Aber auch gut und böse seien irrationale Kategorien überkommener Moralvorstellungen, wie uns Mitdiskutant Phillipp Möller aufklärte: "In der Ethik fragen wir nach fair und unfair". Warum seine Ethik fair ist, sollen wir wohl daran erkennen, dass er Andersdenkende die Klapsmühle schicken würde anstatt sie zu warnen, ins eigene Verderben zu laufen. Zitat 68. Minute: "Entschuldigung, es sind schon Leute für weniger in der Psychiatrie gelandet als für solche Behauptungen", sagte er Mechtild Löhr nach ihren Ausführungen über die "katholische Hölle" ins Gesicht. Immerhin machte gegen Ende der Talkrunde der Physiker und Kabarettist Vince Ebert darauf aufmerksam, dass auch die Wissenschaft Mankos hat. So könne man beispielsweise nur darüber spekulieren, was vor dem Urknall war.

Es war ja klar, dass die Wohlmeinende Will den Paragrafen 218 ins Spiel brachte und nicht etwa die häufiger werdenden Fälle von Kindesmissbrauch. Einen 'Kinderschänder' würde vermutlich die Mehrheit der Bundesbürger liebend gern in die Hölle fahren lassen. Durch eine Verteufelung der beschuldigten Männer und Frauen steigt allerdings die Gefahr, dass missbrauchte Kinder auch noch ermordet werden, um die Tat zu vertuschen! Wer nicht sieht, dass die Entchristlichung unsere Kultur zerstört und unsere Lebenswirklichkeit nach und nach tatsächlich in eine Art Fegefeuer verwandelt, der muss mit Blindheit geschlagen sein. Oder er wohnt hinter dem Mond, liest keine Zeitung, hat keinen Fernseher und hört immer nur den Deutschlandfunk.

Wir sollten nicht darüber hinwegsehen, dass im Neuen Testament immer wieder vor dem Diabolos, dem Durcheinanderwerfer, gewarnt wird, sonst verwässern wir das Evangelium und lullen die Menschen mit politisch korrekter Dünnbrettbohrer-Weisheit ein. Und warum schafft Gott das Böse nicht einfach ab, und Satan und die Hölle gleich mit dazu? Antwort: Gott hat uns als freie Menschen geschaffen und nicht als seine Handpuppen in einem göttlichen Kasperletheater. Von daher haben wir auch die Freiheit, uns in den Herrschaftsbereich von Gottes Gegenspieler zu begeben. Dann aber nicht beschweren, wenn man in der Unterwelt landet! Was soll's, wird der Schöpfer seinen Klägern entgegnen halten, wenn es um Himmel und Hölle geht, zählen allein seine Maßstäbe. Außerdem ist der Herr der Herren nicht nur gütig, sondern auch gerecht und heilig. Durch die Freiheit und Selbstverantwortung, mit der uns der Schöpfer ausgestattet hat, ist Gottes Einfluss also begrenzt. Außerdem stehen dämonische Mächte seiner Alleinherrschaft entgegen, aber nur vorläufig. Am Ende landet selbst Satan in der ewigen Verdammnis (Offenbarung 20, Vers 10).

Christus, der für alle Menschen starb und auferstand, hat uns den Pfad zurück ins Paradies gezeigt. In Matthäus 7,14 sagt er jedoch auch, wo das Problem liegt: "Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden". Die meisten verdrängen, dass sie sich vielleicht wirklich in einem SUV auf einer mehrspurigen Autobahn in Richtung Abgrund befinden, ohne die zahlreichen Ausfahrten zu beachten. (Chris Rea: The Road to Hell). Auf jeden Fall ist es nicht verkehrt, wenn Leute, die in Gottes Schöpfung herumpfuschen, sich auch mit dem Super-GAU auseinandersetzen. Und außerdem: Mit dem Leugnen der Spannung zwischen Himmel und Hölle nimmt man dem christlichen Glauben den Sinn, weil dann ja faktisch alle in den Himmel kommen! Durch den Verzicht auf das Christentum aber lassen wir tragende Teile des Fundaments unserer abendländischen Gesellschaften verfallen. Unsere Kultur droht daher zusammenzubrechen, egal ob Gott, Himmel und Hölle Realitäten sind oder nicht! Dass Weihnachten und Ostern ohne den Glauben vollends zur reinen Kommerz-Veranstaltung verkommen, wird dann noch das Wenigste sein.

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Islam versus Christentum

Kritiker des christlichen Glaubens wenden zuweilen ein, die Kirche rede von Sünde, um den Menschen ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Sie könnten dann umso besser ausgebeutet werden. Durch den Weg der Buße, den die Bibel nahelege, würden die Gläubigen darüber hinaus von der Kirche abhängig gemacht. Das Argument kann nicht einfach vom Tisch wischen, wer von den Fehlentwicklungen der Katholischen Kirche im Mittelalter weiß (Stichworte Ablasshandel und Fegefeuer). Die Reformatoren um Martin Luther haben im 16. Jahrhundert diese Abirrungen aber nicht nur angeprangert sondern auch korrigiert! Sie riefen wieder neu in Erinnerung, dass man sich den Platz im Himmel nicht erarbeiten kann, sondern dass es darauf ankommt, seine Fehler, Sünden und die eigene Erlösungsbedürftigkeit zu bekennen und Jesu Opfertod in Anspruch zu nehmen. Für die Christen ist die Erlösung ein Akt der Begnadigung, den man sich nicht durch gute Werke verdienen kann, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus erlangt (Römer 3, Verse 22 bis 28). Von Abhängigkeit kann also keine Rede sein und auch nicht von Ausbeutung, denn Christus sagt selbst von sich: "Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Matthäus 11, 29-30).

Im Gegensatz dazu haben die vermeintlich Progressiven den gnädigen Gott durch die Gutmenschen-Religion ersetzt, deren Moralapostel und Knechte nicht nur den Christen bei jeder Gelegenheit Verfehlungen vorwerfen. Verhetzt vom Feminismus halten viele Frauen den Männern vor, sie seien egoistische Patriarchen, die die Frauen von den Schalthebeln der Macht fernhalten würden. Nicht zuletzt deswegen, weil sich die Mehrheit der Männer diesen Schuh angezogen hat, haben wir uns zu einer frauenzentrierten Gesellschaft zurückentwickelt, in der der Mann entrechtet und ausgebeutet wird (siehe Kapitel 'Das Familienrecht knechtet den Vater').

Diese Bessermenschen behaupten, der Westen habe durch die Kolonialisierung die halbe Welt in Armut gestürzt, was der schweizer Medienunternehmer, Publizist und SVP-Politiker Roger Köppel mit Recht bestreitet (weltwoche.ch vom 4. Juni 2016: Afrikas Schuld, Afrikas Pflicht). Die verordnete Buße ließ auch nicht lange auf sich warten: Wer von der Erbsünde in seiner Eigenschaft als Europäer und vor allem als Deutscher erlöst werden will, der muss sich zur Gutmenschenreligion bekennen. Er muss in Demut annehmen, dass seine eigene Kultur, sein Zuhause mit Migranten aus aller Welt überrannt wird. Ferner muss er als Eingeborener seine Arbeitskraft für die Herrenmenschen zur Verfügung stellen, als die sich insbesondere die Muslime unter den Einwanderern vorkommen. Die Einheimischen müssen steigende Steuern, Sozialabgaben, Gebühren und Bußgelder bezahlen und gleichzeitig hinnehmen, dass ihnen die Jobs, die Wohnungen und die Frauen streitig gemacht werden. Auf Gnade bei den Priestern der Gutmenschenreligion können nur Minderheiten rechnen. Gute Werke reichen nicht einmal, um vor den Inquisitoren der Politischen Korrektheit bestehen zu können, es muss schon die komplette Unterwerfung sein. Ganz übel sind diejenigen dran, die keinen Opferstatus in Anspruch nehmen können: die hellhäutigen und geschiedenen Männer des Westens.

Außerdem halten uns die Volkspädagogen regelmäßig vor, das christliche Abendland habe viele Menschenleben auf dem Gewissen. Atheisten und friedliebende Muslime behaupten unisono, dass die Kreuzzüge und auch die meisten anderen Kriege auf das Konto der Christen gingen. Von der Blutspur aber, die der Islam bis auf den heutigen Tag hinter sich herzieht, verliert kaum jemand ein Wort, unter anderem weil man zu wenig darüber weiß. Und weil man es auch nicht wissen will! Denn die Angst geht um vor den dünnhäutigen Moslems, die zu Gewaltexzessen neigen, wenn man ihnen den Spiegel vorhält. Man denke nur an den Zinnober, den der türkische Diktator Erdogan veranstaltete, als der Bundestag am 2. Juni 2016 den Massenmord an den Armeniern als Völkermord einstufte. Laut Wikipedia kamen bei dem Genozid "je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode". Die Zeit berichtete, dass in den sozialen Medien sogar zum Mord an Politikern mit türkischem Migrationshintergrund aufgerufen wurde: "Der deutsche Bundestag hatte am vergangenen Donnerstag mit großer Mehrheit dafür gestimmt, die Massaker an der armenischen Bevölkerung sowie an Aramäern und Angehörigen weiterer christlicher Minderheiten vor etwa 100 Jahren im Osmanischen Reich als Völkermord zu bezeichnen. Nun folgt eine Reaktion aus der Türkei: Es sind Mordaufrufe gegen die elf türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten. Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu sprach in einem Beitrag der Tagesschau von einer neuen Qualität der Bedrohung seit der Armenien-Resolution. Zuvor hatte der Oberbürgermeister der türkischen Hauptstadt Ankara bei Twitter ein Bild mit allen türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten gepostet; der Beitrag wurde tausendfach geteilt und von vielen Nutzern mit Aufrufen zum Mord versehen." (Zeit vom 06.06.16).

Der Islam ist eine invasive Kultur, so wie es auch in Flora und Fauna invasive Arten gibt. Wenn als Folge der Globalisierung Pflanzen oder Tiere in ein Gebiet eingeschleppt werden, wo sie auf keine natürlichen Feinde stoßen, überwuchern bzw. dominieren sie alles. Es entsteht eine Monokultur mit schlimmen Folgen für die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht. Der natürliche Feind der Religion des Korans war und ist der Glaube an Christus, den die europäischen Gesellschaften aber seit vielen Jahrzehnten in den Wind geschlagen haben. Beispiel einer biologischen Invasion durch eine gebietsfremde Pflanze ist der aus dem Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude), ein krautiger Doldenblütler, der bis zu drei Meter hoch wächst. Nur Wenigen sind die Gefahren bewusst, die von dem Grünzeug ausgehen. Wikipedia warnt: "Berührungen in Verbindung mit Tageslicht können bei Menschen und anderen Säugetieren zu schmerzhaften Quaddeln und blasenbildenden, schwer heilenden 'Verbrennungserscheinungen' (Photodermatitis) führen. Es wird deshalb empfohlen, beim Umgang mit der Pflanze vollständige Schutzkleidung zu tragen, zu der auch ein Gesichtsschutz gehört".

Damit wir uns nicht missverstehen: Das Christentum ist keine tolerante Religion nach dem Motto: "Jeder soll nach seiner Façon selig werden", wie sich der Alte Fritz (König Friedrich II. von Preußen, 1712 bis 1786) einmal äußerte. Christus sagt in Johannes Kapitel 14, Vers 6: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich". Als gläubiger Christ bin ich sogar der Überzeugung, dass der christliche Glaube gar keine Religion ist (im Sinne von etwas Menschengemachten), sondern die Wahrheit. Wer wirklich an Gott glaubt, der hält sich nicht an selbst gebastelten Götzen fest, der geht umgekehrt davon aus, dass Gott ihn geschaffen hat! Nach dieser Definition ist er nicht religiös, sondern gläubig. So wie ein Christ namens Ole Hallesby eines seiner Bücher wie folgt betitelte: Warum ich nicht religiös bin.

Es gibt Agnostiker, die erkennen die Bedrohung unserer Freiheit durch die Islamisierung und fordern als Konsequenz, Christen wie Muslimen einen Maulkorb zu verpassen. Man dürfe seiner Religion nachgehen, solle die Sache aber für sich behalten und niemanden belästigen. Dass viele Christen missionieren, kommt aber nicht von ungefähr. Wer wirklich glaubt, dass Christus für die Sünden der Menschen starb und dass er auferstanden ist, will diese Message auch anderen zukommen lassen. Wer das Evangelium nicht weitererzählt, bei dem überwiegen offensichtlich die Zweifel. Oder ist er etwa nur pro forma Christ, weil er aus soziologischen Gründen an der Tradition festhalten will? Die Gemeinschaft der Christen ist auch kein Club der Auserwählten wie das Judentum oder der Hinduismus, sie will alle teilhaben lassen und ist daher missionarisch aktiv.

Der missionarische Eifer vieler Christen ist für Leute, die etwas zu sagen haben, die natürlichste Sache der Welt. Der Mensch ist nicht instinktgesteuert wie das Tier, er braucht zum Überleben eine Kultur. Kultur aber ist auf Kommunikation angewiesen. Karl Jaspers sprach 1949 davon, dass der Einzelne sich nach echter Kommunikation sehnt, die Jaspers als "liebenden Kampf" bezeichnet, "in dem jeder dem anderen alle Waffen ausliefert" (Einführung in die Philosophie, Seite 22 f.) Der christliche Philosoph fasste zusammen: "Der Ursprung der Philosophie liegt zwar im Sichverwundern, im Zweifel, in der Erfahrung der Grenzsituationen, aber zuletzt, dieses alles in sich schließend, in dem Willen zur eigentlichen Kommunikation. Das zeigt sich von Anfang an schon darin, daß alle Philosophie zur Mitteilung drängt, sich ausspricht, gehört werden möchte, daß ihr Wesen die Mitteilbarkeit selbst und diese unablösbar vom Wahrsein ist. Erst in der Kommunikation wird der Zweck der Philosophie erreicht, in dem der Sinn aller Zwecke zuletzt gegründet ist: das Innewerden des Seins, die Erhellung der Liebe, die Vollendung der Ruhe."

Dieses Gespräch auf Augenhöhe entspricht übrigens dem, was der linke Philosoph Jürgen Habermas 1981 in seiner 'Theorie des kommunikativen Handelns' als 'herrschaftsfreien Diskurs' bezeichnete. Die Diskussion darf laut Habermas nicht durch Machtgefälle und Hierarchien verzerrt sein, es darf prinzipiell keiner ausgeschlossen werden, es müssen alle Themen und alle Meinungen zu Sprache kommen dürfen, auch wenn es sich dabei nur um Gefühle handelt (Wikipedia: Diskurs). Nach den Studentenunruhen 1968 schrieben die Linksintellektuellen den herrschaftsfreien Diskurs auf ihre Fahnen, doch seit ihrem erfolgreichen 'Marsch durch die Institutionen' wollen sie nichts mehr davon wissen. Heute sind sie es, die an den Schalthebeln der Macht sitzen. Und unter der Führung von Justizminister Heiko Maas sind sie gerade dabei, eine der letzten Bastionen der Meinungsfreiheit unter ihre Fittiche zu nehmen: das Internet und die sozialen Netzwerke (siehe Focus vom 10.04.2016: Justizminister Maas: Facebook geht nicht schnell genug gegen Hetze im Netz vor).

Missionierende Christen sind zwar davon überzeugt, dass sie auf das richtige Pferd setzen, und versuchen, auch andere davon zu überzeugen. Aber: Sie zwingen niemanden etwas auf. In der Geschichte hat es zwar gewaltsame Christianisierungen und andere Fehlentwicklungen wie die Inquisition gegeben, doch solche Abirrungen konnten und können durch die Bibel nicht legitimiert werden, am allerwenigsten durch das Neue Testament, auf das sich der christliche Glaube vor allem gründet. Kirche und Glauben sind außerdem zwei Paar Stiefel. Die Inquisition ist lediglich ein Argument gegen den Zustand der Kirche vor der Reformation (ab 1517 nach Christus) und vor der Aufklärung ab Ende des 17. Jahrhunderts. Sie ist kein Argument gegen den christlichen Glauben im 21. Jahrhundert kurz vor dem endgültigen Niedergang Europas, der nicht zuletzt eine Folge der Säkularisierung ist. Missionierende Christen haben im Übrigen nicht nur das Recht auf Religionsfreiheit, sondern auch auf Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit, genau wie missionarische Atheisten, Muslime und alle anderen Staatsbürger auch.

Egon Flaig machte in einem weiteren Artikel deutlich, dass es sich beim Islam im Unterschied zum Christentum um eine politische Ideologie mit dem Anspruch auf Weltherrschaft handelt. Daher bestehe "nach klassischer Lehre für die muslimische Weltgemeinschaft die Pflicht, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen, bis diese sich bekehren oder sich unterwerfen. Dieser Krieg heißt Dschihad. Lautete der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu bekehren, ihnen aber ihre politische Ordnung zu lassen, so besteht das Ziel des Islam darin, alle Nichtmuslime politisch zu unterwerfen, ihnen aber ihre Religion zu lassen, falls es Buchreligionen sind". Diese religiöse Toleranz war jedoch immer nur eine vorübergehende und relative, wie der Historiker in seinem Essay schildert. Denn islamische Eroberungen gingen meist mit Völkermorden, Massenversklavung, Zwangsislamisierung und faschistischer Unterdrückung von Andersgläubigen wie Christen und Juden einher. Flaig dazu: "Die Pogrome im christlichen Herrschaftsgebiet sind kein Ruhmesblatt der europäischen Kultur; aber ihre Ausmaße bleiben zurück hinter jenen der islamischen Welt. Wir brauchen dringend eine vergleichende Geschichte religiöser Unterjochung" (FAZ vom 15.09.2006: Der Islam will die Welteroberung).

Es grenzt an Volksverdummung, alle im landläufigen Sinne gläubigen Menschen in einen Topf zu werfen und sie pauschal für das Unrecht in der Welt verantwortlich zu machen. Nicht nur linke, sondern auch libertäre 'Fortschrittliche' verfallen gerne in dieses Muster, das man (ganz ähnlich wie den Antikapitalismus) seinerseits als Glauben, als neuartige Religion bezeichnen kann. Insbesondere zwischen Islam und Christentum gibt es einen himmelweiten Unterschied, wie wir gesehen haben. Die Bibel ist zwar beileibe nicht frei von Schrecken und von Beschreibungen der Hölle, vor welcher der auferstandene Christus diejenigen rettet, die sich auf seinen stellvertretenden Tod am Kreuz berufen. Ich kann mich aber nicht erinnern darin etwas ähnlich Entsetzliches gelesen zu haben wie zum Beispiel Sure 4, Vers 89: "Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und dass ihr ihnen gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet keinen von ihnen zum Freund oder Helfer". Während es in der Bibel heißt, "Du sollst nicht töten" (z.B. 2. Mose 20, Vers 13) bestimmt der Koran: "Ein Gläubiger darf keinen Gläubigen töten, es sei denn aus Versehen" (Sure 4, Vers 92).

Heute sind die Christen die am meisten verfolgte Religionsgruppe. Besonders gefährlich leben sie nach Angaben der Hilfsorganisation Open Doors in kommunistischen, sozialistischen und/oder islamischen Staaten wie Nordkorea, Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Somalia (Index der verfolgten Christen). Open Doors schätzt, dass die Zahl der bedrängten Christen bei 100 Millionen liegt (Junge Freiheit vom 05.01.2012 und Welt vom 25.12.2010: Bomben gegen Christen in der Heiligen Nacht). Laut dem katholischen Hilfswerk Kirche in Not "hat sich die Lage christlicher Minderheiten vor allem in den moslemischen Ländern seit 2005 sehr verschlechtert. Rund 200 Millionen Christen würden drangsaliert, fast 100.000 sterben jährlich für ihren Glauben" (Welt vom 20.12.2008). In Europa pflegt man solche Meldungen mit einem Achselzucken abzutun. Wenn überhaupt. Wegen der Politischen Korrektheit und aus Angst vor den Moslems!

Und nun zu der Frage: "Wenn es einen Gott gibt, warum hat er das zugelassen?" Antwort: Gott leidet nicht am Helfersyndrom wie der Sozialstaat. Er hat uns Menschen einen freien Willen geschenkt, der mit Selbstverantwortung einhergeht. Sollte Gott immer dann einschreiten, wenn der Mensch seine Menschlichkeit verliert, dann wären wir nicht frei, wir wären Marionetten. An den unfassbaren Grausamkeiten, die dieser Planet schon gesehen hat, kann man ersehen, dass es sich seit dem Sündenfall um eine gefallene Welt handelt. Eine gefallene Welt voller gefallener Menschen. Unter Christen kursiert der Spruch: "Die optimale Gemeinde gibt es für mich nicht. Denn spätestens wenn ich dazu gehöre, dann ist sie nicht mehr optimal". Wir sind alle Sünder, die er Erlösung durch Christi Blut bedürfen. Schwieriger zu beantworten ist allerdings die Frage, warum Gott Naturkatastrophen zulässt, bei denen Hunderttausende sterben. Dafür ist hier allerdings nicht der Platz. Vielleicht weiß ich es auch gar nicht.

Der christliche Glaube und die Bibel wurden schon oft für schlimmste Schandtaten instrumentalisiert. Islamistische Terroristen haben den Koran aber nicht instrumentalisiert, sondern ernst genommen. Die Täter und Hintermänner terroristischer Angriffe können sich auf das heilige Buch des Islam berufen. Genau wie die arabischen oder türkischen Imperialisten, die seit Mohammed das Gebiet von Indien bis Spanien erobert hatten und im 16. und 17. Jahrhundert Europa erneut angriffen, Gott sei Dank aber nur bis Wien kamen. Auch die Migranten in Europa wissen den Koran auf ihrer Seite. Die Muslime werden zur Auswanderung aufgerufen, um den Einflussbereich des Islam zu vergrößern (z.B. Sure 4, Verse 94 bis 105). Da man als Auswanderer ständig auf der Hut vor den Ungläubigen, den Feinden, sein muss, versäumt der Koran auch nicht auf die Vorteile hinzuweisen: "Wer auswandert in Allahs Weg, wird auf der Erde manche Zuflucht und Hilfsmittel finden" (Sure 4, Vers 100) und "bei Allah ist reiche Beute" (Vers 94).

Selbst demotivierte und respektlose Schüler können sich auf den Koran berufen. Laut Sure 3, Vers 110 sind die Muslime "die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist", während die Mehrzahl der Juden und Christen Frevler und Feiglinge sind (Vers 111). Nach Meinung von Islamkenner Udo Ulfkotte leiten viele Muslime aus solchen und ähnlichen Versen die Gewissheit ab, von einem Ungläubigen weder etwas zu lernen zu können, noch sich etwas sagen lassen zu müssen.

Es ist schlimm genug, dass die Anhänger des Korans diesen Dünkel in ihren eigenen Ländern oft tatsächlich ausleben und Andersdenkende systematisch verfolgen und vertreiben. Von allen guten Geistern verlassen sind wir Europäer aber, seit wir mit Einwanderungsprämien in Form von allerlei Sozialleistungen minderqualifizierte Menschen in großer Zahl einwandern lassen, darunter ein großer Teil aus islamischen Ländern. Um sich von der Schuld des Holocaust reinzuwaschen, zeigen vor allem die Deutschen eine fast hündische Permissivität, eine prinzipienlose Nachgiebigkeit gegenüber den zunehmenden Provokationen von Zuwanderern aus dem Islam. Dass wir vor dem Machtanspruch des Korans feige zurückweichen, erkennen politisch Interessierte daran, dass zuweilen selbst über schlimmste Gewaltverbrechen nicht oder unvollständig berichtet wird. Da unsere Medien oft so tun, als sei es keine Nachricht, wenn Gewalttäter einen islamischen Migrationshintergrund haben, sind wir nicht besser als die DDR. Der Arbeiter- und Bauernstaat ging auch daran zugrunde, dass seine Entscheider an die von ihnen selbst gefälschten Statistiken glaubten.

Doch wir wollen ja geläutert sein, der gute Mensch von Sezuan, und auf keinen Fall in den Ruch der Ausländerfeindlichkeit geraten. Das Ergebnis ist eine Sado-Maso-Beziehung, eine Herr-und-Knecht-Dialektik, von der Hegel gesprochen hat. Da haben sich zwei gefunden! Den Muslimen wird die Rolle des Herren, des Sadisten, angetragen und wir ziehen uns das Büßergewand an, spielen den Knecht und geben den Masochisten. Nur gut, dass ich als Christ bei diesem perversen Spiel nicht mitmachen muss! Ich beruf mich zur Vergebung meiner Sünden lieber auf das Blut Jesu Christi als auf die Unterwürfigkeit des Gutmenschentums. Während die Moslems mit Samthandschuhen angefasst werden, geht die Justiz bei Einheimischen dazu über, alles drakonisch zu bestrafen, was als Fremdenfeindlichkeit interpretiert werden kann. Ein Autohändler musste 2009 wegen Beleidigung 1200 Euro Strafe zahlen. Er hatte einem Tunesier, der den Preis für einen Gebrauchtwagen von 11.000 auf 8.000 Euro drücken wollte, per E-Mail geantwortet: "Wir warten schon lange auf einen Muselmann für unser Auto" (Münchner Merkur vom 19.08.09).

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Freie Marktwirtschaft und Subsidiarität

Wir sind für die Einführung der freien Marktwirtschaft. Der Staat wird zurückgebaut, so dass er sich auf seine Kernaufgaben konzentriert. Wichtige Staatsaufgaben sind die innere und äußere Sicherheit, die Rechtsstaatlichkeit, die Bildung eines gesetzlichen Rahmens für weitgehend freie Finanzmärkte, die Verhinderung von Kartellen, die Bereitstellung von Einrichtungen der Infrastruktur (soweit dies nur schlecht von Privatunternehmen geleistet werden kann), die Durchsetzung der Unterrichtspflicht. Flankiert wird das Ganze von einer Sozialpolitik mit Maß, die sich an dem Grundsatz der Subsidiarität und der Hilfe zur Selbsthilfe orientiert. Der Leitsatz könnte ein chinesisches Sprichwort sein: "Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt. Lehre ihn das Fischen, und er wird sich ein Leben lang ernähren".

In der freien Marktwirtschaft pendeln sich Preise und Löhne an Punkten ein, an denen die Bevölkerung optimal und nachhaltig mit Gütern, Dienstleistungen und Verdienstmöglichkeiten versorgt ist. Der Wohlfahrtsstaat findet dagegen prinzipiell nicht zu einem Gleichgewicht. In ihm schaukeln sich Sozialansprüche und Privilegien, Löhne und Preise so lange gegenseitig hoch, bis die Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßt und der Staat maßlos verschuldet und pleite ist. Sozialleistungen, die man gestern noch dankbar angenommen hat, empfindet man heute als Selbstverständlichkeit. Die Leute gehen auf die Straße und werfen Molotow-Cocktails, wenn auch nur erwogen wird, diese zu kürzen oder gar zu streichen! Welch ein Mangel an Sitten und Moral. Es kommt der Tag, an dem wir keine andere Wahl haben, als alle sozialen Besitzstände radikal abzuschaffen und die Transferleistungen an Erwerbsfähige zu streichen. Und wenn wir uns nach dem kompletten Zusammenbruch wieder einigermaßen aufgerappelt haben, sollten wir uns hüten, jemals wieder ins Gutmenschentum zu verfallen. Denn es war nur dazu gut, die Substanz und die Ressourcen, die unsere Vorfahren in Zeiten der freien Marktwirtschaft erwirtschaftet haben, zu verzehren und auf den Kopf zu hauen.

Solidarität nach dem Subsidiaritätsprinzip betont in erster Linie die Eigenverantwortung des Individuums und nimmt in zweiter Linie grundlegende Institutionen wie Ehe, Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Dorfgemeinschaft oder andere lokale Vergemeinschaftungen wie Kirchengemeinden oder Vereine in die Pflicht. Aber nur moralisch, nicht mittels staatlicher Unterhalts- oder Regresspflichten, also weitgehend unabhängig von staatlichen Stellen, die nur zum Beispiel in Fällen von Kindesmissbrauch oder schlimmer Vernachlässigung eingreifen. Erst wenn sich im Umfeld eines Hilfsbedürftigen niemand findet, der Verantwortung übernimmt, springt der Staat in die Presche - zunächst die lokalen und regionalen Gliederungen. Staatliche Organisationen greifen Menschen unter die Arme, die sich nicht selbst helfen können, die niemanden haben, der ihnen helfen kann und die in eine Situation geraten sind, die nicht von einer (freiwilligen) Versicherung abgedeckt werden kann. Eine solche zentrale, staatliche Versorgung von Gebrechlichen, Schwerstbehinderten und anderen definitiv Erwerbsunfähigen muss auf einem sehr bescheidenen Niveau bleiben, um Fehlanreize zu vermeiden. Aufgaben wie die Krankenversicherung oder die Altersvorsorge sollen langfristig dem Staat entzogen und der privaten Versicherungswirtschaft überantwortet werden (siehe nachhaltige Krankenversicherung ohne Fehlanreize).

Das Gesundheitssystem krankt vor allem daran, dass es auf Grund seiner Intransparenz extrem anfällig ist für Vetternwirtschaft und Korruption. Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, sprach Anfang Oktober 2016 gegenüber der FAZ aus dem Nähkästchen und forderte einen neuen Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen: "Es ist ein Wettbewerb zwischen den Kassen darüber entstanden, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren. Dann gibt es mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich, der hohe und teure Gesundheitsrisiken unter den einzelnen Kassen ausgleichen soll. Aus einem leichten Bluthochdruck wird ein schwerer. Aus einer depressiven Stimmung eine echte Depression, das bringt 1000 Euro mehr im Jahr pro Fall".

Hier zeigt sich, dass es dem Wohlfahrtsstaat keineswegs gelingt, die Geldgier der Menschen auszuschalten. Sie suchen sich nur neue verschlungene Wege, um sich zu bereichern. In diesem Falle geht es (wie so oft) um eine neuartige Form der Konkurrenz: den Wettbewerb um Umverteilungsgelder. Der Redakteur sagte: "Skandal!" und der Krankenkassenvorstand erklärte, wie es funktioniert: "Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen. Sie bitten dabei um 'Optimierung' der Codierung. Manche Kassen besuchen die Ärzte dazu persönlich, manche rufen an. Und es gibt Verträge mit Ärztevereinigungen, die mehr und schwerwiegendere Diagnosen zum Ziel haben. Zudem lassen sich die Kassen in diese Richtung beraten. Dafür fallen Honorare an. Für all das haben die Kassen seit 2014 eine Milliarde Euro ausgegeben. Die fehlt für die Behandlung der Patienten. Das ist der Skandal!" Die Ortskrankenkassen bekämen "in diesem Jahr voraussichtlich eine Milliarde Euro mehr, als sie tatsächlich für die Versorgung ihrer Versicherten benötigen", sagte Baas. Das Geldscheffeln auf Kosten der Beitragszahler komme vor allem bei Volkskrankheiten vor: "also Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch psychischen Krankheiten. Bei uns hat sich die Zahl der Fälle von Depressionen in den vergangenen vier Jahren vervierfacht" (FAZ vom 9. Oktober 2016: "Wir Krankenkassen schummeln ständig").

Für die eigene Gesundheit ist jeder selbst verantwortlich! Es ist Aufgabe jedes Einzelnen, für das Alter und für Krankheiten vorzusorgen, indem man sich zum Beispiel Rücklagen schafft und auf seine Gesundheit achtet. Eine moralische Pflicht, sich zu versichern, sehe ich weder bei der Krankenversicherung noch bei der Rentenversicherung (anders wie bei der Kfz-Haftpflichtversicherung für Autobesitzer). Daher lehne ich die seit 2009 in Deutschland geltende Krankenversicherungspflicht für Selbständige ab. Mittel- bis langfristig sollte die Krankenversicherung auch für die abhängig Beschäftigten freiwillig sein. Im Gegenzug übernimmt der Staat keine Behandlungskosten für Nichtversicherte. Diese müssen ihre Arzt- und Krankenhauskosten aus eigener Tasche bezahlen. Auf keinen Fall sollten Angehörige regresspflichtig gemacht, das heißt vom Staat zur Solidarität gezwungen werden. Zur Freiheit eines Bürgers gehört auch die Freiheit, an einer schweren Krankheit oder an den Folgen einer schlimmen Verletzung zu sterben, um niemanden mit den Behandlungskosten zu belasten. Wer das Risiko nicht auf sich nehmen will, der kann sich ja freiwillig versichern. Übrigens nehme ich die Zwangsversicherung für Unternehmer zum Anlass für eine Aktion des gewaltlosen Widerstands: Seit August 2011 habe ich die Beitragszahlungen an meine private Krankenversicherung eingestellt.

Manche fragen mich, was man denn ohne Krankenversicherung macht, wenn man krank ist. Das ist nun meist kein Problem. Man geht zum Arzt und zahlt die Rechnung einfach aus eigener Tasche. Inklusive Medikamente kostet das pro Jahr oft weniger als ein Viertel dessen, was man für die Krankenversicherungsprämien berappen muss. Interessant ist eine Krankenversicherung daher nur, wenn die Behandlungskosten sehr hoch sind. Sollte man aber wegen eines Unfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden, dann könnte vielleicht auch eine Unfallversicherung einspringen, für die nur ein Bruchteil an Beiträgen zu zahlen ist.

Ist aus anderen Gründen eine teure Operation nötig, dann kann das Geld leichter aufbringen, wer die Operation zum Beispiel in Indien vornehmen lässt. In einem Filmbericht sah ich einmal, wie nicht krankenversicherte US-Bürger geplante OPs in Schwellenländern durchführen lassen. Dort gibt es hervorragende Kliniken, die das Ganze vielleicht um 75 Prozent billiger machen. Daher braucht man eine Krankenversicherung nur für teure Operationen oder Behandlungen, die nicht durch einen Unfall verursacht wurden und dennoch sofort anstehen. Das wiederum geht in Richtung der höchst umstrittenen lebensverlängernden Maßnahmen. Soll ich monatlich 400 Euro abdrücken für den Fall, dass ich einmal ein Todgeweihter bin, dessen Leben mit ungeheurem Aufwand um ein paar Monate oder Jahre verlängert wird? Das will ich nicht. Lieber sterbe ich. Mein Leben ist in Gottes Hand.

Auch will ich nicht Arbeitssklave einer durch und durch morbiden und verdorbenen Helferindustrie sein, genannt Gesundheitswesen, das seine Schützlinge aus purem Eigennutz dazu verleitet, zu rauchen, zu saufen, zu essen, zu glotzen, zu spielen und rumzuhuren bis der Arzt kommt. Die Versichertengemeinschaft zahlt's ja! Und so denken zunehmend mehr Zeitgenossen nicht im Traum daran, selbst etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun: Bewegung an frischer Luft, ein Minimum an Hygiene und Körperpflege. Die Fehlanreize werden durch andere Komponenten des Fürsorgestaats noch zusätzlich verstärkt. Denn wer sich auf die beschriebenen Weisen selbst herunterwirtschaftet, verschafft sich damit auch die vermeintlich perfekte Rechtfertigung, die sozialstaatliche Vollversorgung in Anspruch zu nehmen. Da passt eins ins andere zusammen, um Menschen dazu zu bringen, zu verlottern, krank zu werden und abhängig vom Staat.

Wenn Krankenhäuser und Versichertengemeinschaft es strikt ablehnen würden, Nichtversicherte zu behandeln, dann würden sich wahrscheinlich wie in den USA private oder kirchliche Hilfsorganisationen des Problems annehmen. Eine solche Organisation könnte bestimmte, normalerweise teure Operationen kostenlos vornehmen. Ich bin mir sicher, dass viele bereit wären für Kleinunternehmer zu spenden, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Geprüft werden müsste die Möglichkeit einer Versicherung im Nachhinein: Wird ein Nichtversicherter schwer krank, kann er unter bestimmten Bedingungen nachträglich in die Versicherung eintreten, wenn er in Abhängigkeit von den Behandlungskosten eine Anzahl von Monatsbeiträgen nachzahlt und sich verpflichtet, die Versicherung so schnell nicht mehr zu kündigen. Es muss auch möglich sein, dass ein Versicherter die Versicherung für einige Jahre ruhen lässt, um dann unter bestimmten Umständen mit dem gleichen Tarif zu im Prinzip gleichen Konditionen wieder einzusteigen.

Nach der Einführung des Versicherungszwangs nehmen die privaten Krankenversicherer umso konsequenter das Geld von den Armen und geben es den Reichen! Sie kassieren Kleinunternehmer ab, die oft ein geringeres Einkommen als Sozialhilfeempfänger haben, und geben die Mittel zum Beispiel für die Behandlung von Rentnern und Pensionären aus, die ohnehin meist zu den Gewinnern unserer Gesellschaft gehören. Darüber hinaus müssen Privatversicherte das marode Gesundheitssystem mitsamt den gesetzlichen Krankenkassen quersubventionieren. Geringverdiener müssen immer höhere Beiträge abführen, damit Beamte und Ruheständler für Computertomographien, Kuraufenthalte oder neue Hüftgelenke keine Zuzahlungen zu leisten brauchen. Das ist Umverteilung von unten nach oben, ein klassisches Ausbeutungsverhältnis!

Der gemeinsame Topf ermöglicht ihnen zum Beispiel auch kostenlose Organtransplantationen. Dabei schlägt zum Beispiel eine Nierentransplantation für die Krankenkassen im Durchschnitt mit 50.000 bis 65.000 Euro zu Buche. Die jährlichen Nachsorgekosten liegen im Falle des Ausbleibens von Komplikationen bei 12.000 bis 14.000 Euro (Studie von 2007: Gesundheitsökonomische Aspekte von Nierentransplantationen). Angeblich soll dies langfristig dennoch billiger als die Dialyse sein. Vielleicht stimmt diese Rechnung sogar. Aber sicher nicht dann, wenn bei einem Patienten die zweite Niere auch noch ausgetauscht wird! Und schon gar nicht, wenn man die afrikanischen Opfer des durch die Vollkasko-Mentalität forcierten illegalen Organhandels berücksichtigt. Immer häufiger werden in Entwicklungsländern Menschen ausgeschlachtet, damit wir mit unseren Wohlstandskrankheiten bequemer leben können! (Welt vom 18.11.2011). Wir brauchen daher ein Organspende-Gesetz auf Grundlage der Widerspruchsregelung: Jeder kann Organspender werden, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat.

Während Hartz-IV-Empfänger Anspruch auf eine kostenlose Krankenversicherung haben, hat die große Koalition unter Angela Merkel den Kleinunternehmern die Krankenversicherungs-Pflicht aufs Auge gedrückt. Allein durch diesen Schildbürgerstreich bewirkt der Staat, dass Inhaber kleiner Firmen reihenweise in die Arme des Sozialstaats getrieben werden! Und auch wenn sie auf dem Arbeitsmarkt fündig werden, so ist doch der Arbeitsplatz, den sie für sich selbst geschaffen hatten, vernichtet worden. Wo ist also der Vorteil der Versicherungspflicht für Selbständige? Wie so oft, wenn der Staatsapparat seine Untertanen zu ihrem Glück zwingt, dürften die wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Kosten weit höher als der Nutzen sein. Ganz abgesehen davon, dass die Zwangskrankenversicherung ein massiver Eingriff in die bürgerlichen Freiheitsrechte ist! Dagegen begehren deswegen nur wenige auf, weil sich die Maßnahme gegen die bösen Unternehmer richtet. Die "Vertreter der Ausbeuterklasse" selbst getrauen sich bislang selten, den Mund aufzumachen, weil sie mit einiger Berechtigung befürchten, dass es ihrem Geschäft schaden würde. Mag sein, dass ich mir auch damit schade. Sei's drum. Ich nehme den Versicherungszwang zum Anlass für eine Aktion des zivilen Ungehorsams.

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Entflechtung von Staat und Kirche

Notwendig ist eine vollständige Entflechtung von Staat und Kirche. Die Kirchensteuer wird abgeschafft. Man könnte sie als moderne Form des Ablasshandels bezeichnen. Den beiden großen Kirchen gehen damit (je nachdem welche Organisationen bzw. Einrichtungen man in die Berechnung einbezieht) zwischen 10 und 44 Prozent ihrer Einnahmen verloren. Die Kirche ist somit mehr denn je gezwungen, Fundraising zu betreiben, Mitgliedsbeiträge einzuziehen oder Mitglieder und Freunde um Spenden zu bitten, was die Kundennähe der "verfassten Kirche" nur befördern kann. Es liegt übrigens nahe, bei den Rentnern anzufangen, die eigenartiger Weise keine Kirchensteuer zahlen, obwohl sie vermutlich die Mehrheit der Gottesdienstbesucher und aktiven Mitglieder stellen.

Das Kirchenpersonal wie z.B. Bischöfe, Priester, Pfarrer, Professoren und Dozenten für evangelische bzw. katholische Theologie sollten nur noch im Ausnahmefall vom Staat bezahlt werden. Zu diesen Ausnahmen gehören die katholischen und evangelischen Religionslehrer sowie Seelsorger z.B. bei der Bundeswehr. Die Kosten für den Bau und den Unterhalt von Kirchen, Gemeindehäusern und anderen kirchlichen Gebäuden sollte der Staat nur noch dann übernehmen, wenn sie unter Denkmalschutz stehen und als Kulturgüter von erheblicher Bedeutung sind. Kirchliche Einrichtungen, deren Personalkosten, Bau- und Gebäudeunterhaltungskosten der Staat zu 100 Prozent oder auch nur überwiegend trägt, sollten aus dem Konzern Kirche herausgelöst und unter staatliche Verantwortung gestellt werden. Alles andere ist Etikettenschwindel (siehe FAZ vom 15.11.2010: Wie die Kirche sich von den Heiden finanzieren lässt).

Überprüft werden muss auch die generelle Steuerbefreiung der Kirchen. Sie zahlen z.B. weder Körperschaftssteuer, Grundsteuer noch Zinsabschlags bzw. Kapitalertragssteuer. Die Steuerprivilegien der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland werden auf jährlich 14 bis 20 Milliarden Euro geschätzt (z.B. Carsten Frerk, Dieter Potzel). Siehe auch Carten Frerk: Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert (Oktober 2010).

Die Kürzungen und Sparmaßnahmen treffen keinen Armen. Gemessen am Umsatz und an der Zahl der Mitarbeiter sind die beiden großen Kirchen zusammen gerechnet größer als jeder andere deutsche Konzern. Auch ist die Kirche der größte nichtstaatliche Grundbesitzer und einer der größten Immobilienbesitzer in Deutschland. Das Gesamtvermögen der Evangelischen und Katholischen Kirche wird auf rund 500 Milliarden Euro geschätzt (Friedhelm Schwarz 2006: Wirtschaftsimperium Kirche: Der mächtigste Konzern Deutschlands). Finanzmittel und Personalbestand der großen Kirchen stehen übrigens in keinerlei Verhältnis mehr zu der immer kläglicher werdenden Schar der Gottesdienstbesucher. Laut Katholischer Nachrichten-Agentur hatten 1963 noch neun Millionen Katholiken die Sonntagsmesse besucht, die Kirche habe damals 100.000 Angestellte gehabt. Heute gingen nur noch 2,3 Millionen Gläubige regelmäßig zur Kirche, die nunmehr 700.000 Angestellte habe (kath.net vom 23. Februar 2013: Niedergang der Kirche Deutschlands in Zahlen). Noch krasser sei das Missverhältnis bei der Evangelischen Kirche, können wir in dem Artikel nachlesen: "Dort stünden im Jahr 2012 850.000 Kirchgängern 660.000 Angestellte der EKD und der Diakonie gegenüber". 

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Keine staatliche Förderung des Doppelverdienertums

Stoppt den Ausbau staatlicher Kinderkrippen! Der Staat sollte höchstens für Alleinerziehende und für Familien, die andernfalls auf Sozialhilfe angewiesen wären, Kinderkrippenplätze bereitstellen. Die restlichen Plätze zur frühkindlichen Betreuung sollen privatisiert oder, wenn dies nicht möglich ist, in normale Kindergartenplätze umgewandelt werden. Wem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich wichtig ist, wird auch bereit sein, die Kosten für eine private Kinderkrippe oder für eine Tagesmutter zu tragen. Es ist unbestritten, dass Frauen mitunter zu den unersetzbaren Hochqualifizierten gehören, die z.B. auch als Ingenieurinnen dringend gebraucht werden. Doch gerade solche Spezialistinnen haben ein so hohes Einkommen, dass sie wohl kaum auf den staatlich subventionierten Krippenplatz oder Ganztageskindergarten angewiesen sind.

Es ist weder im Interesse der Gesellschaft oder der Kinder, noch ist es die Aufgabe des Staates, Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zu drei Jahren von ihren Eltern zu trennen und sie außerhalb der elterlichen Wohnung zu betreuen. Der massive Ausbau staatlicher Kinderkrippen ist kontraproduktiv, da Kinder bis zu drei Jahren am besten bei ihrer Mutter und in vertrauter Umgebung aufgehoben sind, die sie sich nach und nach erobern können. Werden Kleinstkinder von einer zur anderen Bezugsperson herumgereicht, schadet nicht zuletzt ihre Intelligenzentwicklung, denn sie werden dann mit verschiedenen Regeln und Normen konfrontiert. In der Folge tendieren sie zu Apathie, da sie die Welt nicht mehr als lernbar erleben. Erst ab dem Alter von drei Jahren gehört ein Kleinkind in den Kindergarten, weil es dann die verschiedenen Regeln und Normen als wertvolle Impulse einordnen kann und von ihnen profitieren kann. Diese These vertritt zum Beispiel der Soziologe Friedhelm Neidhardt (Die Familie in Deutschland, 4. Auflage 1975, ab Seite 79).

Andere steuerliche oder sonstige Vorteile für Doppelverdiener wie zum Beispiel das Ehegattensplitting müssen abgeschafft werden. Das Ehegattensplitting fördert nicht nur die Familien mit traditioneller Arbeitsteilung, sondern auch das Doppelverdienertum, wenn auch in geringerem Maße. Der Splittingvorteil stellt darüber hinaus eine massive steuerliche Förderung kinderloser Ehen dar, die beim heutigen verlotterten Verständnis von Ehe und Familie völlig irrational ist (siehe Beispielrechnung in Wikipedia). Dass man seit Jahrzehnten daran festhält, kann ich mir nur so erklären, dass auch hier der von Frauenverstehern dominierte Staat wieder alles tut, um die auskömmliche Versorgung des weiblichen Geschlechts sicherzustellen. Bei Ehepaaren, die keine Kinder mehr erwarten können, spricht weder ein frauenbewegtes noch ein konservatives Weltbild gegen eine Abschaffung.

Bei jüngeren Leuten trägt das Ehegattensplitting entscheidend zur steigenden Popularität der Einstellung bei, wonach man angeblich auch glücklich sein kann, ohne Kinder in die Welt zu setzen. Auf diese Weise fördert der Staat weder die Familie noch den Kinderreichtum sondern oftmals lediglich eine gesellschaftlich anerkannte Form von Edelprostitution! Das gilt auf jeden Fall dann, wenn die Frau nicht berufstätig ist und die Hausarbeit vom Dienstpersonal erledigt wird. Der Steuervorteil des Ehegattensplittings muss daher dringend durch höhere Kinderfreibeträge ersetzt werden. Er wurde 1958 in Deutschland eingeführt, in einer Zeit, in der die Eheschließung normalerweise eine Familiengründung nach sich zog. Damals machte die Regelung vielleicht noch Sinn. Heute, da man sich mehrheitlich und mit steigender Tendenz im Laufe seines Lebens wiederholt scheiden lässt, um wenig später erneut zu heiraten, kann man sie nur noch als Anachronismus bezeichnen. Das Argument, immer mehr Familien kämen ohne das zweite Einkommen nicht über die Runden, ist wenig stichhaltig. Nicht nur weil das Leben auch lebenswert ist, wenn man sich vieles nicht leisten kann und mit einer kleinen Wohnung vorlieb nehmen muss. Nein, die hohen Einkommen, die Doppelverdiener erzielen, haben auch zu einem Anstieg der Preise geführt, vor allem der Häuserpreise und der Mieten, aber auch der Preise für haushaltsnahe Dienstleistungen.

Das Privileg des Splittingvorteils ist vor allem auch ungerecht gegenüber den vielen Singles, die nicht Singles bleiben wollen sondern gerne eine Familie gründen würden. Die staatlichen Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und Familie haben in allzu vielen Fällen dazu geführt, dass Mütter von kleinen Kindern auf Kosten ihrer Kinder berufstätig sind, obwohl sie finanziell nicht unbedingt darauf angewiesen wären. Und obendrein machen sie potentiellen Müttern und Vätern die (sicheren oder gut bezahlten) Arbeitsplätze streitig, so dass diese davor zurückschrecken, ihrerseits eine Familie zu gründen. Dies ist eine der Ursachen, dass in Deutschland (wie fast in ganz Europa) weniger Kinder auf die Welt kommen als Alte sterben.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Minijobs. Die sogenannten 450-Euro-Jobs gehören abgeschafft, weil sie einen empfindlichen Eingriff in das Gefüge sowohl des Arbeitsmarktes als auch der traditionellen Familie darstellen. In zunehmendem Ausmaß werden Arbeiten, die früher von Halbtags- oder Vollzeit-Angestellten getan wurden, von Minijobbern erledigt. Auf diese Weise verzichten Staat und Sozialversicherung auf Einnahmen in beträchtlicher Höhe, denn die Minijobs sind von Abgaben weitgehend befreit. Die Profiteure sind in der Mehrzahl aber nicht die Arbeitslosen oder die Hartz-IV-Empfänger, sondern oftmals normal Berufstätige sowie Rentner. Das größte Kontingent der geringfügig Beschäftigten dürften die Ehefrauen stellen, die zu dem Einkommen ihres Ehemannes noch etwas hinzuverdienen wollen. Aber auch wenn es sich nur um einen Nebenjob handelt, durch ihre große Zahl nehmen die Minijobber im großen Maßstab anderen Menschen den Arbeitsplatz weg. Zum Beispiel Leuten, die in einem Haushalt leben, wo keiner einen Job hat. Oder Männern, die es satt haben, alleine zu leben, von denen aber ein ausreichendes Einkommen erwartet wird, wenn sie eine Familie gründen wollen. 2010 gab es rund sieben Millionen Minijobber (Welt vom 26.04.11: Zahl der Minijobber nimmt drastisch zu). Durch die Abschaffung dieser staatlich hoch subventionierten Form von Berufstätigkeit würden sich die Betroffenen in zwei Gruppen aufteilen. Die verheiraten Mütter, vor allem die mit minderjährigen Kindern, würden den Job aufgeben, weil er sich auf Grund der nun anfallenden Sozialabgaben nicht mehr rentieren würde. Die karriereorientierten Ehefrauen würden aus dem gleichen Grund richtig ins Berufsleben einsteigen. So wäre der Frauenbewegung gedient, aber auch den Konservativen. Und vor allem wäre den Kindern gedient, weil ihre Eltern mehr Zeit für sie hätten.

Die weit verbreitete Berufstätigkeit versorgter Familienfrauen entlastet den jeweiligen Familienvater nur unwesentlich, in erster Linie weil er wegen der tiefsitzenden Geschlechtsrollenpolarität der Hauptverdiener bleibt. Insgesamt werden die Männer durch die Konkurrenz durch berufstätige Mütter aber unter Druck gesetzt, insbesondere die mit den geringeren Berufschancen. Die Arbeitslosigkeit steigt, vor allem bei den potenziellen Familiengründern aus den unteren Schichten. Insofern stellt die Familienpolitik eine Umverteilung von unten nach oben dar, wieder einmal nach der Maxime: 'Wer hat, dem wird gegeben'. Wer eine Familie hat, genießt vielfache Privilegien, wie zum Beispiel auch die beitragsfreie Mitversicherung bei der Krankenkasse. Wer aber nicht das Glück genießt, verheiratet zu sein und mit seinen Kindern zusammenleben zu können, wird ausgepresst, weil er die sozialen Besitzstände der Mütter, der Hausfrauen, der Edelprostituierten mitfinanzieren muss.

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Das Familienrecht knechtet den Vater. Männer im Zeugungsstreik!

Durch umfangreiche Hilfen für alleinerziehende Mütter inklusive aufgezwungener Unterhaltszahlungen hat der Wohlfahrtsstaat die Machtverteilung endgültig zugunsten des weiblichen Geschlechts verschoben. Herausgekommen ist eine frauenzentrierte Gesellschaft und ein Pseudofeminismus, der den Mann (entgegen der Beteuerungen der Frauenbewegung) wie nie zuvor auf die Versorgerrolle festlegt und unter Erfolgsdruck setzt.

Wir müssen der staatlichen Zwangsbewirtschaftung der Familie ein Ende machen, denn wo der Staat sich in die Privatangelegenheiten der Menschen einmischt, werden gewachsene Strukturen zerstört. Die traditionelle Gesellschaft kannte nicht nur den Kapitalismus, sondern auch die christliche Ehe, die bürgerliche Familie, die Sippe, die Nachbarschaft sowie Vereine und (Kirchen)gemeinden. Das alles sind ja schon Solidargemeinschaften, die nur nicht zentralistisch, sondern nach dem Prinzip der zwischenmenschlichen Solidarität funktionieren. Mit dem Aufkommen des Wohlfahrtsstaats in den 60er- und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden hierzu staatliche und halbstaatliche Parallelstrukturen aufgebaut, welche dem Einzelnen finanzielle Hilfen in besonderen Lebenslagen zugutekommen lassen. Subsidiarität war gestern. Der Wohlfahrtsstaat ignoriert nicht nur in vielen Fällen die traditionellen Solidarsysteme, sondern missachtet und konterkariert sie nicht selten sogar. Ehe, Familie und Verwandtschaft erfahren durch diese Entlastung einen Bedeutungsverlust und werden dadurch entscheidend geschwächt. Mit ihnen verkümmert die Nächstenliebe, also die direkte Solidarität zwischen Menschen, weil sie kaum mehr gebraucht wird! Die über Jahrhunderte gewachsenen Solidarsysteme bilden sich zurück wie Muskeln, Knochen und Sehnen, die nicht mehr belastet werden.

Die Überalterung ist mit dem Aufkommen der Transferökonomien überhaupt erst entstanden. Arbeit und Beruf, Ehe und Familie sowie die eine sinnvolle Arbeitsteilung nahelegenden Rollen von Mann und Frau sind grundlegend für unsere Gesellschaft, sie sind aufeinander bezogen und bilden den Kern eines Systems, das man als sozioökonomisches Gleichgewicht bezeichnen kann. Seit aber der Sozialstaat in zunehmendem Ausmaß hier wildert und herumpfuscht, ist dieses Gefüge gefährlich aus der Balance geraten. Daher besteht die Möglichkeit eines kompletten Zusammenbruchs, ähnlich wie gegen Ende des Römischen Reiches.

Bei Trennung und Scheidung würde ich die Justiz nur in sehr strittigen und verfahrenen Fällen über Fragen wie Kindesunterhalt oder Umgangsrecht entscheiden lassen, ansonsten aber das soziale Umfeld der Mutter und des (biologischen) Vaters der Kinder. Es soll also der Familienrat tagen, zu dem auch Freunde hinzugezogen werden können. Mit der Hilfe von Bekannten und Verwandten handeln die Betroffenen selbst aus, wo welches Kind hinkommt und ob zum Beispiel die Mutter moralisch das Recht auf Unterhaltszahlungen hat, und wenn ja, in welcher Höhe. Das Gegenargument lautet immer, es sei dies in der Realität kaum umzusetzen, denn im Falle einer Trennung der Eltern sei es schwer, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Dazu sage ich: Es wird leichter, wenn Prozesse vor dem Familiengerichten erschwert werden, etwa indem jeder die Hälfte sämtlicher Prozesskosten tragen muss, und zwar ohne Ausnahme und ohne Prozesskostenhilfe.

Mit der ehemaligen First Lady Bettina Wulff auf dem Weg ins Matriarchat.Foto: Mit der ehemaligen First Lady Bettina Wulff auf dem Weg ins Matriarchat: Eine Gesellschaftsform, in der freie Liebe herrscht, weil hier eine Frau ohne Scham und Schande von mehreren Männern Kinder haben kann. Hauptsache die Mutter ist immer die gleiche! Bei dieser der matrilinealen Familienform können Männer weder auf die Ehe bauen, noch haben sie ein Recht auf ein Leben mit ihren Kindern. Dennoch sind sie unterhaltspflichtig – willkommen in der frauenzentrierten Gesellschaft! Das Foto stammt aus der Neuen Presse vom 04.11.2011.

Das Gegenteil von 'gut' ist nicht 'böse', sondern 'gut gemeint'. Nach diesem Motto lassen sich unsere Politiker, vom Wählerstimmeneinkauf motiviert, immer wieder neue Sozialleistungen wie z.B. das geplante Betreuungsgeld einfallen. Erklärtes Ziel ist es, den Familien unter die Arme zu greifen. In Wahrheit fördern Sozialrecht und Familienrecht das Alleinerziehertum. Sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass immer mehr Familien auseinanderbrechen! "Die staatliche Unterstützung nimmt den Charakter einer Trennungsprämie an", zitierte die FAZ vom 24.01.2010 den Ökonomen Hans-Werner Sinn. Der Wohlfahrtsstaat untergräbt die Autorität der Männer in ihrer Rolle als Ehemann und Vater, und übrigens auch die Autorität der Mutter gegenüber ihren Kindern. Denn jeder kann nun auf Kosten des Steuerzahlers und/oder des Vaters seinen Weg alleine gehen, ohne allzu große wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dazu tragen außerdem die staatlich zementierten langfristigen Unterhaltsverpflichtungen der Väter gegenüber Frauen und Kindern bei. Denn die Autorität des Familienvorstands basiert unter anderem auf der Möglichkeit, als letztes Mittel einem Sprössling oder der 'besseren Hälfte' den Geldhahn abzudrehen.

Die Rechtsprechung der Familiengerichte hebt einseitig auf die Interessen der Frauen ab, vor allem beim Unterhaltsrecht. Fast immer wird dabei gegen den Geist der einschlägigen Gesetze verstoßen sowie gegen das Gebot der Gleichberechtigung im Artikel 3 des Grundgesetzes. Das Widersinnige dabei ist, dass durch die männerfeindliche Rechtspraxis der berufliche Ehrgeiz und die Eigenverantwortung von Frauen schon im Mädchenalter gedämpft wird. Die traditionelle Rolle von Mann und Frau wird in einer Weise verfestigt, wie ich es selbst als Christ und Wertkonservativer als weit übertrieben empfinde. Der Mann wird auf die finanzielle Versorgung der Familie regelrecht festgenagelt, und zwar über die Scheidung hinaus, im Zweifel bis die Kinder fertig studiert haben. Daran, dass die Frauenbewegung da mitmacht, kann man ablesen, dass es ihr nicht wirklich um Gleichberechtigung geht. Es geht den Feministinnen um die Absicherung der Privilegien der Frauen. Und den Wohlfahrtsstaat haben sie zum Erfüllungsgehilfen dieses Pseudo-Feminismus erkoren. Die nächste Eskalationsstufe wäre, dass der Staat jeder Frau einen Mann zuordnet, der ein Leben lang für ihren Lebensunterhalt aufkommen muss – weil es ja so unbürokratisch ist und weil die Sozialkassen auf elegante Art entlastet werden.

Obwohl der Kinderwunsch meist überwiegend von den Frauen ausgeht, und obwohl die Verhütungsmittel ihnen eine viel bessere Kontrolle über Schwangerschaft ja oder nein ermöglichen, zwingt der Staat die Männer für ihre Beteiligung an der Zeugung eines Kindes zu jahrzehntelangen Unterhaltszahlungen. Die Frauen dagegen können sich der Verantwortung durch die Tötung des werdenden Lebens entziehen. Die Gesetze sind so gestrickt, als ob jede Zeugung eines Kindes durch Vergewaltigung zustande gekommen wäre! Das ist nicht nur ungerecht, weil die Lasten einseitig den Männern zugeschoben werden. Das ist auch irrational, weil es die beiden Geschlechter auseinanderdividiert, Ehen und Familien zerreißt, und weil viele Männer so stark abgezockt werden, dass sie sich keinen zweiten Versuch einer Familiengründung mehr leisten können! Hierin zeigt sich der ganze Widersinn unserer frauenzentrierten Gesellschaft, in der nicht zuletzt aus solchen Gründen männliche Gewaltbereitschaft und Kriminalität im in westlichen Ländern immer weiter um sich greifen.

Die Unterhaltsansprüche für die Mutter und die Kinder in Verbindung mit großzügiger staatlicher Unterstützung für Alleinerziehende zementieren genau die Rollenklischees, die durch die behördliche Gehirnwäsche des 'Gender Mainstreaming' aufgelöst werden sollen. Denn trotz steigender Scheidungsquoten sehen bereits junge Mädchen an Beispielen ihrer Umgebung sowie in den Medien, dass eine Heirat und die Geburt eines Kindes schon fast ausreichen, um sein Schäfchen ins Trockene zu bringen. Es regiert uns die Schizophrenie! Dabei spricht Vieles dafür, nicht nur den Zugriff geschiedener Frauen auf das Vermögen des Exmannes zu reduzieren (also den Zugewinnausgleich abzuschaffen), sondern auch das Erbteil von Witwen zu beschränken – zugunsten der Kinder. Wenn unter solchen Bedingungen eine Frau Wert auf eine gute Versorgung im Alter legt, dann reicht es nicht mehr aus, einen reichen Mann (oder Opa) zu heiraten. In Deutschland steht dem überlebenden Ehepartner meist die Hälfte des Nachlasses zu, mindestens aber genauso viel wie jedem Nachkommen des Verstorbenen (Wikipedia: Ehegattenerbrecht). Die Beschneidung der dem schwachen Geschlecht zugeschusterten Pfründe (nach dem Motto einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin) und nicht FrauenquoteEhegattensplitting oder staatliche Kinderkrippen, würden die Berufsorientierung von Frauen fördern!

Segensreich würde sich ein gekapptes Witwen-Erbrecht auch insofern auswirken, als Familienunternehmen auf diese Weise reibungsloser vom Vater auf den Sohn (bzw. die Kinder) übergehen könnten. Dann stünden sie vermutlich weniger in der Gefahr, heruntergewirtschaftet zu werden. Arthur Schopenhauer hatte sich 1851 in seinem Kapitel 'Über die Weiber' für eine solche Reform des Erbrechts ausgesprochen. Viele Ehefrauen würden das Vermögen ihres verstorbenen Gatten 'durchbringen', so dass für die Kinder kaum etwas übrig bliebe. Auf die Liebe der Mutter zu ihren Kindern wollte sich der Philosoph nicht verlassen: "Die ursprüngliche Mutterliebe ist, wie bei den Tieren, so auch im Menschen, rein instinktiv, hört daher mit der physischen Hülflosigkeit der Kinder auf. Von da an soll an ihre Stelle eine auf Gewohnheit und Vernunft gegründete treten, die aber oft ausbleibt, zumal wenn die Mutter den Vater nicht geliebt hat. Die Liebe des Vaters zu seinen Kindern ist andrer Art und stichhaltiger: sie beruht auf einem Wiedererkennen seines eigenen innersten Selbst in ihnen, ist also metaphysischen Ursprungs" ('Über die Weiber',  Kapitel 27 in 'Parerga und Paralipomena', Teil 2, § 371).

In der bürgerlichen Familie werden Frau und Kinder vom Mann versorgt, während sich die sogenannten starken Frauen meist vom Staat und vom Verflossenen gemeinsam versorgen lassen. Sieht so die vielgepriesene Frauenbefreiung aus? Spiegel-TV stellt die 19jährige alleinerziehende Mutter eines einjährigen Sohnes vor. Außer der Berechtigung zum Billigsteinkauf bei der "Tafel" und weiteren Vergünstigungen bekommt die Offenbacherin von Vater Staat 1377 Euro monatlich (495 Euro Hartz IV, 184 Euro Kindergeld, 512 Euro für die Miete, 186 Euro für die Tagesmutter). Hinzu kommen 31 Euro Unterhalt vom Ex, der anscheinend gerade nicht flüssig ist, dafür aber später umso mehr zur Kasse gebeten wird (Spiegel-TV: Arbeit lohnt sich nicht). "Alleinerziehend ist mittlerweile gar nicht mehr sooo schlimm", sagt die junge Frau (siehe auch FAZ vom 24.01.2010: Alleinerziehende - Die Hätschelkinder der Nation).

Alleinerziehende haben also nicht nur Anspruch auf Trennungsunterhalt bzw. nachehelichen Unterhalt, sondern sie werden (falls diese Quelle nicht sprudelt) auch großzügig vom Staat alimentiert. So erhalten sie als Berufstätige einen Steuerbonus von jährlich 1.308 Euro, den sogenannten 'Entlastungsbetrag für Alleinerziehende'. In einem der zahlreichen Internet-Foren wird die bildungshungrige Leserin über ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitsamt aufgeklärt: "Alleinerziehende Hartz IV-Empfänger bilden stets eine Bedarfsgemeinschaft. Sie haben den vollen Anspruch auf die Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts. Es steht ihnen in Abhängigkeit vom Alter und Anzahl der Kinder zusätzlich zum Regelsatz ein Mehrbedarf zu". Dieser Mehrbedarf wird auch Alleinerziehenden-Zuschlag genannt, er beträgt bei einem Kind unter sieben Jahren 126 Euro pro Monat (siehe auch Tabelle in hartz4hilfthartz4.de).

Allerdings: Bei der Berechnung des Sozialhilfeanspruchs berücksichtigen die Behörden die tatsächlich erhaltenen Unterhaltszahlungen als Einkommen und ziehen sie vom Höchstsatz ab (sozialhilfe24.de). Was der Kindesvater nicht zahlt, zahlt dann halt Vater Staat, entweder in Form von Arbeitslosengeld 2 und/oder in Form eines Unterhaltsvorschusses. Hauptsache die Frau wird dafür belohnt, dass sie ein Kind in die Welt gesetzt hat. Der Lebensborn der Nationalsozialisten lässt grüßen! Dies bedeutet, dass Frauen, die von vornherein nur einen Mann zur Befruchtung suchten, denen, die es ernst gemeint hatten, gleichgestellt sind. Das gilt auf jeden Fall für die unteren Einkommensgruppen. Die Lesbe, die sich lediglich ein Kind hat "machen" lassen, wird also genau so unterstützt wie die Frau, die von ihrem Mann wegen einer Jüngeren im Stich gelassen wurde!

Im Neuen Testament steht: "Alle eure Sorgen werft auf Gott, er sorgt für euch" (1. Petrus 5,7). Die moderne Frau, egal ob mit oder ohne Kinder, interpretiert den Bibelvers so: "Alle eure Sorgen werft auf euren Mann, er sorgt für euch". Doch längst haben vorgeblich 'starke Frauen' diesen Vers mit Unterstützung der Feministen beiderlei Geschlechts zum frauenbewegten Mantra der Staatsgläubigkeit weiterentwickelt: "Alle eure Sorgen werft auf den Staat, er sorgt für euch, wenn euer Ex nicht zahlungskräftig ist".

Hartz-IV-Empfängerinnen mit einem Kind unter drei Jahren brauchen sich auch nicht nach zumutbaren Jobs umschauen (FAZ vom 24.01.2010). Da kann es kaum verwundern, dass nach einer Studie mittlerweile sogar bei traditionellen Frauenberufen wie in der Kranken- und Altenpflege immer mehr Stellen unbesetzt bleiben: "Der Fachkräftemangel in deutschen Krankenhäusern breitet sich aus. Neben dem Ärztlichen Dienst sind vor allem die Funktions- und Intensivpflege zunehmend betroffen", lautet das Ergebnis des Krankenhaus-Barometers 2011 des Deutschen Krankenhausinstituts. In der Untersuchung heißt es: "37,2% der Krankenhäuser haben Probleme, offene Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Im Vergleich zum Jahr 2009 hat sich der Anteil betroffener Krankenhäuser damit mehr als verdoppelt. Seinerzeit lag der entsprechende Anteilswert noch bei 16,2%". Ganz ähnlich sieht es beim nicht-ärztlichen Personal im Operationsdienst und bei der Intensivpflege aus.

Die staatlichen Transferleistungen an alleinerziehende Mütter und ihre Kinder müssen auf den Prüfstand. Je höher sie sind, desto mehr Alleinerziehende wird es geben! Es darf nicht sein, dass sich eine Frau mit einem Baby finanziell gesundstoßen kann! Regelmäßige Geldeingänge auf dem Girokonto und eine Sozialwohnung sind die falsche Motivation, Kinder in die Welt zu setzen (siehe Parallelgesellschaften von Inländern). Wer Kinder nicht nur gebären, sondern ihnen auch ein Zuhause und eine Perspektive bieten will, der fährt am besten mit Selbstvertrauen, Vertrauen in den Ehepartner, in die Verwandtschaft und den Familienrat. Und mit Gottvertrauen.

Hinzu kommt: Je leichter es der Staat den Frauen macht, alleinerziehende Mutter zu sein, desto mehr wird die Position des Ehemanns und Vaters geschwächt. Der Kindesvater hat in dieser mutterrechtlichen Familienform nur noch einen Duldungsstatus. Mit dem Siegeszug der Patchwork-Familie kann er jederzeit vor die Tür gesetzt werden. Seine physische Anwesenheit ist gar nicht so wichtig, denn zahlen muss er ja so oder so. Er muss an die Frau Betreuungsunterhalt bezahlen, und zwar mindestens so lange bis das jüngste Kind seinen dritten Geburtstag feiert (Süddeutsche Zeitung vom 26.04.11 und vom 02.08.11). Außerdem darf er Alimente bezahlen, und zwar nicht nur bis die Herrin des Hauses einen adäquaten Ersatz gefunden hat, sondern bis das Kind seine erste Ausbildung (z.B. das Studium) abgeschlossen hat. Egal, ob ihr neuer Lover vermögend ist oder nicht, sie kann den Kindesunterhalt als "eigenes Einkommen" verbuchen, das sie von ihrem neuen Mann "unabhängig" macht.

Während die schon im Ansatz verfehlte Familienpolitik Milliarden verschlingt, damit auch weniger gut verdienende Familienfrauen ihr Kind bereits nach einem Jahr in die Kinderkrippe geben können, hält der Staat bei alleinerziehenden und geschiedenen Frauen die Hausfrauenromantik hoch. Es sollte genau umgekehrt sein! Ausgerechnet alleinerziehende Mütter haben neben dem Unterhaltsgeld für die Kinder auch Anspruch auf Betreuungsunterhalt (in Höhe von 3/7 des "anrechenbaren Differenzeinkommens"), und zwar mindestens bis das jüngste Kind im Kindergarten ist. Für zerbröselte Familien ist die genüsslich durch den feministischen Kakao gezogene Herdprämie also Realität! Ich lehne das für 2013 geplante Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinen nicht in die Kinderkrippe abschieben, ebenso ab wie die frühkindliche Betreuung durch staatliche Einrichtungen selbst. Wie alle staatlichen Subventionen setzt es Fehlanreize. Vor allem stellt es eine weitere Prämie für das Alleinerziehertum dar.

Vordergründig ist die Unterhaltspflicht für den Staat super praktisch, denn alle Formen des Unterhalts muss früher oder später der Ex bezahlen, ganz unabhängig davon, wer die Trennung nun maßgeblich betrieben hat. Der Betreuungsunterhalt kann sogar 'nach Billigkeit' verlängert werden, wenn keine Betreuungseinrichtung in der Nähe ist, sodass die Mutter nicht oder nicht vollzeitlich berufstätig sein kann. Nun, da kann man nachhelfen! Die Frau muss mit ihrem Kind nur in die Pampa ziehen, dann kann sie sich noch viele Jahre länger ganz auf ihre Mutterrolle konzentrieren. Und ich spreche vom neuen Unterhaltsrecht seit 2008. Vorher musste der Ex noch mehr und noch länger bezahlen (siehe FAZ vom 28.01.08).

Nach dem Buchstaben des neuen Gesetzes steht einer eventuellen neuen Familie des geschiedenen Ehemannes ein größerer Anteil seines Einkommens zu als vorher. Dies muss er bei seiner Brautwerbung aber zunächst einmal plausibel machen! Sicher keine einfache Sache, zumal als Erstes sein Selbstbehalt auf Grund der Kostenersparnis durch das Zusammenleben gekürzt wird. Allzu viel hat sich mit dem neuen Unterhaltsrecht meines Wissens nicht geändert. Dennoch rudert schwarz-gelbe Koalition auf Druck der pseudofeministischen Frauenfront schon wieder zurück und will die Reform verwässern, damit "Frauen nach der Scheidung nicht ins Bodenlose fallen" (Welt vom 02.12.12). Vor allem dürfte sich wegen diverser Härtefall-Regelungen die Rechtspraxis kaum verändert haben.

Vielleicht findet der gechasste Mann ja eine Geschiedene als Zweitfrau, die ihrerseits Kindesunterhalt von ihrem Exmann bezieht, und bereit ist, mit ihm als Juniorpartner zusammen auf Patchwork Familie zu machen. Bei einer Scheidungsrate von um die 50 Prozent kann man ausrechnen, wann so gut wie alle Männer einen Großteil ihres Einkommens in einem Haushalt abliefern müssen, deren Mitglied sie gar nicht mehr sind. Hauptsache Mütter und Kinder sind gut versorgt! Die Geringverdiener unter den Zahlvätern werden nicht einmal in einer Patchworkfamilie leben können, sondern für den Rest ihres Daseins alleine bleiben. Nein, nicht ganz. Ab und zu trifft jeder seinen Rechtsanwalt, der sein Bestes geben wird, dem Mandanten die Wirrsal des Familienrechts auseinanderzudröseln.

Mehr und mehr wird das Machwerk des Unterhaltsrechts übrigens auch eine Benachteiligung der jüngeren Frauen gegenüber den bereits unterhaltsberechtigten Müttern mit sich bringen, was zu einem weiteren Rückgang der Geburtenzahlen führen wird. Die Rechtsansprüche auf die verschiedenen Unterhaltsgelder haben die Wirkung eines Programms zur Destabilisierung von Ehe und Familie! Langfristig läuft die Verrechtlichung privater Beziehungen auf die Abschaffung der bürgerlichen Familie hinaus. So wird wohlhabenden Ehemännern vermittelt, dass sie sich mit den von ihnen geleisteten Unterhaltszahlungen freikaufen können. Insbesondere die Ehe und die gelebte Vaterschaft werden obsolet, genau wie es in der Vorgeschichte Kennzeichen mutterrechtlicher Gesellschaften war. Der Fürsorgestaat und der Feminismus katapultieren uns in die Steinzeit zurück! Wer aufmuckt, wird in die rechte Ecke gestellt oder als unbelehrbarer Erzkonservativer hingestellt. Dagegen müssen wir uns wehren, sonst wird sie endgültig Realität, Huxleys "Schöne neue Welt"!

Der Helferstaat vereinzelt und demütigt seine Klientel, die vormals aus mündigen Bürgern bestand. Daher bedeutet es eine große Chance, dass er jetzt in Europa, Japan und den USA pleite ist. Es braucht mehr Wettbewerb auf allen Ebenen der Gesellschaft - außer innerhalb bestehender Ehen und Familien. Diese sind es, die den Weg zu einer nachhaltigen, weil dezentralen Form von Solidarität weisen. Für eine konsequente Subsidiarität in der Sozialpolitik. Der Zentralismus der sozialen Besitzstände und Rechtsansprüche hat abgewirtschaftet!

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich bin dafür, dass junge Mütter die Zeit mit ihren Kindern genießen und nach Möglichkeit erst wieder ins Berufsleben einsteigen, wenn die Kinder ihre Hausaufgaben selbstverantwortlich erledigen können. Um Ehe und Familie aber nicht weiter zu destabilisieren, würde ich dieses Privileg Alleinerziehenden gerade nicht zubilligen! Und schon gar nicht auf Kosten des leiblichen Vaters, der sich dann womöglich keine weitere Familiengründung mehr leisten kann! Das Elterngeld, das auch Alleinerziehenden zusteht, würde ich ersatzlos streichen, schon allein weil es dann nicht einen weiteren Anreiz mehr darstellen würde, die Kinder ohne den Vater großzuziehen.

Gelder aus der Pflegeversicherung sind übrigens für viele Frauen ein zusätzlicher Anreiz, den Ehemann (sollte er nicht optimal sein) wegzuschicken. Während der Exmann arbeiten geht, um seiner Unterhaltspflicht nachkommen zu können, nimmt sie sich zur Aufstockung ihres Unterhalts-Einkommens Oma oder Opa ins Haus. Sie hat dann deren Rente bzw. Pension zur Verfügung und kassiert Gelder aus der Pflegeversicherung. Wenn sie sich die Hände nicht schmutzig machen will, kann sie ab und zu einen Pflegedienst kommen lassen. Man sieht: Auch die Pflegeversicherung destabilisiert die bürgerliche Familie und gehört schon allein deswegen als Pflichtversicherung abgeschafft!

Indem sich alles um die auskömmliche Versorgung der Mütter dreht, treten die Interessen und der Wunsch der Kinder in den Hintergrund. Dies bestätigte auch eine ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin: "Ich habe 20 Jahre in B. im Jugendamt gearbeitet und bin seit 1996 in Rente. Mein Eindruck ist, dass der Staat wenig Interesse am Wohl der Kinder hat. … Der Vater hat bei Trennung oder Scheidung keine Chance. Einmal hat es einen Mitarbeiter vom Jugendamt erwischt. Da hat er dann selber mal gesehen, wie das ist. Ich bin froh, dass ich das alles hinter mir habe. Meine Söhne sind inzwischen beide über 30 Jahre alt und haben keine Kinder. Ich habe ihnen immer wieder gesagt: Jungs, seid bloß vorsichtig" (Väteraufbruch für Kinder Karlsruhe e.V. - Zeugungsstreik). Der Rundum-Sorglos-Staat ist das Pfefferkuchenhaus, vor dem uns die Gebrüder Grimm in dem Märchen von Hänsel und Gretel gewarnt haben. Dreimal darf geraten werden, wer die Hexe sein könnte, die hinausschaut.

Frauen betrachten nach Beobachtung von Franzjörg Krieg vom Väteraufbruch Karlsruhe die Kinder meist als ihren Besitz, als eine Art Faustpfand, mit dem sie den Mann unter Mitwirkung der Justiz und der Behörden zwingen können, sie über Jahrzehnte hinaus zu versorgen. Kurz, die Frauen wollen immer nur das eine! Sie wollen finanziell gut gepolstert sein, damit sie genügend Zeit und Geld zum Telefonieren und Shoppen haben! Die Staatsgewalt steht dabei weitgehend auf ihrer Seite. Zuweilen ist derjenige, der zur Kasse gebeten wird, gar nicht der biologische Vater. Das ließe sich mit einer DNA-Analyse zwar beweisen, doch so einfach geht das nicht! Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 13. Februar 2007 dürfen heimliche Vaterschaftstest vor Gericht nicht verwertet werden. Mit anderen Worten, wenn der Mann Klarheit und Gerechtigkeit will, muss er auf die Genehmigung der Kindesmutter hoffen! Im Gendiagnostikgesetz vom 1. Februar 2010 hat der Gesetzgeber diese Rechtsauffassung bekräftig. Allerdings kann nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 9.11.2011 ein von der Frau zum Vater erkorener Mann von der Kindesmutter Auskunft über den wahren Vater des Kindes verlangen. Gegebenenfalls kann er dann vom biologischen Vater die bisher geleisteten Unterhaltszahlungen zurückfordern. Das Recht der informationellen Selbstbestimmung von Mutter und Kind wiegt laut BGH also doch nicht stärker als das Recht eines Scheinvaters auf Gerechtigkeit (Zeit vom 09.11.2011).

Überhaupt scheint das Familienrecht durchgehend das ohnehin privilegierte "schwache Geschlecht" zu bevorzugen. Die Mutter hat (de facto) das Sorge-Recht, der Vater hat die Unterhalts-Pflicht. Die Frau darf alles, muss aber nur wenig. Wenn sich das Geldverdienen für sie als beschwerlich herausstellt, dann zahlt eben der Ex und/oder der Staat für ihren Unterhalt. Er muss Mindestbeträge bezahlen, und muss im Zweifel sein Einkommen entsprechend erhöhen. Der Mann darf seine Berufstätigkeit weder reduzieren, noch sich beruflich umorientieren oder selbstständig machen. Wenn er es tut, darf er den Mindestbetrag an Unterhaltszahlungen jedenfalls nicht unterschreiten. Notfalls zahlt der Vater viele Jahre später, wenn wieder etwas bei ihm zu holen ist, im Zuge der Regresspflicht, sollte die Frau einen Unterhaltsvorschuss vom Staat beantragt haben.

Viele Männer geraten in die Tretmühle des Unterhaltsrechts, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Denn die Unterhalts- und Regresspflichten greifen seit einiger Zeit nicht nur bei verheirateten Paaren und nicht erst, wenn sich Nachwuchs einstellt, sondern bereits dann, wenn sich Männlein und Weiblein eine Wohnung teilen. "Früher war der Einzug der Freundin nichts besonderes, denn wenn die Beziehung nicht funktionierte, dann setzte man die Dame einfach vor die Tür", schrieb Detlef Bräunig am 14.06.2012. "Das ist heute nicht mehr so einfach", warnte der radikale Männerrechtler in seinem Online-Männermagazin: "Der Gesetzgeber hat den Zusammenzug von Mann und Frau als Gründung einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft definiert, natürlich zum Vorteil des deutschen Staates und der Frau. Bedarfsgemeinschaft heißt nichts anderes, als dass eine finanzielle Verantwortung für den Partner besteht, obwohl man nicht verheiratet ist. Was das in der Praxis bedeutet, realisieren die meisten erst, wenn sie auf Sozialleistungen angewiesen sind, doch dann ist es meistens zu spät. Verliert die Freundin ihren Job und beantragt Hartz IV, dann muss der Freund seine Einkommensverhältnisse gegenüber dem Amt offenlegen. In den meisten Fällen verliert die Freundin ihren Hartz IV Anspruch, weil die Einkünfte des Freundes zu hoch sind. Der Staat drückt sich so vor den Sozialleistungen, weil Freund und Freundin eine Bedarfsgemeinschaft sind und zusammen genug Geld zur Verfügung haben. Damit wird dem Freund die finanzielle Verantwortung für seine Freundin zugeschoben und der darf nun ihren Lebensunterhalt finanzieren".

Der Artikel steht unter dem Titel "Meine Freundin will bei mir einziehen". Bereits hier sollte man also aufhorchen, denn für einen Mann steht ab diesem Punkt die Freiheit auf dem Spiel. Freilich sind die sogenannten 'Herren der Schöpfung' in den westlichen Wohlfahrtsstaaten auch ohne Kinder, auch ohne Regress- und Unterhaltspflichten in Wahrheit nur Knechte des Systems, denn die Ledigen und Ungebundenen müssen umso mehr Steuern und Sozialabgaben abführen. Von dem Geldsegen profitiert (neben der staatlichen Helferindustrie, allen voran den Beamten und Beamtinnen) wiederum zum größeren Teil das ach so schwache Geschlecht.

Vor allem aber muss die rechtliche Stellung von Trennungsvätern gestärkt werden. Die Gesellschaft darf den Vater nicht länger auf die Funktion als biologischer Erzeuger und Zahlaugust reduzieren. Er soll auch nach einer Trennung oder Scheidung das Recht auf eine gelebte Beziehung zu seinen Kindern haben, selbst gegen den Willen der Mutter. Hierzu braucht es eine konsequente Umsetzung des Rechts der Kinder auf regelmäßigen Umgang mit beiden Elternteilen in die Praxis der Jugendämter und Familiengerichte. Der von den Müttern häufig praktizierte Umgangsboykott kommt einer psychischen Kindesmisshandlung gleich! Zu diesem Thema hat Douglas Wolfsperger als Betroffener einen Dokumentarfilm gedreht: Der entsorgte Vater(2008). Klare gesetzliche Umgangsregelungen müssen her, und der Staat sollte sie auch mit Sanktionen belegen. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen Väter zum Beispiel die Unterhaltszahlungen aussetzen können, wenn die Mutter das Sorgerecht des Vaters hintertreibt. In Facebook schrieb am 23. Juli 2011 ein getrennt lebender Mann: "Aufgrund der Voreingenommenheit in unserer Gesellschaft gibt es Väter, die es vorziehen sich von ihren Frauen quälen zu lassen, nur um weiter für ihre Kinder da sein zu können".

Die am 17. Mai 2011 wegen Männerfreundlichkeit entlassene Goslarer Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling schrieb im Focus vom 25.07.11: "Generationen leiden unter dem Entzug des Umgangsrechts mit ihren Angehörigen, wenn diese systematisch und mit behördlicher und gerichtlicher Unterstützung überwiegend den Vätern und ihren Familien entfremdet werden. Es bereitet den Betroffenen schlaflose Nächte, ihre männlichen Familienangehörigen, nicht nur in diesem Punkt, ungerecht behandelt zu sehen. Es macht traurig zu sehen, wie Kinder im Geschlechterkampf so leiden, krank werden und wie sie Entwicklungsrückschritte hinnehmen müssen" (Focus 30/11: Stoppt endlich die Geschlechterapartheid). Als Kämpferin für wahre Gleichberechtigung tritt sie für einen Schulterschluss mit dem männlichen Geschlecht ein und propagiert: "Selbstbewusste Frauen suchen das Verbindende mehr als das Trennende. Sie sind wie 'Schwestern', die sich solidarisch und schützend vor ihre Brüder stellen!"

Im Fall von Trennung oder Ehescheidung sollten die Betroffenen selbst unter Beisein von Verwandten und Freunden über den Verbleib der Kinder entscheiden. Unterhaltszahlungen an die Frau und die Kinder sollten freiwillig erfolgen und nicht zu hoch bemessen sein. Einerseits muss dem Vater so viel von seinem Einkommen übrig bleiben, dass er die Chance hat, eine neue Frau zu finden und mit dieser ebenfalls eine Familie zu gründen und sie zu ernähren. Andererseits dürfen die zu erwartenden Unterhaltszahlungen für die Frau nicht einen Anreiz bieten, ihren Mann in die Wüste zu schicken! Ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts billigt geschiedenen Frauen allerdings wieder mehr Unterhaltsgeld von ihrem Ex zu (Welt vom 14.02.2011). Die Folge wird sein, dass noch mehr Männer nach einer Scheidung keine neue Partnerin finden.

Das deutsche Familienrecht destabilisiert die Familie und belastet die Väter über Gebühr, weswegen auch immer mehr Männer bewusst von einer Familiengründung absehen, um erst gar nicht in die beschriebene Ausbeutungssituation zu kommen. Franzjörg Krieg vom Väteraufbruch Karlsruhe weiß von einigen Trennungsvätern, die sich sterilisieren ließen, unter anderem weil ihnen das Recht auf eine aktive Vaterschaft genommen wurde: "Väter erleben heute massenhaft, dass Vaterschaft das größte existenzielle Risiko darstellt, das sie sich aufbürden können. In dem Moment, in dem sie eine Frau zur Mutter machen, steht ihr Schicksal zur Disposition und wird ab sofort von dieser Frau gesteuert. Sie haben alle unangenehmen Konsequenzen zu tragen, vorrangig die Last der Alimentierung. Ein System moderner Sklavenhaltung sorgt dafür, dass die Frau sich als Alleinerziehende der Unterstützung gewiss sein kann, und letztendlich der zum Vater definierte Mann – selbst dann, wenn er biologisch gar nicht der Vater ist, sondern nur die Mutter ihn dazu ausgewählt hat – derjenige ist, der haftbar gemacht wird. Die Tatsache, dass Männer mittleren Alters eine mehr als 4-fach überhöhte Suizidrate gegenüber der gleichen Altersgruppe von Frauen aufweisen, ist nur die Spitze des Eisberges. Darunter liegt zigtausendfaches Elend ausgegrenzter Väter, die physisch, psychisch, sozial und wirtschaftlich ruiniert wurden und aus dem bürgerlichen Rahmen heraus fielen" (Väteraufbruch für Kinder Karlsruhe e.V. - Zeugungsstreik). Seiner Beobachtung nach tritt eine zunehmende Zahl von Männern in den Zeugungsstreik! Für die ohnehin erbarmungswürdig niedrige Geburtenrate in Deutschland kann das nichts Gutes bedeuten (Welt vom 28.07.11).

Die Kriminalisierung von Vätern, die ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen, muss aufhören. Freiheitsstrafen als Zwangsmaßnahme gehen entschieden zu weit! Mit dem Stichtag 31.03.2010 gab es in Deutschland 204 Strafgefangene, die wegen 'Verletzung der Unterhaltspflicht' im Gefängnis einsaßen, 103 davon im offenen Vollzug, drei davon waren weiblichen Geschlechts (Statistisches Bundesamt; PDF Seite 22). Dagegen lassen die Richter Taschendiebe regelmäßig wieder laufen, selbst wenn es polizeibekannte Serientäter sind! Vermutlich haben viele der einsitzenden Väter die Unterhaltszahlungen deshalb eingestellt, weil ihre Exfrau ihnen den Umgang mit den Kindern untersagt. Andere verweigern die Zahlungen vielleicht deswegen, weil Schwangerschaft und Geburt des Kindes ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen geschahen. Oder weil sich die Frau auf Grund eines besser verdienenden Mannes von ihnen getrennt hat. Wieder andere waren vielleicht Hausmänner und kümmern sich möglicherweise noch immer mehr um ihre Kinder als die Mutter, bei der sie wohnen. Unterhaltszahlungen erwirtschaftet man nur mit reeller Leistung auf dem Arbeitsmarkt. Ob aber die Mütter auch die entsprechende erzieherische Leistung erbringen, wird weder kontrolliert noch im negativen Fall sanktioniert.

Sklaverei und Leibeigenschaft wurden in Europa im 19. Jahrhundert abgeschafft. Dass der Gesetzgeber Menschen unter Knast-Androhung dazu zwingt, den Kindesunterhalt der Düsseldorfer Tabelle zusätzlich zum eigenen Auskommen zu erwirtschaften und monatlich mindestens 317 Euro an die ehemalige Ehefrau zu überweisen, steht der Sklaverei um wenig nach. Zumal dabei offensichtlich überhaupt keine Rolle spielt, ob sie möglicherweise finanziell besser als er dasteht. Dreht man das Ventil eines kochenden Dampfkessels zu, dann ist zunächst einmal Ruhe. Doch irgendwann wird er explodieren! Es ist unsäglich dumm, wenn eine Gesellschaft die männliche Hälfte dermaßen ausbeutet, wie es die unsere tut. Auch wenn es zunächst gutzugehen scheint, weil man sich als Mann ja nicht beklagen darf. Doch wer sich wehrt gegen Knechtung und Unterwerfung, der ist kein Jammerlappen, sondern ein Freiheitskämpfer! Vor allem junge Männer stehen zusätzlich auf Grund der Einstiegshürden ins Berufsleben unter Druck. Viele sehen keine Perspektive mehr für ihr Leben und geben sich sinnlosen Gewaltexzessen hin.

Wenn mehr und mehr Bürger im Gefängnis landen, nur weil sie eine weniger materialistische bzw. pekuniäre Vorstellung von Vaterschaft und väterlicher Verantwortung haben als der Staat, wird sich das rumsprechen! Immer weniger Männer werden sich auf die Zeugung von Kindern einlassen, weil sie befürchten, sich früher oder später ebenfalls einem solchen Diktat beugen zu müssen. Franzjörg Krieg über die Rechtsprechung bei Trennung und Scheidung: "Das Problem ist die frauenzentrierte Arbeitsteilung: Mama für's Emotionale und Papa für's Finanzielle". Ich fordere im Sinne der Gleichbehandlung, dass auch die Mutter finanzielle Verantwortung übernimmt und/oder ihren Lebensstandard senkt.

Männer sind auch Menschen, die wie ihr weibliches Gegenstück das menschliche Bedürfnis nach einem Zuhause, nach einer Ehe, nach einer Familie haben. Manche gestehen sich das nur nicht ein, weil es dem Klischee des einsamen Cowboys widerspricht. Wenn die Ehe kaputt geht, sollten sie wie die Frauen ein originäres Sorgerecht (und Aufenthaltsbestimmungsrecht) für ihre Kinder behalten. Also kein Quasi-Automatismus, nach dem die Kinder zur Mutter kommen und der Vater verstoßen wird! Sollten dadurch bei mehr als einem Kind Geschwister getrennt werden, dann mag das hart sein, aber auch ein Anlass, die Ehe nicht vorschnell zu kündigen. Das Sorgerecht des Vaters darf außerdem nicht nur monetär definiert werden, und schon gar nicht in einer bestimmten Höhe. Der wichtigere Teil der Verantwortung eines Vaters besteht darin, dass er seine Kinder regelmäßig trifft, mit ihnen lebt, mit ihnen spielt oder etwas unternimmt. Die Behörden sollten bei den Unterhaltszahlungen wie in fast allen Bereichen so weit als möglich auf die Eigenverantwortung des Einzelnen und auf den Familienverband setzen. Im Falle einer Trennung können die geschiedenen Eheleute untereinander (gemeinsam mit ihrer Verwandtschaft) eine Regelung finden, die dem Einzelfall gerecht wird - so wie es früher war. Wenn der Staat seinen Super-Nanny-Anspruch aufgäbe, würde die Familie besser gefördert als durch Kindergeld, Elterngeld oder die meisten anderen materiellen Lockmittel der zeitgenössischen Familienpolitik. Wer zu sehr lockt, macht die Leute misstrauisch und schreckt sie eher ab!

Beim Denken in Unterhaltsansprüchen und Rentenanwartschaften geht der Staat davon aus, das alles gut wird, wenn die materielle Versorgung der Anspruchsberechtigten gesichert ist. Doch damit ist überhaupt nichts gut, allenfalls kurzfristig! In Wahrheit werden durch die herrschende Vollkasko-Mentalität Fehlanreize gesetzt, müssen Unternehmer ihre Mitarbeiter entlassen, weil sie im Falle einer Trennung die Unterhaltsansprüche von Frau und Kindern nicht erwirtschaften können. Eltern und Kinder, ja ganze Familienverbände werden auseinanderdividiert. Auch weil die Solidarität immer mehr an den Staat delegiert wird, verliert der Einzelne den Rückhalt in der Familie. Er wird ins lauwarme Brackwasser der sozialstaatlichen Rundumversorgung, Zwangsbeglückung, Entmündigung geschmissen. In den Gängen der Sozialbehörden ist er dann sich selbst überlassen. Wir Bürger sind dem bürokratischen Apparat von Tag zu Tag mehr ausgeliefert. Reinhard Meys Lied vom "Antrag auf Erteilung eines Antragformulars" war erst der Anfang!

Insbesondere die Familiengerichte gleichen einer Maschinerie, welche in vielen Fällen die Ausbeutung von Männern durch ihre Frauen noch in die Zukunft zu verlängern sucht. Es reicht nicht, dass der Mann in der Gegenwart für seine Frau sorgt, er soll es auch in Zukunft tun, auch nach der Scheidung, selbst nach seinem Tod! Denn stirbt der Mann, müssen seine Erben für den Unterhalt aufkommen, und zwar bis das Erbe aufgebraucht ist (www.eltern.de). Hier zeigt sich einmal mehr: Das System der sozialen Rechtsansprüche hat sich zu einem komplizierten und daher schwer zu durchschauenden Mechanismus zur Ausplünderung der Leistungswilligen entwickelt. Welcome to the machine!

Und wer sind die Plünderer? Meist sind es keine vorwitzigen Schauspielerinnen der Opferrolle, keine Mimen einer staatlich definierten Schutzbedürftigkeit. Nein, die Frauen legen die Attitüde des Ärmsten meist nicht bewusst an den Tag, sondern lassen sich von den Lockrufen der Klassenkampf- und Sozialpropaganda unbewusst da hinein ziehen. In einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung werden sie nicht selten eingebildete Opfer im Sinne des US-Soziologen William Isaac Thomas. Dieser stellte folgende als Thomas-Theorem bekannt gewordene These auf: "Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich".

Die Frauen profitieren aber auch aus einem ganz handfesten Grund nur auf den ersten Blick. Angesichts der wohlfahrtsstaatlichen Daseinsfürsorge für das "bessere Geschlecht" kann es leicht passieren, dass Frau sich hängen lässt und ganz real zum Sozialfall wird. Denn wenn es den Menschen zu leicht gemacht wird, dann laufen sie Gefahr, ihre Lebenstüchtigkeit zu verlieren und in die erlernte Hilflosigkeit abzurutschen. So ist die Frauenwelt zum Beispiel stärker von Adipositas betroffen (taz vom 31.01.2008). Frauen leiden außerdem öfter an der Volkskrankheit Rückenschmerzen als Männer (Focus). Wenn sie dann nicht nur alleinerziehend sind, sondern auch krank, haben sie eine weitere Sprosse der Opferstatusleiter erreicht. Bedingt durch die Geschlechtsrolle haben Frauen jedenfalls weniger Skrupel mit der Opfermentalität als das sogenannte starke Geschlecht. Der Dresdner Kabarettist Olaf Schubert packt das heiße Eisen der Zivilisationskrankheit Rückenschmerzen an: "Statistisch gesehen mehr als jeder Einte, fast schon jeder Anderthalbte hat Rückenprobleme! Oder hatte Rückenprobleme. Oder wird tendenziell Rückenprobleme bekommen. Und da sind noch gar nicht die eingerechnet, die gerne Rückenprobleme hätten! … Durch falsches Heben von Lasten, oder falsches Absetzen von Lasten, oder falsches Stehenlassen von Lasten - entstehen diese Beschwerden" (CD: Meine Kämpfe, Track 1, 6:15).

Die Regelungswut des paternalistischen Staatswesens missachtet die Tatsache, dass es entscheidend vom Einzelfall abhängt, wer wirklich schutzbedürftig ist und wer die Solidarität missbraucht. Mit der Entscheidung darüber sind staatliche Stellen hoffnungslos überfordert. Das führt zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die man als Beamtenwillkür erfährt, gegen die der Einzelne jedoch so gut wie keine Handhabe hat, vor allem wenn er ein Mann ist. Ein Höchstmaß an sozialer Gerechtigkeit kann nur hergestellt werden, indem sich die Sozialpolitik auf diejenigen konzentriert, die den Rückhalt einer Familie entbehren und sich auch selbst nicht helfen können.

Die schleichende Entwicklung unseres Staates zum sozialen Zwangsapparat, die von der Bevölkerung fast widerstandslos hingenommen wird, erinnert mich an die Film-Trilogie The Matrix(USA 1999 bzw. 2003). So ziemlich am Anfang versucht Morpheus seinen Ziehsohn Neo, mit dem er große Pläne hat, behutsam an die Wirklichkeit heranzuführen: "Lass mich dir sagen wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst, aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt, du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich Verrückt macht! Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst, wenn du deine Steuern zahlst ... Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt. Denn, es ist eine Scheinwelt die man dir vorgaukelt, um Dich von der Wahrheit abzulenken! Die Wahrheit ist, dass du ein Sklave bist, du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis das du weder anfassen noch riechen kannst, ein Gefängnis für deinen Verstand! Bedenke, alles was ich dir anbiete ist die Wahrheit - nicht mehr".

Die weitgehende Entrechtung der Väter wird naturgemäß nicht anhand des Idealfalls deutlich, der im Moment noch meist der Normalfall ist: Wenn der Mann einen guten Job hat, dann kann er sich unter mehreren Bewerberinnen die beste raussuchen. Die Angebetete wird sich auch einige Mühe geben, ihn bei der Stange zu halten. Übertreiben braucht sie es aber nicht, denn selbst wenn keine Kinder geboren wurden, kann sie schon nach kurzer Ehedauer im Falle der Ehescheidung einen Versorgungsausgleich bei der Rente verlangen. Im Klartext: Sie erhält die Hälfte der in der Zeit der Ehe aufgebauten Rentenanwartschaften ihres Exmannes. Zusätzlich hat sie Anspruch auf einen Zugewinnausgleich, erhält also die Hälfte des während der Ehezeit entstandenen Vermögenszuwachses des Ehemannes. Freilich ist es umgekehrt genauso (www.internetratgeber-recht.de).

Dass die Rechtsprechung meist zugunsten der Frauen ausfällt, wird vor allem in den zunehmend eintretenden Konfliktfällen offenbart, zum Beispiel bei Trennung und Scheidung. Ganz besonders gilt dies, wenn der Mann (teilweise) die Rolle des Hausmannes übernommen hatte. Dann bekommt dennoch meist sie die Kinder zugesprochen und er muss sich neben einer neuen Wohnung auch einen neuen Job suchen, um den Unterhalt für seine Kinder finanzieren zu können. Nur wenn die Mutter keine Unterhaltszahlungen einfordert und keinen Unterhaltsvorschuss beantragt, muss er auch nicht zahlen. Franzjörg Krieg fordert von den Karrierefrauen unter den Müttern, sich nicht nur die Sahnestückchen herauszupicken, sondern zu "akzeptieren, dass bei einer Trennung die Kinder auch dem Vater zugesprochen werden können, an den sie dann auch bereit sind, Unterhalt dafür zu bezahlen, dass sie ihre Kinder nur noch alle zwei Wochen am Wochenende sehen". Nicht gerechtfertigt sind Unterhaltszahlungen an die Mutter dann, wenn die Frau schon immer besser verdiente und auch weiterhin einen höheren Verdienst als der verstoßene Ehemann hat (siehe mein Tagebuch vom 23.09.2011). Wenn zwei oder mehr Kinder da sind, darf es darüber hinaus kein Tabu sein, sie zu trennen bzw. aufzuteilen. Die Geschwister können sich ja dann jedes zweite Wochenende sehen. Das ist zwar hart, aber auch ein zusätzlicher Anlass, die Ehe nicht vorschnell scheitern zu lassen.

An diesem Punkt kann sich einer meiner Leser nicht mehr zurückhalten: "Die Männer haben schließlich auch etwas mit der Zeugung der Kinder zu tun" wirft er nun ein. Das stimmt. Ein Vater sollte Verantwortung übernehmen. Das muss sich jedoch wie gesagt nicht unbedingt durch Geldüberweisungen ausdrücken, denn auch nach Trennung bzw. Scheidung hat er meist nach wie vor das Sorgerecht, jedenfalls nach dem Gesetz. Es stimmt aber auch, dass Mutterschaft seit der Verbreitung der Pille die höchst eigene Entscheidung einer Frau ist. Die Geburtenkontrolle erfuhr bekanntlich in den 1960er Jahren eine dramatische Umwälzung. Seitdem ist die Antibabypille das am meisten verbreitete Mittel zur Empfängnisverhütung und zugleich eines derjenigen, die praktisch allein unter der Kontrolle der Frau stehen. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle entscheidet die Frau selbst, ob sie schwanger wird oder nicht.

Dagegen werden die Männer oftmals vor die vollendete Tatsache der Schwangerschaft gestellt. Viele Frauen versuchen, indem sie die tägliche Einnahme der Pille "vergessen" und es auf einen positiven Schwangerschaftstest ankommen lassen, eine Entscheidung herbeizuzwingen und den Partner so an sich zu binden. Wenn dieser sich zu sehr hintergangen fühlt, drängt er in vielen Fällen auf eine Abtreibung, was die Frau durch eine einvernehmliche Kindeszeugung hätte verhindern können. Je schwerer dem Partner in Spe die Unterhaltszahlungen fallen, desto nachdrücklicher wird er auf einer Abtreibung bestehen - ein weiteres Argument gegen die Einmischung des Staates beim Kindesunterhalt. Andere Vertreterinnen des schönen Geschlechts wollen im Grunde gar keinen Mann, sondern nur ein Kind und einen Alimentenzahler. Würden die Frauen dabei finanziell schlecht wegkommen, würden weit weniger von ihnen darauf bestehen, die Kinder zugesprochen zu bekommen. Es gäbe auch weniger Scheidungen.

Wer Kinder in die Welt setzt, sollte sich auch um sie kümmern. Es ist aber unangemessen, dass der Vater unter Androhung von Gefängnisstrafen gezwungen wird, staatlich definierte Unterhaltszahlungen zu leisten. Die Erziehungsleistung der Mutter steht oftmals in keinerlei Verhältnis dazu. 80 Prozent der kriminellen Kinder stammen aus einem vaterlosen Zuhause! (Focus vom 17.07.2011). Viele bezeichnen Väter, die in Trennung leben, als 'Erzeuger' und verraten bereits durch diese Wortwahl, dass sie den Vater des Kindes als Verursacher bzw. als 'Täter' sehen, der für seine 'Tat' bezahlen muss. Und die Mutter gilt gemeinhin als 'Opfer', das finanziell entschädigt werden muss. In Wirklichkeit dürfte es in der Mehrzahl der Fälle genau umgekehrt sein! Wie gesagt: Dank der Antibaby-Pille werden Frauen heutzutage nur selten gegen ihren Willen schwanger, dafür umso häufiger gegen den Willen des Mannes, mit dem sie Geschlechtsverkehr hatten.

Jeder Fall ist anders gelagert und oftmals ist es nicht gerechtfertigt, den Mann für den Kindesunterhalt bezahlen zu lassen. Daher sollte im Scheidungsfall nicht der Staat, sondern der Familienrat (also die Beteiligten selbst mit Hilfe ihres sozialen Umfelds) über Unterhaltsregelungen entscheiden, so wie es früher war. Der Familienrat, der ja aus Männern und Frauen besteht, würde zum Beispiel einer Karrieremutter in den meisten Fällen wohl keine Unterhaltszahlungen zubilligen. Schon gar nicht, wenn sie ihren Mann, den Vater ihrer Kinder und bisherigen Hausmann, gegen einen besser verdienenden eintauscht, ihre Karriere 'opfert' und sich fortan selbst um die Kinder kümmert. Unterhaltszahlungen wird es dann wohl auch nicht für Mütter geben, die dem Ex ohne triftigen Grund verwehren, seine Kinder regelmäßig zu sehen. Genauso wenig wie für eine Lesbe oder eine passionierte alleinerziehende Feministin, die an ihrem Lover nur als Befruchter interessiert war.

Das Unterhaltsrecht geht vom Rollenklischee des Mannes als zahlungskräftigem Versorger aus und stülpt es allen Männern über. Damit wird die Frauenemanzipation konterkariert und die Geringverdiener unter den Männern werden übervorteilt bzw. ausgeplündert. Die in der Düsseldorfer Unterhaltstabelle vorgeschriebenen Mindestbeträge für die Unterhaltspflicht wären für einen reichen Mann, der ein armes Mädchen schwängert, durchaus zu rechtfertigen. Sie werden aber in gleicher Weise auf einen armen Mann angewendet, der von einer reichen Frau zur Befruchtung benutz worden ist! Selbst dann, wenn dies ohne sein Wissen und gegen seinen Willen geschah. Im Zeitalter der Pille und der emanzipierten Frauen ist das absurd. Nicht einmal die Katholische Kirche würde die Unterhaltspflicht in so einem Fall als Strafe Gottes rechtfertigen ("Warum musste der Lustmolch auch mit ihr ins Bett gehen"), denn es kann verheiratete Männer genauso treffen! Aber die Verknüpfung von Geld und sexueller Erfüllung mit dem anderen Geschlecht nimmt der Mann beinahe als selbstverständlich hin, nicht nur im Zusammenhang mit Prostitution. Wenn ein Familienvater seine Frau freihält, weil sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, ist das voll in Ordnung, denn es handelt sich hierbei um die Geschäftsgrundlage der traditionellen Familie. Immer mehr Frauen wollen jedoch keinen Nachwuchs, einen Ernährer suchen und finden sie trotzdem.

Dass bei Männern und Frauen mit zweierlei Maß gemessen wird, mach ein Gedankenexperiment deutlich, bei dem wir die Geschlechtsrollen einmal auf den Kopf stellen: Eine 40-jährige Krankenhausärztin lässt sich auf einen Krankenpflegeschüler ein. Sie bekommen ein Kind und er übernimmt die Rolle des Vaters und Hausmannes. Nach einem Jahr erklärt er die Ehe für zerrüttet. Seine Frau sei nur noch für ihre Arbeit da, sie denke ja nur noch an ihre Karriere! Der Vater bekommt das Kind zugesprochen und hat Anspruch auf Kindesunterhalt bis das Kind fertig studiert hat. Da der Mann seine Ausbildung "in Erwartung der Ehe" abgebrochen hatte, muss die Ex obendrein Ehegattenunterhalt bezahlen, so dass ihr nur noch rund 1000 Euro Selbstbehalt bleiben. Als der Exmann erneut heiratet (wieder eine Ärztin), muss seine Verflossene für seinen eigenen Unterhalt nicht mehr aufkommen. Da sie ab diesem Zeitpunkt auch keinen Kindesunterhalt mehr bezahlt, kommt unsere Ärztin deswegen in den Knast - Erzwingungshaft. Wer, frage ich mich, würde das als gerecht empfinden?

Beim Unterhaltsrecht werden die unterschiedlichsten Fälle über einen Kamm geschert, völlig unabhängig von Schuld und Verursachung. Doch wie kommt es, dass vermutlich nicht nur die Mehrheit der Damen, sondern auch der Herren an diesem Anachronismus kaum etwas auszusetzen hat? Das mag unter anderem daran liegen, dass es um das emotional aufgeladene Thema Kinder geht. Das Unterhaltsrecht packt die Männer bei der Ehre und berührt das männliche Selbstverständnis. Das erklärt, warum die staatlichen Vorgaben zum Unterhalt von Frau und Kindern gerade auch von Konservativen verteidigt werden. Doch mit seiner fürsorglichen Art leistet der Staat den Kindern einen schlechten Dienst. Denn in dem Maße wie er die Versorgung der Kinder und ihrer Mütter übernimmt beziehungsweise regelt, in dem Maße bringt er das System der traditionellen Familie aus der Balance und trägt maßgeblich zu seinem Niedergang bei.

Verwunderlich ist die allgemeine Akzeptanz des Unterhaltsrechts auch insofern, als der Gesetzgeber und die Familiengerichte erst vor ein paar Jahrzehnten begonnen haben, sich zunehmend in die Privatsphäre einzumischen und den Trennungsunterhalt (und den nachehelichen Unterhalt) explizit zu regeln. Der Staat sollte in puncto Unterhalt keine rigiden Vorgaben machen, sondern auf die Eigenverantwortung des Einzelnen setzen. So können Eheleute bzw. Heiratswillige einen für ihre Bedürfnisse maßgeschneiderten Ehevertrag schließen. Die Familienrichter sollen nur noch in Ausnahmefällen die Kompetenz haben, einzelne Vertragsvereinbarungen für nichtig zu erklären. Lasst uns den Staat in seine Schranken weisen!

Die Justiz sollte sich bei der Regelung von Privatangelegenheiten weitgehend heraushalten. In diesen Zeiten jedoch geht anscheinend nichts mehr ohne die Obrigkeit. In einem Schreiben des Amtsgerichts Karlsruhe bezüglich meiner Ehescheidung heißt es kurz und knackig: "Für die Scheidung der Ehe und für die Folgesachen, zum Beispiel Regelung der elterlichen Sorge, des Umgangsrechts, des Unterhalts, der Ehewohnung, des Haushalts, des Versorgungsausgleichs und der Güterrechtsangelegenheiten, ist ausschließlich das Familiengericht zuständig". Ginge es nach mir, dann wären die Richter nur ausnahmsweise zuständig, nämlich wenn sich die Eheleute nicht gütlich einigen konnten und einer der Beteiligten Klage erhebt. Normalerweise aber soll der Familienrat (also die Beteiligten und ihr soziales Umfeld) zuständig sein, insofern bin ich für die Räte-Republik! Wenn man staatlich aufgezwungene Unterhaltspflichten und umfangreiche staatliche Hilfen für Alleinerziehende streichen würde, dann wären die Familien und die Verwandtschaftsnetze gefordert. So wie es bei uns bis ins 19. Jahrhundert war und wie es in freiheitlichen Gesellschaften nach wie vor ist. Das würde die Familie stärken und reaktivieren wie keine andere Maßnahme! Gestärkt würde außerdem die elterliche Autorität, die in unserer Gesellschaft immer schmerzlicher vermisst wird.

Die Unterhaltsansprüche untergraben die Autorität von Vater und Mutter. Wenn die Kinder einen Anspruch auf Unterhaltsleistungen in einem vorgegebenen Umfang haben, dann nimmt man den Eltern einen großen Teil der erzieherischen Handhabung. Sie verlieren entscheidend an Einfluss gegenüber ihren Sprösslingen, vor allem wenn sie auf Grund einer Ausbildung das Elternhaus verlassen bzw. studieren. Studenten (auf Neusprech "Studierende") haben im Prinzip einen Unterhaltsanspruch von 670 Euro im Monat! (Düsseldorfer Tabelle 2011). Übrigens auch, wenn sie aus intakten Familien kommen (Studis online vom 17.01.2011). Ich frage mich: Wo kommen wir hin, wenn ein Kind von seinen Eltern Beträge einklagen kann, mit denen in vielen Ländern ganze Familien mit einer veritablen Kinderschar auskommen? Wer hat noch Lust, Nachwuchs in die Welt zu setzen, wenn ihm eines Tages deswegen die Pistole auf die Brust gesetzt wird?

Der Staat macht mit seinem Sozialsystem und mit dem Rechtsanspruch auf Unterhaltszahlungen den Zusammenhalt in der Familie überflüssig. Dadurch werden die Familien- und Verwandtschaftssysteme unterhöhlt! Vaterschaft und Ehe haben einen immer geringeren Stellenwert, mit der Folge, dass immer mehr Väter "entlassen" werden. Wir fallen in die Gesellschaftsstufe des Matriarchats zurück! Den oftmals auch berechtigten Unterhaltszahlungen für die Ehepartnerin und die Kinder muss abwägend die persönliche Freiheit der zahlenden Väter entgegengestellt werden. Sonstige Regresspflichten zugunsten des Ehepartners sollten mit der Scheidung erlöschen. Sie sollen durch einen Ehevertrag ausgeschlossen werden können, der nicht wieder von irgendeinem Gericht vor dem Hintergrund einer verworrenen Rechtslage auf Antrag einer der Parteien für nichtig erklärt werden kann, wie es derzeit der Fall ist. Die Selbstherrlichkeit vieler Familienrichter(innen) grenzt an Willkür und Despotismus! Verwandte und Angeheiratete von Empfängern staatlicher Leistungen dürfen nicht länger für übertriebene Versorgungsansprüche in finanzielle Haftung genommen werden. Indem der Staat die Individuen dazu zwingt, über ihr eigenes Maß hinaus für Familienmitglieder einzustehen, bringt er Eltern und Kinder sowie Ehemänner und Ehefrauen gegeneinander auf. Mit aufoktroyierter Solidarität unterspült die Sozialgesetzgebung die Familie, die Keimzelle der Gesellschaft.

Die Unterhaltsverpflichtungen dürfen nicht dazu führen, dass der Mann eine zerrüttete Ehe nur deshalb nicht aufkündigt, weil er sich eine neue Frau dann nicht mehr leisten könnte. Da viele Familiengründer auf Grund ihres limitierten Einkommens faktisch nur einen Versuch haben, ist ihre Position in der Ehe geschwächt. Vor allem langjährige Alleinverdiener mit geringem Einkommen müssen sich hüten, den Mund aufzumachen, denn eine neue Familie können sie nicht auch noch ernähren. Falls die Beziehung zerbricht, bleibt ihm womöglich nur ein Selbstbehalt in Höhe von ca. 1000 Euro (Focus vom 28.12.2010). Der geschiedene Vater geht seiner Arbeit nach, kann froh sein, wenn er seine Kinder alle 14 Tage am Wochenende zu sich nehmen darf, bleibt ansonsten aber womöglich bis zu seinem Lebensende allein! Für die Frauenwelt ist er unter diesem Umständen nicht mehr attraktiv, denn praktisch alle Frauen suchen (bewusst oder unbewusst) einen Versorger, und wenn sie noch so emanzipiert sind! Eine mittellose alleinerziehende Mutter hat dagegen (abhängig von ihrem Aussehen) wesentlich bessere Chancen, einen neuen Partner zu finden. Es kann wie gesagt auch nicht im Interesse der Frauen sein, dass ein Großteil der Männer das Pulver beim ersten Versuch einer Familiengründung bereits weitgehend verschossen hat. Das gilt umso mehr als die Schuld für das Scheitern der Ehe vielleicht eher bei der Frau zu suchen ist. So etwas nenne ich Sozialpolitik nach dem Prinzip: Den Letzten beißen die Hunde.

Ein Mann sollte normalerweise seine Familie ernähren. Wenn er aber eigene Ziele hat, wie zum Beispiel ein Buch zu schreiben, so muss ihm auch möglich sein, beruflich (vorübergehend) kürzer zu treten. Das geht jedoch in den meisten Fällen nur dann, wenn die Ehefrau hinzuverdient. Doch bei der Mehrzahl der Frauen läuten alle Alarmglocken, wenn ihr Mann auch nur eine Andeutung in dieser Richtung macht. Selbst in freikirchlichen Gemeinden sieht man es den Frauen nach, wenn sie bezüglich ihrer Sorgen (z.B. über die Finanzen und die Zukunft) das Heil weniger vom Heiland erwarten als von ihrem Mann, der gefälligst entsprechend viel Geld verdienen soll. Droht er seine Stelle zu verlieren, dann kriegen es beide mit der Angst zu tun! Eine krasse Fehlentwicklung, nur noch getoppt durch die Infizierung der Kirchen mit der zunehmenden Staatsgläubigkeit. Wir brauchen auch in den christlichen Gemeinden eine neue Reformation!

Soll Familienleben nicht zum Spießertum degenerieren, darf der Vater nicht zu sehr auf die Rolle des Zahlmeisters eingeschworen werden. Wenn es schlecht läuft, dann besteht die Familie aus einer Frau mit Helfersyndrom, um die sich die Kinder drehen. Am Rande steht der Ehemann, der das nötige Geld herbeischafft, selbst dann noch, wenn er die Familie verlassen hat oder dazu genötigt wurde.

Das mit der Emanzipation ist für die allermeisten Frauen nur ein Lippenbekenntnis. In Wahrheit suchen sie einen netten Geldbeschaffer, und zwar selbst dann, wenn sie definitiv keine Kinder haben wollen! Meist wählen sie sich einen Job (am besten halbtags), mit dem sie schnell zu Geld kommen, der sie aber nicht allzu sehr in Beschlag nimmt. Die Arbeit soll Spaß machen, die Mädels aber nicht von ihrer wichtigsten Aufgabe abhalten: der Suche nach einem geeigneten Partner, nach einer möglichst guten Partie. Denn hierfür muss frau nicht nur locker sein, Sport treiben, gesund leben, den Körper pflegen und stylen, sondern sich als Gesamtkunstwerk immer wieder neu erfinden. Dazu brauchen die Weibchen viel Zeit und Muße, um Frauenzeitschriften, Fernsehserien, Musikvideos und all die anderen Multiplikatoren zu beobachten, um sich mit anderen Frauen auszutauschen, um mit Freundinnen Shoppen zu gehen, Tanzeinlagen auszuprobieren oder sonst wie kreativ zu sein. Solchermaßen übertriebene Weiblichkeit wird heute in allen Medien und selbst von Feministinnen als emanzipiert hingestellt, weswegen sie auch immer weitere Kreise zieht. Gleichzeitig kritisiert man, dass Frauen ein geringeres Einkommen haben und fordert die Frauenquote. Das ist alles ziemlich schizophren.

Der Materialismus, der Pseudo-Feminismus und die frauenzentrierte Gesellschaft haben das Schönheitsideal vor allem der Frauen (aber auch der Männer) bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Ursache ist nicht zuletzt die Abkehr vom Gottvertrauen, von der christlichen Ehe und von der bürgerlichen Familie. Ein Film in Facebook verdeutlicht das Zerstörungswerk des Körperkults, indem er ihn auf die Spitze treibt: An einer weiblichen Figur wird so lange herum geschnippelt, Silikon gespritzt und Fett abgesaugt, bis sie sich am Ende auflöst.

Berufstätig sind oft auch Mütter von kleinen Kindern, die es finanziell gar nicht nötig hätten. Damit nehmen sie aber den Männern die Arbeitsplätze weg, die vielleicht ebenfalls gerne eine Familie gründen würden. Und deren potentielle Partnerinnen natürlich ebenfalls einen Familienernährer suchen! Verhindern kann man dies nicht, man muss es aber nicht auch noch fördern. Was leider der Staat tut, zum Beispiel mit dem Ehegattensplitting (durch das auch kinderlose Hinzuverdienerinnen gesponsert werden) und mit dem milliardenschweren Ausbau staatlicher Kinderkrippen.

Das Gesagte wirft ein Schlaglicht darauf, auf welche Weise der staatliche Interventionismus namentlich in der Unterschicht die bürgerliche Familie zugunsten der "Heiligen Patchwork-Familie" unterwandert: Mit seinen Sozialleistungen und der einseitig auf die Interessen der Frauen zugeschneiderten Rechtsprechung, seiner Beamtenwillkür, seiner Armada von allzu oft frauenbewegten Sozialarbeiter(innen) und seinen mitunter selbstherrlich agierenden Jugendämtern. Hierzu las man einen erschütternden Artikel in der FAZ vom 21.12.2008: "Amtlicher Größenwahn. Immer öfter spielen Jugendämter Schicksal. Gegen den Willen der Eltern holen sie die Kinder aus ihrer Familie. Dafür müssen sie sich nicht einmal rechtfertigen. Und eine Kontrollinstanz gibt es nicht". Unsere Zukunft wird in den Casinos des ungebremsten sozialpolitischen Fortschrittsglaubens verspielt! Erst wenn der Staat endgültig Pleite ist, wird es an den Roulette-Tischen linker Experimentierlust heißen: rien ne va plus!

Hier noch eine persönliche Anmerkung: Es wurde verschiedentlich der Verdacht geäußert, ich habe hier nur meinen Ärger aus der Seele geschrieben, da ich seit März 2010 in Trennung lebe und seit April 2012 geschieden bin. Mit meiner persönlichen Situation haben diese Dinge aber nur teilweise zu tun. Man kann bei familiensoziologischen Betrachtungen durchaus von seiner eigenen Situation absehen, und das versuche ich auch nach bestem Wissen und Gewissen. Ich bin nicht von all dem betroffen, was ich unter dem Stichwort Familienrecht beschrieben habe. In erster Linie versuche ich, mich in die Lage von geringverdienenden Frauen und Männern der Unterschicht zu versetzten, wo sich das Denken in Rechtsansprüchen besonders fatal auswirkt. Vor allem bei Geringverdienern stellen sich die Frauen oftmals besser, wenn sie ihren Mann entlassen. Dann bekommen sie Betreuungsunterhalt, Kindesunterhalt, eventuell Hartz IV, Betreuungsgeld, eine Sozialwohnung, Wohngeld und so weiter und so fort.

Aber auch insoweit ich Betroffener bin, tut man gut daran, meine Argumente ernst zu nehmen, sie an sich heranzulassen, darüber nachzudenken. Schließlich bin ich kein Richter oder Staatsanwalt, den man wegen Befangenheit ablehnen kann. Wenn Betroffene nicht das Recht hätten, sich zu artikulieren, wo bliebe dann die Meinungsfreiheit? Luther und Gandhi oder die Protagonisten der englischen, französischen oder amerikanischen Revolution waren von den Zuständen, gegen die sie aufbegehrten, betroffen und scharten Betroffene hinter sich. War das illegitim? Gewiss nicht, denn gerade weil sie Mitleidende waren, hatten sie Erfolg, da sie authentisch und überzeugend waren. Schließlich könnte man mir auch den umgekehrten Vorwurf machen, ich sei in die von mir beschriebenen Lebensumstände ja gar nicht involviert und würde von meinem Elfenbeinturm aus nur lebensferne Theorien streuen.

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Frauenförderung einstellen und Frauenquoten abschaffen

Die Gleichstellungsstellen in der Verwaltung und in anderen staatlichen Institutionen sollten geschlossen, Programme zur Frauenförderung gestrichen werden. Ich fordere die Auflösung sämtlicher Lehrstühle und staatlicher Projekte im Bereich Frauenforschung bzw. Gender Mainstreaming. In Deutschland gibt es bereits 189 Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung (Stand April 2014). Die Freie Universität Berlin listet sie voller Stolz auf, getrennt nach Universitäten und Fachhochschulen. So manche Professorinnenstelle wurde schneller aus dem Boden gestampft als sie besetzt werden konnte, denn für 14 dieser hoch dotierten Posten wird noch jeweils die passende Quotenfrau gesucht. Die FU Berlin listet darüber hinaus 18 Gender-Professuren in Österreich und sieben in der Schweiz auf. Im Blog 'Kritische Wissenschaft' vertritt Michael Schnell die naheliegende These, dass der tiefere Sinn dieser Schwemme vom Steuerzahler bezahlter Frauenforscherinnen "darin besteht, den Staatsfeminismus an Universitäten zu verankern, Wissenschaft zu unterminieren und vor allem Sozialwissenschaft gleichzuschalten, als Wissenschaft zu beseitigen und der Indoktrination zugänglich zu machen". Er spricht von einem "Angriff auf die Integrität von Wissenschaft". Betrieben werde von den Pseudowissenschaftlerinnen "eine Dämonisierung von Männern und eine Heiligsprechung von Frauen", was die Beziehung zwischen den Geschlechtern weiter vergifte (sciencefiles.org 22. April 2014: Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Schwätzer).

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht im Artikel 3: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin". Es ist aber nicht Aufgabe des Staates, eines der beiden Geschlechter einseitig zu fördern. Quotenregelungen zur Steigerung der Beteiligung von Frauen oder anderen Gruppen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur- und Bildungseinrichtungen gehören verboten. Es sollte in einer offenen und demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein, dass Posten nur nach Eignung und fachlicher Qualifikation und nicht nach Geschlechterproporz besetzt werden. Quotenregelungen verstoßen gegen das Gleichberechtigungsgebot in Artikel 3 unserer Verfassung. Und Parteien, die sie eingeführt haben, befürworten und praktizieren (CDU/CSU/SPD/Grüne/Linke), sind im Grunde als verfassungswidrig zu bezeichnen!

Wenn eine Frau etwas für die Gleichstellung tun will, kann sie gerne selbst ein Unternehmen gründen und meinetwegen ausschließlich Frauen einstellen. Wird dagegen eine Frauenquote für Vorstands- und Aufsichtsratsposten eingeführt, dann hat das den Effekt, dass Mädchen abwarten, wie die Unternehmen sich am Markt bewähren, um dann mit Hilfe der Staatsgewalt an einer der erfolgreichen Firmen teilzuhaben und von ihrer Marktmacht zu profitieren. Moralisch wäre das allenfalls dann gerechtfertigt, wenn die betreffende Frau schon seit der Unternehmensgründung maßgeblich mitgearbeitet und das Risiko des Scheiterns mitgetragen hätte. Wo das nicht der Fall ist, nenne ich das Rosinenpickerei! Zumal bei der Frauenquote ja immer nur an die sauberen, ungefährlichen und hoch dotierten Jobs gedacht wird.

Einer meiner Facebook-Freunde hat es am 25.07.11 auf folgende Formel gebracht: "Quotenregelung = Diskriminierung und untergräbt den Gleichheitsgrundsatz". Im Grunde wird hier für Frauen der Anreiz gesetzt, den Pioniergeist des Unternehmertums zu überspringen, und als abhängig Beschäftigte auf die helfende Hand des Staats zu vertrauen! Das ist der platteste Sexismus, den man sich vorstellen kann, und läuft dem Gedanken der Emanzipation diametral entgegen. Auch schwächt es die Position Deutschlands im globalen Wettbewerb. Denn unsere einzige Ressource, nämlich Know-how, geistige Beweglichkeit und Innovationskraft können sich nicht wirklich entfalten, wenn ihnen Quotenfrauen (also weibliche Apparatschiks) den Weg nach oben versperren. Aber das kennen wir ja von der politischen Klasse Deutschlands, die hinter einem bereits erreichten Stand von Rationalität und Stringenz in den 1950er und 60er Jahren weit zurückgefallen ist.

Wenn man es den Frauen zu leicht macht, z.B. in die Politik zu gehen, warum sollen sie sich dann noch anstrengen? Sie müssen sich weniger um Bürgernähe scheren, müssen sich kaum noch bemühen, Mehrheiten zu gewinnen oder einen Blick für das Ganze zu bekommen. Das ist einer Demokratie nicht würdig! Seit den 1980er Jahren herrschen bei den Parteien, bei den Radio- und Fernsehsendern sowie in der Filmindustrie offizielle oder inoffizielle Frauenquoten. Eine der Ursachen dafür, dass sowohl die Politik als auch und vor allem die öffentlich-rechtlichen Massenmedien zunehmend eine Eigendynamik entwickeln und sich vom Volksempfinden ebenso wie vom Gemeinwohl zusehends abkoppeln. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten weiblicher Spitzenpolitiker und dem bedrohlichen Geburtenrückgang in Europa. Der Siegeszug der Frauenbewegung - ein Sargnagel der europäischen Kultur.

Wir brauchen genau das Gegenteil von Frauenquoten, wir brauchen Elitenbildung. In den Emerging Markets wie Indien sparen sich die Eltern das Geld für die Studiengebühren und den Lebensunterhalt ihrer Kinder vom Mund ab. Es gibt dort international anerkannte Universitäten, in denen Hochschulabsolventen mit einem ausgeprägten Elitebewusstsein ihren Abschluss machen (Oliver Müller: Wirtschaftsmacht Indien). Bei uns jedoch werden eventuelle Reste eines Elitedenkens bei vielen Universitätsabgängern durch übergroße Eintrittsbarrieren ins Berufsleben zerstört. Die Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind zwar oft sehr arm, aber in eine Gemeinschaft und in einen klar umrissenen Sinnzusammenhang eingebunden. Daher sind sie trotz aller Last und Arbeit glücklicher und können vor allem besser feiern als wir Europäer des 21. Jahrhunderts. Zum Beispiel in Indien, wo ich im August 2010 elf Tage verbracht habe. Zum Beispiel in China, wo ich im Spätsommer 2011 eine neuntägige Städtereise (Beijing, Xian, Shanghai) unternahm. Ich will China nicht idealisieren, weil es weder eine Demokratie noch eine Marktwirtschaft ist. Aber dort arbeiten alle, weil das Land des Lächelns nur eine ganz rudimentäre Sozialhilfe kennt, und weil es meines Wissens nur kleine Hürden für den Berufseinstieg gibt.

Bei uns laufen die Besitzstände der Arbeitsplatzinhaber auf eine Überbetonung des Senioritätsprinzips hinaus, die Frauenquoten auf eine Überbetonung des weiblichen Prinzips. Es ist an sich schon zweifelhaft, berufliche Positionen unabhängig von einer bestimmten Person zu definieren. Umso mehr sollte man bei der Neubesetzung einer solchen Position Sorgfalt walten lassen! José Ortega y Gasset forderte im Hinblick auf die Besetzung von Posten, die Fähigsten auszusuchen, diejenigen, welche die Stelle nicht nur dem Schein nach ausfüllen. Zur Untermauerung zitierte er seinen griechischen Kollegen Platon (428 bis 348 vor Christus): "Man muss sehr vorsichtig sein und zwischen dem Bastard und dem Legitimen genau unterscheiden. … Ohne dass wir es wollen, überlassen wir denen die öffentlichen Ämter, die der Tugenden entbehren, die für diese Beschäftigungen Voraussetzung sind." (Vom Menschen als utopischem Wesen; Seite 171). Proporzdenken und Quotenregelungen machen die Personalauswahl dagegen zu einem Vabanque-Spiel. Sie führen dazu, dass zunehmend die falschen Leute am falschen Platz sind, wodurch unserer Gesellschaft seit jeher mehr Schaden zugefügt wird als wir wahrhaben wollen.

Ist uns eigentlich bewusst, welch fatales Signal wir mit einer Quotenregelung senden, die wir mit der Benachteiligung von Frauen begründen? Ämter und Positionen in der Wirtschaft werden als Pfründe hingestellt, als Posten, die dem Inhaber weniger Opfer abverlangen als zu seiner Bereicherung dienen, ihm ein hohes Prestige einbringen. Diese in der verweltlichten Gesellschaft weit verbreitete Einstellung spiegelt den sittlichen und wirtschaftlichen Verfall des Abendlandes und wird den sich abzeichnenden technologischen Rückstand des Westens gegenüber den aufstrebenden Nationen Asiens noch verschlimmern. Während wir anscheinend nichts besseres zu tun haben, als unsere kulturellen Wurzeln wie den christlichen Glauben zu relativieren, zu verunglimpfen und über Bord zu schmeißen, knüpfen nicht nur die asiatischen Tigerstaaten, sondern auch die Kommunistische Partei Chinas an Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus und das Yin-Yang-Denken an.

Vor allem der steile Aufstieg Chinas ist nach Meinung des Trierer Sinologen Karl-Heinz Pohl maßgeblich darauf zurückzuführen, dass sich das Reich der Mitte wieder neu auf die philosophischen und religiösen Grundlagen seiner mehr als 4000 Jahre alten und doch lebendig gebliebenen Kultur besann. Das ist nur zu verständlich nach dem menschenverachtenden Chaos, das der Oberkommunist Mao Zedong vor allem mit dem 'großen Sprung nach Vorn' (1958–1961) und mit der Kulturrevolution (1966–1976) angerichtet hatte. Insbesondere der Konfuzianismus ist in China wieder en vogue, der Mitmenschlichkeit Pflichtbewusstsein gegenüberstellt, und wo sich der Einzelne weniger als Individuum versteht, sondern mehr als Teil des Ganzen, als Mitglied eines Familienverbandes, einer Gemeinschaft, eines Staates.

Das Schulsystem ihres Landes allerdings empfinden außer den teils neidischen, teils beeindruckten Europäern auch viele Chinesen als erstarrt. Jetzt fordern sie verstärkt, nicht nur Stoff zu vermitteln, sondern im Unterricht mehr Wert auf Kreativität zu legen. Denn immer mehr Schüler und Studenten rebellieren gegen den ungeheuren Leistungsdruck. Bei Prüfungen schrecken Eltern und Lehrer selbst vor Doping nicht zurück (Welt vom 26.05.12: Im Hirn so leer wie die Unterhose eines Eunuchen). Laut Chinakenner Pohl kommt im Konfuzianismus dem Lernen eine besondere Bedeutung zu: "Die wichtigste konfuzianische Schrift, die von den Schülern des Konfuzius aufgezeichneten Gespräche (Lunyu), beginnt mit dem Schriftzeichen für 'Lernen' (xue) und dem bemerkenswerten Satz: 'Lernen und das Gelernte von Zeit zu Zeit (in der Praxis) einzuüben, ist das nicht auch eine Freude?' … Hier findet die Charakterisierung der chinesischen Kultur als Lernkultur ebenfalls ihre Berechtigung. Das stete Lernen ist für den Konfuzianer jedoch kein Selbstzweck bzw. reiner Erkenntnisgewinn. Vielmehr lernt bzw. übt er eine ethisch-moralische Vervollkommnung, um reif für die Übernahme gesellschaftlicher und politischer Verantwortung zu werden. Das heißt, seine eigene Kultivierung dient auch dazu, andere zu kultivieren und dem Gemeinwohl zu nützen" (China für Anfänger – Eine faszinierende Welt entdecken; Seite 94).

In welchen Niederungen bewegen wir uns dagegen mit unserer Gleichstellungspolitik, die wir Kandidatinnen nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern natürlich auch wegen ihres guten Aussehens in die höchsten Ämter loben. Wir bauchpinseln unsere schönsten Frauen, damit sie als Karrierefrauen das eigene Ego pflegen können. Bei all der Lobhudelei strotzen sie vor Selbstbewusstsein, scheitern aber auf dem Heiratsmarkt, weil sie keinen finden, an den sie sich anlehnen können. Das Problem ist die Geschlechtsrollenpolarität, die universell ist und selbst in China Probleme aufwirft, auch ohne Frauenquoten. Auf meiner neuntägigen Chinareise zu den Megastädten Peking, Xian und Shanghai im August 2011 hatten alle drei unserer chinesischen Reiseführerinnen unabhängig voneinander das Problem der Karrierefrauen angesprochen. Die Germanistin Li Mingyan drückte es besonders plastisch aus: Sowohl Männer und Frauen kann man in vier Güteklassen einteilen: A, B, C und D. Die A-Männer heiraten die B-Frauen, die B-Männer heiraten die C-Frauen, die C-Männer heiraten die D-Frauen. Übrig bleiben ganz oben die A-Frauen und ganz unten die D-Männer. Sie kommen natürlich nicht zusammen und bleiben daher allein und kinderlos.

Mit dem Hinweis, die Frauenquote lasse angeblich Unternehmen prosperieren, behauptet man in Europa nur, die Berufung von Quotenfrauen diene dem Ganzen. Doch das Argument kann nicht verfangen. Wenn überhaupt ein positiver Zusammenhang errechnet wird, dürfte es sich um eine Art Scheinkorrelation handeln: Große Firmen, bei denen die Geschäfte gut laufen, können sich eine Frauenquote leisten, sie haben trotz und nicht wegen ihrer Quotenfrauen Erfolg. Die immer wichtiger werdenden Mode-Labels, die sich vorwiegend oder ausschließlich auf die Frauen als Zielgruppe konzentrieren, mögen da eine Ausnahme bilden. Wenn wir durch die Quote versuchen, den Frauen einen 'Anteil am Kuchen' von Vormachtstellung und Einkommen der Führungskräfte zu sichern, so wird das im Christentum verankerte Berufsethos auf den Kopf gestellt, wonach die Oberen die obersten Diener des Volkes sein sollten. In Matthäus 20, Verse 26-28 ermahnt Christus seine Jünger: "Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. Und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele". Wer eine gehobene Stellung innehat, soll also nicht Herrscher, sondern Diener sein, was auch in den Ausdrücken 'Staatsdiener', 'Dienst' und 'Service' zum Ausdruck kommt sowie in der marktwirtschaftlichen Maxime, wonach der Kunde König ist.

Das soll sich nun ändern. Die Frauenbewegung, in Übereinstimmung mit anderen Gerechtigkeitsaposteln der etablierten Parteien, sorgt inzwischen dafür, dass bei uns das obrigkeitsstaatliche Denken wieder Einzug hält. Bereits seit dem Bundesgleichstellungsgesetz von 2001 müssen im öffentlichen Dienst und an staatlichen Universitäten Frauen mit formal gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden. Ein klarer Verstoß gegen Artikel 33, Absatz 2 des Grundgesetzes, wo es heißt: "Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte". 1960 betrug der Frauenanteil bei den Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes im damaligen Bundesgebiet 27%, 1991 belief er sich bereits auf 47% und 2009 stellten die Frauen mit 53% die Mehrheit der Beamtenschaft (Statistisches Bundesamt). Und das obwohl nur 35% der Frauen berufstätig sind gegenüber 49% bei den Männern. Vor allem bei den gemütlichen Beamtentätigkeiten ohne große Verantwortung oder Herausforderung müsste die sogenannte Gleichstellungsarbeit ihrer eigenen Logik gemäß eigentlich eine Männerquote vorsehen! Nicht viel anders sieht die geschlechtsspezifische Verteilung der Jobs in der freien Wirtschaft aus.

Indessen denkt EU-Kommissarin Viviane Reding schon ganz konkret über eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Aktiengesellschaften nach (Welt online 17.09.2010). Die Bundesregierung droht ebenfalls seit einiger Zeit mit der Einführung eines Tittenbonus in der freien Wirtschaft, so dass sich so manches Unternehmen genötigt sieht, 'freiwillige' Selbstverpflichtungen einzuführen, um noch härtere staatliche Zwangsmaßnahmen abwenden zu können. Doch so langsam regt sich Widerstand, so etwa in einem internen Blog bei Daimler, wo bis 2020 ein Frauenanteil von 20 Prozent in der Führungsebene angestrebt wird. Die FAZ vom 17.03.2013 berichtete: "Viele Konzerne legen extra Mentorenprogramme, Coachings und Fortbildungen auf - nur für weibliche High Potentials. Das wurmt die männlichen Altersgenossen. 'Für Frauen geht es heute automatisch aufwärts', zürnt ein Pharmamanager aus dem Mittelbau. 'Die müssen weder für ein paar Jahre ins Ausland noch je einen Betrieb geleitet haben. Alles geschenkt.' Meist äußert sich dieser Zorn anonym (zumal in Internetforen), nicht so im Daimler-Blog: Der Frust, der sich bei den Ingenieuren dort angestaut hat, ist offenbar so gewaltig, dass sie ihre Schmähungen mit vollem Namen unterzeichnet haben - und somit nachvollziehbar für jeden im Konzern, samt Position und Abteilung. Die weitere Laufbahn dürften die Wutmails eher hemmen …". In der Onlinezeitung www.freiewelt.net kommentierte ein Leser am 18.03.2013: "Ich kenne den Daimler auch von innen und mir ist noch kein anderer deutscher OEM unter die Finger gekommen, der freiwillig so viel (männliches) Motivationspotential den Lokus runterspült, nur um eine Vaginalquote durchzudrücken. Beim Daimler brodelt es - und das ist auch richtig so. Aber anscheinend kann er ja auf die Motivation seiner männlichen Ings verzichten".

Wenn nach den Gewerkschaftsvertretern (Stichwort betriebliche Mitbestimmung in Deutschland seit 1976) bald auch noch Quotenfrauen mitbestimmen sollen, dann legen noch mehr Investoren ihr Geld lieber in den USA, in China, Indien oder Brasilien an, wo es vermutlich von Leuten verwaltet wird, die nach ihren Fähigkeiten und nicht par ordre du mufti rekrutiert wurden. In den Bestattungsunternehmen, da sind die Frauen nun wirklich hoffnungslos unterrepräsentiert, weswegen eine Frauenquote konsequenter Weise hier zuerst ansetzen müsste. Vielleicht begnügt man sich damit, dass die Frauenbewegung gleich in mehrfacher Hinsicht ein Totengräber unserer Gesellschaft ist.

Eine Frauenquote ist auch deswegen nicht angemessen, weil die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, Frauen würden von männlichen Vorgesetzten und Kollegen an der Karriere gehindert, wohl kaum bewiesen ist. Wer den Feminismus kritisiert, dem wird regelmäßig (erstens) nahegelegt, sein Frauenbild zu korrigieren, und er bekommt (zweitens) zu hören, man dürfe nicht alle Frauen über einen Kamm scheren. Für die Männer scheint das nicht zu gelten, denn das Geschwätz von der sogenannten 'gläsernen Decke', an die karrierewillige Frauen angeblich immer wieder stoßen, ist nur eine andere Formulierung für die Behauptung 'Männer sind Schweine' (so das gleichnamige Lied von den 'Ärzten'). Wahrscheinlich ist es gerade umgekehrt. Viele Chefs stellen mit Vorliebe Frauen ein, weil die Weibchen dazu tendieren, brav ihre Arbeit zu tun, ohne die Dinge zu hinterfragen oder Verbesserungsvorschläge zu machen. Während in Zeiten der Globalisierung solche Firmen nur im Einflussbereich des Wohlfahrtsstaats (bis zu dessen Zusammenbruch) bestehen können, verfolgt so mancher Personaler ganz andere Ziele, was das schöne Geschlecht anbetrifft: Er stellt mit Vorliebe gut aussehende und nicht verheiratete Frauen ein, weil man auf dieses Weise die männliche Belegschaft bei Laune halten und ihre Leistungsbereitschaft noch steigern kann!

Schon Esther Vilar hat in ihren Büchern über den dressierten Mann darauf hingewiesen, dass Büros, Betriebe und Universitäten auch als Heiratsmarkt gesehen werden können. Meine Beobachtung ist jedenfalls, dass Männer ihren Kolleginnen ausnehmend gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, um sich als Kavalier zu erweisen. So profitieren vor allem schöne Frauen vom 'erotischen Kapital' des modernen Menschen. Anschauungsmaterial hierzu bietet der Film The Social Network über die Anfänge von Facebook im Jahr 2003, wo die Mädels anscheinend mehr Partygirls und Musen als brauchbare Mitarbeiter waren. Frauen kämpfen lieber mit den Waffen einer Frau. Karriere und Geldverdienen ist für ihre Lebensplanung weit weniger wichtig als für Männer, können sie doch durch eine kluge Partnerwahl mit weit geringerem Aufwand einen im Zweifel noch höheren Status erreichen.

Der Kabarettist Vince Ebert schreibt zu diesem Thema: "In praktisch jedem Land der Welt beurteilen Frauen die Attraktivität von Männern nach Attributen wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und Status. Sogar Damen, die es nicht mal nötig hätten! Eine Umfrage in den USA zeigte, dass Top-Managerinnen bei einem potentiellen Partner besonders Wert darauf legen, dass er finanziell besser dasteht als sie selbst. Frauen, die versorgt sind, suchen trotzdem den Versorger. Männer dagegen reagieren auf Geld und Status einer potentiellen Partnerin genau umgekehrt. Ein weiblicher Doktortitel ist in der Welt des Online-Datings etwa genauso viel wert, wie zwanzig Kilo Übergewicht" (09.05.2011: Kinder, Küche, Krone). Die Beobachtung, dass nur ausreichend gut verdienende Männer für Frauen interessant sind, kann man praktisch überall machen. Nur ideologisch Verblendete leugnen dies und sprechen gerne von sexistischen Klischees.

Doch auf die Asymmetrie der beiden Geschlechter weist auch der Umstand hin, dass es kaum Heiratsschwindlerinnen gibt. Die Suchmaschine bing.com listet bei der männlichen Version des Heiratsschwindlers 49.900 Webseiten auf, bei der weiblichen dagegen nur 7590. Ein Heiratsschwindler ist zum Beispiel ein Mann, der vorgibt, vermögend zu sein, der also nur so tut, als sei er eine gute Partie für eine Heiratswillige. Eine unverheiratete Frau dagegen braucht in aller Regel nicht auf reich zu machen, weil sie aufgrund der Geschlechterpolarität ohne Vermögen für die meisten Bewerber sogar noch attraktiver ist. Das Brockhaus-Lexikon (DVD 2008) definiert einen Heiratsschwindler als "jemand, der Heiratsabsichten vorspiegelt, um von dem Partner Geld oder andere Werte zu erlangen". Wenn dieser Jemand aber weiblich ist, dann spricht man nicht von Betrug, dann ist das ganz normal. Sehr viele Frauen lassen sich von ihren Liebhabern beschenken und zu teuren Urlaubsreisen einladen, ohne feste Absichten zu haben. Wenn der Liebhaber vorhatte, sie zu ehelichen, kann er sich nicht (wie das so manches Mädchen tut) als Opfer eines Heiratsschwindels hinstellen. Bei ihm sagt man: selbst schuld - er hätte sich die Dame genauer ansehen sollen.

Auch in der Werbung, in der Literatur und in Filmen kommt die Polarität der Geschlechterrollen trotz einer ganzen Menge frauenbewegter Retusche immer wieder zum Vorschein. Als Beispiel genannt sei die Actionkomödie 'Bad Company – Die Welt ist in guten Händen' (2002). Der Held wird für seine frustrierte Freundin erst wieder interessant, als sich der berufliche Erfolg einstellt. Dagegen leidet das Selbstwertgefühl des Mannes, wenn seine Partnerin Erfolg hat. Das haben die Psychologinnen Kate Ratliff von der University of Florida und Shigehiro Oishi von der University of Virginia durch ein Experiment mit 32 Pärchen herausgefunden (Welt vom 13.09.13: Ihr Erfolg kränkt ihn).

"Es sprengt die Phantasie der feministischen Wissenschaft, dass Frauen aus freien Stücken zu Hause bleiben, statt für Karriere zu optieren" schreiben Melanie Amann und Winand von Petersdorff in einem FAZ-Artikel vom 12.09.2010. Sie verweisen auf die Antibabypille als Argument gegen die schon zum Allgemeingut gewordene These, die männlich dominierte Arbeitswelt hindere Frauen daran, ganz nach oben zu gelangen: "Die Soziologin Catherine Hakim von der London School of Economics nennt die Theorien, die auf Patriarchate und Diskriminierung rekurrieren, schlicht veraltet. Sie vernachlässigten schon die Anti-Baby-Pillen-Revolution, die Frauen erstmals in der Geschichte souverän entscheiden ließ, ob sie Kinder kriegen wollen, wie viele und wann. Damit lohnte es sich für Frauen, Universitäten zu besuchen, um Karrieren zu starten. Überraschende Schwangerschaften, die alle Berufspläne vernichten, sind zur Ausnahme geworden".

Die Autoren des Artikels verweisen zur Erklärung des geringeren Karrierebewusstseins weiblicher Berufstätiger auf Studien, wonach viele Frauen die Chefetagen meiden, "weil sie den scharfen Wind des Wettbewerbs nicht so gern mögen" und wonach Frauen generell weniger Freude am Wettkampf haben als Männer. Catherine Hakim komme zu dem Ergebnis, dass die Mehrzahl der jungen Frauen sich offenhalten will, ob sie nicht vielleicht doch Kinder in die Welt setzen sollen. "Für den Richtigen würden sie womöglich sogar zu Hause bleiben".

Susan Pinker, kanadische Psychologin und Journalistin, verwirft in ihrem Buch Begabte Mädchen, schwierige Jungs ebenfalls die These von der beruflichen Diskriminierung der weiblichen Bevölkerung: "Die gleichen Chancen führen nicht notwendigerweise zu gleichen Ergebnissen. Genaugenommen lässt gerade die Tatsache, dass Frauen Wahlmöglichkeiten haben, ihre Präferenzen besonders deutlich hervortreten" (Seite 22). Damit gehört die Therapeutin zu der wachsenden Zahl von Frauen, die sich gegen den Feminismus stellen.

Ergänzen möchte ich: Wenn die Weiblichkeit eine ähnlich geringe Wahlfreiheit hätte wie die 'Herren der Schöpfung', dann wären nur ganz wenige Frauen überhaupt berufstätig! "Früher", so schaudern von den Erfolgen der Frauenbewegung beseelte Zeitgenossen bisweilen zurück, "musste die Hausfrau ihren Ehemann fragen, ob sie einen Job annehmen darf". Heute braucht ein Mann seine bessere Hälfte gar nicht mehr zu fragen, ob er beruflich kürzer treten, nur noch halbtags arbeiten oder ganz andere Ziele verfolgen darf. Er darf natürlich nicht!

Weibliche Berufsarbeit ist bei näherem Hinsehen meist nur Ausdruck einer Pseudo-Emanzipation. Zunächst dient sie jungen Frauen dazu, auf der Suche nach der besten Partie zusammen mit den einzelnen Bewerbern (und Dank deren Zahlungskraft) das Leben für einige Jahre auszukosten und Reisen in alle Welt zu unternehmen. Dabei will Frauchen soweit finanziell unabhängig sein, um sich von Kandidaten, die sich als suboptimal herausstellten, trennen zu können, ohne monetäre Engpässe befürchten zu müssen. Natürlich gibt es auch ausgesprochene Karrierefrauen, sogar immer mehr, am weitesten verbreitet sind sie aber in den Kino- und Fernsehfilmen. Wenn die Frau dann einen ausreichend dicken Fisch am Haken hat, soll im wahren Leben mittels Berufstätigkeit meist nur etwas dazu verdient werden, um sich einen höheren Lebensstandard leisten zu können. In einer offenen Gesellschaft kann man diese weit verbreitete Doppelverdiener-Mentalität nicht verbieten, man muss sie jedoch nicht auch noch fördern! Was leider der Staat tut, zum Beispiel mit dem Ehegattensplitting (durch das auch kinderlose Hinzuverdienerinnen gesponsert werden) und mit dem milliardenschweren Ausbau staatlicher Kinderkrippen. Dabei ist das schöne Geschlecht ohnehin im Vorteil, unter anderem weil durch die Entwicklung zum Wohlfahrtsstaat und zur Dienstleistungsgesellschaft typische Frauenberufe boomen, während in der Industrie seit Jahrzehnten Arbeitsplätze abgebaut oder ins Ausland verlagert werden. Außerdem sind liierte Frauen meist in der komfortablen Situation, sich in aller Ruhe und ohne Druck auf dem Arbeitsmarkt umsehen zu können.

Nur vom Feminismus vernebelte Realitätsverweigerer können die geringere Karriereorientierung der Mädels den 'männlichen Seilschaften' in die Schuhe schieben (Stichwort 'gläserne Decke'). Bleibt womöglich nur noch ein uneingestandener Grund, warum neuerdings alle etablierten Parteien die Frauenquote in den Aufsichtsräten und Unternehmensvorständen für notwendig erachten: Der berufliche Ehrgeiz von Frauen, der rollenbedingt ohnehin geringer ausgeprägt ist, wurde durch massive Frauenförderung (wie die bevorzugte Einstellung von Frauen im öffentlichen Dienst) weiter vermindert! Ebenso durch horrende Ehegatten- und Kindes-Unterhaltsansprüche, Ansprüche aus dem Zugewinnausgleich nach einer Ehescheidung, einem betont frauenfreundlichen Erbrecht sowie durch umfangreiche Sozialhilfe für alleinerziehende Mütter. Dass nun die Rente von stundenweise oder halbtags arbeitenden Angestellten künstlich aufgestockt werden soll, stellt ein weiteres Puzzleteil umfassender staatlicher Fürsorge für die Frauen dar, die natürlich die Berufsorientierung des schwachen Geschlechts noch zusätzlich erlahmen lässt. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will nämlich die SPD wieder einmal links überholen und plant, die Rentenversicherung "sozialer" zu machen. Teilzeitbeschäftigte, die 40 Jahre lang sozialversicherungspflichtig berufstätig waren, sollen eine höhere (die Grundsicherung übersteigende) Rente von bis zu 850 Euro monatlich bekommen. Angerechnet werden auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Kindererziehung, der Pflege Angehöriger, Krankheit, Ausbildung, Studium, Schwangerschaft oder Mutterschutz (Welt vom 20.03.12).

Warum sollte eine junge Frau die Mühen eines Informatik-Studiums auf sich nehmen, wenn sie einen Informatiker heiraten kann und durch die Geburt nur eines Kindes schon fast für ihr Leben ausgesorgt hat, selbst wenn die Ehe scheitert? Warum soll sie überhaupt studieren, wenn ihr mit einer Erzieherausbildung ein ruhiger und unkündbarer Posten im öffentlichen Dienst winkt, der auch jederzeit in eine Teilzeitstelle umgewandelt werden kann? Die Quotenregelung hat im Übrigen den gleichen Effekt. Warum soll sich eine dieser gutaussehenden Halbgöttinnen mit einem Chemiestudium die Finger schmutzig machen, wenn sie dank der Quote mit einem Jurastudium ohne zweites Staatsexamen binnen kürzester Zeit in das obere Management der BASF komplimentiert werden kann? Auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) kritisierte die mangelnde Zielgenauigkeit einer höheren Rente für sporadisch Berufstätige: "Ich kann der Facharbeiterin nicht erklären, dass sie mit ihren Steuern nun die Rente einer lebenslang Teilzeit arbeitenden, kinderlosen Gattin eines Spitzenverdieners aufstocken soll" (Welt vom 20.03.12).

Die Geschlechtsrollenpolarität, wonach der Mann größer und finanzkräftiger sein muss als seine Frau, steckt tief in uns drin. Sie wird beiden Geschlechtern auch durch noch so viel Frauenförderung nicht ausgetrieben werden. Folglich kann es nur darum gehen, die staatliche Frauenförderung komplett und ersatzlos einzustellen, um möglichst allen Männern angemessene Berufs- und Einkommenschancen zu geben. Im Übrigen: Nach einem Artikel der New York Times vom 30.01.2011 sind weniger als 15 Prozent der Autoren beim Online-Lexikon Wikipedia weiblichen Geschlechts. Soll das etwa auch die Schuld der Männer sein?

Das Problem ist, dass es auch wegen der gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen immer schwieriger ist, den richtigen Mann zu finden, der aus Sicht der meisten Frauen einer mit einem hohen, zumindest aber sicheren Einkommen sein muss. Die romantische Liebe dient in den meisten Fällen nur zur Verschleierung der Tatsache, dass auf dem Heiratsmarkt in Wirklichkeit das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt, wobei des bei den Frauen überwiegend auf deren Aussehen ankommt und bei den Männern überwiegend auf deren Verdienst.

1974 waren in Deutschland nur rund 26 Prozent aller Frauen berufstätig, 2007 waren es 35 Prozent (Welt vom 11.09.2010). Obwohl ein wachsender Anteil der berufstätigen Frauen in Teilzeit arbeitet und die durchschnittliche Stundenzahl gegenüber 1991 zurückgegangen ist, sind die Männer durch das weibliche Geschlecht einer verstärkten Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt. Die Konkurrenz durch die berufstätigen Frauen ist umso stärker, als diese nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Vergleich zu den Männern mit einem geringeren Einkommen zufrieden sind (Welt online vom 06.07.2010). Wenn man strukturelle Faktoren herausrechnet, verdienen Frauen in Deutschland nach einer Analyse des Statistischen Bundesamtes bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation acht Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zu diesen Faktoren gehört, dass Frauen häufiger in weniger gut bezahlten Berufen tätig sind, seltener Führungspositionen innehaben sowie öfter in kleinen Unternehmen und in Teilzeit arbeiten (Welt 25. Oktober 2010). Falls dies so stimmen sollte, könnte man konstatieren, dass die Männer von einer Niedriglohn-Konkurrenz durch die vermehrt berufstätigen Frauen (darunter immer mehr Mütter von kleinen Kindern) unter Druck gesetzt und teilweise in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. Die Folge: Das Einkommen von Frauen ist zwischen 1974 und 2007 mehr als doppelt so stark gestiegen wie das von Männern (Welt vom 11.09.2010).

Aber normalerweise zitieren Journalistinnen und Politikerinnen immer die unbereinigte Statistik, wonach Frauen für die gleiche Arbeit fast ein Viertel weniger verdienen als die Männer. Im Focus vom 21. März 2013 äußerte sich Jörg Schmidt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisch zu dieser sogenannten Entgeltlücke: "Sie betrug nach Angaben des Statistischen Bundesamts zuletzt 22 Prozent. Und genau wegen dieser Zahl gibt es den Equal Pay Day, der auf den 21. März 2013 datiert ist. Das bedeutet: Bis zum heutigen Donnerstag müssen Frauen im Durchschnitt über den Jahreswechsel hinaus arbeiten, um den gleichen Vorjahresverdienst wie Männer zu erhalten. Wie kommt dieser hohe Wert von fast drei Monaten Mehrarbeit zustande? Er ergibt sich allein dadurch, dass die durchschnittlichen Verdienste von berufstätigen Frauen und Männern gegenübergestellt werden. Bei dieser Durchschnitts-Berechnung ist aber zu beachten, dass nicht danach differenziert wird, um welche Berufe und Branchen es sich handelt, ob in Teilzeit oder in Vollzeit gearbeitet wird und welche Rolle familienbedingte Auszeiten spielen". Das Kölner Institut präsentierte Mitte Januar 2013 Zahlen, wobei das ausschließlich durch das Geschlecht und nicht durch unterschiedlichen Einsatz zu erklärende Gehaltsminus der Frauen bei zwei Prozent liegt ('Nur 2 Prozent Gehaltsunterschied'). Familienministerin Kristina Schröder hatte es 2012 in ihrem Buch so formuliert: "Was Feministinnen denen, die sie im Kampf gegen Diskriminierung und Benachteiligung auf die Barrikaden treiben wollen, wohlweislich verschweigen, ist das Kleingedruckte. Es ist nämlich keineswegs so, dass Frauen für die gleiche Tätigkeit im gleichen Unternehmen 23 Prozent weniger verdienen" (Danke, emanzipiert sind wir selber! S. 169).

Irgendwie muss Ökonom Schmidt vom IW ein Macho sein, denn er hört nicht auf, das Hauptargument für Frauenförderung und Frauenquoten infrage zu stellen. Im gleichen Focus-Artikel legte er dar, dass der oft bemühte internationale Vergleich zu Fehlinterpretationen verleitet: "Der Blick über die Grenzen hilft kaum weiter, denn dabei wird übersehen, dass hierzulande mehr als zwei Drittel der Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen und dies in vielen anderen Staaten mit einem geringeren Entgeltabstand oft nicht der Fall ist. Gerade weil in jenen Ländern vor allem niedriger qualifizierte Frauen kaum am Arbeitsmarkt vertreten sind, fallen die durchschnittlichen Löhne von Frauen dort höher aus - und der gemessene Verdienstabstand schrumpft". Den gleichen Zusammenhang sieht auch Familiensoziologe Stefan Fuchs (vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.) und präsentierte Ende März 2013 in freiewelt.net ausführliche Statistiken. Sein Fazit: "In Ländern mit niedrigen Frauenerwerbsquoten sind die (relativ wenigen) Arbeitnehmerinnen eher karriereorientiert, sie arbeiten oft in Vollzeit und wählen ähnliche Berufe wie die Männer. Hohe Frauenbeschäftigungsquoten bedeuten dagegen, dass viele Frauen erwerbstätig sind, für die berufliche Karriere nicht das Zentrum ihrer Lebensplanung ausmacht. Sie präferieren oft eine Teilzeiterwerbstätigkeit oder wählen Berufe wie Lehrerin, die sich relativ gut mit der Familienarbeit vereinbaren lassen. Die entscheidende Frage ist dann nicht mehr, ob Frauen erwerbstätig sind, sondern für welche Art der Erwerbstätigkeit sie sich entscheiden. Gerade in wohlhabenden Ländern mit hohen Frauenerwerbsquoten wie Norwegen arbeiten Frauen häufig in Teilzeit und in 'typisch weiblichen' Berufen und verdienen deutlich weniger als Männer. Als Indikator für 'Rückständigkeit' eignet sich das 'Gender Pay Gap' also sicher nicht, seine undifferenzierte Skandalisierung in den letzten Jahren war ein Musterbeispiel politischer Demagogie".

Während der Wirtschaftswissenschaftler Schmidt staatliche Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorschlägt, plädiere ich für einen strikt marktwirtschaftlichen, staatsfernen und damit freiheitlichen Weg. Der Staat sollte aufhören durch Subventionen wie Ehegattensplitting, Minijobs und staatliche Kinderkrippen die Berufstätigkeit von Ehefrauen und Müttern zu fördern. Dadurch würde sich die Spreu vom Weizen trennen: Der Durchschnittsverdienst der danach weiterhin berufstätigen Ehegattinnen würde steigen. Viele Mütter würden es jedoch vorziehen noch ein oder zwei weitere Kinder in die Welt zu setzten, um für sie da zu sein, bis sie halbwegs erwachsen sind. Vor allem aber hätten die Männer dadurch wieder bessere Berufschancen. Sie hätten einen höheren Verdienst und mehr von ihnen wären in der Lage, eine Familie zu gründen und dauerhaft maßgeblich zu ernähren (siehe: Keine staatliche Förderung des Doppelverdienertums).

Ich plädiere daher für die Beendigung aller Gender-Mainstreaming-Programme. Dabei handelt es sich letztlich von der Frauenbewegung initiierte staatliche Initiativen zur Umerziehung von Männern und Frauen im Interesse der sogenannten 'Geschlechtergerechtigkeit'. Unter anderem durch eine weiter forcierte Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie mittels unzähliger Richtlinien und Schulungen in allen staatlichen Institutionen sollen die Rollen von Mann und Frau langfristig abgeschafft oder zumindest nivelliert werden. Kleine Kostprobe gefällig? Der Europarat will die Begriffe 'Vater' und 'Mutter' durch das Wort 'Elternteil' oder 'Elter' ersetzen (Welt Online 02.09.2010). Offensichtlich war die Frauenlobby so erfolgreich, dass sie sich mittlerweile des Staates bemächtigt hat. Sogar die Vereinten Nationen (UNO) fungieren als Erfüllungsgehilfe für die Sache des Feminismus.

Weder ist es die Aufgabe des Staates noch von supranationalen Organisationen, an den Geschlechtsrollen herumzupfuschen. Es sei eingestanden, dass die Rollenerwartungen von Männern und Frauen in einer sich ständig verändernden Gesellschaft Anpassungsprozessen unterliegen. Wir sollten uns aber davor hüten, die männliche und weibliche Rolle grundsätzlich zur Disposition zu stellen. Auf ihnen basiert das sozioökonomische Gleichgewicht, das durch die Ehe, durch Familienbande und Verwandtschaftsbeziehungen aufrechterhalten wird. Nicht zuletzt hat die Frage, ob man Männlein oder Weiblein ist, für die Identität eines Menschen grundlegende Bedeutung, mehr noch als die Zugehörigkeit zu einer Familie, einer Stadt, eines Kulturkreises oder einer Nation (siehe: Kulturimperialismus der Linken).

Dennoch gibt der Staat jährlich mehrstellige Millionenbeträge aus, um die Berufswünsche von Frauen zu beeinflussen. Der Bund der Steuerzahler machte in seinem Schwarzbuch Öffentliche Verschwendung 2010 auf ein solches Projekt aufmerksam. Er kritisierte die neue Praktikantenbörse Technikum, die geschätzte vier Millionen Euro verschlang und nach einem Jahr ihres Bestehens ganze 18 Praktikanten vermittelt hat. In diesem Zusammenhang nahm der Steuerzahlerbund das Gender-Projekt Komm, mach MINT aufs Korn: "Zielgruppe bei Technikum ist der MINT-Nachwuchs. MINT steht für Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik. Und da nach Auffassung des Bildungsministeriums behördliche Unterstützung bei der Studienwahl unerlässlich ist, steht Technikum nicht allein. 'Komm, mach MINT' heißt zum Beispiel das Motto des nationalen Pakts für mehr Frauen in MINT-Berufen. Diesen Pakt bezuschusst das Bildungsministerium mit weiteren 3 Mio. Euro pro Jahr".

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Kriminelle bestrafen!

Unser Rechtsstaat ist so kompliziert geworden, dass es mehr und mehr nur noch darum geht, dass sich Anwälte eine goldene Nase verdienen. Und das oft nur deswegen, weil bornierte Prozesshansel ihr Mütchen kühlen wollen, indem sie gegen angebliche "Übertreter" vorgehen. Wirkliche Kriminelle kommen dagegen immer öfter ungeschoren davon, sei es weil sie angeblich noch zu jung sind, sei es weil sie regelmäßig in die Moschee gehen, und sich Richter und Staatsanwälte vor Racheakten fürchten (siehe Arabische Clans und die Asylpolitik). In Hamburg hatten am 12. Juni 2009 der 17-jährige Onur K. und ein zweiter Täter ohne Grund einen 44-Jährigen zusammengeschlagen. Thomas Janzen starb einen Monat später an seinen schweren Kopfverletzungen. Onur K. bekam zwei Jahre auf Bewährung. Das ursprüngliche Urteil über 3,5 Jahre Haft hatte der Bundesgerichtshof Karlsruhe wegen zu großer Härte und angeblich fehlender erzieherischer Wirkung wieder aufgehoben. Professorin Monika Frommel vom Institut für Kriminologie an der Uni Kiel findet die Bewährungsstrafe angemessen: "Man muss bedenken, dass Jugendliche und Heranwachsende noch nicht so genau die Folgen ihres Tuns überlegen" (RTL-Fernsehbericht in Youtube, hochgeladen am 15.02.2013: Türke schlägt Deutschen wegen 20Cent tot: Bewährungsstrafe; Eltern verzweifeln).

Diese Art von Kuscheljustiz gegenüber ausländischen (und jugendlichen) Gewalttätern stößt dem Rechtsempfinden vor den Kopf und bewirkt nur, dass die Fremdenfeindlichkeit ansteigt und bald Formen annimmt wie in der Tschechei. Dort werden Anti-Zigeuner-Märsche und Ausschreitungen zum Nationalsport, nicht nur von Rechtsradikalen (Welt vom 04.08.13: In Tschechien eskaliert der Hass gegen die Roma). Die Deutschen haben auf Grund ihrer Geschichte zwar größere Beißhemmungen als andere Nationen. Doch wenn sich lange angestauter Frust entlädt, dann wird auch hierzulande kein Halten mehr sein. Wenn wir den Islamkritikern rund um Thilo Sarrazin oder Udo Ulfkotte nicht glauben, dann vielleicht Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bushido. Dieses Enfant Terrible der deutschen Rapper-Zunft hat immerhin ebenfalls den Mut, Wahrheiten auszusprechen: "So sehr, wie wir Einwanderer euch auf der Nase rumtanzen in eurem eigenen Land, da können wir uns nicht beschweren. Ist doch klar, dass wir Deutschland lieben. Wir ziehen euch die Transferleistungen aus den Taschen und haben trotzdem keinen Respekt vor euch Deutschen. Wir halten euch für Kartoffeln, für Opfer. So denken manche. Aber diese Haltung finde ich respektlos" (zitiert aus einem Meinungsbeitrag von Michael Wolffsohn im Focus vom 16.07.2013).

Wir brauchen eine konzertierte Aktion gegen Gewaltkriminalität und Verwahrlosung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, eine ständige Vernetzung und enge Zusammenarbeit aller zuständigen Behörden (Schulen, Sozialarbeiter, Jugendämter, Polizei und Justiz). Dabei geht Opferschutz und Kinderschutz vor Datenschutz! Der Datenschutz darf nicht zum Täterschutz verkommen. Bei Gewaltexzessen muss die Polizei alle Tatverdächtigen einem Drogentest unterziehen. Schluss mit der Kuschelpädagogik! Besonders schwierige und gefährdete Kinder und Jugendliche kommen in ein geschlossenes Internat, wie es die Jugendrichterin Kirsten Heisig vorschlug. Sie sagte, die geschlossenen "Einrichtungen, die bislang in Berlin nicht existieren, dürfen nicht mehr tabuisiert werden. Immer wieder beteiligen sich auch Kinder an der Begehung schwerster Straftaten. Man kann sie dann oft nicht mehr mit ambulanten Maßnahmen erreichen" (Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter; CD 3, Track 8). Die Unterbringung in normalen Kinderheimen ist nur sinnvoll, wenn die Kinder nicht abhauen und dann ohne weitere Konsequenz als vermisst gemeldet werden.

Vor allem jugendliche Straftäter müssen zeitnah abgeurteilt und angemessen bestraft werden, auch damit die abschreckende Wirkung nicht verfehlt wird. Hierzu wird das von Kirsten Heisig ins Leben gerufene Neuköllner Modell in ganz Deutschland übernommen. Es handelt sich dabei um beschleunigte Verfahren bei unstreitigen und weniger schwerwiegenden Delikten von Jugendlichen, so dass es bereits nach drei bis sechs Wochen zu einer Gerichtsverhandlung kommt (siehe Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld). Erzieherische Maßnahmen der Jugendhilfe wie Segeltörns für Straffällige werden soweit zusammengestrichen, dass nicht länger Fehlanreize gesetzt sind Straftaten zu begehen! Kriminalität darf nicht belohnt, sie muss bestraft werden! Die Jugendrichter müssen das geltende Recht konsequent anwenden. Beispielsweise sollen sie Bußgelder bei ALG-2-Empfängern nicht automatisch aussetzen, nur weil dort angeblich nichts zu holen ist.

Intensivtäter mit Migrationshintergrund werden nach Verbüßung ihrer Strafe in ihr Herkunftsland abgeschoben. Der Staat muss durchgreifen und konsequent handeln, wie es in vielen westlichen Demokratien üblich ist, auch um den Rechtsradikalen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Auch Delikte wie Laden- oder Taschendiebstahl müssen wieder strenger geahndet werden. Wiederholungstäter gehören ins Gefängnis! Alternativ könnte man sie ausweisen oder ihnen staatliche Gelder streichen. In Nordrhein-Westfalen stieg 2011 die Zahl der Taschendiebstähle um 29 Prozent an - auf 52000 Fälle! (Westfälische Nachrichten vom 12.03.2012). Die Zahl der Einbrüche ist um 12,5 Prozent gestiegen, nur 13,6 Prozent konnten aufgeklärt werden (rp-online.de am 13.03.2012). Immer mehr Bürger lassen sich und ihr Hab und Gut von privaten Sicherheitsdiensten schützen. Dies geht aus einem Beitrag des Deutschlandfunks vom 13.03.12 hervor (Deutschland heute: Bürger fordern mehr Polizeipräsenz im Eifelkreis Euskirchen). Der Staat kümmert sich heutzutage um jeden Scheiß, versagt aber zunehmend bei seinen Kernaufgaben, z.B. bei der inneren Sicherheit!

Das RTL-Fernsehen sendete am 9. Juli 2011 um ca. 0:30 Uhr eine Reportage über professionelle Taschendiebe z.B. an Bahnsteigen und in Ladengeschäften. Zwar gelingt es der Polizei mitunter, die Täter zu schnappen. Kurz darauf werden sie aber regelmäßig wieder freigelassen. Begründung: Der Täter hat einen festen Wohnsitz, und bei der Entwendung eines Geldbeutels, in dem 100 bis 200 Euro stecken, handele es sich um ein Bagatelldelikt! Bald darauf machen sich die Langfinger, meist Migranten, erneut ans Werk. Wie es hieß, haben manche Taschendiebe 100 bis 140 Anzeigen an der Backe, ohne dass sie nennenswerte Sanktionen zu befürchten hätten. Auf der anderen Seite wird unbescholtenen Bürgern Knast nicht nur angedroht, wenn sie zum Beispiel die GEZ-Gebühren nicht bezahlen, oder ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen. Beugehaft nennt man das. Laut Henryk M. Broder zählt man allein in Berlin jährlich 12.000 bis 15.000 Taschendiebstähle. Der Entertainer unter den Publizisten weiß das so genau, weil ihm selbst einmal die Tasche mitsamt seinem Bargeld, seinen Kreditkarten und Papieren gestohlen wurden: Vor laufender Überwachungskamera. Hier sein Bericht in Form eines Videos: Aktenzeichen H.M.B. ungelöst.

Eltern, die ihre Kinder fortgesetzt vernachlässigen bzw. nicht in die Schule schicken, sollte das Kindergeld gekürzt oder ganz gestrichen werden. Kirsten Heisig sagt dazu: "Wenn die Menschen staatlich alimentiert werden, darf die Gemeinschaft erwarten, dass die Kinder wenigstens in die Schule geschickt werden, damit sie einen anderen Weg einschlagen und in ihrem späteren Leben auf eigenen Beinen stehen können" (CD 3, Track 8).

Wir brauchen mehr männliches Lehrpersonal in den Schulen (mehr Lehrer), denn vor allem die Jungs benötigen positive Vorbilder in ihrem täglichen Leben, mit denen sie sich identifizieren können. Die wenigen Lehrer, die es an den Schulen gibt, sind für manche Kinder unter Umständen die einzigen Beispiele von Männern, die sich durchsetzen können, ohne zu autoritär oder gar gewalttätig aufzutreten. Von den hauptamtlichen Lehrkräften an den allgemeinbildenden Schulen in Deutschland sind derzeit mehr als zwei Drittel Frauen (siehe: Lehrerinnen überholen Lehrer jetzt auch am Gymnasium).

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Schluss mit der Einwanderung in die Sozialsysteme (nur Hochqualifizierte)

Wir brauchen ein neues Zuwanderungsgesetz mit Punktesystem wie zum Beispiel in Neuseeland oder Australien. Dass Kanada mitnichten ein Vorbild sein kann, sondern ebenfalls von schlecht bis gar nicht qualifizierten Newcomern überrollt wird, darauf hat am 27. Juni 2014 Ricardo Duchesne in einem Aufsatz hingewiesen (Junge Freiheit Nr. 27/14: Multikulturalismus am Beispiel Kanadas: Die Vergötzung des Fremden). Abgesehen von politisch oder religiös Verfolgten sollten nach Deutschland im Wesentlichen nur noch Hochqualifizierte wie z.B. Ingenieure einwandern können, die unserem Land und unserer Gesellschaft unter dem Strich einen Nutzen bringen. Beenden wir die Einwanderung in die sozialen Sicherungssysteme! (siehe Welt-Kommentar vom 12.10.10: Schluss mit der verlogenen Einwanderungspolitik). Wir dürfen die deutsche Staatsbürgerschaft nicht länger zum Schleuderpreis vergeben. Ich bin kein Patriot und schon gar kein Nationalist. Ich sage das, weil ich es satt habe, dass mir bei dem Gedanken an mein Land mittlerweile überwiegend Gefühle der Verachtung hochkommen.

Die Türkei soll nicht Mitglied der Europäischen Union werden. Es soll auch keine Zuwanderung im Rahmen eines Familiennachzugs oder Imports von Ehepartnern mehr geben, solange dieser nicht im Eigeninteresse Deutschlands liegt. Die Leistungsbereitschaft insbesondere von gering qualifizierten Einwanderern (und Einheimischen) verkümmert im Sozialstaat, schreibt Thilo Sarrazin: "Als sie zu uns kamen, waren sie großenteils ungebildet und unwissend, aber möglicherweise leistungsbereit. Indem der deutsche Sozialstaat ihnen mehr Unterstützung zukommen lässt, als sie durch Arbeit jemals verdienen könnten, werden sie systematisch, wenn auch ohne Absicht, korrumpiert" (Deutschland schafft sich ab; Seite 324).

Für Einwanderer soll die von Hans-Werner Sinn in seinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" vorgeschlagene verzögerte Integration in das Sozialsystem Deutschlands eingeführt werden (S. 508 ff). Dabei werden auch für sozialversicherungspflichtig Erwerbstätige die steuerfinanzierten sozialen Leistungen wie z.B. das Wohngeld, das Arbeitslosengeld II, die Sozialhilfe, das Kindergeld und die Zuteilung von Sozialwohnungen für eine Übergangszeit von fünf bis zehn Jahren stark eingeschränkt, damit der Staat nicht faktisch Zuwanderungsprämien bezahlt. Für Einwanderer, die nicht erwerbstätig sind, gilt das Heimatlandprinzip. Wer hilfsbedürftig ist, kann sich nicht an das Gastland sondern nur an sein Herkunftsland wenden. Großbritannien und Irland haben seine solche verzögerte Integration von Einwanderern in den Sozialstaat bereits eingeführt (siehe Hans-Werner Sinn in der Wirtschaftswoche vom 02.03.2013: Keine Sozialhilfe mehr für arbeitslose EU-Zuwanderer).

Und wie ist es mit der bundesrepublikanischen Realität bestellt? Rumänische Scheinselbstständige haben Anspruch auf Kindergeld und Hartz-IV und wandern in großer Zahl ein. Das geht aus einem Beitrag in RTL SpiegelTV vom 11.09.11 hervor. Die Reportage beginnt mit folgenden Worten: "So sieht sie aus, die neueste Boomregion in der Hauptstadt. In den Häuserblocks an der Harzer Straße Ecke Treptower in Berlin Neukölln sind über 90 Selbstständige beim zuständigen Gewerbeamt registriert. Die meisten von ihnen sind Roma, die sich selbst Zigan (Zigeuner) nennen. Mit einer Liste der Gewerbeauskunft suchen wir nach den Gründen für den Aufschwung mitten im Problem-Kiez". Offenbar reicht es für Einwanderer aus, ein Gewerbe anzumelden und nach einem Monat dem Arbeitsamt mitzuteilen, dass der zu erzielende Verdienst nicht ausreicht. Dann hat die gesamte Familie Anspruch auf Sozialhilfe! Laut Statistik haben deswegen in Berlin Abbruchunternehmen plötzlich Hochkonjunktur. Auch viele eingewanderte Taxiunternehmer verfolgen vorrangig das Ziel, den Status der Hilfsbedürftigkeit zu erlangen, um auf diese Weise sich und die Angehörigen komplett vom Staat versorgen zu lassen (siehe Grafik in Facebook). Wahrlich eine Gründungswelle der ganz besonderen Art! Unter der Überschrift 'Gefahr für den sozialen Frieden' schrieb die Frankfurter Allgemeine am 19.02.13: "Die Zahl der Armutseinwanderer aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland hat sich von 64000 im Jahr 2007 auf 147000 im Jahr 2011 mehr als verdoppelt".

Seit Jahren bekannt aber gerne verdrängt ist die Tatsache, dass unsere Laissez-Faire-Zuwanderungspolitik einen prima Nährboden für Mafia-Organisationen bildet, die mit Menschenhandel Millionen verdienen. Schlepperbanden verlangen von Armutsflüchtlingen so hohe Beträge, dass die Asylanten sie oft erst nachträglich, am Ziel angekommen, mit der Sozialhilfe oder mit Schwarzarbeit abbezahlen können. Im Sinai werden Wirtschaftsflüchtlinge von kriminellen Beduinen gekidnappt, erpresst und als unfreiwillige Organspender ausgeschlachtet. Kirsten Heisig kritisierte, dass unser Gutmenschen-Staat libanesische Großfamilien duldet und durchfüttert, die ihre eigenen sowie importierte Kinder als Drogendealer einsetzen (siehe www.neoliberal-egal.de/#Clans). Nun geht aus einem Artikel der FAZ vom 24.02.13 hervor, dass solche Clans auch von Bulgarien und Rumänien aus in Deutschland operieren. Yvonne Staat schreibt über Roma, die von reichen Clanchefs ganz bewusst in Unwissenheit, Abhängigkeit und lebenslanger Hörigkeit gehalten werden. Dabei hat die sentimentale Einwanderungspolitik der europäischen Länder die Mafiosi auf eine Geschäftsidee der besonderen Art gebracht: Sie nehmen den Clanmitgliedern die Kinder weg und schicken sie so lange und so oft wie möglich nach Österreich oder Deutschland, wo sie immer wieder in anderen Städten Zeitungen verkaufen, stehlen, betteln oder anschaffen müssen.

Begleitet, betreut und überwacht werden die jungen Zigeuner jeweils von einem weiblichen Clanmitglied. Zitat: "Die Aufpasserin lässt ihre Gruppe nie aus den Augen. Tagsüber sitzt sie in einem Café oder auf einer Parkbank, während die Kinder in der Nähe betteln oder stehlen. Wird eines der Kinder von der Polizei aufgegriffen, erscheint Minuten später die Aufpasserin mit einer notariell beglaubigten Urkunde, die sie als rechtmäßige Aufsichtsperson ausweist. 'Sie zieht eine Riesenshow ab', sagt Ceipek. 'Sie weint und entschuldigt sich hundert Mal für das böse Kind. Irgendwann lassen die Polizisten das Kind wieder laufen.' Abends kassiert die Aufpasserin von den Kindern das Geld, nachts schläft sie neben ihnen auf einer Matratze. Am Ende des Monats übergibt die Aufpasserin das Geld an die Mittelsmänner (...) Bevor die drei Monate um sind, die man als Fremder ohne Anmeldung in Österreich oder Deutschland verbringen darf, fährt die Aufpasserin mit ihrer Gruppe zurück ins Dorf. Die Kinder besuchen für ein paar Tage ihre Eltern. Dann müssen sie wieder in den Westen, meist in eine andere Stadt, zusammen mit anderen Kindern und einer anderen Aufpasserin". Das 'Elend als Geschäftsmodell' (so der Titel des FAZ-Beitrags) machte Schule, nachdem Bulgarien und Rumänien 2007 in die EU aufgenommen wurden. Und wenn vom 1. Januar 2014 an für die beiden Länder die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, wird es umso interessanter.

Der libertäre Soziologe Erich Weede schrieb am 8. Juni 2015 in einem Beitrag für die 'Junge Freiheit', eine Nation habe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Einwanderung zu kontrollieren. Um eine Gesellschaft im Gleichgewicht zu halten, sei ein gewisses Maß an ethnischer, religiöser und kultureller Homogenität notwendig. Er schreibt: "Warum ist Massenzuwanderung problematisch? Das ist so, weil soziale Normen und der kodifizierte Teil der Normen (das Recht) am besten funktionieren, wenn die meisten Menschen Normen und Recht freiwillig einhalten. Das tun sie am ehesten, wenn Normen den eigenen Traditionen und kulturellen Selbstverständlichkeiten entsprechen. Bei Zuwanderern aus wirklich fremden Kulturkreisen ist es unwahrscheinlich, daß sie dieselben Normen wie die Einheimischen für selbstverständlich oder vernünftig halten". Dabei weist Weede den im Raum stehenden Vorwurf des Rassismus oder Nationalismus von sich: "Ethnische, religiöse oder kulturelle Heterogenität schafft Probleme. Diese Aussage enthält keine Bewertung und damit auch keine Überbewertung der eigenen Kultur und keine Abwertung fremder Zivilisationen". Wer Multikulti ablehne, plädiere aber für eine freie Gesellschaft mit wenig staatlichem Zwang.

Die Vertreter der Gutmenschen-Religion hingegen treibt die Schuld um, die die europäischen Staaten als Kolonialmächte auf sich geladen haben. In Deutschland geht es vor allem um die Ermordung von Millionen Juden und die anderen schlimmen Folgen von zwölf Jahren Hitler-Diktatur 1933 bis 1945. Zu den Priestern dieses eher im Unterbewusstsein verankerten Kultes gehörten linke und grüne Politiker, Journalisten und Verbandsfunktionäre. Sie reden von Kollektivschuld und stellen uns Nachgeborene als Sünder hin. Sie sagen durch die Blume, dass nur erlöst werden kann, wer sich zum Gutmenschentum bekennt - einschließlich der gerade im Trend liegenden Willkommenskultur. Motto: Deutschland, du mieses Stück Scheiße (Originalton Antifa), du leistest der Welt den entscheidenden Liebesdienst und machst dich vom Acker! O ihr Völker der Welt, werft ein Auge auf dieses demütigste aller demütigen Länder! Im Dritten Reich noch als Volk ohne Raum bezeichnet, wird es jetzt zum Raum ohne Volk! Wir können Erlösung finden, wenn wir uns selbst auflösen. Wir können Vergebung erlangen, wenn wir uns selbst aufgeben. Aus dem deutschen Volk wird eine Bevölkerung aus friedliebenden Muslimen, mit attraktiven, aber unnahbaren Kopftuchmädchen und rassigen Burschen voller Tatendrang. Ist es nicht schön? Diejenigen unter ihnen mit Vollbärten und erhobenem Zeigefinger, müssen uns zwar leider demnächst den Hals abschneiden. Das hat aber erstens nix mit Islam zu tun (ich schwör!) und zweitens müssen wir das in Kauf nehmen! Was tut man nicht alles in der offenen, bunten und toleranten Gesellschaft, um sich seiner Sünden entledigen zu können. Und macht diese Aussicht das Leben nicht auch kostbar und aufregend? Nie hätte ich zu hoffen gewagt, dass ich so etwas einmal erleben darf! Hare Rama, Hare Krishna! Hosianna! Allahu Akbar!

Zu den leidenschaftlichsten Verteidigern einer ungeregelten Einwanderung gehören Frauen, vor allem junge, gutaussehende, wenn sie noch keine schlimmen Erfahrungen mit chauvinistischem Verhalten von muslimischen Männern gemacht haben. Woran liegt das? Weil das weibliche Geschlecht anfälliger für den sozialstaatlichen Moralismus ist? Bestimmt. Es liegt aber auch an dem Zauber der Ferne, an der romantischen Suche nach dem Paradies auf Erden, das für Manche sogar Wirklichkeit zu werden scheint: Schönen Frauen aus der Mittel- und Oberschicht steht die ganze Welt offen, ja es öffnet sich auf allen Kontinenten fast jede Tür für sie. Ein Privileg, das sich Männer hart erarbeiten müssen, weswegen die in den oberen Etagen größtenteils schon in die Jahre gekommen sind. Es ist nachzuvollziehen, dass sich attraktive Überfliegerinnen im Zeitalter der Globalisierung bei der Partnerwahl nicht auf Männer aus dem eigenen Kulturkreis beschränken wollen und deswegen Multikulti super finden. Der zukünftige Ehemann könnte ja auch ein amerikanischer Medienmogul, ein chinesischer Banker oder ein türkischer Bauunternehmer sein! Ist das Leben nicht ein Märchen aus 1001 Nacht?

Wir dürfen unsere Politik jedoch nicht am Lebensgefühl von makellosen Frauen und finanzstarken Männern ausrichten, die den Globus wie mit fliegenden Teppichen bereisen. Die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland ist im ersten Halbjahr 2012 um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, meldete die Welt vom 15.11.12. Bereits 2011 war die Einwanderung mit einem Plus von rund 20 Prozent im Vergleich zu 2010 deutlich angestiegen. Welches Interesse hat denn der 'Mann auf der Straße' an immer noch mehr Migranten aus europäischen und außereuropäischen Staaten? Keines. Im Gegenteil: Schlecht oder am Bedarf vorbei ausgebildete einheimische Männer werden durch die ungeregelte Einwanderung unter zusätzlichen Konkurrenzdruck gestellt. Dass auch hübsche Frauen einwandern, ist für sie kein allzu großer Trost. Denn diese wollen ja eine Familie gründen und versorgt werden, was aber gerade durch die Masseneinwanderung von Minderqualifizierten für Angehörige der Arbeiterschicht immer schwieriger wird. Zudem sind viele Frauen aus fernen Ländern für mitteleuropäische Männer tabu, vor allem Musliminnen.

Den hiesigen Frauen, die sich trauen, kommt die Zuwanderung allerdings gelegen, denn sie erhöht die Zahl der möglichen Partner bzw. Versorger. Das mit der fortschreitenden Emanzipation ist ja graue Theorie, wenn nicht sogar verschleiernde Propaganda. Die ökonomische Basis der Geschlechterbeziehungen ist wie eh und je das Einkommen des Mannes. Wenn Hochqualifizierte zuwandern und in der Industrie Beschäftigung finden, dann belebt das die Wirtschaft und schafft neue Arbeitsplätze. Dass aber fortgesetzt potenzielle Sozialhilfeempfänger nach Europa bzw. nach Deutschland ziehen, erhöht den Konkurrenzkampf für Ungelernte, gering Qualifizierte und Quereinsteiger, so dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen immer höher steigt! Das ist einer der Sprengsätze unserer Gesellschaft.

Ich bin in den 60er- und 70-er Jahren in Pforzheim aufgewachsen, einer kleinen Großstadt, die mittlerweile zu Recht als Ausländerstadt gilt. Seit 1997 lebe ich 25 Kilometer weiter nordwestlich in Karlsruhe. Die ehemalige Hauptstadt Badens zieht Ingenieure aus ganz Deutschland an, weswegen sie den Niedergang nur ein paar Jahre zeitversetzt erlebt. Mein Bundesland Baden-Württemberg ist das Flächenland mit dem größten Migrantenanteil Deutschlands: 26 Prozent (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg).

Am 10. August 2013 war ich mit meinen Kindern und meiner Mutter im Erlebnispark Tripsdrill. Es war nett, doch beim Selbstversuch mit der Holzachterbahn 'Mammut' bin ich schier gestorben. Die Kinder aber fanden's 'geil', mein Sohn ist gleich noch einmal gefahren - alleine. Im Publikum stark vertreten waren die Arbeitsplatzbesitzer aus der Unterschicht, zu erkennen an den dicken Autos und den dicken Frauen. Viele haben wahrscheinlich einen Jahres-Pass und sind öfter hier. Den nachhaltigsten Eindruck hat auf mich der große Anteil an Kopftuchträgerinnen gemacht, bei schönstem Sommerwetter! Anders als früher sind sie heute oft jung und schlank. Sie stellten schätzungsweise zehn Prozent der Besucher, denn in Baden-Württemberg haben sich die Kopftücher innerhalb von ein oder zwei Jahren explosionsartig vermehrt.

Tags darauf (wie öfter in den Tagen zuvor) von 22 bis 22:35 Uhr fröhliches Palaver zwischen acht dunkelhäutigen jungen Männern vor dem fünfstöckigen Haus, in dem ich wohne. Nationalität und Sprache: unbekannt. Einer beobachtet mich beim Hinunterschauen durch das geschlossene Fenster und zeigt mir den Stinkefinger. Das hab ich jetzt verstanden. Irgendwann steigen die meisten in einen Mittelklassewagen und brausen davon.

Zuweilen gerate ich ob meiner Beobachtungen ins Grübeln. In Karlsruhe sieht man neben den vielen Rentnern und Pensionären mehr und mehr Ausländer und Ausländerinnen: Türken, Polen, Serben, Kroaten, Russen, Spanier, Griechen, Pakistaner. Sie scheinen schon fast ein Drittel der Bevölkerung auszumachen. Ich scheue mich nicht mehr, von Überfremdung zu reden, denn überall wird in fremden Sprachen gesprochen. Was wollen die hier? Von was leben sie? Für Arbeitslose (mit oder ohne Migrationshintergrund) wird es indessen zusehends schwerer in Lohn und Brot zu kommen, unter anderem weil viele Stellen mittlerweile von Ausländern besetzt sind. Auf dem sogenannten 'Arbeitsmarkt' müssen immer mehr Einheimische draußen bleiben, selbst wenn sie besser geeignet und qualifiziert sind, denn auch ausländische Arbeitskräfte genießen Kündigungsschutz.

Am 28. Juli 2012 war ich beim Einkaufen im Discounter: 30 Prozent Alte und 40 Prozent Sozialromantiker. Davon manche mit Tattoos, viele adipös, nicht wenige sowohl dick als auch tätowiert und obendrein gepierct. Einer hatte Dreadlocks bis zum Hintern und ein Skateboard unterm Arm. Vor allem aber: 20 Prozent Ausländer, die man sofort als solche erkennt. Zum Beispiel zwei verunsicherte Schwarzafrikaner und eine türkische Mutter, deren Kopftuch noch das Attraktivste war. Mit ihren beiden vollschlanken Söhnen kommunizierte sie natürlich in ihrer Landesprache, ganz nach dem Wahlspruch von Ministerpräsident Erdogan: Integration ja, Assimilation nein. Nicht zu vergessen ein Bärtiger mit einem Jackett über dem weißen Kaftan und der weißen Schlabberhose. Was suchen die bei uns? Mir fällt dazu nur ein: Keine weitere Einwanderung in die Sozialsysteme! Am besten Hartz IV und die familienpolitischen Leistungen abschaffen (mit Ausnahme der Kinderfreibeträge). Für alle. Der Wohlfahrtsstaat ist nicht zuletzt der hauptsächliche Verursacher der überproportionalen und rasch zunehmenden Ausländergewalt.

Das heißt aber nicht, dass der Einzelne aus der Selbstverantwortung und aus der Verantwortung für die Erziehung seiner Kinder entlassen ist. Die Südweststadt Karlsruhes, wo ich wohne, scheint mit den vielen aufwändig renovierten Bürgerhäusern auf den ersten Blick noch eine heile Welt zu sein. Aber auch hier schleichen immer mehr eigenartige Gestalten herum. Der Blick aus meinem Fenster fällt zuerst auf Blocks, in denen fast nur Rentner wohnen. Um die Ecke ein fünfstöckiges Wohnhaus, wo vermutlich ausschließlich Einwanderer leben. In meinem Wohnhaus werden es ebenfalls mit jedem Umzug mehr.

Bis 2007 hatte sich die Bundesrepublik ihre verfehlte Einwanderungspolitik unter dem Strich bereits 1000 Milliarden Euro kosten lassen! Darauf hat am 25. Juni 2010 Gunnar Heinsohn in einem FAZ-Beitrag hingewiesen: "Eine Billion Euro Sonderschulden aber hatte Deutschland bereits 2007 für Migranten, die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können. Auf jeden der 25 Millionen vollerwerbstätigen Nettosteuerzahler fallen allein für diese historisch einmalige Aufgabe 40.000 Euro Schulden". Im Fernsehen hat der Soziologe diese Zahl ebenfalls genannt und sich dabei auf den Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen berufen (Das Philosophische Quartett vom 17.10.2010). Vor allem die weitgehend integrationsunwilligen muslimischen Türken und Araber, welche die große Mehrheit der Einwanderer ausmachen, helfen uns also mitnichten, die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren. Im Gegenteil: Die ungebremste Einwanderung im Wege des Familiennachzugs und der Importbräute bzw. Importpartner hat maßgeblich zur Staatsverschuldung beigetragen (Gastarbeiter wurden bereits seit 1973 nicht mehr angeworben). Eine Billion € Migrationskosten, das ist mehr als die Hälfte der offiziell ausgewiesenen Staatsverschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden. Die ungeregelte Einwanderung vor allem von Muslimen zeugt von der kaum zu überbietenden Blauäugigkeit der deutschen und europäischen Zuwanderungspolitik. Man kann hier beinahe von einer neuen Form des Kolonialismus sprechen. Entwickeln sich die Länder der Europäischen Union zu einer Kolonie der Türkei und der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga?

In Facebook hat jemand am 5. Dezember 2012 diesen Widersinn deutlich formuliert: "Sozialschmarotzer kommen gern zu uns, weil unser Staat sehr großzügig auch Unproduktive alimentiert, selbst wenn sie unser Wertegerüst komplett ablehnen. Produktive wandern nicht gern nach Deutschland ein, weil die Sozialleistungen auch finanziert werden müssen, und zwar - ratet mal - von den Produktiven. Die hohe Abgabenquote schreckt Leistungsträger ab, übrigens auch Deutsche. Folglich machen die einen Bogen um Deutschland. Fazit: Zu uns kommen weniger Menschen, die uns nützen, als Menschen die uns ausnützen".

Es geht nicht in erster Linie um Deutschland. Thilo Sarrazins Buch hätte besser so betitelt werden sollen: Europa schafft sich ab – wie wir die Errungenschaften der christlichen Ethik, des Humanismus und der Aufklärung aufs Spiel setzen. Es geht um Wirtschaft und Gesellschaft Mitteleuropas oder ganz Europas, nein um die ganze abendländische Kultur. Es geht darum, dass auch unsere Kinder die Chance auf ein Leben in Freiheit haben sollen. Mit Friedrich Nietzsche distanziere ich mich von Nationalismus und allzu seligem Patriotismus. Der Außenseiter unter den Philosophen verachtete Deutschland sogar, vor allem den deutschen Moralismus und Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel, Schleiermacher, Kant, Leibniz), den er als scheinheilig, als verlogen empfand. Nietzsche bedauerte den Nationalismus und die Kleinstaaterei Europas, sein Zarathustra warnt auf Seite 211 vor völkischem Gesindel: "Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müsst stolz auf euren Feind sein, also lehrte ich schon einmal. Dem würdigeren Feinde, o meine Freunde, sollt ihr euch aufsparen. Darum müsst ihr an vielem vorübergehn - sonderlich an vielem Gesindel, das euch in die Ohren lärmt von Volk und Völkern. Haltet euer Auge rein von ihrem Für und Wider! Da gibt es viel Recht, viel Unrecht: wer da zusieht, wird zornig. Dreinschaun, dreinhaun - das ist da eins. Darum geht weg in die Wälder und legt euer Schwert schlafen! Geht eure Wege! Und lasst Volk und Völker die ihren gehn! Dunkle Wege wahrlich, auf denen auch nicht eine Hoffnung mehr wetterleuchtet!" (Friedrich Nietzsche 1885: Also sprach Zarathustra). Die eigenen Landsleute und die Europäer vor dekadenter Geburten- und Zukunftsverweigerung sowie vor den imperialistischen Tendenzen islamischer Gesellschaften zu warnen, kann indes wohl kaum als Deutschtümelei abqualifiziert werden.

Dass linke Propagandisten Thilo Sarrazin und seine Anhänger als rechts abstempeln, ist ein Reflex, an den wir uns alle gewöhnt haben. Doch in Facebook habe ich gelernt, dass auch viele Liberale sich der Probleme, die Sarrazin behandelt, mit diesem Kunstgriff flugs entledigen. Einfach jeden in die rechte Ecke stellen, der sie thematisiert - so einfach funktioniert der Verdrängungsmechanismus. Motto: "Der da hat Sarrazins Buch im Regal, also ist er wahrscheinlich ein Nazi". Und schon ist die Welt wieder in Ordnung! Es gibt ja schließlich noch andere Themen als der demografische Verfall Europas, die Bedrohung von Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit und Menschenrechten vonseiten der Anhänger des Korans, die Ausbeutung der Steuerzahler durch immer noch weitere Transferleistungen, die fortschreitende Überfremdung mit den unteren Schichten teilweise völlig fremder Gesellschaften und die Gefahr für den sozialen Frieden, die davon ausgeht.

Eine solche Einstellung halte ich für ignorant und extrem gefährlich. Heute wird man schon als Nazi hingestellt, wenn man verhindern will, dass unsere Kinder und potenziellen Enkel (wenn sie groß sind) nicht nur die Sozialtransfers nach Ostdeutschland, die Sozialhilfe für die Migranten, sondern auch das 13. und 14. Monatsgehalt der heutigen Pensionäre in Griechenland, Portugal oder Spanien erwirtschaften sollen. Die deutschen Steuerzahler und die anderen Zahlauguste in Europa werden sich Denkverbote nicht mehr lange gefallen lassen! Wenn man fortfährt, diese Fragen mit der Nazikeule zu beantworten oder mittels Totschweigen unter dem Deckel zu halten, wird der Kessel explodieren. Und dann droht nicht nur ein Bürgerkrieg, dann gibt es nach über sechs Jahrzehnten erstmals wirklich wieder eine Gefahr von rechts! Oder es droht linker Totalitarismus, was aufs Gleiche herauskommt.

Anfang Oktober 2009 wurde Sarrazin von dem Schriftsteller Ralph Giordano verteidigt: "Sarrazin hat mit dem, was er gesagt hat, vollkommen recht. Ich wiederhole es, er hat mit dem, was er gesagt hat, vollkommen recht". Giordano forderte im Nachrichtensender N24 von den Muslimen verstärkte Bemühungen zur Integration: "Migranten haben nicht nur Probleme. Sie machen auch Probleme. … Die Minderheit muss sich auch Gedanken darüber machen, welches Problem sie für die nichtmuslimische Mehrheit darstellt" (Focus vom 06.10.09). Selbst SPD-Abgeordnete aus dem Ruhrgebiet sorgten sich im Januar 2012 über den unkontrollierten Zuzug von Zigeunern aus Rumänien und Bulgarien. Der Bund müsse Gelder für die Integration bereitstellen, "um mögliche Folgen wie in Rede stehende Bürgerwehren zu verhindern oder rechten Tendenzen dort erst gar keinen Raum zu geben". SPD-Politiker Johannes Pflug forderte außerdem, gegen Rechtsverstöße vorzugehen: "Wenn in einer Wohnung zwölf Matratzen vermietet werden, ist das Mietwucher. Es gibt Prostitution und einen Arbeitnehmer-Strich" (Der Westen (WAZ) vom 11.01.2012 und vom 19.01.2012).

Migranten, die fortgesetzt darauf hinwirken, die Regeln ihrer Kultur (wie zum Beispiel die Scharia, das islamische Recht) oder Teile davon in Deutschland einzuführen, und sie Menschen aufzwingen wollen, müssen wir entschlossen entgegentreten. Ausländer, die mit solchen Bestrebungen massiv gegen deutsches Recht oder die Menschenrechte verstoßen, werden ausgewiesen. Haben sie mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft, dann wird sie ihnen zuvor wieder aberkannt. Ausländische Staatsangehörige, die Beschneidungen von Mädchen oder Zwangsverheiratungen vornehmen oder Schandtaten wie z.B. "Ehrenmorde" begehen, werden nach Verbüßung ihrer Strafe ebenfalls des Landes verwiesen.

Davon, dass in Deutschland bereits entsprechende Tendenzen zu beobachten sind, handelt ein Hintergrundbericht des Deutschlandfunks vom 24.01.11. Henryk M. Broder berichtet, eine islamische Organisation in Dänemark hat die Einführung der Scharia (des islamischen Rechts) in von Muslimen bewohnten Gebieten gefordert (Welt vom 30.10.2011). In Großbritannien gibt es laut Islamkritiker Udo Ulfkotte schon zwölf vom britischen Staat anerkannte Scharia-Gerichtshöfe (SOS Abendland– Die schleichende Islamisierung Europas; Track 6). Der Erzbischof von Canterbury, das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England, hatte 2008 gefordert, die englische Justiz für die Scharia zu öffnen, um Spannungen mit den Muslimen abzubauen (Daily Mail vom 15.07.2008).

Beenden wir die Islamkonferenzen in Deutschland! Es gibt mit dem Islam nichts zu verhandeln, genauso wenig wie mit anderen Religionen. Wer sich als Moslem oder als Anhänger eines anderen Glaubens nicht in unsere pluralistische Gesellschaft einfinden kann und will, soll wieder zurück in sein Herkunftsland.

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Für den Austritt Deutschlands aus der Eurozone

Ein Bild von Rüdiger Hussy: Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden (aus Herr der Ringe 1)Im Europa dieser Tage können wir beobachten, was es bedeutet, wenn man an den Staat glaubt und die Selbstheilungskräfte des Marktes verwirft: Es wird so kompliziert, dass nicht einmal die Entscheider mehr durchblicken. Je mehr man sich auf Zentralbankebene und im Bankensystem vom Pfad der freien Marktwirtschaft entfernt, desto undurchschaubarer werden die Strukturen, was die Kontrolle durch die Medien als die vierte Gewalt enorm erschwert. Auf diese Weise wird der Korruption Tür und Tor geöffnet! Thilo Sarrazin bringt es in seinem neuen Buch Europa braucht den Euro nicht auf folgenden Nenner: "Das Problem ist der Egoismus und die Korruption praktisch der gesamten politischen Klasse und der Missbrauch aller Staatsverwaltungen als Stätten der Selbstbedienung und Bereicherung. Richtig wäre es, damit aufzuhören, weiteres Geld nach Griechenland zu schicken" (Focus vom 19.05.2012). Gegen diesen Euro-Rettungswahnsinn müssen wir was tun! Get up, stand up, stand up for your right. Don't give up the fight! (Bob Marley)

Zunächst aber müssen wir der weit verbreiteten Illusion begegnen, wonach Deutschland oder die anderen Nordländer vom Euro profitiert haben. In Wirklichkeit profitierten nur die Südländer nach der Einführung der gemeinsamen Währung für einige Jahre von der geliehenen Bonität, also den niedrigen Zinsen. Die Investitionen, die das billige Geld z.B. in Spanien, Portugal, Griechenland ermöglicht hat, entpuppten sich aber als Blase, welche in der Finanzkrise um 2008 geplatzt ist. Sarrazin belegt die bittere Wahrheit unter anderem mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt von 1998 bis 2011. Er schreibt auf Seite 108: "Ein sich im Wirtschaftswachstum niederschlagender Vorteil der nördlichen Euro-Mitglieder aus der Währungsunion ist nicht erkennbar, denn ihre Volkswirtschaften wuchsen im Vergleichszeitraum auch nicht stärker als die der Nicht-Mitglieder Großbritannien oder Schweden. Wohl aber scheint sich die gemeinsame Währung für das Wirtschaftswachstum der südlichen Mitglieder zunehmend schädlich auszuwirken (…) Gemessen am kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf ist der Wohlstandsvorsprung im Euroraum im Vergleich zur gesamten EU leicht geschrumpft, von 13 % im Jahre 1999 bis 8 % im Jahre 2010".

Anhand der Import- und Exportentwicklung zeigt Sarrazin, dass die gemeinsame Währung nicht wie geplant zu einer größeren, sondern zu einer geringeren Verflechtung der Mitgliedsländer führte: "Am stärksten, um 154 %, wuchs der deutsche Export in den Rest der Welt, am zweitstärksten, um 116 %, der Export in die EU außerhalb des Euroraums und am langsamsten, um 89 %, wuchs der Export in den Euroraum. 1998 nahm der Euroraum noch 45 % aller deutschen Exporte auf, 2011 waren es nur noch 39 %. Noch dramatischer waren die Verschiebungen auf der Importseite: 1998 kamen 45% aller deutschen Importe aus dem Euroraum, 2011 waren es nur noch 37 %. Dagegen wuchs der Importanteil aus dem Rest der Welt von 38 % auf 44 %" (Seite 115 f). Nicht nur für die Geberländer, sondern gerade auch für die Nehmerländer wäre es daher besser, das Euro-Experiment zu beenden, meint Sarrazin: "Es ist zu vermuten, dass die Verflechtung der Südländer mit der deutschen Wirtschaft höher wäre, als sie tatsächlich ist, wenn die Südländer nicht die Möglichkeit verloren hätten, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Wechselkursanpassung bei Bedarf zu justieren. Jetzt können sie ihre relative Kostensituation gegenüber den Nordländern zügig nur durch einen deutlichen relativen Rückgang ihrer Arbeitskosten verbessern. Bei stabilen Preisen geht dies auf kurze Sicht nicht ohne maßgebliche absolute Lohnsenkung" (Seite 116 f).

Für Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat die Eurokrise nur eine Pause eingelegt, unter anderem auf Grund der Ankündigung der EZB vom 6. September 2012, notfalls unbegrenzt Staatspapiere von mit hohen Zinszahlungen belasteten Euro-Südländern aufzukaufen (siehe Artikel in Welt-Online vom 06.09.12). Dennoch stehe "eine Phase äußerst schwieriger Anpassungen für die Länder Südeuropas und Frankreichs bevor, die die Gesellschaftssysteme dieser Länder erheblich belasten, wenn nicht gar vor eine Zerreißprobe stellen werden", schrieb er in einem Gastbeitrag in der FAZ vom 28.01.2013. Sie müssten "längerfristig im Vergleich zum Durchschnitt der Eurozone um etwa 30 Prozent billiger werden, um wieder wettbewerbsfähig zu werden". Deutschland dagegen müsse eine um 20 Prozent höhere Inflation als im Durchschnitt der Euro-Länder in Kauf nehmen. Für Deutschlands Rentner und Steuerzahler gibt es laut Sinn "keinen Anlass, sich beruhigt zu fühlen, wenn die Kapitalmärkte mit ihrem Geld beruhigt wurden, ohne dass man sie gefragt hat. Deutschland wird zwar Arbeit haben, und die Wirtschaft wird sich gut entwickeln, doch steht mehr und mehr Vermögen der Deutschen auf dem Spiel und wird im Endeffekt auch verloren gehen".

Seit 15. April 2011 fordere ich den Austritt Deutschlands aus der Eurozone, wohl wissend, dass es womöglich das Ende der Währung Euro bedeuten wird. Um die Europäische Union (EU) zu retten, sollten wir den Euro kontrolliert abwickeln. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! Wahrscheinlich würde uns dieser Schritt unter dem Strich sogar schon mittelfristig wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Die jahrelange Hängepartie und die damit verbundene Ungewissheit wäre zu Ende. Deutschland wäre mit der D-Mark immer noch Nettozahler, was okay ist, weil wir als Exportnation von dem gemeinsamen Wirtschaftsraum auch mehr profitieren als andere. Aber wir würden die Zukunft unsere Kinder und Enkel nicht mehr ganz so leichtfertig aufs Spiel setzen, sie nicht zusätzlich zu Melkkühen für noch aberwitzigere Schuldenstaaten machen. Der Soziologe Ralf Dahrendorf sagte 1995 in einem Spiegel-Interview voraus: "Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet" (Spiegel vom 11.12.1995). Er hatte die Europäische Union als FDP-Bundestagsmitglied und als EU-Kommissar in Brüssel kennengelernt und sollte, realistischer Europa-Politiker, der er war, mit dieser Einschätzung Recht behalten.

Die Schweiz prosperiert, obschon sie noch nicht einmal Mitglied der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) ist. Allerdings haben die Eidgenossen durch die Währungsaufwertung seit einiger Zeit Probleme mit dem Export, da viele Anleger den Schweizer Franken als Fluchtwährung benutzen. Sarrazin legt jedoch dar, dass die Schweizer wie die Schweden und die Briten gut daran getan haben, ihre eigene Währung beizubehalten: "Als Beleg dafür, wie dankbar Deutschland für den Euro sein müsse, wird gerne das Beispiel der Schweiz angeführt, deren Wirtschaft angeblich so wahnsinnig darunter leidet, dass ihr stets aufwertungsverdächtiger Franken von den Spekulanten an den Devisenmärkten auf untragbare Höhen getrieben wird. … Wenn Deutschland also zu klein ist für die Welt, dann müsste die Schweiz es allemal sein. … 1999 war das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-BIP in der Schweiz um 21 % höher als in Deutschland, bis 2010 war der Unterschied auf 25 % angewachsen" (Europa braucht den Euro nicht; Seite 110 f).

Ein Austritt Deutschlands könnte aber auch eine neue Chance für den Euro und die Mitglieder des Euro-Raums sein. Das sehen jedenfalls zwei namhafte US-Ökonomen so, war in der Welt vom 1. Juni 2012 zu lesen. Deutschland habe seinen Reichtum auf Kosten der anderen Eurostaaten erwirtschaftet, die enormen Exporterfolge seien das Ergebnis eines für Deutschland klar unterbewerteten Euros, sagen Clyde Prestowitz, der Präsident des amerikanischen Economic Strategy Institute, und John Prout, der ehemalige Finanzchef der Crédit Commercial de France. Welt-Redakteur Günther Lachmann schreibt: "Und nun maße sich dieses Deutschland an, Europa die Bedingungen für eine wirtschaftliche Erholung zu diktieren. Es verordne den Südländern Europas eine strenge Sparpolitik. Sie würden gezwungen, 'deutscher' zu werden, in dem sie Sozialausgaben drastisch kürzten, Löhne senkten und steigende Arbeitslosenzahlen akzeptierten. All dies aber habe die Länder keinen Schritt weitergebracht. Stattdessen gefährde diese deutsche Austeritätspolitik sogar das politische und soziale Gefüge von einst prosperierenden Staaten wie den Niederlanden".

Jean-Claude Juncker, der Vorsitzender der Euro-Gruppe offenbarte vor der Einführung des Euro einmal die Denk- und Arbeitsweise der Europa-Politiker: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt" (Spiegel Nr. 52 vom 27. Dezember 1999, Seite 136). Doch die Bürger sind wacher als so mancher Politiker wahrhaben will. Und dass es hier oder in anderen Fragen kein Zurück mehr geben soll, ist das Ammenmärchen der sogenannten Progressiven, die sich unter dem Einfluss von Marx und Engels die Geschichte als zielgerichteten Prozess in Richtung Sozialismus vorstellen. In einer Demokratie steht aber zu jeder Zeit alles zur Disposition, mit Ausnahme der Menschenrechte. Wer was anderes behauptet, verrät vordemokratisches Denken, mit dem er wieder hinter die Aufklärung zurückfällt!

Der durch Verschuldung immer weiter aufgeblasene Staatsapparat Europas lädt praktisch dazu ein, Steuergelder zu veruntreuen. Und bestechliche Politiker gibt es nicht nur in Griechenland. Mitte Juli 2012 ersuchte die Regionalregierung von Valencia (spanische Mittelmeerküste) um Finanzhilfen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro, ohne die man Ende des Jahres pleite wäre. Die Welt-Redakteurin Stefanie Bolzen verfasste daraufhin einen Artikel über 'Geltungssucht und Korruption' der dortigen Provinzfürsten. Denn Valencia hatte allein seit der Einführung der gemeinsamen Währung 4,2 Milliarden Euro auf EU-Fördertöpfen bekommen. Sie zitiert einen Unternehmervertreter: "Alles ging in den 'ladrillo', in den Backstein, wie man hier sagt. Es wurde unendlich viel investiert – falsch investiert. Und manche Kontakte zwischen Politik und Wirtschaft waren in der Tat alles andere als anständig." Gebaut wurde in der Stadt Valencia mit dem Geld aus den Nehmerländern zum Beispiel der in großartiger Architektur gehaltene Tempel "Stadt der Kunst und Wissenschaft", für schlappe 1,3 Milliarden Euro. Jetzt müssen sich die Stadtväter mit den Folgekosten herumschlagen: "Denn die völlig überdimensionierten Bauten mit ihren enormen Unterhaltungskosten sind nicht einmal ansatzweise ausgelastet, im Museum ließe sich auf den vielen leeren Betonböden Fußball spielen".

Für 150 Millionen Euro wurde außerdem ein Flughafen gebaut. Von der Einweihung im März 2011 bis zum Erscheinen der Welt-Reportage am 28. Juli 2012 war noch nicht eine einzige Maschine dort gelandet. Es kamen weitere Prestigeobjekte hinzu: "Sie errichteten ein valenzianisches Hollywood, eine Formel-1-Strecke, zogen das schickste Segelturnier der Welt an, den America's Cup". Da wundert es niemand, dass es in den vergangenen Jahren 'gravierende Korruptionsfälle' gegeben hat, wie die Reporterin zu berichten weiß – vor allem in den Reihen der 'Partido Popular', der konservativen Partei von Premierminister Mariano Rajoy: "Gegen elf der 55 PP-Abgeordneten in Valencias Parlament haben die Behörden derzeit Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht aufgenommen oder sogar schon Anklage erhoben".

Tschechiens Präsident Vaclav Klaus verlangte Ende Juli 2012: "Europa muss sich von der unproduktiven und viel zu paternalistischen Sozialen Marktwirtschaft befreien, die durch die wachsende Rolle der grünen Ideologie noch weiter geschwächt wird". Der Kontinent solle "die radikale Dezentralisierung, Deregulierung und Desubventionierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft angehen", schrieb der gelernte Ökonom. Die Fiskalunion könnten die Europäer vergessen, "ganz zu schweigen von antidemokratischen Ambitionen, den gesamten Kontinent politisch zu einigen" (Reuters am 27. Juli 2012). Bereits am 07.02.2011 bezeichnete er per Gastbeitrag im Handelsblatt den Euro als 'Irrtum' und 'kardinalen Fehler' und schrieb: "Ich halte es auch für sehr bedenklich, dass sich die 'Soziale Marktwirtschaft' als dominantes Wirtschaftssystem in Europa behauptet hat. Ich habe 50 Jahre in einem sehr ineffizienten kommunistischen System gelebt und sehe da viele Parallelen mit dem heutigen Europa. Man kann mit Recht sagen, dass Europa wirtschaftlich nicht erfolgreich ist und es auch nicht werden kann".

Europa wurde wohl schon im Zuge der milliardenschweren Hilfen für Griechenland im Frühjahr 2010 in eine Transferunion umgewandelt. Spätestens aber mit dem Beschluss vom 25. März 2011 zur Schaffung eines ständigen Rettungsschirms für zahlungsunfähige Euro-Staaten. Offiziell hat der Bundestag die Haftung Deutschlands für die Krisenländer bei 211 Milliarden Euro gedeckelt. Für Hans-Werner Sinn, den Chef Ifo-Instituts in München, ist diese Zahl längst Makulatur: "Da fehlt einiges. Erstens sind es 253 Milliarden Euro, weil im Kleingedruckten steht, dass es noch 20 Prozent mehr werden können. Außerdem sind die Staatspapierkäufe, die exorbitanten EZB-Kredite sowie die Gelder von der EU und vom IWF nicht dabei. Wir haften nach heutigem Stand für 643 Milliarden Euro. Hinzu kommen die Zinsen für die Kredite" (FAZ vom 18.02.12).

Es ist bekannt, dass Frankreich und die überschuldeten Südstaaten des Euroraums hohe Erwartungen in die Wirtschaftskraft Deutschlands haben. Wir sollen zusammen etwa mit Frankreich und Italien immer noch weitere Bürgschaften für die Schulden aller Länder der Eurozone eingehen. Dieser Forderung scheinen sich die USA und Großbritannien anzuschließen. Offenbar hat man für die etwas solider wirtschaftenden Länder und insbesondere für Deutschland eine Art Wiederauflage der Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs vorgesehen. Dies wird aus einem Zitat aus Thilo Sarrazins neuem Buch deutlich: "Zu den Protagonisten einer monetären Finanzierung von Staatsschulden durch die EZB zählen die Mehrheit angelsächsischer Ökonomen, der größte Teil der englischsprachigen Wirtschaftspresse und die meisten Vertreter von Banken. Sie möchten die EZB prinzipiell als Lender of last Resort [Verleiher der letzten Zuflucht] für die Staatsverschuldung im Euroraum etablieren, und es ist ihnen ziemlich gleichgültig, dass dies die Regeln der Währungsunion völlig verändern würde. Denn natürlich liegt das Ausfallrisiko für die von der EZB gehaltenen Anleihebestände letztlich bei den Eigentümern der EZB, den Nationalstaaten. Anleihekäufe durch die EZB sind ein Element gemeinsamer Haftung, genauso wie Kredite durch den EFSF oder Eurobonds. Am Ende liegt die Haftung aber nicht bei allen, sondern nur bei jenen, die noch zahlungsfähig sind. Ein immer größerer Teil der Staatsschulden im Euroraum von acht Billionen Euro wird damit wirtschaftlich gesehen von Deutschland verbürgt" (Europa braucht den Euro nicht; Seite 105 f). Der einzige Ausweg: Deutschland und die anderen Finanziers des Euro-Abenteuers müssen selbst bankrottgehen. Und das werden sie auch, wenn wir nicht schnell in Richtung freie Marktwirtschaft umsteuern!

Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages warnt sogar davor, dass die Verträge rund um den Rettungsschirm das Budgetrecht des Parlamentes in Berlin außer Kraft setzen werden: "Nahezu unbegrenzte Finanzmittel könnten aus den wohlhabenden Nationalstaaten in Richtung der Schuldenländer abfließen, hießt es in dem Bundestags-Gutachten. Die Euro-Staaten würden, so die Analyse der Bundestags-Juristen, 'unwiderrufliche und unbedingte Garantien' eingehen. Damit riskiere der Bundestag die Geldwertstabilität - und einen Verfassungsbruch. Denn das vornehmste Recht des Parlaments, das Budgetrecht, werde ausgehebelt" (Handelsblatt vom 13.04.2011). Siehe auch die Rede des fraktionslosen Abgeordneten Henry Nitzsche im Bundestag am 8. September 2009 zum EU-Reformvertrag: Das Volk hat die Macht!

Aber es darf scheinbar stets noch etwas mehr sein, ohne dass sich die Deutschen und die anderen Nettozahler über die ihnen aufgebürdeten Lasten beschweren. Die Bundesbank hat seit Ausbruch der Finanzkrise von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt 500 Milliarden Euro Forderungen gegen die Zentralbanken der Euro-Krisenländer aufgehäuft. Ein Teil der deutschen Exporterfolge ist auf diese überaus großzügige Kreditvergabe zurückzuführen. Laut Hans-Werner Sinn kann Deutschland diese Gelder abschreiben: "Wir können die Forderungen nie fällig stellen. Wenn wir alt und gebrechlich sind und unsere Lebensversicherungspolicen ausgezahlt haben wollen, kann die Bundesbank nicht zurückzahlen, weil sie selbst ihre Forderungen nicht eintreiben kann. Zerbricht der Euro, haben wir im Übrigen eine Forderung gegen ein System, das es nicht mehr gibt. Die Target-Forderungen haben Deutschland erpressbar gemacht, denn jeder weiß, dass wir 500 Milliarden Euro verlieren, wenn der Euro zerbricht. Also müssen wir ihn unter allen Umständen retten. Die Summe könnte übrigens nochmal dramatisch wachsen, weil die EZB die Menge der akzeptierten Sicherheiten für solche Refinanzierungskredite um 500 Milliarden Euro ausweiten will. Diese Kredite werden praktisch ausschließlich zur weiteren Aktivierung der Druckerpresse im Süden verwendet werden. Heute besteht schon die Hälfte des deutschen Nettoauslandsvermögens aus Forderungen der Bundesbank gegen das EZB-System. Geht es nach dem Willen der EZB, könnte die andere Hälfte bald auch noch weg sein" (FAZ vom 18.02.12).

Um den Target-2-Mechanismus geht es auch in einem Welt-Artikel vom 23.03.12 (Bundesbank verharmlost eine finanzielle Atombombe). Darin bezeichnet der Steuerzahlerbund das Target-System als 'Plünderung der Bundesbank' und kommt auf noch höhere Beträge als Ifo-Präsident Sinn: "Auf diese Weise haben sich von 2007 bis heute 865 Milliarden Euro an Forderungen gegenüber anderen EU-Ländern in der Bilanz der Bundesbank angesammelt. Das ist mehr als doppelt so viel wie der gesamte Staatshaushalt der Bundesrepublik. Diese Summe sei entstanden, so der Steuerzahlerbund, weil zwar Auszahlungsaufträge an die ausländischen Zentralbanken erteilt wurden, diese selbst aber nicht bezahlt worden seien".

In einem Beitrag in der Welt vom 10.11.12 ("Die Banken kommen davon, der Bürger zahlt") weist Hans-Werner Sinn so deutlich wie selten darauf hin, dass letztlich der Steuerzahler gezwungen wird, das immer höher steigende Risiko für die Schrottpapiere der Südländer auf sich zu nehmen: "Die Krisen-Kredite der EZB und der Rettungsschirme summieren sich schon heute auf knapp 1,4 Billionen Euro, und wenn der neue ESM mit der geplanten vierfachen Hebelung dazu kommt, dann werden irgendwann sogar Kredite im Umfang von 3,4 Billionen Euro vergeben sein. Jahr um Jahr werden die Bürger tiefer in die Haftung hineingezogen, und wenn sie eines Tages aufwachen und verstehen, dass sie und ihre Kinder nun zu Gläubigern der Südländer geworden sind und ihre Rente dort einfordern müssen, dann wird es zu spät sein".

Nachdem er die Ansicht widerlegt, die Südländer seien auf dem Weg der wirtschaftlichen Gesundung, hat Volkswirt Sinn einzig Lob für Irland übrig, das sich seit 2006 einer Rosskur unterzieht: "Die Löhne mussten fallen, die Preise folgten den Löhnen – und fielen um 15 Prozent. Diese regionale Deflation war zwar anstrengend, half Irland jedoch aus der Krise. Hier hat es tatsächlich eine echte Verbesserung der Leistungsbilanz gegeben. Nur die Iren zahlen ihre Auslandsschulden zurück. Anstatt die irische Ochsentour nachzumachen, haben sich die anderen Krisenstaaten entschlossen, auf politischem Wege Hilfe zu organisieren. Über den EZB-Rat gaben sie sich gegenseitig die Erlaubnis, ihre Finanzprobleme mit der Druckerpresse zu lösen und zwangen die Bundesbank gegen deren erbitterten Widerstand, ihre faulen Staatsanleihen zu kaufen".

Faktisch finanzieren die zukünftigen Steuerzahler der Nordländer den überhöhten Konsum der Südländer, verdeutlicht der Ifo-Präsident. Und wir greifen obendrein den Schalksnarren unter die Arme, die ihr Geld an der europäischen Mittelmeerküste versenkt und bereits abgeschrieben hatten: "Damit treten die normalen Bürger an die Stelle der privaten Banken und Kapitalanleger, die bisher die Gläubiger der Banken und Staaten der Krisenländer waren. Die Bürger helfen nicht nur, den Lebensstandard der Südländer abzusichern. Vor allem retten sie die Kapitalanleger aus aller Welt, die sich in Südeuropa verzockt haben (Welt vom 10.11.12). Hier könnte man glatt an der Demokratie verzweifeln und dem libertären US-Ökonomen Hans-Hermann Hoppe Recht geben, der die klassische Monarchie der uneingeschränkten Volkssouveränität als kleineres Übel vorzieht. Denn ein Monarch denke und handele wie ein Privateigentümer des betreffenden Landes und sei daher daran interessiert, seinen Nachkommen ein bestelltes Haus zu hinterlassen und keinen Berg von Schulden (Demokratie – Der Gott, der keiner ist; Waltrop und Leipzig 2003, Seite 545).

Das Aktionsbündnis Direkte Demokratie (ADD) hat am 6. Juli 2012 übrigens Strafanzeige erstattet gegen die Mitglieder der Bundesregierung, des Bundestages und des Bundesrates, die dem ESM-Vertrag zugestimmt haben: wegen Hochverrates und Vorbereitung eines Staatsstreiches gemäß §81 bis §83 Strafgesetzbuch. Dieser Anzeige kann sich jeder Staatsbürger Deutschlands anschließen, ich habe sie am 2. September 2012 per E-Mail mitgezeichnet.

Seit dem 4. August 2011 kauft die Europäische Zentralbank (EZB) zudem wieder Staatsanleihen von ins Gerede gekommenen Euro-Ländern auf - ein Sündenfall, von dem sie sich viereinhalb Monate enthalten hatte. Auch jede Menge spanische und italienische Staatsanleihen haben die Zentralbanker aufkaufen lassen, um angesichts des weltweiten Börsenabsturzes seit Anfang August kurzfristig den Druck aus dem Markt zu nehmen. Mittel- bis langfristig verschlimmern sie dadurch die Neigung der europäischen Staaten, sich bis Oberkante Unterlippe zu verschulden. Holger Steltzner schrieb am 09.08.11 in der FAZ: "Man muss die Welt durch eine rosa Brille sehen um zu glauben, dass nach einer solchen 'Belohnung' und nach der Ausschaltung der disziplinierenden Wirkung des Kapitalmarkts die Schuldensünder nicht mehr auf Pump leben wollen, wie sie es seit Einführung des Euro tun. Aus welchem Grund soll Italien nun die Schulden halbieren, wieso Spanien die Staatsausgaben senken?"

Anstatt auf die Geldwertstabilität zu achten, verhält sich die EZB nun endgültig wie eine Bad Bank! Sie heizt im Gegenteil die Inflation an und belastet den deutschen Steuerzahler, der die Verluste der europäischen Notenbank zu fast einem Drittel ausgleichen muss. Die deutschen Mitglieder des EZB-Rates (Bundesbankpräsident Jens Weidmann und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark) waren dagegen, wurden jedoch zusammen mit zwei anderen Mitgliedern kurzerhand überstimmt! Stark hat daraufhin am 09.11.2011 seinen Rücktritt erklärt, nachdem im Februar 2011 bereits der damalige Bundesbankchef Axel Weber aus dem EZB-Rat zurückgetreten war.

Zum Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank noch einmal Holger Steltzner von der FAZ: "Für den Tabubruch der EZB gibt es keinen geldpolitischen Grund, sondern nur das fiskalpolitische Ziel, die Zinsen für die Staatsschuldner Italien und Spanien zu reduzieren. Indem die EZB auf diesem Weg Staaten finanziert, wird sie zum finanzpolitischen Handlanger der Politik. Das ist ein Rückfall in die geldpolitische Steinzeit, als Zentralbanken politisch gesteuert wurden und der fehlende Sparwille der Politik durch das Anwerfen der Notenpresse ersetzt wurde. Weil dieses Vorgehen stets zu steigender Inflation und damit zu der Entwertung von Renten, Lebensversicherungen und Spareinlagen führte, achtet fast die ganze Welt die Unabhängigkeit einer Notenbank" (FAZ 09.08.11). Die EZB kauft also auf Kosten Deutschlands und der anderen Nettozahler Staatspapiere auf, damit die Schuldenländer günstig an weitere Kredite kommen, die sie vielleicht nie zurückbezahlen werden. Das muss aufhören!

Es geht aber noch weiter. Da gibt es ja auch noch den europäischen Rettungsfonds EFSF, eine Art Umverteilungsbehörde, die nun ebenfalls Staatsanleihen aufkaufen soll. Erwin Grandinger bezeichnete den erweiterten EFSF in der Welt vom 10.08.2011 als "eine Zweckgesellschaft, die verschachtelt und verpackt forderungsbesicherte Wertpapiere (ähnlich synthetischer CDOs) herausgibt" und warnt: "Diese politische Behörde in Luxemburg steht nicht nur außerhalb der EU-Verträge, sondern wird auch in ihrer endgültigen Form ermächtigt werden, auf Deutschlands jährliche Leistungsbilanzüberschüsse von über 240 Mrd. Euro Zugriff nehmen zu dürfen. Dieses politische Vehikel ist weder dem Deutschen Bundestag rechenschaftspflichtig noch muss es irgendwelchen Veröffentlichungspflichten nachkommen. So pfeifen in Berlin bereits die Spatzen von den Dächern, dass die neue "Rettungsschirm-Behörde" letztlich mit Eurobonds ausgestattet sein muss". Mit dem Rettungsschirm wird also ebenfalls nicht nur die Bonität deutscher Staatsanleihen in Gefahr gebracht, sondern auch das Budgetrecht des Deutschen Bundestages ausgehebelt. Die europäischen Pleitekandidaten wollen Deutschland zwingen, ihr Wohltäter und Zahlmeister zu sein, damit sie sich weiter aus dem Füllhorn der Staatverschuldung bedienen können. Das muss aufhören!

Wen bewegt das eigentlich noch, dass die Bundesbank einen Monat nach dem EU-Sondergipfel vom 21. Juli 2011 die dort gefassten Beschlüsse ungewöhnlich scharf als Fehlanreize kritisiert: "Während Staaten mit unsolider Haushaltspolitik auf Hilfen rechnen können, werden Länder mit soliden Finanzen stärker zur Finanzierung herangezogen." (Welt vom 22.08.2011). Die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen für die weitere Kreditaufnahme hätten den Druck auf die Empfängerländer des Hilfsprogramms deutlich vermindert, durch wirtschaftspolitische Reformen ihre Haushalte möglichst schnell zu konsolidieren. Unterdessen schert Finnland unter dem Druck der EU-skeptischen Partei "Wahre Finnen" praktisch aus der Griechenlandhilfe aus. Helsinki bedingt sich eine Art Geld-zurück-Garantie in Form von Euro-Überweisungen auf ein Sonderkonto aus (Welt vom 18.08.2011). Österreich, die Niederlande, die Slowakei und Slowenien wollen es den Finnen nachmachen (Welt vom 21.08.2011). Recht so! Die Euro-Zone hat es verdient, wenn sie sich mit dem Braten von Extrawürsten langsam in Wohlgefallen auflöst! Angefangen hatte es 2002, als ausgerechnet die europäischen Kernländer Deutschland und Frankreich den Stabilitäts- und Wachstumspakt ad Absurdum führten. Und jetzt hat man den Laden offensichtlich nicht mehr im Griff! Der italienische Regierungschef Mario Monti kritisiert Ende März 2012 zurecht: "Wenn der Vater und die Mutter der Euro-Zone die Regeln verletzen, kann man natürlich nicht erwarten, dass sich Griechenland daran hält" (Welt vom 28.03.12).

Ich war bis Anfang 2010 kein ausgesprochener Euro-Skeptiker, hatte noch ein Restvertrauen in den Stabilitätspakt und konnte die Kritik am Euro als Teuro nie nachvollziehen. Ich glaube den Statistiken, wonach durch die Abschaffung der D-Mark nur bei einzelnen Produkten und in Teilbereichen der Gastronomie eine Teuerung eingetreten war. Aber die von Kritikern schon als EUDSSR bezeichnete Transferunion ist mich ein Fanal von mehreren für das Aufleuchten einer bürgerlichen Revolution. Das Ganze läuft auf die Einführung einer neosozialistischen Planwirtschaft durch die Hintertür hinaus. Wir müssen verhindern, dass andere Länder die Kosten für ihre sozialen Wohltaten auf uns abwälzen! So sehen es die europäischen Verträge eigentlich auch vor, insbesondere der Vertrag von Maastricht. Auch der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) beinhaltet in Artikel 125 die "No Bail Out"-Klausel gegen ein Herauskaufen strauchelnder Länder.

Thilo Sarrazin spricht vom "No-Bail-Out-Prinzip als dem Kern guter Nachbarschaft" und warnt davor, die Hilfsbereitschaft der Nachbarn überzustrapazieren: "Man grüßt sich über den Gartenzaun, nimmt Pakete für den Nachbarn entgegen, passt gegenseitig auf Hund und Katze auf. Aber für seine in Euro aufgenommene Hypothek kommt der Nachbar bitte selber auf. Und wenn die Zwangsversteigerung unabdingbar ist, muss er das mit Anstand durchstehen. Der Umstand, dass meine Hypothek auch auf Euro lautet, löst keine Beistandsverpflichtung für seinen Zahlungsverzug aus. Auch und gerade in einer globalisierten Welt muss es auch strenge Regeln für Selbstverantwortung und Nichteinmischung geben" (Europa braucht den Euro nicht; Seite 182).

Vor Deutschland sollten von Rechts wegen die bankrotten Staaten aus dem Euro-Raum austreten und ihre vorigen Währungen wieder einführen. Dann können sie über eine Abwertung der Wechselkurse den Export und den Tourismus ankurbeln und ihren Haushalt nach und nach wieder in den Griff bekommen (siehe FAZ-Kommentar vom 31. Oktober 2010). Griechenland sollte sich einem Insolvenzverfahren (oft beschönigend Umschuldung genannt) unterziehen. Dabei müssen die hauptsächlich beteiligten Federn lassen, sowohl die Griechen als auch die Schalksnarren von Investoren, allen voran die Banken.

Anfang Juli 2012 wandten sich über 200 Wirtschaftsprofessoren unter Führung von Hans-Werner Sinn und Walter Krämer mit einem Protestaufruf gegen die Euro-Gipfelbeschlüsse vom 29. Juni 2012 an Bürger und Politik. Man sehe "den Schritt in die Bankenunion, die eine kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems bedeutet, mit großer Sorge. Die Bankschulden sind fast dreimal so groß wie die Staatsschulden und liegen in den fünf Krisenländern im Bereich von mehreren Billionen Euro. Die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas dürfen für die Absicherung dieser Schulden nicht in Haftung genommen werden, zumal riesige Verluste aus der Finanzierung der inflationären Wirtschaftsblasen der südlichen Länder absehbar sind" (FAZ vom 05.07.2012).

Der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup und sechs Kollegen, darunter Peter Bofinger und Michael Hüther, kritisierten den Aufruf einen Tag später als Panikmache, ebenso Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble (Handelsblatt vom 06.07.2012). In der Antwort bestanden Sinn und Krämer auf ihrer Interpretation der Gipfelbeschlüsse und schrieben: "Im Text des Gipfelbeschlusses heißt es wörtlich: 'Sobald unter Einbeziehung der EZB ein wirksamer einheitlicher Aufsichtsmechanismus für Banken des Euro-Währungsgebiets eingerichtet worden ist, hätte der ESM nach einem ordentlichen Beschluss die Möglichkeit, Banken direkt zu rekapitalisieren.' Dieser Beschluss wurde von den Kapitalmärkten euphorisch aufgenommen, weil damit, abweichend vom bisherigen Wortlaut des ESM-Vertrages, die Möglichkeit eröffnet wird, die Mittel des ESM direkt für die Rekapitalisierung der Banken zu verwenden. (…) Überall auf der Welt wird der Gipfelbeschluss genau so interpretiert. Dass nun gerade die Bundesregierung den Sachverhalt anders sieht, können wir uns nur mit dem Bestreben erklären, die deutsche Öffentlichkeit nicht zu beunruhigen" (FAZ vom 09.07.2012).

Dann gehen sie genauer auf die Höhe der Bankschulden und der Staatsschulden der Südländer ein: "Der Aufruf nimmt Bezug auf die Tatsache, dass die Bankenschulden der Krisenländer bei 9,2 Billionen Euro liegen, während die Staatsschulden 'nur' 3,3 Billionen Euro betragen. Es sind vor allem diese Größenordnungen, die uns Sorgen machen. Wir befürchten, dass Deutschland sich in eine finanzielle Verantwortung hineinziehen lässt, aus der es sich später nicht wieder wird befreien können. Die Gläubiger der Staaten vor Verlusten zu schützen ist bereits eine kaum zu schaffende Herkulesaufgabe. Nun auch noch die Gläubiger der Banken zu schützen übersteigt die Möglichkeiten der noch stabilen Länder". In ihrem Aufruf nehmen die Wirtschaftswissenschaftler um den Chef des Münchener Ifo-Instituts die Investoren in die Pflicht, die ihr Geld in die Banken sowie in Staatsanleihen investiert haben: "Banken müssen scheitern dürfen. Wenn die Schuldner nicht zurückzahlen können, gibt es nur eine Gruppe, die die Lasten tragen sollte und auch kann: die Gläubiger selber, denn sie sind das Investitionsrisiko bewusst eingegangen und nur sie verfügen über das notwendige Vermögen" (FAZ vom 05.07.2012).

Ferner wenden sich die Ökonomen gegen gemeinschaftlichen Restrukturierungsfonds für angeschlagene Banken und gegen die Vereinnahmung der deutschen Einlagensicherung für Sparguthaben. Am Europäischen Stabilitätsmechanismus lassen sie kein gutes Haar: "Die vorläufige Begrenzung des ESM-Volumens ist kein Schutz gegenüber zusätzlichen Lasten, denn der Mechanismus zur Ausweitung der Haftungssummen ist im ESM-Vertrag bereits eingebaut. Die strukturelle Mehrheit der Schuldenländer in den Eurogremien wird sich sämtlicher Töpfe des ESM bedienen, die aufgestellt werden, und bei einer drohenden Leerung so lange drängeln, bis sie wieder aufgefüllt werden. Da nützen die schönsten Regeln nicht. Die Geschichte des Euro ist eine Geschichte fortwährender Vertragsverletzungen und selbst gesetzter Regeln, vom Bruch der No-bail-out-Klausel bis hin zum Verzicht auf die Konditionalität bei den Hilfskrediten des ESM. Der Ablauf ist immer der gleiche: Erst werden wir mit dem Placebo der politischen Schranken und Verhaltensmaßregeln bewogen, das Portemonnaie zu zücken, und wenn das Portemonnaie erst einmal auf dem Tisch liegt, werden wir bedrängt, auf die politischen Schranken zu verzichten. Das Spiel hat sich mittlerweile so häufig wiederholt, dass wir nicht verstehen, woher die deutsche Regierung und einige unserr Kollegen die Hoffnung nehmen, dieses Mal könnte alles anders sein." (FAZ vom 09.07.2012).

Der europäische Gesetzgeber war es übrigens, der Europas Banken dazu verleitete, Staatsanleihen im großen Stil zu kaufen. Denn Staatsanleihen müssen nach der Basel-II-Vereinbarung nicht wie alle anderen Geldanlagen mit Eigenkapital unterlegt werden. Am 02.07.12 hieß es in der FAZ auf Seite 10: "Dank dieser Regelung haben sich Banken tapfer bei Staatsanleihen bedient, den Staaten damit den Schuldendienst erleichtert und sich selbst veritable Risiken in ihre Bilanz gewuchtet". Thilo Sarrazin schreibt dazu: "Für die Anlage in Staatsanleihen ist keine Unterlegung [mit Eigenkapital] nötig. Investitionen in diese gelten bankenaufsichtlich als risikolos. Auch darum sind Staatsanleihen bei Banken grundsätzlich so beliebt, das lässt ihr knappes Eigenkapital für andere Verwendungen frei. In einer Welt, in der hinter jeder Staatsanleihe, die keine Fremdwährungsanleihe ist, die nationale Notenbank als Lender of last Resort steht, gibt es ja auch kein Solvenzrisiko, sondern lediglich das Inflations- und Wechselkursrisiko. Erst im Verlauf des Jahres 2009 begann offenbar den Investoren an den Kapitalmärkten zu dämmern, dass der Nationalstaat in der Währungsunion keinen Zugriff auf Notenbankkredit hat und deshalb grundsätzlich auch ein Solvenzrisiko bestehen kann. Dieses Problem gehört heute zum Kern der Eurokrise" (Europa braucht den Euro nicht; Seite 149f).

Mit anderen Worten: Staaten wie die USA oder Großbritannien, die nicht Mitglied einer Währungsunion sind, können nicht Pleite gehen, weil sie einfach nur die Notenpresse anwerfen müssen und durch eine Abwertung ihre Wirtschaft wieder in Schwung bringen können. Diese Möglichkeit ist den Euro-Mitgliedsländern verbaut, weswegen über den Euro-Südstaaten (einschließlich Frankreich), die durchweg eine noch schlimmere Misswirtschaft als Deutschland betreiben, permanent der Pleitegeier kreist.

Wie kaum anders zu erwarten, haben aber gerade die deutschen Staatsbanken in großem Maßstab in Griechenland investiert. So schreibt allein die vom deutschen Steuerzahler gerettete Hypo Real Estate einen Verlust von neun Milliarden Euro aus dem Hellas-Engagement. Bezahlen sollen die Zeche unsere Kinder und Kindeskinder, falls sie bis dahin nicht schon längst ausgewandert sind (ZDF-Dokumentation 'Die Griechenland-Lüge' vom 09.05.12). In Griechenland herrscht praktisch Anarchie. Das geht aus der ZDF-Dokumentation 'Die Griechenland-Lüge' vom 09.05.12 hervor: Verelendung, Schwarzarbeit, Korruption, Kriminalität, Straßenkämpfe, Resignation. Der Staat existiert nur noch als Fassade, gesponsert von den europäischen Zahlerländern. Es gibt vielleicht noch eine von der EU bezahlte Regierung, aber keinen funktionierenden Staatsapparat mehr, der zum Beispiel Steuern eintreiben könnte (Welt vom 08.12.11). Die Reichen zahlen schon längst keine Steuern mehr und behaupten, der griechische Staat sei eine Räuberbande.

Doch die griechischen Parlamentswahlen vom 6. Mai 2012 haben gezeigt: Der demokratische Souverän steht fest zum Euro. Die Griechen wollen sogar noch mehr davon! Sie denken wohl, es sei jetzt an uns Deutschen zu sagen: "Wir haben verstanden", um uns für die Hellenen noch weiter zu verschulden. In der Welt vom 07.05.12 hieß es: "Die Griechen wollen ein Ende der Sparpolitik, aber den Verbleib im Euro. … Alles sieht also nach einer dramatischen Kehrtwende gegen die Sparpolitik aus …" Da könnten sie auch gleich sagen: "Wir wollen alles, und zwar sofort! Koste es Deutschland was es wolle". Aber nicht mit mir. Deutschland raus aus der Eurozone!

Am Mittwoch nach der Wahl erfuhr der erstaunte Leser: "Obwohl die Sparzusagen der Griechen auf der Kippe stehen, hat das EFSF-Direktorium am Mittwochabend weitere 5,2 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungspaket freigegeben" (Welt vom 09.05.12). In dieses Chaos immer neue Milliarden zu stecken, die wir gar nicht haben, das ist Verrat an unserer Zukunft und der unserer Kinder und Enkel! Europa ist mit Griechenland überfordert. Es sollten UNO-Blauhelme aus Fernost dort einmarschieren und die Drachme wieder einführen. Unter dem Schutz der Vereinten Nationen kann das Land wieder lernen, auf den eigenen Füßen zu stehen, ohne in einen Bürgerkrieg zu versinken. Bei einer Rückbesinnung auf die freie Marktwirtschaft könnte das DIE Chance für Griechenland sein! Es würde vielleicht aber wie in der Antike wieder in einzelne Stadtstaaten zerfallen.

Ohne abschreckende Beispiele checken die Europäer nicht, dass sie den Gürtel enger schnallen müssen! Als Transfer-Union ist Europa in höchster Gefahr zu scheitern. Es droht eine Abwärtsspirale. "Wir schlittern, bewusst oder unbewusst, in die 'Große Zentrale Verwaltungswirtschaft', eine Art DDR-reloaded mit anderen, hochmodernen Mitteln und Methoden. Wir befinden uns mitten in einer wachsenden Blase der staatlichen Regelungsallmacht", warnt Erwin Grandinger in der Welt vom 7. Januar 2011 und prophezeit, dass der Euro die nächsten Jahre nicht überleben wird, dass Staatsanleihen zum "Rohrkrepierer" werden. "Ein modifizierter Goldstandard wird kommen, so wie es Weltbankpräsident Robert Zoellik seit Wochen medial in den angelsächsischen Blättern vorbereitet und US-Regierungsberater James G. Rickards bereits im Detail darlegt hat", erwartet der Finanzstratege.

Statt Staatsschulden bräuchten wir Rücklagen, um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können! Allein schon die Überalterung stellt uns vor enorme Probleme. Der Staat schreibt Versicherungsgesellschaften und anderen Unternehmen Rückstellungen vor, hält sich aber selbst nicht an goldene Regel, wonach man gegen absehbare Risiken und nicht vorhersehbare Ereignisse Vorsorge treffen sollte (siehe Hans-Olaf Henkel über sein Buch: "Rettet unser Geld!"). Der Staat schickte Mitte April 2011 mit Recht den Gründer des 2007 in Konkurs gegangenen Möbelherstellers Schieder wegen Kreditbetrugs für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Um seine Firma zu retten hatte er zusammen mit drei Mitarbeitern Bilanzen gefälscht und sein Unternehmen auf diese Weise gegenüber Banken und Investoren als kreditwürdig hingestellt (Spiegel vom 14.04.2011). Wenn aber ein Staat wie Griechenland seinen Beitritt zur Eurozone im Jahr 2001 mit gefälschten Statistiken erschleicht, drückt man nicht nur beide Augen zu, sondern wirft auch noch gutes Geld dem schlechten hinterher! Schluss mit dem Europa der Verschwendung, für Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit! Am 21.2.13 schrieb einer meiner Facebook-Freunde: "Wenn ich in meinem Unternehmen die Bilanzen fälsche, um etwa Kredite zu bekommen, gehe ich in den Knast. Griechenland aber bekommt Milliardenkredite für sich und seinen 'Mittäter' Goldman Sachs. Wenn ich in meinem Unternehmen verschwenderisch wirtschafte, gehe ich vermutlich pleite. Spanien, Zypern, Slowenien etc. werden gerettet. Aber nicht mit dem Geld der 'Retter', sondern mit meinen und deinen Steuergeldern!" 

Banken oder andere Geldgeber, die mit dem Kauf von Staatsanleihen unsicherer Kantonisten hohe Renditen erzielen, sollten in Zukunft zu einem guten Teil die Risiken eines Staatsbankrotts selbst tragen müssen (siehe Interview mit FDP-Rebell Frank Schäffler in der Neuen Westfälischen vom 13.01.11). Die Finanzkrise der Staaten des Euroraums wurde unter anderem dadurch verursacht, dass sich einzelne Länder bis über die Halskrause verschulden konnten, ohne ernsthaft daran zweifeln zu müssen, dass die besser situierten Länder sie da wieder raushauen würden (siehe: Ursache der Finanzkrise und der Schuldenkrise: Staatsversagen). Ebenso scheinen die Banken praktisch ohne Risiko als Investoren auftreten und hohe Gewinne einstreichen zu können. Wir sollten aufhören, Verluste zu verstaatlichen, wenn zuvor die Gewinne privatisiert wurden!

Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut München machte am 29.11.2010 im Fernsehsender Phoenix auf den ungesunden Kapitalexport von Deutschland in Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien aufmerksam. Nach der Einführung des Euro und der daraus resultierenden niedrigen Zinsen hatten diese Länder keine Hemmungen mehr, sich zu verschulden. Jetzt, da die Blase geplatzt ist, werde wieder verstärkt in Deutschland investiert, was den Aufschwung hier befördert habe. Für Irland, sagte Sinn, hätte man den Euro-Rettungsschirm gar nicht in Anspruch nehmen müssen. Die Iren hätten sich mit einer moderaten Steuererhöhung selbst helfen können, schließlich haben sie pro Kopf ein höheres Volkseinkommen als die Deutschen. Der Rettungsschirm dient laut Sinn vor allem dazu, Ländern mit geringer Bonität günstige Konditionen für Kredite zu ermöglichen. Dies schade jedoch der Bonität Deutschlands und anderer Kernländer. Und obendrein, meint Hans-Werner Sinn, werde "die Steuerungswirkung des Kapitalmarkts, die Schuldner und Gläubiger zu vorsichtigem Verhalten veranlasst, geschwächt" (ifo-Spezialthema Euro-Krise).

Mit einem 'Fiskalpakt' und einer 'europäischen Wirtschaftsregierung' will die EU Haushaltssünder wie Griechenland zu Sparmaßnahmen und Sozialreformen zwingen. Das Problem dabei ist, dass die Populisten unter den Politikern und den Medien für die notwendige Einschnitte ins soziale Netz die 'reichen' Nordländer verantwortlich machen werden. Durch die auf den Weg gebrachte Zentralverwaltungswirtschaft 2.0 werden beinahe zwangsläufig Nehmerländer und Geberländer gegeneinander aufgehetzt! Wenn hingegen der Automatismus der Marktmechanismen intakt bleiben würde, könnten Gerechtigkeitsapostel (verkappte Sozialisten) nicht so leicht verschleiern, dass der Sparzwang bei den Südländern vor allem die Folge des eigenen Missmanagements ist. Ein solcher Offenbarungseid wird freilich früher oder später in fast allen europäischen Ländern zu leisten sein, wenn sich Europa nicht ganz schnell wieder neu auf die Kräfte der Marktwirtschaft besinnt. Die Märkte sind bessere Zuchtmeister als jede Wirtschaftsregierung es sein könnte, schreibt Olaf Gersemann in der Welt vom 21.08.2011.

Letztendlich torpedieren Deutschland und Frankreich auf Druck der überschuldeten Südländer das Einigungswerk Europas! Die Franzosen nutzen die aktuelle Gutmenschen-Schwäche der Deutschen aus, um uns ihr kollektivistisches "Savoire vivre" überzustülpen: "Pleitestaaten und ihre ach so uneigennützigen Geldgeber müssen 'gerettet' werden, koste es Deutschland was es wolle!". Dies ist die Botschaft eines Meinungsartikels von Markus C. Kerber in der Welt vom 28.07.2011. Es gelte, Freiheit und Marktwirtschaft in Europa zu verteidigen. Was wir brauchen, ist ein Europa der Vaterländer. Für einen Staatenbund eigenständiger Völker, die zusammenarbeiten, die aber auch im Wettbewerb miteinander stehen! Wenn wir aus der EU endgültig einen Länderfinanzausgleich machen, finden wir nie heraus, welches der beste Way of Life ist.

In einem Manifest fordert seit Sommer 2011 das Stuttgarter 'Aktionsbündnis Direkte Demokratie' die Abkehr vom Euro und von europapolitischer Planwirtschaft, sowie "die Rückkehr zu einer nationalen Währung, die strukturell gegen den Missbrauch durch Banken und Zentralbanken geschützt ist" (siehe meine Ausführungen über die Ursache der Finanz- und Schuldenkrise: Staatsversagen). Die Gruppe spricht sich ebenfalls für einen Staatenbund selbstständig wirtschaftender Nationen aus und argumentiert, "dass nur innerhalb eines Sprach- und Kulturkreises eine lebendige und wirksame Kommunikation möglich ist, die alle Bürger – auch jene, die Älter sind oder keine Fremdsprache beherrschen – einschließt. Nur vor dem Hintergrund einer solchen Kommunikation ist echte Demokratie möglich. Rede und Gegenrede, die von allen verstanden werden, sind der Kern der Demokratie und Voraussetzung für informierte Entscheidungen der Bürgerschaft". Eigenverantwortung sei die Voraussetzung für Solidarität. Dies gelte für die einzelnen Bürger ebenso wie für ganze Staaten. Denn "Strukturen, die permanent die verantwortlich Handelnden bestrafen und die unverantwortlich Handelnden belohnen, zerstören das Fundament aller sozialen Ordnung, öffnen so die Tür für soziales Chaos und in dessen Gefolge die Bildung diktatorischer Regimes".

Ein friedliches Europa braucht keinen Euro.Die Gefahr des Nationalismus können wir Europäer nicht durch die Flucht nach vorn in einen zentralistischen Superstaat bannen, das ist für jeden ehrlichen Beobachter schon jetzt überdeutlich. Im Gegenteil: Europa kann dem Nationalismus entgegenwirken, indem es die Souveränität der Mitgliedsstaaten beibehält und ihre volle Selbstverantwortlichkeit wiederherstellt. Gegen übertriebenen Patriotismus hilft aber auch, wenn wir uns wieder neu auf den christlichen Glauben als verbindendes Element und Fundament der europäischen Kultur besinnen. In diesem Sinne schreibt Herbert Ludwig in seinem Büchlein EU oder Europa: "Noch das ganze Mittelalter hindurch war die Idee der Christenheit das den verschiedenen Völkern übergeordnete Prinzip, das sie unter dem Dach der gemeinsamen christlichen Kirche zu einer größeren Gesamtheit vereinigte. In dem Maße, wie das Christentum in den Seelen der Menschen an Bedeutung und Kraft verlor, schlossen sich die Völker Europas in den letzten Jahrhunderten gegeneinander ab, steigerten sich in einen Nationalismus hinein, der den Wert und die Interessen des eigenen Volkes über die der anderen stellte, wenn nicht gar über den Menschen – mit verheerenden Folgen" (Berlin 2012, Seite 14).

Die fehlende Nachhaltigkeit, die Kurzatmigkeit der europäischen Politik macht mehr und mehr Bürger zu Euro-Skeptikern, wenn nicht sogar zu Europagegnern. Weil die Transferunion und die Sozialunion, vor der Hans-Werner Sinn schon vor Jahren gewarnt hat, nicht abgewendet werden konnten, muss Deutschland aus dem Euroraum austreten. Bevor wir endgültig zur Kolonie von aus dem Vollen schöpfenden Pleitegeierstaaten werden, sollten wir auf die Barrikaden gehen: Steuerzahler Europas, vereinigt euch! Nachkommende Generationen, wehrt euch! Ein Aufstand der zahlenden Mittelschichten liegt in der Luft, denn die arbeitende Bevölkerung in Deutschland und Kerneuropa wird zusehends in die Sklaverei getrieben. Der Plantagenarbeiter von heute hat studiert und kann als 30-jähriger wegen seines jugendlichen Alters mit einem Zeitvertrag in der freien Wirtschaft hochzufrieden sein. Einmal in der Woche meditiert er bei seinem Coach über Wege aus dem Burnout-Syndrom.

Die Sklavenhalter sind die Transferempfänger in den bildungsfernen Schichten mit oder ohne Migrationshintergrund, aber auch zum Beispiel Ostdeutschland und weitere Empfängerländer im bundesdeutschen Länderfinanzausgleich. Seit der Einführung des Rettungsschirms für insolvenzgefährdete Mitgliedsländer der EU im Frühjahr 2010 beherrschen uns durch die Hintertür neuartige Kolonialmächte der angeblichen Hilfsbedürftigkeit wie Griechenland und Portugal mit aufgeblähtem Beamtenapparat und Frühverrentung (siehe Welt vom 10.03.2011: Deutsche müssen ungefragt für Eurokrise bluten). Portugal hat nach einem Bericht des Deutschlandfunks vom 05.05.2011 mit rund 20 Milliarden Euro die größten Goldreserven in der EU, will sie aber trotz des hohen Goldpreises nicht verkaufen. Schließlich braucht man ja ein Polster für noch schlechtere Zeiten – wenn etwa Geldgeber wie Deutschland ebenfalls Pleite sind. Friedrich Nietzsche arbeitete die subtile Macht der Armen und Schwachen 1883 in seinem Zarathustra heraus: "Und wo Opferung und Dienste und Liebesblicke sind: auch da ist Wille, Herr zu sein. Auf Schleichwegen schleicht sich da der Schwächere in die Burg und bis ins Herz dem Mächtigeren – und stiehlt da Macht". Die neuen Kolonialherren, Melker und Absahner profitieren von der sentimentalen Deutung des Begriffs der Solidarität aber nur auf den ersten Blick und nur kurzfristig. Denn wegen der gesetzten Fehlanreize ist der Staatsbankrott aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union mitsamt ihrer Sozialsysteme zu befürchten.

Europa hätte das Zeug, um im globalen Wettbewerb auch langfristig ganz vorne mitzuspielen, wenn sich seine Führer auf das Wesentliche konzentrieren würden. Doch sie missachten sogar das wichtigste Prinzip eines Staatenbundes, die Subsidiarität. Sie halten sich an ihre eigne Regeln nicht, wie man beim Stabilitätspakt, den fehlenden automatischen Sanktionsmechanismen und bei der No-Bail-out-Bestimmung (Nichtbeistands-Klausel) des "Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union" beobachten konnte, die eine wesentliche Grundlage des deutschen Euro-Beitritts war! Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde 2001 Griechenland gegen den Rat der Experten in die Eurozone aufgenommen. Deutschland hatte außerdem von 2002 bis 2004 die Neuverschuldungsgrenze überschritten (ähnlich wie Frankreich) und mit den Franzosen dafür gesorgt, dass der Stabilitätspakt aufgeweicht wurde. Das waren fatale Fehlentscheidungen, welche die Eurozone möglicherweise zu Fall bringen werden. Einer der Hauptverantwortlichen, der damalige Finanzminister Hans Eichel, versuchte vor Gericht eine Erhöhung seiner monatlichen Pension von rund 8.200 auf 14.550 Euro (Hamburger Abendblatt vom 01.11.2011) zu erstreiten, ist jedoch vorläufig damit gescheitert (Welt vom 24.11.11). Ihm sollten die Alterseinkünfte stattdessen gekürzt werden! Das Niveau der in Westdeutschland üblichen Durchschnittsrente wäre passend und völlig ausreichend.

Eine Finanztransaktionssteuer, wie sie von der Fraktion der Staatsgläubigen vorgeschlagen wird, kann kaum dazu beitragen, das Vertrauen in die Solidität der europäischen Staaten wiederherzustellen. Die Banken müssten die Steuer notgedrungen auf ihre Kunden abwälzen, was die Kaufkraft und die Binnenkonjunktur schwächen würde. Wenn man die Besteuerung des Kapitalverkehrs nicht weltweit einführte, würde sie außerdem die Wettbewerbsfähigkeit der Finanzplätze in Europa vermindern. Die Transaktionen würden dann halt vermehrt in den USA oder in Asien getätigt! Vor allem London wäre betroffen, weswegen die Briten auch massiv gegen entsprechende EU-Pläne zu Felde ziehen. Mit Recht, denn zur Überwindung der Krise braucht es in Europa eher weniger Staat und vor allem eine strenge Haushaltsdisziplin.

Die Europäische Union verzettelt sich im Klein-Klein kindischer Gerechtigkeitserwägungen. Die Kämpfe der Mitgliedsländer um Pfründe, Subventionen, Macht und Prestige sind meist von Kurzsichtigkeit geprägt, so dass sie allenfalls einem Kindergarten zur Ehre gereichen würden. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg bedauerte der spanische Philosoph und Soziologe José Ortega y Gasset, die Eliten Europas würden keine verantwortliche Führungsrolle mehr übernehmen. Sie benutzten die Massen bloß, um in populistischer Manier an die Macht zu gelangen und diese zu verteidigen.

In der Einführung zu dem (Hör)buch Vom Menschen als utopischem Wesen beschreibt Eberhard Straub den Philosophen als 'Realo', als einen Europäer mit einer realistischen Vision: "Europa blieb für ihn der Mittelpunkt der Welt und als Vorbild für diese unentbehrlich, wollte sie zu einer sittlichen Größe, zu einer freien Welt werden. Ortegas Enthusiasmus setzte allerdings eines voraus: Dass die Europäer sich von allen Illusionen, Fiktionen und Utopien lösten, die ihre Lebenskraft schwächten und sie gegeneinander aufbrachten und in Kriege trieben. Das hieß für ihn, dass die Europäer zum Lebensernst zurückfinden müssten, zu Disziplin und hohen Ansprüchen an sich selbst. Nicht um sich nach eigener Laune selbst zu verwirklichen, sondern um zur Freiheit innerhalb einer Ordnung zu gelangen, die notwendig wäre, um den Einzelnen in friedlicher Verbindung mit den anderen zu halten. Denn von Natur aus sei der Mensch gerade kein geselliges Wesen. Gesellig werde der Einzelne erst durch das Zusammenleben. Seiner radikalen Einsamkeit, der Grundbedingung seines Daseins, werde er sich bewusst im Zusammenstoß mit den anderen. Dadurch gelange er zu einem Selbstbewusstsein, entdecke sein Eigentum, dass er gegen die selbstbewussten Energien der anderen verteidigen müsse, um seine Freiheit zu behaupten".

 

Die Globalisierung ist unser Schicksal

Der große Zampano unter den europäischen Ländern ist auf den forcierten globalen Wettbewerb keineswegs gut vorbereitet. Das sagt jedenfalls der Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau. In seinem 2006 erschienenen Buch 'Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft' kritisierte der Kolumnist der 'Financial Times' in diesem Zusammenhang das deutsche Bankensystem als staatsnah und vorsintflutlich. Zu rund 75 Prozent bestünde es aus Sparkassen, Volksbanken, anderen Genossenschaftsbanken und staatlichen Landesbanken, die nicht nach kommerziellen, sondern nach politischen Regeln handelten. Auf Seite 95 schreibt Münchau: "Wie bei den Atomgegnern der Strom aus der Steckdose kam, so kam beim Mittelstand das Geld von der Bank, oft nicht einmal einer Privatbank, sondern von einer lokalen Sparkasse, in deren Vorstand der Mittelständler oft selbst saß, zusammen mit dem örtlichen Bürgermeister. So hatte alles seine Ordnung. Politik, Finanzen, Gewerkschaftler und Mittelständler sind dicht vernetzt". Die Folge dieser lokalen Seilschaften sei, dass die meisten Banken genau wie die von ihnen betreuten Unternehmen viel zu geringe Eigenkapitalquoten, sprich zu hohe Schulden verzeichnen. Auch die Gewinne seien im internationalen Vergleich mickrig, sowohl bei den Banken als auch beim Gros der mittelständischen Wirtschaft: "Unsere Sparkassen sind hocherfreut darüber, daß die Rentabilität im Mittelstand mittlerweile bei 4,1 Prozent liegt. Um uns herum tobt ein globaler Kapitalmarkt, der Ressourcen dahin schickt, wo sie am meisten Rendite versprechen".

Nun zeigt sich deutlicher denn je, dass sich die Deutschen mit der Vernichtung von sechs Millionen Juden nicht zuletzt selbst eine tiefe Wunde zufügten, an der sie immer noch zu schaffen haben. Denn Münchaus plausible Erklärung für unser rückständiges Finanzwesen ist die "Abwesenheit einer jüdischen Bankkultur nach dem Holocaust". In der Ständegesellschaft des Mittelalters und der Neuzeit war den Juden die Tätigkeit als Bauer oder Handwerker meist versagt worden, weswegen sich viele von ihnen auf das Geldgeschäft konzentrierten. In modernen Finanzmärkten sind aus diesen Gründen die Juden traditionell stark vertreten. In Deutschland jedoch wurden die jüdischen Banker nach ihrer Enteignung, Vertreibung bzw. Ermordung durch arische, antikapitalistische Bankbeamte ersetzt: "Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte ein Land, das nach dem Mord an seiner jüdischen Bevölkerung über keine Banken- und Finanzmarkttradition mehr verfügte, aus dem Nichts ein eigenes Banksystem aufzubauen. Hierbei handelte es sich nicht um einen gewachsenen Markt, sondern um ein System mit dem Ziel, seine Kunden regelrecht mit Geld zu versorgen" (Seite 123). Zentrale Thesen seines Buches (das auch als Hörbuch vorliegt) hatte Münchau in einem Beitrag in der Welt vom 05.03.06 veröffentlicht:

"Viele Kommentatoren gerade in der deutschen Presse behaupten immer wieder, die Stetigkeit des Mittelstandes sei eine Stärke der deutschen Wirtschaft. Sie erlaube langfristige Strategien. In Wirklichkeit ist es eine eklatante Strukturschwäche, ich würde argumentieren, sogar noch eine größere Strukturschwäche als der Kündigungsschutz oder der Flächentarifvertrag. Die Beziehungen zwischen Mittelstand, Gewerkschaften, Politik und Finanzinstitutionen hat planwirtschaftliche Züge. Hier wird am Kapitalmarkt vorbeigeplant. Hier wird Wirtschaft geordnet. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer derartigen Struktur sind immens. Hier fließt das Kapital nicht zu den effizientesten Unternehmen, sondern zu den politisch am besten vernetzten Unternehmen. Die Umsatzrentabilität im Mittelstand - die Gewinne als Teil des Umsatzes - lag im Jahre 2001 bei schlappen 4,1 Prozent. Wir reden hier von einem Durchschnitt bei 3,3 Millionen Firmen. Derartig miserable Leistungen könnten sich börsennotierte Unternehmen überhaupt nicht leisten. Aber lokale Politiker haben kein Interesse an einem volkswirtschaftlich optimalen Kapitalmarkt. Sie interessiert lediglich, ob der Mittelständler im Ort für Beschäftigung sorgt. (...) Diese Art von Beziehungen erinnert stark an die Beziehungen zwischen dem US-Militär und einigen Verteidigungsunternehmen" (Seite 96 f).

Hier spielt Münchau auf den militärisch-industriellen Komplex an, vor dem US-Präsident Dwight D. Eisenhower bereits am 17. Januar 1961 in seiner Abschiedsrede warnte. Diese Verflechtung ist typisch für die Soziale Marktwirtschaft, sie wird mitunter auch als 'Deutschland AG' bezeichnet oder im Ausland als 'Rheinischer Kapitalismus'. Symptomatisch sind großspurige Ankündigungen wie 'Pakt für Forschung und Innovation' oder die berühmten 'Bündnisse für Arbeit', die in Krisenzeiten immer mal wieder ausgerufen werden, um dem Wähler Tatendrang vorzugaukeln. Doch wenn sich große Organisationen und Verbände an einem 'runden Tisch' zusammen setzen, dann hat das mehr mit Zentralverwaltungswirtschaft gemein als mit Marktwirtschaft, denn auf diese Weise werden Wissenschaft und Industrie "am Markt vorbei koordiniert". Münchau auf Seite 99: "Der wesentlich Unterschied zu einer freien Marktordnung liegt in der Bedeutung der Eigentumsrechte. In der Deutschland AG entscheiden nicht die Eigentümer, sondern eine große Koalition aus Eigentümern, Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden. Im System einer freien Marktwirtschaft sind die Eigentümer autonom".

Eigentlich ist bekannt, dass eine Volkswirtschaft ohne Respekt vor dem Eigentum nicht funktioniert. Doch wir bevormunden die Investoren und verlangen von ihnen Sonderopfer, zum Beispiel dass bei der paritätischen Mitbestimmung die Hälfte der Aufsichtsräte einer Aktiengesellschaft mit Gewerkschaftsvertretern besetzt sein muss. Das geht so lange gut, bis die Investoren das Weite suchen und ihr Geld woanders investieren. "Das Kapital ist ein scheues Reh", wusste schon Karl Marx, und im Zeitalter der Globalisierung gilt dies umso mehr! Ohnehin finden bei uns fast nur etablierte Firmen ihre Kapitalgeber, denn Venture Capital für Startup-Unternehmen steht in Deutschland nur selten zur Verfügung, ganz im Gegensatz zu den USA. Das liegt nach Meinung Münchaus daran, dass der Gesetzgeber feindliche Übernahmen so gut wie unmöglich gemacht hat. Damit wird den Risiko-Kapitalgebern aber eine Exit-Route zur Veräußerung ihrer Investition verbaut, weswegen sie hierzulande meist von vornherein die Finger von Unternehmensgründungen lassen (Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft; Seite 101). Durch solche Einschränkungen der wirtschaftlichen Freiheit werde "unsere Gesellschaft insgesamt risikoscheuer", schreibt der Financial-Times-Redakteur.

Bestes Beispiel für das Geklüngel zwischen Politik, Gewerkschaften, staatsnahen Banken, monopolverdächtigen Energieversorgern und dem Mittelstand ist die Solarmodulbranche, in der es seit der Finanzkrise unzählige Firmenzusammenbrüche gegeben hat. Und dies vor allem, weil die Chinesen gleichwertige Solarstrommodule zu weit geringeren Kosten anbieten. Ein ähnliches Schicksal könnte der Windkraftbranche drohen. Mittlerweile ist nämlich klar, dass der rasante Aufstieg dieser beiden Industriezweige nichts anderes als eine Blase ist, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aufgepumpt wurde. Seit 2004 werden alternativen Stromproduzenten Einspeisevergütungen weit über dem Marktpreis garantiert, die von allen Stromkunden zu bezahlen sind. Man kann im Zusammenhang mit der Energiewende und den (ebenso planlosen wie sinnlosen) Bemühungen, den Kohlendioxydausstoß zu verringern, von einem ökologisch-industriellen Komplex sprechen. Nicht nur mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe profitieren von der staatlichen Planwirtschaft im Bereich Umwelt und Energie, sondern auch Heerscharen von staatlich gesponserten Experten, Forschern und Jetset-Aktivisten diverser Umweltverbände und Nichtregierungsorganisationen.

Die Idee des Wohlfahrtsstaats ist mit einem kollektiven Irrsinn zu vergleichen, an dem mittlerweile die Mehrheit unserer Gesellschaft leidet. Durch den Spuk wurden auch die Maßstäbe verrückt, denn die wenigen übriggebliebenen Normalen nehmen sich aus der Sicht der Verrückten jetzt wie Irrsinnige aus. Wer noch an der freien Marktwirtschaft festhält, gilt heutzutage als marktradikaler Spinner. Vergessen oder ideologisch zugekleistert wird dabei, dass gerade durch den freien Wettbewerb Europa und Nordamerika seit der Industriellen Revolution eine weltbeherrschende Stellung erlangen konnten. Gruppendruck und Massenpsychologie sorgen indessen dafür, dass der Anteil der Verrückten zusehends größer wird. Immer mehr Normale laufen zu ihnen über, weiß sie es satt haben, ausgegrenzt zu werden und sich permanent für ihre Ansichten rechtfertigen zu müssen. Die Kirchen haben vor dem Götzendienst der Staatsgläubigkeit kapituliert - immer weniger Menschen bekennen sich dazu, Christus nachzufolgen. Und wer auf Ehe, Familie und Verwandtschaft als dezentral organisierte Sozialverbände setzt, anstatt auf die Leistungen und die Rechtsansprüche des Sozialstaats, der wird als ewig Gestriger belächelt und totgeschwiegen.

Das Problem ist aber: Mit Verrückten ist auf Dauer kein Staat zu machen, auch wenn irgendwann niemand mehr aus der Reihe tanzt. Die Sache wird daher nicht so gut ausgehen wie im Märchen. Der Staatsapparat und die Sozialsysteme werden unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen. Die Menschen fallen dann aus allen Wolken, um unsanft auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Es wäre uns zu wünschen, dass sich die enttäuschten Staatsgläubigen in dieser Situation schnell auf die freie Marktwirtschaft in Kombination mit der bürgerlichen Familie umbesinnen, weil der Staat Mangels Masse nichts mehr hat, was er verteilen kann.

Ich befürchte jedoch, dass aus Verrückten so schnell keine Normalos werden. Es besteht die Gefahr, dass sie die Schuld wie eh und je dem Kapitalismus, den Unternehmern, den Amerikanern, den Christen, den Juden anlasten, und dass sie sich das, worauf sie ihrer Meinung nach einen Anspruch haben, mit Gewalt nehmen. Es wird heftige Verteilungskämpfe geben, die sich womöglich zu einem regelrechten Bürgerkrieg ausweiten. Und erst wenn mit den Dörfern, Städten und Industriegebieten auch alle Wolkenkuckucksheime zerstört sind, werden die Leute wieder zur Vernunft kommen. Dann bleibt ihnen aber auch nichts anderes übrig, als die eigene Arbeitskraft zu reellen Marktpreisen anzubieten, auf Gott und die eigene Initiative zu vertrauen und sich von Ehegatten, von Eltern, Kindern, Geschwistern und anderen Familienmitgliedern helfen zu lassen. Dann gibt es auch keine Pfründe und Privilegien mehr, die zu finanzieren man die Untertanen mit Hilfe der Staatsmacht zwingt, wie es zum Beispiel bei den GEZ-Gebühren (seit 2013 'Beitragsservice') oder bei der Pflichtkrankenversicherung für Selbstständige der Fall ist.

So entspricht es im Übrigen auch der christlichen Ethik. Jesus sagte einmal: "Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele" (Matthäus 20, Verse 25 bis 28). Mit anderen Worten: Wir sollen nicht überhöhte Ansprüche stellen und mit Hilfe des Beamtenapparates das nötige Geld anderen abknöpfen. Wenn uns der Staat innere und äußere Sicherheit und Rechtssicherheit garantiert, sollte uns das im Großen und Ganzen genügen. Vielmehr sollen wir arbeiten, in der Arbeit unseren Mitmenschen dienen, und damit so viel Geld verdienen, wie man uns freiwillig gibt, und nicht wie es ein Tarifvertrag oder ein Gesetz vorschreibt. Das verstehe ich wie der Reformator Martin Luther unter der Freiheit eines Christenmenschen.

Mächte wie China und Indien schicken sich an, den Westen zu überflügeln - wirtschaftlich, technologisch und demographisch (Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht). Sollten wir uns nicht bald auf das Wesentliche besinnen, werden sie in diesem Jahrhundert gemeinsam mit den USA die Welt unter sich aufteilen (siehe Peter Sloterdijk in 3sat über sein Buch: Du mußt dein Leben ändern). Der Spiegel widmete Anfang 2011 dem rasanten Aufstieg Chinas erneut ein Titelthema und schrieb, das Reich der Mitte werde nach verschiedenen Prognosen die USA als bisherige Nummer eins 2019 bis 2027 wirtschaftlich einholen. Laut Goldman Sachs wird China die USA 2030 in Sachen Bruttoinlandsprodukt weit übertreffen und Deutschland wird vom vierten auf den siebten Platz fallen. PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge wird die Volksrepublik 2050 mit Abstand die größte Wirtschaftsmacht der Welt sein, gefolgt von den USA und Indien (Welt online 13.01.2011). Dazu passt die Meldung, dass Mitsubishi die Produktion von Autos in Europa 2013 einstellen will (Welt vom 06.02.2012). Der japanische Autobauer will sich stärker auf Wachstumsmärkte wie Russland und China konzentrieren.

Unterdessen brauchen sich chinesische Unternehmen das nötige Know-how nicht mehr illegal mittels Spionage oder halbseiden mit Hilfe von Joint-Ventures zu besorgen. Sie gehen jetzt ganz legal auf Einkaufstour in Europa und sind in der Krise auch hochwillkommen, konnte man am 1. Dezember 2012 in der Welt lesen. "Vor allem die Maschinen- und Automobilbauer, genauer die Zulieferer in diesen Branchen, haben die Chinesen dabei im Visier", heißt es in dem ausführlichen Bericht mit dem Titel: 'Chinesen übernehmen reihenweise deutsche Firmen'. Aus dem Artikel geht hervor, dass China nach der Eroberung vieler seiner Betriebe durch westliche Konzerne gerade dabei ist, den Spieß umzudrehen: "2012 werden Unternehmen und andere Investoren aus der Volksrepublik erstmals mehr Geld in Europa investieren als umgekehrt. Elf Milliarden Euro chinesische Investitionen auf dem alten Kontinent stehen sieben Milliarden Euro in China gegenüber. Und Deutschland ist für die Konzerne und Investoren aus Fernost die erste Adresse, nirgendwo in Europa legen die Chinesen mehr Geld an - Tendenz stark steigend. Die Liste namhafter deutscher Firmen mit chinesischen Eigentümern ist bereits ansehnlich. Der Aldi-Techniklieferant Medion, der Solarzellen-Hersteller Sunways oder der baden-württembergische Betonpumpenhersteller Putzmeister haben inzwischen chinesische Eigentümer oder Teilhaber. Dazu kommen Saar Gummi, ein Hersteller von Karosseriedichtungen, der Betonpumpenhersteller Schwing, das Solarunternehmen Solibro oder Sellner, ein Produzent von Auto-Zierteilen". Wir leben von der Substanz, und auch die wird bald verscherbelt sein.

Die österreichische Tageszeitung 'Der Standard' beschäftigte sich am 27. April 2011 mit dem technologischen Niedergang Europas am Beispiel des finnischen Telekommunikationsriesen Nokia: "Im Februar erklärte Nokia, von seinem Thronanspruch als führender Handyhersteller zurückzutreten und künftig Microsoft-Handys zusammenzubauen - so wie viele Konkurrenten auch. Gestern dann die Ankündigung, 7000 Mitarbeiter abzubauen. … Die Ära, in der Nokia den guten Handyton angab, ist vorbei. So wie Microsofts einflussreichste Tage vorbei sind … Aber wo in den USA andere Player übernehmen, wie Apple und Google bei Handys, verliert Europa mit dem Downgrading von Nokia seinen letzten globalen digitalen Konzern von Bedeutung. Softwarekonzern SAP wird immer deutlicher von Oracle distanziert, Siemens gab PCs, Handys und Netzwerke längst auf, die Liste ist lang. Europa ist oft erfindungsstark - das Web ist eine europäische Entwicklung, wie auch Skype -, aber umsetzungsschwach. Eine Start-up-Kultur und das nötige Risikokapital dazu sind dringend erforderlich, um nicht auf den Technologien des 19. und 20. Jahrhunderts sitzenzubleiben". In Sachen Computertechnik und Telekommunikation spielt Europa also nur noch eine untergeordnete Rolle. Doch selbst die USA haben Probleme, mit Chinas Dynamik mitzuhalten. Auf dem schrumpfenden Weltmarkt für Personal-Computer steht der chinesische Anbieter Lenovo (ehemals IBM) seit Sommer 2013 an der Spitze, vor HP, Dell und Apple (Handelsblatt vom 11. Juli 2013: Lenovo schlägt Hewlett-Packard).

Auch wenn Globalisierung und freie Marktwirtschaft fast überall Anpassungsprobleme mit sich bringen, sind sie doch Ausdruck einer kulturellen Weiterentwicklung. Früher mobilisierten Nationen Heere um Kolonien zu erobern, heute mobilisieren sie die Wirtschaft um Marktanteile zu erobern. Wenn das kein Fortschritt ist! Die Globalisierung nützt den Menschen in vielen Ländern der Dritten Welt, denn sie läuft auf eine weltweite Arbeitsteilung heraus, von der alle profitieren. Auch Deutschland und die anderen früh industrialisierten Staaten können von dieser Entwicklung mehr Nutzen als Schaden erwarten, aber nur dann, wenn der Arbeitsmarkt flexibler wird, die Löhne vor allem bei den niedrig Qualifizierten sinken und die Arbeitszeiten wieder angehoben werden. Ansonsten wird sich der Abbau von Arbeitsplätzen bei uns fortsetzen.

Wenn unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften frei von staatlicher Gängelung miteinander Handel treiben, dann führt das ökonomische Gesetz des Faktorpreisausgleichs im Laufe vieler Jahrzehnte zu einer Annäherung der Löhne. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", diese Forderung der Gewerkschaft bleibt nicht auf die bislang privilegierten alten Industriegesellschaften begrenzt, sie wird global. Wenn unsere Gesellschaft, der Sozialstaat und die Gewerkschaften weiterhin gegen die damit verbundenen Lohneinbußen zu Felde ziehen, dann ziehen die Investoren das Kapital in noch stärkerem Maße von Deutschland und anderen Staaten Westeuropas ab, um es zum Beispiel in den Ländern Osteuropas zu investieren. Dann droht eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit, die auch durch noch so schöne Erfolge bei der Exportindustrie nicht wettgemacht werden kann.

Die Globalisierung folgt den von Gott gegebenen Gesetzten der Marktwirtschaft. Diese können wir mit Hilfe des Sozialstaats abfedern, um hier und da enstehende Härten zu mildern. Der Gedanke, wir könnten die Globalisierung verhindern oder nach unseren Verstellungen gestalten, kann jedoch nur als Ausdruck der alten Arroganz des erfolgverwöhnten Westens gewertet werden. Die Zeiten des Kolonialismus sind vorbei und die aufstrebenden Staaten in Osteuropa und Asien werden nicht bereit sein, sich die gleichen überhöhten Löhne, Sozialleistungen und Lohnzusatzkosten aufbürden zu lassen.

Die Globalisierungsgegner aus allen politischen Lagern würden mit den Schwellenländern aber am liebsten so verfahren, wie es Westdeutschland nach Wiedervereinigung mit Ostdeutschland gehalten hat. Den ahnungslosen Ostbürgern wurde nicht etwa der Kapitalismus verordnet, sondern der Wohlfahrtsstaat mitsamt seinen Tariflöhnen und seinen überhöhten Sozialansprüchen. Wolfgang Münchau von der Financial Times bezeichnete 2006 (ähnlich wie Hans-Werner Sinn) die Wirtschaftspolitik nach der Wiedervereinigung als "ökonomische Katastrophe", durch die Ostdeutschland in "ein wirtschaftliches und soziales Mezzogiorno" wie in Süditalien verwandelt, nein verwunschen wurde: "Eine der wichtigsten ökonomischen Beziehungen ist die zwischen den Löhnen und der Produktivität. Man kann Lohnniveaus nicht unabhängig von der Produktivität betrachten. Genau das war der kapitale Fehler, den die Bundesregierung im Jahre 1990 machte, als sie den Wechselkurs zwischen West- und Ostmark auf eins zu eins festlegte und im gleichen Zug dort die westdeutsche Soziale Marktwirtschaft ebenfalls eins zu eins einführte, samt den Flächentarifverträgen" (Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft; Seite 136).

Durch die Ausschaltung marktwirtschaftlicher Mechanismen gelang es Aposteln der 'sozialen Gerechtigkeit' im Verbund mit den westdeutschen Gewerkschaften und Unternehmen, Ostdeutschland kalt zu stellen und sich der ansonsten drohenden Niedriglohnkonkurrenz etwa aus Sachsen zu entledigen. Münchau fährt fort: "Die westdeutschen Gewerkschaften haben sich aus ihrer Sichtweise völlig rational verhalten. Ihnen ging es darum, ihre westliche Klientel vor östlichen Billigarbeitern zu schützen, und sie forderten daher den Ost-West-Lohnausgleich binnen weniger Jahre, und zwar unabhängig von der Produktivität. Damit haben sie den Osten effektiv als Konkurrenzfaktor ausgeschaltet und ihre westdeutsche Klientel beschützt" (siehe auch Kapitel: Ostdeutschland auf dem Abstellgleis).

Obwohl der wirtschaftliche Niedergang Europas nicht mehr zu verleugnen ist, machen sich unsere Eliten noch immer vor, dass wir der Globalisierung Herr werden können, indem wir den Schwellenländern in Asien und Südamerika ebenfalls den Umverteilungsstaat als Klotz ans Bein hängen. Das wird nicht gelingen, denn die Menschen in China, Indien, Russland, Brasilien und all die anderen 'Emporkömmlinge' hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit ohne Adjektiv, nach Aufstieg, nach Wohlstand und nach wirtschaftlicher und technologischer Vorherrschaft. Und sie werden satt werden (Bergpredigt Jesu Matthäus 5,6). Wenn unsere Kinder und Enkel (falls überhaupt vorhanden) dann einmal als Niedriglohnarbeiter für chinesische Unternehmen tätig sind und die verlängerte Werkbank indischer Konzerne bilden, werden sie ihre Vorfahren verfluchen, die im 20. Jahrhundert anfingen, die gute alte Gerechtigkeit notirisch mit dem Beiwort 'sozial' einzuschränken und zu verunstalten.

Es war eine Schande, dass sich die Euro-Staaten unter anderem durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) retten ließen, der bislang nur für Entwicklungs- und Schwellenländer zuständig war. Noch schlimmer ist, dass die Europäer im Frühjahr 2012 eine Aufstockung der Krisenmittel des IWF forderten, an der sich auch die Entwicklungsländer beteiligen sollten. Doch die stellten sich quer. Zurecht! Von den Brasilianern zum Beispiel heißt es in einem Welt-Artikel vom 16.04.12, "dass sie wenig Lust haben, den Europäern finanziell unter die Arme zu greifen". Und die Inder hätten klargemacht, "dass sie überhaupt keinen Grund dafür sähen, warum ein im Vergleich zu Europa armes Land wie Indien den reichsten Staaten der Welt finanziell zur Hilfe kommen sollte". Jörg Asmussen von der Europäischen Zentralbank (EZB) findet hingegen, dass die Euro-Länder schon genug für die Rettung der europäischen Währung getan hätten: "Europa hat seinen Teil geleistet". Nun seien die anderen in der Pflicht.

Da ist er wieder, der Eurozentrismus, dieser Wurmfortsatz aus dem Zeitalter des Kolonialzeitalters, als die Spanier, die Portugiesen, die Briten, Franzosen, Belgier, Holländer und die Deutschen die Welt noch fest im Griff hatten. Die traditionelle Arroganz der Europäer entbehrt jedoch spätestens seit der Euro-Krise der Grundlage. Dass sich Indien und Brasilien dagegen wehren, die Wohlstandsgesellschaften Europas durchzufüttern, ist eines von vielen Anzeichen für die Epochenwende, welche der Sozialforscher Meinhard Miegel 2005 in seinem gleichnamigen Buch beschrieb: Nord- und Südamerika, Indien, Japan, China, und die Tigerstaaten sowie Australien und Neuseeland lassen das altersstarre Europa zunehmend links liegen. Um die Machtverschiebung besser zu sehen, ist es nützlich einen Globus in die Hand zu nehmen: Auch wenn er fast die halbe Weltkugel umfasst: Im Pazifik, im pazifischen Raum spielt die Musik! Der Europäischen Union bleiben für eine strategische Allianz überwiegend nur noch größere Loser: Russland und die ehemaligen Ostblockstaaten, die islamischen Länder sowie Zentral- und Südafrika. Mit denen können wir dann eine Nord-Süd-Achse der Antikapitalisten, also der sozialromantischen und moslemischen Moralapostel bilden.

Die Welt entwickelt sich zum Global Village, zum globalen Dorf, und wenn wir weise sind, dann nehmen wir die Herausforderungen an und nutzen die damit verbundenen Chancen. Wir müssen lernen, uns die Gesetze des Kapitalismus zunutze zu machen, anstatt gegen das Unvermeidliche aufzubegehren und unsere Kräfte in einem sinnlosen Kampf zu verschleißen. Die Klugheit gebietet uns, dass wir uns der Globalisierung stellen, denn entziehen können wir uns ihr nicht. Und selbst wenn wir könnten, und uns nicht selbst damit schaden würden, hätten wir nicht das Recht uns mit einer protektionistischen Wirtschaftspolitik der Aufhohljagd der ansonsten von bitterer Armut und Hunger bedrohten Menschen in den Schwellenländern und Ländern der Dritten Welt entgegenzustemmen! Es lebe die internationale Solidarität!

 

Volksabstimmung über eine neue Verfassung für Deutschland

Wir sollten über eine neue Verfassung in Deutschland abstimmen lassen, die nach dem Vorbild der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika reformiert wird: Starke Stellung des Regierungschefs (Präsident), Einführung von Vorwahlen wie in den USA. Die Macht der Länderkammer wird beschränkt: Im Rahmen einer grundlegenden Reform des Föderalismus wird das Veto- und Mitspracherecht der Bundesländer bzw. des Bundesrates eingeschränkt. Wenn die gewählten Volksvertreter im Bundestag ein Gesetz verabschieden, darf das Veto des Bundesrates nur aufschiebende Wirkung haben. Der Bundespräsident, die Ministerpräsidenten der Länder, die Bundesverfassungsrichter und die Präsidenten der Rechnungshöfe werden direkt vom Volk gewählt, um Parteibuchwirtschaft und Ämterpatronage entgegenzuwirken und die Macht der Parteien einzuschränken. Die Zahl der Ämter, welche die Parteien zu vergeben haben, wird auf das absolut notwendige Maß begrenzt, denn es ist Zeit diese Überbleibsel aus dem Feudalismus (Lehensvergabe und Vasallentreue) zu überwinden. Das Sozialstaatsgebot in Artikel 20 ("Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat") muss wieder richtig interpretiert werden. Der Sozialstaat soll nicht nur nachhaltig finanzierbar bleiben, er soll sich auch aus prinzipiellen Gründen auf Hilfe zur Selbsthilfe beschränken. Den Bürgern soll die Verantwortung für sich sowie für ihre Angehörigen und Mitmenschen nicht genommen werden. Zu einem sinnerfüllten Leben gehört neben Vergnügen, Genuss und Konsum auch die Arbeit, die Herausforderung, die Selbstüberwindung, der Stolz auf die eigene Leistung und die Gewissheit, gebraucht zu werden.

Im Sinne der Gewaltenteilung dürfen wie in den USA und in England Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes prinzipiell nicht für die Parlamente in Bund, Ländern und Kommunen kandidieren. Ausnahmen sind möglich, doch mit der Forderung verbunden, dass der Staatsdiener nicht nur beurlaubt sondern aus dem Staatsdienst entlassen wird und kein Recht hat, wieder aufgenommen zu werden.

Weitere Reformvorschläge finden Sie unter www.neoliberal-egal.de; familiensoziologische Betrachtungen unter www.derdressiertemann.de. Siehe auch www.neoliberal-egal.de/ziviler-ungehorsam.htm

 

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Links zu ähnlichen Initiativen und Parteien

Die Freiheit - Partei für mehr Freiheit und Demokratie

Bürger in Wut - bürgerlich-konservative Wählervereinigung

Partei der Vernunft - für Freiheit und Bürgerrechte

Liberaler Aufbruch - für eine klassisch-liberale FDP

Deutsche Konservative Partei

Partei gesunder Menschenverstand Deutschland

Alternative für Deutschland (AfD)

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Literatur und Filme

 

Weitere Buch- und Film-Empfehlungen

 

"Sei ohne Furcht im Angesicht deiner Feinde. Sei tapfer und aufrecht, auf dass Gott dich lieben möge. Sprich stets die Wahrheit, auch wenn dies den eigenen Tod bedeutet. Beschütze die Wehrlosen, tue kein Unrecht. Verteidige den König. Ist der König tot, beschütze das Volk!" (Der Ritterschwur in Ridley Scotts Kreuzritterfilm Königreich der Himmel).

 

Heal the world (Michael Jackson)

Spoken:
Think about the generations and say: we want to make it a better place for our children and our children's children. So that they know it's a better world for them, and think they can make it a better place.

Heal the world, make it a better place
for you and for me and the entire human race.
There are people dying.
If you care enough for the living
make a better place for you and for me.

If you want to know why there's a love that cannot lie:
Love is strong, it only cares for joyful giving.
If we try we shall see: in this bliss we cannot feel fear or dread.
We stop existing and start living.

And the dream we were conceived in, will reveal a joyful face;
and the world we once believed in, will shine again in grace.
Then why do we keep strangling life, wound this earth, crucify it's soul
though it's plain to see, this world is heavenly, be God's glow.

We could fly so high, let our spirits never die.
In my heart I feel you are all my brothers.
Create a world with no fear, togheter we cry happy tears.
See the nations turn their swords into plowshares.

Heal the world we live in, save it for the children.

Michael Jackson 1991: Dangerous

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Mein erstes Buch ist auf dem Markt

Thomas Rettig: Karriereleiter oder Hamsterrad? Manifest für eine bürgerliche Revolution - Wider den Wohlfahrtsstaat; Norderstedt 2013   Das Buch, an dem ich lange gearbeitet habe, ist da. Nachdem ich das Manuskript ohne Erfolg an 14 Verlage verschickt hatte, gab ich es mit 'Books on Demand' (www.bod.de) heraus: "Karriereleiter oder Hamsterrad? Manifest für eine bürgerliche Revolution - Wider den Wohlfahrtsstaat". Es ist ein großes, weißes Taschenbuch mit 336 Seiten geworden, mit zwei Zentimetern aber weniger dick als befürchtet. Mein Buch kann im Buchhandel oder online bestellt werden - auch als E-Book. Bei Amazon kann man kostenlos reinlesen, indem man sich eine Leseprobe auf den eBook-Reader schicken bzw. laden lässt. Damit sie die Katze nicht im Sack kaufen müssen, können Interessierte bei Amazon auch einen Blick in die Print-Ausgabe werfen ('Blick ins Buch') - das

Inhaltsverzeichnis fungiert dabei als Navigationsleiste. Sogar nach Stichwörtern kann es durchsucht werden.

Das Manifest enthält einige der wichtigsten Kapitel meiner Domains neoliberal-egal.de, liberalkonservative.de und derdressiertemann.de, wobei die Überschriften die gleichen sind, nicht aber die Reihenfolge. Das Foto auf dem Buchdeckel entstammt dem sehenswerten Film 'Luther' aus dem Jahr 2003 mit Joseph Fiennes als Martin Luther. Die Schrift ist nicht zuletzt in der Diskussion mit meinen Facebook-Freunden (und -Feinden) entstanden, denn ich pflege seit Sommer 2010 neue Abschnitte in dem sozialen Netzwerk zu veröffentlichen. Dabei dienen meine Diskussionsbeiträge nicht selten umgekehrt auch als Grundlage für Ergänzungen und Änderungen in den drei Manifesten. Außerdem zitiere ich des Öfteren Statements einzelner Facebook-Freunde. Meine Stammleser vermissen vielleicht einige Kapitel, die sich zum Beispiel mit dem christlichen Wertesystem und mit dem Koran auseinandersetzen. Ich plane sie zur Grundlage für mein zweites Buch zu machen.

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Über den Autor

1961 geboren, studierte ich nach Abitur und Zivildienst in München Volkswirtschaftslehre, BWL sowie Soziologie mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Familiensoziologie. Nach dem Abschluss als Diplomsoziologe 1991 absolvierte ich ein Zeitungsvolontariat und war bis Anfang 1995 Redakteur beim Evangeliums-Rundfunk in Wetzlar. Nach einer Phase von Suchbewegungen machte ich mich selbstständig. Seit 1997 bin ich Internet-Unternehmer, ich betreibe ein Portal für Suchmaschinen-Marketing (www.ka-links.de). Von September 2013 bis September 2014 arbeite ich zusätzlich bei McDonalds (am 4. Dez. 2014 erschien mein Erfahrungsbericht über diese Zeit: Ein Jahr McDonald's: Die etwas andere Wallraffiade).

2002 hatte ich angefangen, unter www.derdressiertemann.de Gedanken und Tagebucheinträge zu veröffentlichen, seit 2006 auch unter www.neoliberal-egal.de. Neben den Blogger-Aktivitäten bin ich seit Sommer 2010 regelmäßig in Facebook zugange. Zur gleichen Zeit stellte ich mit www.liberalkonservative.de eine weitere politische Plattform ins Netz. Seit November 2010 veranstalte ich einmal im Monat eine 'Tea-Party' in meiner Wohnung. Einladungen erhalten z.B. meine Facebook-Freunde. Im Mai 2013 erschien mein erstes Buch: 'Karriereleiter oder Hamsterrad? Manifest für eine bürgerliche Revolution - Wider den Wohlfahrtsstaat'.

Meine politische Einstellung ist wirtschaftsliberal und wertkonservativ. Ich bin Islamkritiker, Eurokritiker, Klimaskeptiker, gläubiger Christ und ein Verfechter der bürgerlichen Familie, die vom übertriebenen Sozialstaat entlastet und damit geschwächt wird. Man kann mich als libertär-konservativ bezeichnen. Dabei trete ich für eine gewaltfreie bürgerliche Revolution ein und schrecke auch vor Aktionen des zivilen Ungehorsams nicht zurück. Von 1997 bis 2005 war ich CDU-Mitglied. Von Mai 2011 bis Februar 2012 war ich in der Partei 'Die Freiheit', von Mai 2012 bis Januar 2013 in der 'Partei der Vernunft'. Seit 22. April 2013 bin ich Mitglied der 'Alternative für Deutschland'. Von Februar bis Dezember 2015 war ich Leiter der Demonstrationen von Pegida Karlsruhe (Kargida) und Widerstand Karlsruhe (Stellungnahme zu meinem Rücktritt/Rauswurf). Nach der Spaltung war ich der Leiter bei drei Demonstrationen von Pegida Karlsruhe (Februar, Oktober und November 2016) - siehe mein Bericht zu unserer Demo am 25.11.16 in Karlsruhe: Auf zum fröhlichen Jagen!

Zur Gemeinderatswahl in Karlsruhe am 25. Mai 2014 trat ich für die AfD als Stadtratskandidat an (Liste 11, Platz 11). Leider haben die 6.577 Stimmen, die ich bekam, nicht für einen Einzug in den Gemeinderat gereicht (siehe amtliches Endergebnis). Die AfD erzielte 5,6 Prozent, so dass die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen gewählt wurden. Immerhin konnte ich mich vom 11. auf den 10. Platz vorarbeiten. Wäre cool gewesen, wenn ich tatsächlich Karlsruher Stadtrat geworden wäre. Als Kommunalpolitiker würde ich mich für einen Schuldenabbau und einen Rückbau des Wohlfahrtsstaats einsetzen. Damit wird die Eigeninitiative gefördert, und die dezentralen Solidarsysteme wie Ehe und Familie und Verwandtschaft werden wieder mehr in die Pflicht genommen und auf diese Weise gestärkt.

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Artikel bzw. Blog-Beiträge von mir

'Ziviler Ungehorsam: Von einem, der aufhörte, seine Versicherung zu bezahlen' (Blaue Narzisse vom 27. Februar 2012 - Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Himmel und Hölle (Blaue Narzisse vom 10. Januar 2013 - Teil 1, Teil 2)

Dem Papalagi zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern (freiewelt.net vom 21.03.2013)

Kollektive Jagd auf einen vermeintlichen Kinderschänder (cuncti.net vom 17. April 2013).

Die Käseglocke des Geldsozialismus - Hunderte Steuermilliarden zur Sanierung südländischer Banken und ihrer Investoren (Citizen Times vom 18. Juni 2013)

Der Verlust jüdischer Bankkultur - über Wolfgang Münchaus Buch: "Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft" (Citizen Times vom 25. Juli 2013)

Führerschein Klasse 3 (alt) - (freiewelt.net vom 06. August 2013)

Von Kuckuckskindern, Scheinvätern und gehörnten Ehemännern (cuncti.net vom 13.08.13)

Frauenherrschaft und die freie Liebe (Blaue Narzisse vom 30.09.13 - Teil 1, Teil 2)

Der Wohlfahrtsstaat ist unser Untergang - Nietzsche: Es ist nicht dein Los, Fliegenwedel zu sein (Citizen Times vom 15. Februar 2014)

Geschlechterrollen und Frauenpolitik: Staat, halt dich heraus! (Junge Freiheit Nr. 10/14 vom 28. Februar 2014)

Thilo Sarrazin schlägt zurück - mit einem neuen Buch über den Tugendterror (freiewelt.net vom 21. März 2014)

Ein Jahr McDonald’s: Die etwas andere Wallraffiade (journalistenwatch.com 4. Dez. 2014)

Verlustgeschäft Masseneinwanderung (Blaue Narzisse vom 2. Februar 2015)

Wir haben keinen Grund uns über die USA zu beklagen (freitum.de 9. März 2016)

Männer des Westens: Wehrt euch gegen Sklaverei und Massenmigration! (freiewelt.net vom 17.08.2016)

Schule in Baden-Württemberg: Innerhalb von nur wenigen Jahren wurde ein erfolgreiches Bildungssystem in seinen Grundfesten erschüttert (freiewelt.net vom 17.11.2016)

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Martin Luther: In dieser Zeit ist nicht Vorsicht geboten, sondern Kühnheit.zuletzt geändert am 2. Dezember 2016

 

 

Liberalkonservative Partei Neoliberal? Egal! Der dressierte Mann